mini|Mitglieder der Bombay Progressive Artists Group im Jahr 1947. Im Hintergrund Gemälde von S. H. Raza Die Bombay Progressive Artists’ Group (PAG) war ein loser Zusammenschluss bildender Künstler, der 1947 in Bombay (heute Mumbai) gegründet wurde. Die Gruppentätigkeit konzentrierte sich auf wenige, aber historisch prägende Ausstellungen in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren. Sie gilt als Wegbereiter der modernen Malerei in Indien und war richtungsweisend für nachfolgende Künstlergenerationen. Nach ihrer Auflösung entwickelten viele ihrer Mitglieder nationale und internationale Karrieren. Die Progressive Artists’ Group hat die Entstehung einer modernen, international ausgerichteten Kunstszene in Indien maßgeblich beeinflusst.

Geschichte Die Künstlergruppe entstand unmittelbar nach der indischen Unabhängigkeit im Jahr 1947. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten: Francis Newton Souza, Maqbool Fida Husain, Sayed Haider Raza, Krishnaji Howlaji Ara, Sadanand K. Bakre und Hari Ambadas Gade. In den folgenden Jahren assoziierten sich weitere wichtige Künstler mit der Gruppe, darunter V. S. Gaitonde, Tyeb Mehta, Ram Kumar, Krishen Khanna und Akbar Padamsee. Die Gruppe hielt nur eine kleine Anzahl gemeinsamer Ausstellungen ab und löste sich faktisch bereits in den 1950er Jahren auf, nachdem mehrere zentrale Mitglieder Indien verlassen hatten oder sich anderen Wegen widmeten.

Künstlerisches Programm mini|Progressive Künstlergruppe, Bombay (1949) 1. Reihe (von links nach rechts): F. N. Souza, K. H. Ara, H. A. Gade; 2. Reihe (von links nach rechts): M. E. Husain, S. K. Bakre, S. H. Raza Die Mitglieder der Progressive Artists’ Group arbeiteten in unterschiedlichen Stilrichtungen und Medien. Ihnen allen war gemeinsam, dass sie die im frühen 20. Jahrhundert dominierenden nationalromantischen und orientalistischen Tendenzen der sogenannten Bengal School ablehnten. Diese war unter anderem mit dem Umfeld von Rabindranath Tagore verbunden. Die Progressiven betrachteten diese Stilrichtung als nicht mehr zeitgemäß für das neu gegründete Indien. Stattdessen bezogen sie sich sowohl auf indische Traditionen als auch auf internationale modernistische Strömungen. Zu den historischen Referenzen gehörten unter anderem:

Mogul- und Pahari-Miniaturmalerei des 17. Jahrhunderts Bildprogramme hinduistischer und jainistischer Traditionen islamische Kunsttraditionen Tempelskulpturen, etwa von Khajuraho

Zugleich orientierten sich einige Mitglieder an ostasiatischen Bildtraditionen, darunter die koreanische Landschaftsmalerei und die japanische Tuschemalerei. Elemente formaler Abstraktion, expressive Gestik sowie spirituelle und metaphysische Themen fanden in unterschiedlichen Ausprägungen Eingang in die Werke der Gruppenmitglieder. Insbesondere bei Raza und Husain verbanden Darstellungen des ländlichen Lebens Motive volkstümlicher und regionaler Traditionen mit modernen malerischen Mitteln wie kräftiger Farbgebung, expressiver Pinselführung und kompositorischer Verdichtung.

Entwicklung und Auflösung Nachdem Souza 1949 nach London gezogen war, wurde die Bindung innerhalb der Gruppe schwächer. In den folgenden Jahren verließen weitere Mitglieder Indien, darunter Raza (Paris) und Bakre (London). Die verbliebenen Künstler arbeiteten zwar weiterhin im Sinne der ursprünglich formulierten Prinzipien, entwickelten jedoch zunehmend individuelle künstlerische Positionen. Die Progressive Artists’ Group löste sich Mitte der 1950er Jahre formell auf (nach unterschiedlichen Angaben im Jahr 1954 oder 1956).

Rezeption Die Progressive Artists’ Group hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Kunst in Indien nach 1947: Ihre Mitglieder trugen durch internationale Ausstellungen und Aufenthalte in Europa dazu bei, indische Positionen in den internationalen Modernismus zu integrieren. Die von ihnen vertretene Verbindung pluralistischer, säkularer und formal moderner Ansätze prägte die Kunstentwicklung in Südasien im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts. Die Werke der Gruppe befinden sich heute in Museen und Privatsammlungen weltweit. Einzelne Arbeiten erzielten in den letzten Jahrzehnten hohe Preise auf dem Auktionsmarkt.

Literatur

Partha Mitter: Indian Art (Oxford History of Art). Oxford University Press, 2001. Yashodhara Dalmia: The Making of Modern Indian Art The Progressives, New Delhi, 2001.

Weblinks Encyclopædia Britannica Progressive Artists Group of Bombay: An Overview Sotheby’s. The Legacy of the Progressive Artists Group Google Arts & Culture

Einzelnachweise

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