Das Schneiderlein und die drei Hunde ist ein Märchen (ATU 300). Es steht in Johann Wilhelm Wolfs Deutsche Hausmärchen an zweiter Stelle. Paul Zaunert übernahm es im ersten Band von Deutsche Märchen seit Grimm 1912 an Stelle 90.

Inhalt Einem Schneider laufen unterwegs drei Hunde zu. Er lässt sie ihm nachlaufen, obwohl er nichts zum Füttern hat. Sie lassen ihn bei einer Wirtin das beste Essen bestellen, essen wie Menschen mit und tragen ihm sein Felleisen, Hut und Elle nach, als er ohne zu zahlen geht. In einem Waldschloss lassen sie sich von ihm an Riesen verkaufen, geben ihm aber auch eine Salbe, ein Stöckchen und ein Horn. Die Riesen nehmen die Hunde und wollen den Schneider fressen. Er lässt sie erst Gericht sitzen, bestreicht die Stühle mit der Salbe, so können sie nicht aufstehen, und haut sie mit dem Stöckchen tot. Der Riesenkönig will ihn töten, er ruft mit dem Horn die Hunde, die ihn retten. Er muss noch die Hunde enthaupten, da sind der König, seine zwei Töchter und das Schloss erlöst.

Herkunft Der Titel Das Schneiderlein und die drei Hunde ist bei Wolf mit einem Sternchen (*) versehen, was laut seiner Vorrede anzeigt, dass Wilhelm von Ploennies den Text ausarbeitete.Johann Wilhelm Wolf: Deutsche Hausmärchen. Contumax, Berlin 2017, ISBN 978-3-7437-2179-1, S. 8. Held des demnach wohl Odenwälder Märchens ist ein wandernder Schneider, passend ausgestattet, ein Felleisen ist ein Rucksack. Gesottenes und Gebratenes genießt schon der Schneiderssohn in Grimms Tischchen deck dich. Elfriede Moser-Rath bemerkt, dass Riesen oft für den Drachen stehen, die Hilfe der Hunde und das Festbannen für Märchen vom Drachentöter typisch sind (ATU 300).Paul Zaunert, Elfriede Moser-Rath: Deutsche Märchen seit Grimm. Diederichs, Düsseldorf / Köln 1964, S. 350. Vgl. Bechsteins Die drei Hunde, flüchtiger die Ähnlichkeit zu Der Wandergeselle. Erlösung durch Enthaupten ist laut Heinz Rölleke ein alter Zug.Heinz Rölleke, Albert Schindehütte: Es war einmal … . Die wahren Märchen der Brüder Grimm und wer sie ihnen erzählte. Eichborn, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-8218-6247-7, S. 258. Marie-Louise von Franz nennt das Märchen hierzu neben Dat Könirik vun Mornstêrn (Wilhelm Wissers Plattdeutsche Volksmärchen, Band 1, 1922), Die drei Hunde und Das Märchen von den beiden Hündchen (Harri Meiers Spanische Märchen Nr. 27, Nr. 66).Marie-Louise von Franz: Symbolik des Märchens. Versuch eine Deutung. Unter Mitarbeit von Hedwig von Beit. Revidierte Neuauflage. Buch 2 von Band I. Verlag Stiftung für Jung’sche Psychologie, Küsnacht 2016, ISBN 978-3-908116-78-3, S. 224, 248. Sehr ähnlich ist Wolfs Der graue Wackenstein. Böse Riesen hat auch Der Kaiserssohn und sein Pathe.

Literatur Johann Wilhelm Wolf: Deutsche Hausmärchen. Contumax, Berlin 2017, ISBN 978-3-7437-2179-1, S. 13–17. Paul Zaunert: Deutsche Märchen seit Grimm. Diederichs, Jena 1919, S. 351–355 (= Die Märchen der Weltliteratur Nr. 5). Paul Zaunert, Elfriede Moser-Rath: Deutsche Märchen seit Grimm. Diederichs, Düsseldorf / Köln 1964, S. 222–226, 350.

Weblinks

Gutenberg-DE: Wolfs Das Schneiderlein und die drei Hunde Das Schneiderlein und die drei Hunde gelesen (11:29) (LibriVox)

Einzelnachweise

Kategorie:Wolfs Märchen Kategorie:Märchen Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch)