mini|Selige Eliswa Vakayil (1831–1913) Eliswas Vakayil (auch: Eliswa (Elisabeth) Vakayil von der seligen Jungfrau Maria) (* 15. Oktober 1831 in Ochanthuruth, Kerala in Indien; † 18. Juli 1913 in Varappuzha, Kerala in Indien) war eine indische Ordensschwester und Gründerin der Kongregation der Teresianischen Karmelitinnen CTC (Congregation of Teresian Carmelites, CTC). In der Katholischen Kirche wird sie als Selige verehrt.
Leben Eliswa wurde am 15. Oktober 1831 im Dorf Ochanthuruth im heutigen Bundesstaat Kerala in Indien geboren. Sie entstammte einer wohlhabenden und tiefgläubigen christlichen Familie, in der der Glaube nicht nur Tradition, sondern gelebter Alltag war – ihre Eltern waren Thomman und seine Frau Thanda. Schon als Kind zeigte Eliswa eine besondere Sensibilität für das Gebet, eine große Liebe zur Eucharistie und ein Mitgefühl für Arme und Leidende. Zeitzeugen berichten, dass sie bereits in jungen Jahren eine starke innere Sammlung und Ernsthaftigkeit ausstrahlte. Ihre grundlegende Bildung erhielt sie durch einen Hauslehrer.
Gemäß der damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten wurde Eliswa im Jahr 1847 im Alter von 16 Jahren mit dem Geschäftsmann Vatharu Vakayil aus Koonammavu verheiratet. Am 21. April 1850 brachte Eliswa die gemeinsame Tochter Anna zur Welt. Etwa anderthalb Jahre später erkrankte ihr Ehemann Vatharu plötzlich und starb in kurzer Zeit. Eliswa, erst zwanzig Jahre alt, wurde zu einer erneuten Heirat gedrängt, lehnte jedoch alle Vorschläge ab.
Gemeinsam mit ihrer Tochter zog sie in eine kleine Hütte, die als Getreidespeicher diente. Ihre Tage verbrachte sie zwischen der Pflege der Kranken, der Sorge um die Armen und Ausgegrenzten und dem kontemplativen Gebet, vor allem in der Pfarrkirche St. Philomena in Koonammavu.
Berufung zum karmelitischen Leben Eines Morgens im Jahr 1862, nachdem sie die Kirche betreten und sich niedergekniet hatte, brachte Eliswa in stillem Gebet ihre inneren Sorgen vor den Herrn. In diesem Gebet erkannte sie, dass sie sich Gott ganz weihen sollte in einem karmelitanischen Lebensstil. So beschloss sie, sich dem italienischen Pater Leopoldo Beccaro, einem unbeschuhten karmelitanischen Missionar in ihrer Stadt, anzuvertrauen. Dieser riet ihr zu warten und selbst um eine göttliche Bestätigung dieser Eingebung zu beten. So führte Eliswa vier Jahre lang ihr bisheriges Leben weiter, begleitet von ihrer Tochter Anna und ihrer Schwester Thresia, die sich von ihrem Lebensstil des Gebets und des Dienstes angezogen fühlten. So entstand allmählich eine kleine geistliche Gemeinschaft.
Nach einiger Zeit berichtete Pater Leopoldo dem Erzbischof Bernardino Baccinelli, Apostolischer Vikar von Verapoly und ebenfalls Karmelit, von Eliswa. Dieser zeigte sich sehr erfreut darüber – außerdem war sein Sekretär, Pater Thomas Guyommar Panambil, ein Onkel von Eliswa. Der Bischof beauftragte schließlich Pater Leopoldo, auf dem Grundstück Eliswas eine kleine Hütte aus Bambus mit drei Räumen zu errichten – einen Gebetsraum, eine Küche und ein Refektorium. Er selbst gab den drei Frauen die geistlichen Richtlinien für ihre Ausbildung, die er den Konstitutionen der Unbeschuhten Karmelitinnen von Genua entnahm.
Gründung der ersten einheimischen Frauenkongregation Am 12. Februar 1866 nahm Bischof Baccinelli endlich Eliswa, ihre Tochter Anna und ihre Schwester Thresia offiziell in den Karmelitenorden auf. Am folgenden Tag erhielten sie von Pater Leopoldo das karmelitische Skapulier und begannen, im Bambushaus zu leben, das ihnen als Kloster diente. Mit dieser Gründung des Dritten Ordens der Unbeschuhten Karmelitinnen (TODC) entstand die erste weibliche, einheimische Ordensgemeinschaft in Kerala.
