25px|verweis=Regenbogentrikot Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2026 Veranstalter Union Cycliste Internationale Sportart Straßenradsport Gastgeber Datum 20.–27. September 2026 Wettbewerbe 13 Offizielle Website montreal2026.org ← Kigali 2025 Sallanches 2027 →

Die Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2026 fanden vom 20. bis 27. September in der kanadischen Stadt Montréal statt, das nach 1974 zum zweiten Mal Austragungsort war. Dabei wurden 13 Entscheidungen ausgefahren. Für die Qualifikation galten die üblichen Kriterien.

Vorgeschichte

mini|Alle Rennen enden auf der Avenue du Parc unterhalb des Mont Royal

2021 stellte Montréal seine Bewerbung für die Weltmeisterschaften 2026 vor. Die Initiative ging von der Gesellschaft Événements GPCQM aus, mit Unterstützung der Radsportverbände Québecs und Kanadas sowie der örtlichen, provinziellen und nationalen Verwaltungen. GPCQM organisiert mit dem Grand Prix Cycliste de Montréal und dem Grand Prix Cycliste de Québec jedes Jahr zwei Rennen der UCI WorldTour. Bereits das ursprüngliche Konzept sah vor, die Weltmeisterschaften auf dem Parcours des Grand Prix abzuhalten. Auf seinem Kongress 2022 vergab der Radsport-Weltverband UCI die Ausrichtung dann an Montréal. Der Kurs der Elite-Straßenrennen wurde anlässlich des Grand Prix de Montréal 2025 bekanntgegeben, die übrigen Details zwei Wochen später anlässlich der Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2025. Eine Woche vor Beginn der Weltmeisterschaften wurde der Grand Prix de Montréal auf dem WM-Kurs abgehalten, es gewann Isaac Del Toro vor Paul Seixas und Brandon McNulty.

Die Stadt Montréal selbst investierte 3,9 Mio. Dollar in die Veranstaltung und die Begleitprogramme. Die Provinz Québec steuerte 7 Mio. bei, die kanadische Regierung insgesamt 13 Mio. Die Gewerkschaft der städtischen Arbeiter Montréals, die sich in Tarifverhandlungen mit der Stadt befand, kündigte für die Zeit der Weltmeisterschaften einen Streik an.

Es waren 1175 Fahrer aus 100 Ländern gemeldet.

Kurs

mini|Einige Wettbewerbsstrecken führen über den „Pont de la Concorde“

Sämtliche Rennen endeten auf der Avenue du Parc zu Füßen des Mont Royal, wo die Einzelzeitfahren und die Mixed-Staffel auch begannen. Die Einzelzeitfahren der Elite, bei denen Männer und Frauen die gleiche Strecke zurücklegten, verliefen eine Zeitlang am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms. Von der Île des Sœurs aus überquerten sie den Strom auf der Estacade du Pont Champlain, bevor sie auf einem Damm zwischen dem Strom und dem Sankt-Lorenz-Seeweg die Île Notre-Dame erreichten, wo eine Runde auf dem Circuit Gilles-Villeneuve zurückgelegt wurde. Via Île Sainte-Hélène und Pont de la Concorde ging es zurück ins das Stadtzentrum. Die Strecken der jüngeren Altersklassen kürzten verschiedene Details ab. In der Mixed-Staffel fuhren Männer wie Frauen jeweils eine Runde des Parcours der Junioren bzw. Frauen U23.

Herzstück der Straßenrennen war der 13,4 km lange Rundkurs, der im Wesentlichen dem des Grand Prix entsprach. Wichtigste Steigung war die Voie Camillien-Houde auf das Plateau des Mont Royal (1,8 km mit 8 %), hinzu kamen der Chemin de Polytechnique auf dem Gelände der Universität mit Spitzen um 11 %, die Avenue Pagnuelo sowie die sacht ansteigende Avenue du Parc, wo sich das Ziel befand. Die einzige Änderung gegenüber dem Grand Prix betraf den Zielanlauf, wo aus logistischen Gründen nicht auf der Avenue du Parc gewendet wurde; das Ziel wurde vielmehr über einen Umweg durch die Rue Saint-Urbain erreicht. Die Rennen der Elite begannen in Brossard und durchquerten zunächst auf weitgehend flachem Parcours die Region Montérégie, bevor sie den Rundkurs via Pont Samuel-De Champlain erreichten. Die Straßenrennen der jüngeren Altersklassen beschränkten sich auf den Rundkurs.

Zeitplan

Streckenlängen und Höhenmeter basieren auf Angaben der Veranstalter.

