Das siebente Siegel (Originaltitel: Det sjunde inseglet) ist ein schwedischer Schwarzweißfilm von Ingmar Bergman aus dem Jahr 1957. Das im Spätmittelalter, zur Zeit der Schwarzen Pest angesiedelte Mysterienspiel erzählt von dem Ritter Antonius Block, der vom Kreuzzug heimkehrt und mit seinem Glauben ringt. Er trifft auf den Tod, der ihm das Ende seiner Lebensspanne eröffnet. Doch der Ritter erwirkt einen Aufschub: Solange der Tod ihn nicht im Schachspiel geschlagen hat, darf er weiterleben.

Das Filmdrama, ausgezeichnet unter anderem auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, war nach Das Lächeln einer Sommernacht (1955) Bergmans zweiter großer künstlerischer und kommerzieller Erfolg und machte den Regisseur international bekannt.

Handlung Der Ritter Antonius Block kehrt vom Kreuzzug aus dem Heiligen Land zurück und findet seine Heimat von der Pest verwüstet vor. Der Tod erscheint ihm bei Sonnenaufgang mit der Mitteilung, dass seine Zeit gekommen sei. Block schlägt dem Tod eine Partie Schach vor, in der die Entscheidung über sein Leben fallen soll. Solange die Partie nicht entschieden ist, wird ihm Aufschub gewährt, gewinnt er, soll er verschont werden. Block will die Zeit nutzen, um einen Sinn in seinem Dasein zu finden und ein Zeichen für die Existenz Gottes zu erhalten. Sein Knappe Jöns, ein eher pragmatischer Charakter, hat für seine Umwelt meist nur Spott übrig, der auch vor seinem Herrn nicht Halt macht.

Block setzt die Reise zu seinem Gut fort, auf dem, wie er hofft, seine Frau auf ihn wartet, die er seit Jahren nicht gesehen hat. In einer Kapelle beichtet er einem Priester, dem er von seinem Schachspiel mit dem Tod und seiner Spielstrategie erzählt. Der Priester entpuppt sich als der Tod, der mit Block ein Wiedersehen verabredet, um die Partie fortzusetzen. Beim Auffrischen der Vorräte in einem verlassenen Dorf rettet Jöns ein Mädchen vor dem Plünderer Raval. Jöns erkennt in Raval den fanatischen Priesteranwärter, der Block einst zum Kreuzzug überredete. Jöns warnt ihn, dass er ihn beim nächsten Aufeinandertreffen im Gesicht „zeichnen“ werde. Weil Jöns behauptet, eine „Haushälterin“ zu brauchen, schließt sich das Mädchen Block und ihm an.

Auf ihrer Reise treffen sie unter anderem auf eine Prozession von Flagellanten, den Schmied Plog und seine kokettierende Frau Lisa, dann eine junge Frau, die der Hexerei angeklagt ist und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden soll,Im Drehbuch trägt sie den Namen Tyan, im Film wird ihr Name nicht genannt. Vgl. Ingmar Bergman: Das siebente Siegel, Reihe Cinematek 7 – Ausgewählte Filmtexte, Marion von Schröder Verlag, Hamburg 1963. sowie eine Schauspielertruppe, bestehend aus Jof, Mia, ihrem Sohn Mikael und Skat, die inmitten von Pest und Aberglauben ihre Lebensfreude bewahrt hat. Jof hat regelmäßig religiöse Visionen, aber niemand schenkt seinen Erzählungen Glauben. In einem Wirtshaus hetzt Raval die Menge gegen Jof auf. Als Jöns hinzukommt, bringt er Raval, wie angedroht, mit seinem Messer eine Wunde im Gesicht bei.

Plog, Lisa und die Schauspieler reisen mit dem Ritter weiter, um unter seinem Schutz einen großen Wald zu durchqueren. Der Tod holt zuerst Skat und die wegen angeblicher Hexerei verurteilte junge Frau zu sich, dann wird die Gruppe Zeuge, wie Raval qualvoll an der Pest stirbt. Während einer Rast erscheint der Tod abermals und fordert Block auf, die Schachpartie fortzusetzen. Block befragt den Tod über den Sinn der Dinge, wobei sich herausstellt, dass der Tod die Gründe seiner eigenen Existenz und seines Handelns selbst nicht kennt. Jof, der das Spiel heimlich beobachtet, bekommt Angst und stiehlt sich mit seiner Familie davon. Block bemerkt ihr Weggehen und lenkt seinen Gegenspieler ab, indem er scheinbar aus Versehen die Figuren umstößt. Der Tod stellt die Figuren wieder auf ihre vorigen Positionen und setzt den Ritter Schachmatt. Er kündigt an, Block und seine Begleiter beim nächsten Erscheinen mit sich zu nehmen.