Die Gemeinschaft verband das kontemplative Leben mit der Erziehung und Bildung von Mädchen sowie dem Dienst an den Bedürftigsten. Obwohl alle drei Frauen dem lateinischen Ritus angehörten, nahmen sie bereits am Tag nach ihrem Einzug eine Witwe des syro-malabarischen Ritus in ihre Gemeinschaft auf.
Mit dem Wachstum der Gemeinschaft wurden die Räume bald zu klein. Auf Anordnung des Bischofs wurde daher in Thalachuva Parambu ein größeres, zweistöckiges Kloster errichtet, das am 27. März 1867 von Pater Leopoldo gesegnet und der heiligen Teresa geweiht wurde. Am selben Tag begannen Eliswa und ihre Gefährtinnen das kanonische Noviziat und legten das karmelitische Ordensgewand an. Am 16. Juli 1868 legten sie die Ordensprofess ab. Von da an hieß sie Mutter Elisabeth von der Seligen Jungfrau Maria (Eliswa ist die indische Form von Elisabeth) und wurde Oberin der Gemeinschaft.
Der Schwerpunkt der Kongregation lag auf der christlichen Erziehung, insbesondere von Mädchen, auf der Bildung benachteiligter Kinder sowie dem Dienst an Armen, Kranken und gesellschaftlich Ausgegrenzten. In einer Zeit, in der Bildung für Frauen in Indien keineswegs selbstverständlich war, setzte Eliswa entscheidende Impulse für die Stärkung der Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft.
In den ersten Jahren nach der Gründung musste Mutter Eliswa den Verlust ihrer Mitgründerinnen und geliebten Familienangehörigen überwinden. Ihre Tochter, Mutter Anna, starb im Jahr 1871 mit nur 21 Jahren und einige Jahre danach verstarb auch ihre leibliche Schwester, Mutter Thresia.
Trennung in zwei Ordenszweige Im Jahr 1887 wurde die syro-malabarische katholische Kirche in Kerala durch das Dekret „Quod iam pridem“ von Papst Leo XIII. von der lateinischen Hierarchie getrennt. Auch die Schwestern des Klosters St. Teresa wurden der Jurisdiktion des Erzbischofs von Verapoly entzogen und dem Vikar der syro-malabarischen Kirche von Trichur unterstellt.
Obwohl ausdrücklich festgelegt worden war, dass sich an der inneren Leitung des Klosters und an der Aufnahme neuer Kandidatinnen nichts ändern dürfe, erschien am Abend des 16. September 1890 Bischof Adolphin Medillikot von Trichur im Kloster und entfernte mit seiner Amtsgewalt alle Schwestern des lateinischen Ritus, die durch Schwestern des syro-malabarischen Ritus ersetzt wurden.
Mutter Eliswa nahm das schweigend hin und verließ am nächsten Morgen mit den Mitschwestern des lateinischen Ritus das Kloster. Mit Hilfe des Bischofs von Verapoly fanden sie vorübergehend Unterkunft im Kloster der Kongregation der heiligen Teresa in Ernakulam, wo sie herzlich von der Gründerin Mutter Teresa aufgenommen wurden.
Am 11. November 1890 wurde ein neues Kloster in Varapuzha, dem hl. Josef geweiht, gesegnet. So entstanden zwei rechtlich selbstständige Institute: die Kongregation der Teresianischen Karmelitinnen (CTC) im lateinischen Ritus und die Kongregation der Mutter vom Karmel (CMC) im syro-malabarischen Ritus.
Wirken in der neuen Gemeinschaft Mutter Eliswa verbrachte die folgenden Jahre im Kloster von Varapuzha als Priorin, Novizenmeisterin und Erzieherin von Mädchen.
In Kerala waren Mädchen damals weitgehend vom formalen Bildungswesen ausgeschlossen. Mutter Elisabeth und ihre Schwestern lehrten sie lesen, schreiben, rechnen, handwerkliche Arbeiten und religiöse Praxis. Zugleich vermittelten sie moralische Bildung, Haushaltsführung und Gebet.