Datum Zeit (MESZ) Wettbewerb Distanz Strecke Höhenmeter Sonntag, 20. September 15:00 Einzelzeitfahren Frauen Elite 39,9 km Estacade du Pont Champlain, Circuit Gilles-Villeneuve, Pont de la Concorde 195 m Sonntag, 20. September 18:45 Einzelzeitfahren Männer Elite 39,9 km Estacade du Pont Champlain, Circuit Gilles-Villeneuve, Pont de la Concorde 195 m Montag, 21. September 15:00 Einzelzeitfahren Frauen U23 20,2 km Pont de la Concorde hin und zurück 131 m Montag, 21. September 18:00 Einzelzeitfahren Männer U23 32,1 km Estacade du Pont Champlain, Pont de la Concorde 175 m Dienstag, 22. September 14:30 Mixed-Team-Staffel 40,4 km Pont de la Concorde hin und zurück 262 m Dienstag, 22. September 18:15 Einzelzeitfahren Junioren 20,2 km Pont de la Concorde hin und zurück 131 m Dienstag, 22. September 21:15 Einzelzeitfahren Juniorinnen 11,0 km ohne Flussquerung 89 m Donnerstag, 24. September 15:00 Straßenrennen Frauen U23 134,0 km 10 Runden 2650 m Donnerstag, 24. September 19:30 Straßenrennen Junioren 134,0 km 10 Runden 2650 m Freitag, 25. September 15:00 Straßenrennen Männer U23 174,2 km 13 Runden 3445 m Freitag, 25. September 20:15 Straßenrennen Juniorinnen 80,4 km 6 Runden 1590 m Sonnabend, 26. September 15:00 Straßenrennen Frauen Elite 180,0 km Anfahrt + 8 Runden 2502 m Sonntag, 27. September 15:00 Straßenrennen Männer Elite 273,2 km Anfahrt + 12 Runden 3720 m

Die Zeiten sind in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) angegeben. Der Zeitunterschied zu Montréal (EDT) betrug + 6 Stunden.

Resultate

Frauen Elite

Einzelzeitfahren

Platz Name Land Zeit 1 Marlen Reusser 50:24 min 2 Zoe Bäckstedt + 0:40 min 3 Franziska Koch + 0:45 min 4 Elisa Longo Borghini + 0:50 min 5 Cédrine Kerbaol + 1:10 min 6 Lotte Kopecky + 1:47 min 7 Antonia Niedermaier + 1:49 min 8 Demi Vollering + 1:49 min 9 Dominika Włodarczyk + 1:59 min 10 Vittoria Guazzini + 2:05 min

Die U23-Weltmeisterin des Vorjahres, Zoe Bäckstedt, startete in der Elite, obwohl sie noch in der U23 startberechtigt gewesen wäre. Sie lag an den ersten beiden Zwischenzeiten vorn. Titelverteidigerin Marlen Reusser ging das Rennen etwas gemäßigter an, hatte aber in der zweiten Hälfte deutlich mehr Reserven, überholte die vor ihr gestartete Mitfavoritin Demi Vollering und gewann um 40 Sekunden vor Bäckstedt. Dritte wurde etwas überraschend die deutsche Zeitfahrmeisterin Franziska Koch, fünf Sekunden hinter Bäckstedt und ebenso viele vor Elisa Longo Borghini. Nicht am Start war die Zweite des Vorjahrs, Anna van der Breggen. Insgesamt gingen 47 Fahrerinnen aus 33 Nationen an den Start.

Weitere Platzierungen: Christina Schweinberger (17.)

Straßenrennen

Platz Name Land Zeit 1 Demi Vollering 4:45:09 h 2 Katarzyna Niewiadoma gl. Zeit 3 Elisa Longo Borghini + 0:04 min 4 Marlen Reusser + 0:08 min 5 Juliette Berthet + 0:39 min 6 Puck Pieterse + 1:36 min 7 Célia Gery + 2:55 min 8 Dominika Włodarczyk + 4:16 min 9 Maëva Squiban + 5:48 min 10 Franziska Koch + 5:51 min

Es gingen 138 Teilnehmerinnen an den Start. Ein Massensturz in der ersten von acht Schlussrunden beließ eine Spitzengruppe von rund 40 Fahrerinnen; Fahrerinnen wie Titelverteidigerin Magdeleine Vallières, Niamh Fisher-Black, Kim Le Court oder Paula Blasi wurden aufgehalten, verloren unwiederbringlich den Anschluss oder gaben verletzt auf. Caroline Andersson und Lauretta Hanson wurden mit verschiedenen Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht.

In der Spitzengruppe bestimmten die Niederlande das Tempo, und in der sechsten Runde attackierte Demi Vollering nach Vorarbeit von Puck Pieterse auf der Voie Camillien-Houde. Hinter ihr bildete sich eine achtköpfige Verfolgergruppe, unter anderem mit Elisa Longo Borghini, Katarzyna Niewiadoma, Marlen Reusser und Juliette Berthet, deren Mitglieder allerdings eher gegen- als miteinander arbeiteten. Longo Borghini, Niewiadoma und Berthet holten Vollering schließlich in der vorletzten Runde ein. In der letzten Passage des Hauptanstiegs ließen Niewiadoma und Vollering die anderen hinter sich. Longo Borghini und Reusser kamen auf der Zielgeraden noch auf Sichtweite heran, konnten aber nicht mehr in den Sprint eingreifen, den Vollering vor Niewiadoma gewann.

