mini|Hermann Maurer (um 1910 von Louise Damköhler) Hermann Franz Wilhelm Maurer (30. Juli 1861 in Berlin – 25. Februar 1933, ebenda) war Verwaltungsangestellter der ersten Stunde der deutschen Sozialversicherung, Förderer und Freund des Märkischen Provinzial-Museums in Berlin, langjähriger Mitwirkender der Pflegschaft des Museums, 1892 Mitbegründer der Gesellschaft für Heimatkunde „Brandenburgia“ sowie Geschichts- und Heimatforscher.

Leben Kindheit und Jugend Hermann Maurer kam als einziges Kind Franz Theodor Maurers (16. April 1831 – 27. Januar 1872) und seiner Gattin Emilie Marie Ernestine (geb. Götting; 1830–1904) zur Welt. Der Vater war aus Dedeleben (heute in Sachsen-Anhalt) zugewandert, wo der Großvater als kurbrandenburgischer Zollbeamter an der Grenze zum Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel diente. Die Mutter stammte aus Friedrichshagen bei Berlin (seit 1920 zu Berlin). Hermann Maurer verlebte seine frühen Kinderjahre in der Rosenthaler Vorstadt und in Gesundbrunnen. Im Jahre 1868 zog Marie Maurer mit Sohn Hermann nach Friedrichshagen zu Verwandten, weil sein Vater eine Reise durch das Vilâyet Bosnien des Osmanischen Reiches unternahm, wozu er in seinem Buch Eine Reise durch Bosnien, die Saveländer und UngarnFranz Theodor Joseph Maurer, Eine Reise durch Bosnien, die Saveländer und Ungarn (Berlin: Heymann, 1870) eine literarische Reisebeschreibung lieferte.Ulf Heinsohn, Hermann Maurer – Freund und Förderer des Märkischen Museums (Berlin: Aufsatz im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin, 2008; Stand 18. März 2008).

Nach dem frühen Tode seines Vaters am 27. Januar 1872 in Charlottenburg lebte Hermann Maurer mit seiner Mutter in sehr einfachen Verhältnissen. Eine institutionelle soziale Absicherung für Hinterbliebene unselbstständig Beschäftigter bestand damals ja nicht. Ernst Friedel, ein Freund des Vaters und in jenen Jahren Kreisrichter in Cöpenick, übernahm für den erst zehnjährigen Hermann Maurer, der weiter im nahen Friedrichshagen wohnte, die Vormundschaft.

Über seine Schulzeit wusste Hermann Maurer nichts Gutes zu berichten, die autoritären Erziehungsmethoden in den Schulen lehnte er ab, insbesondere die Gewalt der Lehrer gegen Schüler.Brief von Wachhilde Maurer (verh. Matzke), Blankenburg am Harz, an Elsbeth Damköhler (verh. Maurer), Bansin, 17. Januar 1948. Von seinem Vater Franz hatte Hermann Maurer einen Satz Bleisoldaten bekommen, den er 1892 dem Märkischen Museum stiftete.

Am 1. Februar 1873 trat Friedel sein Amt als besoldeter Stadtrat im Magistrat von Berlin an und nahm seinen Wohnsitz wieder in Berlin und zwar in der Dorotheenstraße 62. Im Jahre 1897 schied er als Stadtrat aus dem Amt. Hermann Maurer und seine Mutter lebten ab 1875 ebenfalls wieder in Berlin und zwar im späteren Friedrichshain, Koppenstraße 35 (damals Stralauer Vorstadt). Die Mutter verdiente beider Lebensunterhalt als Wäscherin und Plätterin. Hermann Maurer hegte in diesen Jahren den Wunsch, in die USA auszuwandern oder als Seemann die Welt zu bereisen. Hermann Maurer und seine Mutter wohnten in den mietgünstigen östlichen und südöstlichen Vierteln und Vororten Berlins. Ihre Armut brachte es mit sich, dass sie häufig umzogen. Bis zu ihrem Tode lebte auch seine Großmutter Sophie Maurer (geb. Henseler; 1799–1879) in einem mietgünstigen Vorort im Norden Berlins in der Coloniestraße.

Ehrenamt

Schon früh begeisterte Hermann Maurer sich für die Ideen seines Vormundes Friedel. Dieser gründete in einer Zeit der durchgreifenden Modernisierung Berlins, der durch Zuzug neuer Einwohner verloren gehenden Traditionen, der Kommerzialisierung der Innenstadt durch Abriss und Neubau höher rentierender Immobilien, 1874 das Märkische Museum, um Artefakte und Kenntnisse der Kultur und Geschichte der Mark Brandenburg einschließlich Berlins zu bewahren.