Sie stärkte das Bewusstsein der Armen und Ausgegrenzten für ihre Würde als Kinder Gottes und stellte sich sozialen Missständen wie dem Kastensystem und der Unwissenheit entgegen. So gründete sie nicht nur die erste einheimische Frauenkongregation, sondern auch die erste Mädchenschule und das erste Mädcheninternat.
Mutter Eliswa Vakayil war bekannt für ihre tiefe Demut, ihre innere Stille und ihr Vertrauen in den Willen Gottes. Gleichzeitig war ihr Leben von jahrelangen körperlichen Leiden geprägt. Sie ertrug diese Schmerzen ohne Klage und vereinte sie bewusst mit dem Leiden Christi. Für ihre Mitschwestern war sie ein lebendiges Beispiel für Geduld, Gehorsam und liebende Hingabe.
Tod und Beerdigung Trotz ihrer Schwäche blieb sie geistlich wach, begleitete ihre Gemeinschaft mit mütterlicher Weisheit und ermutigte ihre Schwestern zu einem Leben der Liebe und des Dienstes.
Mutter Eliswa Vakayil starb am 18. Juli 1913 im Alter von 81 Jahren. Schon bald nach ihrem Tod verbreitete sich der Ruf ihrer Heiligkeit. Zunächst wurde sie vor der Basilika Unserer Lieben Frau vom Karmel und des hl. Josef in Varapuzha beigesetzt. Später wurden ihre sterblichen Überreste in das Kloster übertragen und 1997 in die Kapelle Smruthi Mandhiram überführt.
Zeitgenössische Historiker bezeichneten sie als „prapancha viraktha“ – völlig losgelöst von allem Irdischen. Aufgrund ihres Wirkens für die Frauen Indiens sowie ihres Gebets- und Opferlebens leitete die Kongregation der Mutter vom Karmel den Selig- und Heiligsprechungsprozess ein. Viele Gläubige berichteten von Gebetserhörungen und empfanden ihr Grab als Ort des Trostes und der Hoffnung.
Seligsprechung Nach dem Nihil obstat durch die römische Kongregation für Heiligsprechungen vom 6. März 2008 wurde am 30. März 2008 der diözesane Prozess in Verapoly eröffnet und am 5. November 2017 abgeschlossen. Nach positiver Prüfung durch Historiker und Theologen erklärte Papst Franziskus am 8. November 2023 Mutter Eliswa zur Ehrwürdigen Dienerin Gottes.
Geprüft wurde die Heilung eines ungeborenen Kindes, bei dem 2005 eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte diagnostiziert worden war. Nach Gebeten um die Fürsprache Mutter Eliswas wurde am 29. Juni 2005 per Kaiserschnitt ein völlig gesundes Kind ohne jede Fehlbildung geboren. Nach kirchlicher Prüfung erkannte der Vatikan das Wunder offiziell an. Am 14. April 2025 autorisierte Papst Franziskus das Dekret, das den Weg zur Seligsprechung öffnete.
Die Seligsprechung wurde am 8. November 2025 in der Basilika Unserer Lieben Frau der Erlösung in Vallarpadam gefeiert. Die Messe leitete Kardinal Sebastian Francis, Bischof von Penang (Malaysia), als päpstlicher Gesandter von Papst Leo XIV.
Verehrung und Bedeutung Der liturgische Gedenktag der seligen Mutter Eliswa Vakayil ist ihr Todestag, der 18. Juli.
Heute wirken die Teresianischen Karmelitinnen in vielen Teilen Indiens und darüber hinaus. In Deutschland sind sie präsent mit Konventen in Köln, Essen-Kupferdreh, Dortmund, Kleve und Münster.
Das Leben der seligen Eliswa Vakayil erinnert daran, dass Leid in Liebe verwandelt werden kann und dass ein verborgenes, treues Leben große Früchte tragen kann.
Weblinks Homepage der Teresianischen Karmelitinnen (engl.) Homepage über die selige Eliswa Vakayil (engl.) Biografie in "Santi e Beati" (ital.) Internetpräsenz des Generalpostulators OCD Biografie auf causesanti.va (ital.) Übersicht im Hagiographic Circle (englisch)
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