Weitere Platzierungen: Steffi Häberlin (13.), Noemi Rüegg (15.), Ginia Caluori (33.) Liane Lippert (14.), Antonia Niedermaier (28.) Nina Berton (36.) Katharina Sadnik (47.)

Männer Elite

Einzelzeitfahren

Platz Name Land Zeit 1 Remco Evenepoel 44:53 min 2 Filippo Ganna + 0:57 min 3 Paul Seixas + 1:13 min 4 Brandon McNulty + 1:25 min 5 Jakob Söderqvist + 1:26 min 6 Isaac del Toro + 1:38 min 7 Stefan Küng + 1:44 min 8 Kasper Asgreen + 1:48 min 9 Daan Hoole + 2:02 min 10 Callum Thornley + 2:02 min

Titelverteidiger Remco Evenepoel galt als großer Favorit unter den 60 Teilnehmern und wurde dieser Rolle gerecht. Er lag an allen Zwischenzeiten vorn, baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus und gewann als erster Fahrer das Einzelzeitfahren zum vierten Mal in Folge. Zweiter wurde der Weltmeister von 2020 und 2021, Filippo Ganna, Dritter der noch 19-jährige Paul Seixas. Der U23-Weltmeister des Vorjahrs Jakob Söderqvist hatte an allen Zwischenzeiten auf Medaillenkurs gelegen, stürzte aber drei Kilometer vor dem Ziel und wurde Fünfter.

Weitere Platzierungen: Jasha Sütterlin (14.), Max Walscheid (27.) Stefan Bissegger (28.) Arthur Kluckers (30.)

Straßenrennen

Platz Name Land Zeit 1 Brandon McNulty 6:17:04 h 2 Michael Matthews + 0:13 min 3 Mathieu van der Poel gl. Zeit 4 Quinn Simmons gl. Zeit 5 Isaac del Toro + 0:14 min 6 Mads Pedersen gl. Zeit 7 Thomas Pidcock gl. Zeit 8 Matteo Jorgenson gl. Zeit 9 Giulio Ciccone gl. Zeit 10 Ben Healy gl. Zeit

Weitere Platzierungen: Mauro Schmid (11.), Stefan Küng (14.) Georg Zimmermann (38.), Florian Lipowitz (47.) Felix Großschartner (54.)

Frauen U23

Einzelzeitfahren

Platz Name Land Zeit 1 Felicity Wilson-Haffenden 27:40 min 2 Nienke Vinke + 0:28 min 3 Luca Vierstraete + 0:45 min 4 Viktória Chladoňová + 0:45 min 5 Mackenzie Coupland + 0:46 min 6 Ava Holmgren + 1:01 min 7 Febe Jooris + 1:07 min 8 Oda Aune Gissinger + 1:09 min 9 Megan Arens + 1:10 min 10 Justyna Czapla + 1:11 min

Es waren 52 Fahrerinnen aus 31 Ländern am Start. Die Vorjahressiegerin Zoe Bäckstedt war vorzeitig in die Elite aufgerückt, so dass es eine neue Titelträgerin geben würde. Unter den frühen Starterinnen setzte Nienke Vinke die beste Zeit. Wilma Aintila, die an den Zwischenzeiten Zweite hinter Vinke gewesen war, büßte ihre Chancen durch einen Sturz ein. Die meisten Favoritinnen starteten gegen Ende, doch nur die vorletzte von ihnen, Felicity Wilson-Haffenden, unterbot noch Vinkes Zeit. Rund neun Zehntelsekunden lagen zwischen den Zeiten der Dritt- und Viertplatzierten, Luca Vierstraete und Viktória Chladoňová, während Mackenzie Coupland als Fünfte eine weitere Sekunde zurücklag.

Weitere Platzierungen: Tabea Huys (11.) Mara Winter (18.) Gwen Nothum (22.), Liv Wenzel (28.) Magdalena Leis (23.)

Straßenrennen

Platz Name Land Zeit 1 Viktória Chladoňová 3:49:10 h 2 Isabella Holmgren gl. Zeit 3 Fleur Moors + 0:33 min 4 Mara Winter gl. Zeit 5 Talia Appleton gl. Zeit 6 Lore De Schepper + 0:39 min 7 Katherine Sarkisov + 1:10 min 8 Sidney Swierenga + 1:16 min 9 Justyna Czapla gl. Zeit 10 Mackenzie Coupland + 1:46 min