Die Reisenden erreichen Blocks Burg, wo seine Frau Karin ihn und seine Begleiter empfängt. Während sie essen, erscheint der Tod, um sein Versprechen einzulösen. Die Anwesenden reagieren unterschiedlich: Block betet verzweifelt, Jöns protestiert, das Mädchen aus dem Dorf fügt sich mit den Worten „Es ist vollbracht!“Im schwedischen Original; in der deutschen Synchronfassung lauten ihre Worte „Ich bin bereit“. Vgl. u. a. die zweisprachige DVD von Kinowelt/Arthaus. lächelnd seinem Schicksal.

Bei Tagesanbruch sieht Jof, wie eine Prozession den Horizont entlangwandert. Der Tod geht voran und zieht die zum Sterben Verurteilten gleich einem Totentanz hinter sich her. Als er Mia erzählt, was er sieht, macht sie sich über seine blühende Fantasie lustig. Die Familie zieht mit ihrem Wagen weiter.

Hintergrund mini|180px|Wandmalerei von Albertus Pictor in der Kirche von Täby, Schweden (15. Jhdt.).

Entwicklung des Drehbuchs Ingmar Bergmans ursprünglicher Anreiz, Das siebente Siegel zu drehen, ging nach eigener Aussage auf die Vagantenlieder in Carl Orffs Komposition Carmina Burana zurück: „Menschen, die durch den Untergang der Zivilisation und Kultur zogen und neue Lieder gebärten, das war ein verlockender Stoff für mich.“ – Als weitere Inspirationsquellen machten Rezensenten Albrecht Dürers Kupferstich Ritter, Tod und Teufel (1513) und August Strindbergs Drama Folkungersage (1899) aus. Ebenso wurden Parallelen zwischen Motiven des Films wie dem Schach spielenden oder den Baum fällenden Tod und den Gemälden von Albertus Pictor, den Bergman sogar persönlich auftreten lässt, gezogen.Christian Kiening, Heinrich Adolf (Hrsg.): Mittelalter im Film, De Gruyter, Berlin 2006, ISBN 978-3-11-018315-3, S. 262.Frank Gado: The Passion of Ingmar Bergman, Duke University Press, Durham (North Carolina) 1986, ISBN 978-0-8223-0586-6, S. 199–200. Die Idee, vom Tod Aufschub zu erwirken, indem man ihn zu einem Spiel herausfordert, taucht zuvor schon bei dem oberbayerischen Mundartdichter Franz von Kobell in seiner Erzählung Der Brandner Kaspar auf, aber es gibt keine Hinweise, dass Bergman diese Erzählung bekannt war, obwohl sie bereits lange zu einem erfolgreichen Theaterstück adaptiert worden war, als Bergman seinen Film drehte.

Bergman verfasste das Drehbuch nach seinem 1953–1954 geschriebenen einaktigen Theaterstück Trämålning (deutsch: „Holzmalerei“). Dieses war aus einem aus einer Serie längerer Monologe bestehenden Übungsstück für Schauspielschüler am Malmöer Stadttheater hervorgegangen. Bergman nahm einschneidende Änderungen an dem Stoff vor, in dem der Knappe Jöns die Haupt- und der Ritter eine kleinere Rolle spielten, und führte neue Figuren wie den Tod und Jof und Mia (kurz für Josef und Maria) ein. Das im Juni 1956 fertiggestellte Drehbuch widmete Bergman seiner damaligen Partnerin Bibi Andersson, die ihn ermuntert hatte, das Komödienfach, das er unter anderem in Das Lächeln einer Sommernacht und Lektion in Liebe erprobt hatte, hinter sich zu lassen.Ingmar Bergman: Das siebente Siegel, Reihe Cinematek 7 – Ausgewählte Filmtexte, Marion von Schröder Verlag, Hamburg 1963, S. 9.

Der Regisseur bekannte später in einem Interview, dass er den Film als gelungen, aber „theatralisch“ empfinde, was dem Umstand einer zugrunde liegenden Bühnenvorlage geschuldet sei. Auch sei er, im Gegensatz zu Einen Sommer lang (1951), rein „mit dem Verstand“ gemacht worden. Dem widerspricht jedoch die Aussage, seine Absicht sei gewesen, „wie ein mittelalterlicher Kirchenmaler zu malen, mit demselben objektiven Interesse, mit derselben Zärtlichkeit und Freude“.„My intention has been to paint in the same way as the medieval church painter, with the same objective interest, with the same tenderness and joy“ – Birgitta Steene, Focus on the Seventh Seal, Englewood Cliffs, New Jersey, Prentice-Hall, 1972, S. 70–71, zitiert nach Egil Törnqvist: Bergman and Visual Art. In: Ingmar-Bergman-Stiftung, (englisch), aufgerufen am 11. Februar 2018.