Marie Götting erscheint 1880 als Schenkerin in den Inventarlisten des Märkischen Museums, später erwähnen sie wiederholt Hermann Maurer selbst als Schenker. Seit 1875 organisierte Friedel so genannte WandersammlungenSatzungen der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, §18 (Satz 6), vgl. in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. Bd. 1 (1892/1893), Nr. 1 (April 1892), S. 3–11. von Mitgliedern der Pflegschaft zu Erkundungen lokaler Traditionen und Sicherungen gefundener Artefakte in der Mark Brandenburg für das Märkische Museum, an denen Maurer seit den 1880er Jahren als ehrenamtlicher Pfleger des Märkischen Museums regelmäßig teilnahm. Friedel gab diesem Personenkreis 1886 durch die Pflegschaft des Märkischen Provinzial-Museums einen organisatorischen Rahmen.Heinz Seyer, „Das «Königsgrab» von Seddin – Entdeckungsgeschichte und museale Darstellung“ (1999), in: Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg, Heft 9 ‹Das «Königsgrab» von Seddin in der Prignitz› (2003), S. 1–5, hier S. 1. Maurer trat dem förmlichen Verein jedoch erst im Vereinsjahr 1895/1896 bei.

Maurer initiierte aber auch selbst Pflegschaftsfahrten nach eigenen Ideen – wie diejenige mit Friedel, Franz Tismar (1851–1924), Gustav Albrecht, Robert Mielke (1863–1935) und Buchhändler Carl Künne (1898 gest.) am 30. September 1894 nach Fürstenberg in Mecklenburg und Lychen und am 21. Juni 1893 zum Müggelsee bei Friedrichshagen, den er aus seiner Kindheit kannte.

Von vielen weiteren Erkundungen als ehrenamtlicher Pfleger des Märkischen Museums künden Hermann Maurers häufige Spenden frühgeschichtlicher Artefakte ans Museum. Z. B. im Berichtszeitraum 1892/1893 stiftete er dem Märkischen Museum Feuersteingeräte, die er in den Wehlocker Bergen bei Schmöckwitz und Wernsdorf bei Berlin gefunden hatte, vorgeschichtliche Funde aus der Nuthe-Gegend bei Drewitz, die er mit den Pflegern Hermann Busse (1846–1920) und Ernst Schenk entdeckt hatte, sowie eine Bestattungsurne mit Deckelschale und Leichenbrand, die er mit den Pflegern Schenk und Abel in Münchehofe (Kr. Niederbarnim) ausgrub. Gemeinsam mit Schenk schenkte Maurer 1893/1894 wendische und vorwendische Fundstücke vom Kietz bei Spandau und von einer ehemaligen Wohnstätte bei Pichelsdorf.

Im Jahre 1887 erhielt Hermann Maurer mit 16 weiteren im höheren Grade ums Märkische Museum Verdienten das Anerkennungsdiplom des Museums.Vgl. Verwaltungsbericht des Märkischen Provinzial-Museums 1887/1888. S. 125. Friedel führte sein Mündel Hermann Maurer 1888 als neues Mitglied in den Verein für die Geschichte Berlins ein, dessen Vorsitz Friedel selbst führte. 1892 trat Maurer zusammen mit Friedel wieder aus. Mit Anstellung als Secretair bei der Bismarckschen Sozialversicherung zog Hermann Maurer mit seiner Mutter wieder vom Vorort Neu-Britz, Bürgerstraße 19, nach Berlin Alt-Moabit 115, und dann 1897 ins Haus Nr. 15 gegenüber. Ernst Friedel wohnte seit 1884 in der nur wenige 100 Meter entfernten Paulstraße 4.

