Tobias Greitemeyer (* 1969 in Tübingen) ist ein deutscher Sozialpsychologe und Universitätsprofessor an der Universität Innsbruck. Er ist bekannt für seine Forschung zu den Auswirkungen von Medienkonsum auf prosoziales und antisoziales Verhalten sowie für seine Arbeiten zur Videospielforschung, Farbpsychologie und zum Bystander-Effekt.
Leben und Karriere Tobias Greitemeyer studierte Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er im Jahr 2000 promovierte. Nach einem Jahr an der TU Chemnitz arbeitete er für 18 Monate als Postdoktorand an der University of California, Los Angeles. Im Jahr 2004 habilitierte er sich an der LMU München für das gesamte Fach Psychologie. 2007 nahm er einen Ruf als Senior Lecturer an die University of Sussex in Großbritannien an.
Seit Januar 2010 ist Greitemeyer Professor für Sozialpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck.
Forschung Greitemeyers Forschungsschwerpunkte liegen in verschiedenen Bereichen der Sozialpsychologie:
Auswirkungen von Medienkonsum auf prosoziales und antisoziales Verhalten Informationsverarbeitende Prozesse und Entscheidungsfindung Informationsaustausch in Kleingruppen Psychologische Bedeutung von Farben Prozesse interpersonaler Attraktion Wirtschaftspsychologische Fragestellungen
Videospielforschung Greitemeyer wurde insbesondere durch seine Forschung zu den Auswirkungen von Videospielen auf soziales Verhalten bekannt. In einer vielzitierten Metaanalyse von 2014, die gemeinsam mit Dirk O. Mügge durchgeführt wurde, wertete er 98 unabhängige Studien mit über 36.000 Teilnehmern aus. Die Ergebnisse zeigten, dass gewalttätige Videospiele Aggression und aggressionsbezogene Variablen erhöhen und prosoziales Verhalten verringern, während prosoziale Videospiele gegenteilige Effekte haben.
In einem vom FWF geförderten Folgeprojekt untersuchte Greitemeyer die Ausbreitung aggressiver Verhaltensweisen innerhalb sozialer Netzwerke. Seine Forschung zeigte, dass die Auswirkungen gewalthaltiger Videospiele nicht nur die Spieler selbst betreffen, sondern auch auf Personen in deren sozialem Umfeld übertragen werden können.
Bystander-Effekt Greitemeyer war Mitautor einer umfassenden Metaanalyse zum Bystander-Effekt aus dem Jahr 2011. Die Studie integrierte die Forschungsliteratur von den 1960er Jahren bis 2010 und analysierte Daten von über 7700 Teilnehmern. Die Forscher fanden heraus, dass der Bystander-Effekt in gefährlichen Situationen abgeschwächt wird und identifizierten Bedingungen, unter denen Umstehende als willkommene physische Unterstützung fungieren können.
Farbpsychologie Gemeinsam mit Andrew J. Elliot und anderen Forschenden untersuchte Greitemeyer den Einfluss der Farbe Rot auf die zwischenmenschliche Attraktion. In einer Serie von Experimenten konnte gezeigt werden, dass Frauen Männer in roter Kleidung oder vor rotem Hintergrund als attraktiver und sexuell begehrenswerter wahrnehmen. Dieser Effekt wird durch Statuswahrnehmungen vermittelt.
Greitemeyer ist außerdem als Section Editor für Sozialpsychologie bei der Fachzeitschrift Acta Psychologica tätig.
Weblinks Profil auf der Website der Universität Innsbruck
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Sozialpsychologe Kategorie:Hochschullehrer (Universität Innsbruck) Kategorie:Absolvent der Ludwig-Maximilians-Universität München Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Mann