Produktion Carl Anders Dymling, Leiter der Filmproduktionsgesellschaft Svensk Filmindustri, hatte den Stoff zunächst abgelehnt. Nach dem Erfolg von Das Lächeln einer Sommernacht auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes erklärte sich Dymling jedoch bereit, Bergmans neues Projekt zu produzieren. Zu seinen Bedingungen zählten Bergmans Bereitschaft, mit einem kleinen Budget zu arbeiten,Melvyn Bragg gibt das Budget mit 700.000–800.000 Schwedischen Kronen an. – Melvyn Bragg: The Seventh Seal (Det sjunde inseglet), BFI Film Classics, British Film Institute, London 1993, ISBN 0-85170-391-7, S. 49. und eine Beschränkung auf 35 Drehtage.Stig Björkman, Torsten Manns, Jonas Sima: Bergman über Bergman, Fischer, Frankfurt 1987, ISBN 3-596-24478-1, S. 136–141. mini|hochkant|Ingmar Bergman mit Darsteller Bengt Ekerot Die Dreharbeiten unter dem Arbeitstitel „Riddaren och döden“ (deutsch „Der Ritter und der Tod“) fanden vom 2. Juli bis 24. August 1956 in Hovs hallar in der südschwedischen Provinz Schonen und in den Råsunda Film Studios in Filmstaden, Solna, statt. In Hovs hallar wurden einige wenige Außenaufnahmen wie der Prolog am Meeresufer und der spontan mit Mitgliedern der Filmcrew entstandene Totentanz gedreht, die Mehrzahl der Aufnahmen entstand auf dem Studiogelände. Bergman bemerkte später nicht ohne Stolz, dass es ihm gelungen war, „diese große und komplizierte Dreharbeit in so kurzer Zeit und so billig durchzuführen“. So zogen der künstlich erzeugte Bach im Wald und der Scheiterhaufen wegen technischer Pannen die umliegenden Gebäude durch Überflutung und Rauch in Mitleidenschaft. Das siebente Siegel war auch der erste Bergman-Film, in dem Max von Sydow mitwirkte, der bereits Mitglied in Bergmans Theaterensemble in Malmö war. Gunnar Björnstrand wiederholte seine Rolle des Jöns aus früheren Theateraufführungen.Ingmar Bergman: Bilder, Kiepenheuer und Witsch, Köln 1991, ISBN 3-462-02133-8, S. 205–214.Hauke Lange-Fuchs: Ingmar Bergman: Seine Filme – sein Leben, Heyne, München 1988, ISBN 3-453-02622-5, S. 121–127.The Seventh Seal. In: Ingmar-Bergman-Stiftung, (englisch), aufgerufen am 13. Februar 2018.

Filmtitel Das titelgebende „siebente Siegel“ stammt aus der Offenbarung des Johannes, die das Jüngste Gericht thematisiert: „Und als das Lamm das siebente Siegel brach, entstand im Himmel eine Stille, die erst nach einer halben Stunde endete. Und die sieben Engel, die die sieben Posaunen hatten, machten sich bereit, in ihre Posaunen zu stoßen.“Wortlaut der deutschen Synchronfassung. Vgl. u. a. die zweisprachige DVD von Kinowelt/Arthaus. Diese wird im Prolog zitiert (im fertigen Film, das Drehbuch enthält das Eingangszitat noch nicht) und im Finale von Blocks Frau Karin verlesen, kurz bevor der Tod in Blocks Burg erscheint.

Veröffentlichung und deutsche Fassung Das siebente Siegel wurde am 16. Februar 1957 in Schweden uraufgeführt.Das siebente Siegel in der Datenbank des Schwedischen Filminstituts, aufgerufen am 13. Februar 2018. Trotz der „verheerenden“ (Bergman) Premiere vor einem feindseligen Publikum anlässlich einer Galaveranstaltung entwickelte sich der Film schnell zu einem internationalen Erfolg. Wie bereits Das Lächeln einer Sommernacht erhielt auch Das siebente Siegel einen Sonderpreis auf den Filmfestspielen in Cannes. In Frankreich startete der Film am 11. Dezember 1957, in den USA am 13. Oktober 1958.Das siebente Siegel in der Internet Movie Database. In der BRD lief Das siebente Siegel erst am 14. Februar 1962 in den Kinos an, obwohl der Film bereits am 24. August 1957 auf den Nordischen Filmtagen Lübeck gezeigt worden war. In der DDR startete der Film am 10. August 1971.Ingmar Bergman. Essays, Daten, Dokumente, Bertz und Fischer 2011, ISBN 978-3-86505-208-7.

Das siebente Siegel ist international auf DVD erhältlich, in der BRD bei Kinowelt/Arthaus. Auf dem amerikanischen und europäischen Markt wurde der Film auch auf Blu-ray Disc veröffentlicht.

Synchronisation