mini|Märkisches Provinzial-Mu­se­um: Anerkennungszeichen in Silber «Für wiederholte Ver­diens­te um das Museum Herrn Secr.[etair Hermann] Maurer Ber­lin 1892» ohne die abge­bro­chene Metallschlaufe zum Anhängen Am 17. Januar 1892 beteiligte sich Hermann Maurer an der Vorbereitung der Gründung der „Brandenburgia“ – Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, die Ernst Friedel aus Enttäuschung über die Entwicklung, die der Verein für die Geschichte Berlins genommen hatte,Ernst Friedel, Entstehung und Ziele der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg, Vortrag gehalten am 6. April 1892, in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, Bd. 1 (1892/1893), Nr. 1 (April 1892), S. 12–15. mit zehn Mitstreitern initiierte.Die Initianten der Gründung waren Bankier Leo Alfieri, Emil Bahrfeldt, Rudolph Buchholz (Kustos des Märkischen Museums), Carl Euler, Ernst Friedel, Major Emil von Maltitz, Hermann Maurer, Magistratssekretär Ferdinand Meyer, Bankier Wilhelm Ritter, Reg.-Rat Paul Schubart und Eduard Zache. Vgl. „Zusammensetzung der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, April 1892“, in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, Bd. 1 (1892/1893), Nr. 1 (April 1892), S. 12–15.

In der Zeitschrift der Gesellschaft, «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, veröffentlichte Hermann Maurer einige kleinere Artikel und Rezensionen. Dabei nahm er oft Bezug auf Funde oder Denkwürdigkeiten, die er an seinen früheren Wohnorten entdeckt hatte – wie in Neu-Britz (Hermann Maurer, „Eine wendische Kräuterfrau“Vgl. in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. Bd. 5 (1896/1897), Nr. 7 (Oktober 1896), S. 275seq.), in Friedrichshagen oder bei seinem Cousin 2. Grades Fritz Henseler in Lychen (Vgl. Hermann Maurer, „Ein alter Volksbrauch aus Lychen“Vgl. in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. Bd. 8 (1899/1900), Nr. 1 (April 1899), S. 11seq. und „Eine Insel als Wetterprophet“Vgl. in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. Bd. 7 (1898/1899), Nr. 3 (Juni 1898), S. 103.)

mini|Anerkennungszeichen in Sil­ber mit den Wappen der Mark, Berlins und Preußens wie der Inschrift «Märkisches Provin­zi­al-Museum Berlin» ohne die ab­gebrochene Metallschlaufe zum Anhängen Im Jahre 1892 schenkte Maurer dem Museum einen Historisch-genealogischen Kalender von 1806. Das Märkische Museum wiederum zeichnete Hermann Maurer 1892 als einen von 47 mit dem silbernen Anerkennungszeichen für wiederholte Verdienste aus, angefertigt in der Werkstatt des Hofjuweliers Paul Telge.Vgl. Verwaltungsbericht des Märkischen Provinzialmuseums 1892/1893. S. 16. Als jüngerer ehrenamtlicher Pfleger fiel es Maurer zu, sich mit neuen Medien – wie der Photographie – vertraut zu machen, so dass er ab 1897 mit der Kamera-Ausrüstung des Märkischen Museums zahlreiche Pflegschaftsfahrten dokumentierte.Vgl. «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, Bd. 6 (1897/1898), Heft 9 (Dezember 1897), S. 280. Maurer schrieb auch Berichte zu Pflegschaftsfahrten wie 1893 über die Erforschung des Burgwalls in Blankenburg bei Berlin.Vgl. Hermann Maurer, „Burgwall Blankenburg bei Berlin“, in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. Bd. 3 (1894/1895), Heft 9 (Dezember 1894), S. 234seq.

Friedel und Maurer pflegten über all die Jahre ein enges Verhältnis. Sie verreisten auch privat zusammen wie über Pfingsten 20. bis 22. Mai 1899 nach Neuruppin. In den öffentlichen Auseinandersetzungen gegen Friedel wegen des Zerwürfnisses mit dem Verein für die Geschichte Berlins, die lange nachwirkten, wie bei anderen Enttäuschungen, standen drei Personen fest an seiner Seite, Maurer, Mielke und Otto Monke.Albert Kiekebusch, “Gedenkfeier für Ernst Friedel am 10. März 1928”, in: «Brandenburgia» – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde in der Mark Brandenburg – Berlin, Bd. 27 (1928), Nr. 3 und 4 (März/April 1928), S. 63seq., hier S. 64. Maurer schätzte auch Friedels Verwandte von Seiten seiner Frau Marie (geb. Schenk). Gemeinsam mit ihrem Verwandten Ernst Schenk,Ernst Schenk war zuletzt Studienrat in Cüstrin und ist 1927 gestorben. schenkte Maurer 1894/1895 dem Märkischen Museum vermutlich spätgermanische Urnenscherben aus Dahlwitz.