Das Nationalmuseum-Nachlass von Nikolai Iwanowitsch Pirogow () ist ein Museum in Winnyzja, welches dem Leben und Werk von Nikolai Iwanowitsch Pirogow, einem russischen Wissenschaftler, Chirurgen und Pädagogen, gewidmet ist.

Das Pirogow-Anwesen ist ein nationales historisches Denkmal und ein Naturschutzgebiet von landesweiter Bedeutung.

Beschreibung Der Museumskomplex befindet sich am südwestlichen Stadtrand von Winnyzja, im östlichen Teil des Bezirks Pirogowo (ehemals das eigenständige Gutsdorf Wyschnia, das später mit Scheremetka-Pirogowo zusammengelegt wurde).

Es beinhaltet:

Das Haus, in dem Pirogow lebte, dieses beherbergt heute eine Ausstellung über sein Leben und Werk. Ein Apothekenmuseum, welches das Interieur eines Empfangs- sowie eines Operationsraums zeigt. Eine Kirche mit Nekropole, in der sich der Sarkophag mit dem einbalsamierten Leichnam des Wissenschaftlers befindet. Ein Gedenkpark, in dem die von Pirogow gepflanzten Bäume erhalten geblieben sind.

Geschichte mini|Portrait von Pirogow, 1870

Das Anwesen Nachdem Pirogow 1861 sein Amt als Treuhänder des Kiewer Bildungsbezirks zurückgelegt hatte, ließ er sich auf dem Gut Wyschnja bei Winnyzja nieder, welches er 1859 auf einer Auktion in Kiew erworben hatte. 1866 errichtete er dort ein Haus, eine Apotheke und ein Hospital. Er gestaltete den Park landschaftlich und kultivierte dort auch Heilpflanzen.

Pirogow starb hier am 23. November 1881 an Oberkieferkrebs. In seinem Testament verfügte Pirogow, dass sein Leichnam konserviert werden sollte. Entsprechend seinem Testament wurde er vom Sankt Petersburger Arzt David Wywodzew einbalsamiert und später in der Familiengruft beigesetzt. 1885 wurde nach einem Entwurf von Wiktor Sytschugow eine Kirche über der Gruft errichtet und zu Ehren des Heiligen Nikolaus des Wundertäters geweiht.

1917–1947 Bis 1902 wurde das Gut von Pirogows Witwe Alexandra bewirtschaftet. Danach ging es an ihren Sohn Wladimir und später an seine Enkelinnen L. M. Mazirowa und O. M. Hershelman über. Nach der Februarrevolution 1917 emigrierten diese, und das Gut verfiel. Später wurde Pirogows Grabstätte geplündert auch sein Schwert – ein Geschenk von Kaiser Franz Joseph – und ein Metallkreuz wurden gestohlen.

Im Jahr 1920 wurde das halb verfallene Haus amerikanischen Arbeitern übergeben, die dort eine nach John Reed benannte Kommune gründeten. Später wurde es an eine landwirtschaftliche Forschungsstation transferiert und ab 1936 gehörte es zum Regionalen Infektionskrankenhaus Winnyzja.

Nach der Befreiung Winnyzjas im Zweiten Weltkrieg erfuhr Generaloberst J. I. Smirnow, dass das ehemalige Gut Nikolai Pirogows den Krieg zwar überstanden hatte, sich aber in einem stark vernachlässigten Zustand befand. Als langjähriger Bewunderer Pirogows unterbreitete Smirnow Marschall K. E. Woroschilow, dem damaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, einen Vorschlag. Dies führte am 27. Oktober 1944 zu einem offiziellen Erlass, der die Errichtung eines Museums auf dem Gut und die Konservierung von Pirogows sterblichen Überresten anordnete und damit ein umfangreiches Projekt zur Restaurierung der Gedenkstätte in Gang setzte.

Es folgte die erste erneute Einbalsamierung von Pirogows Leichnam zwischen dem 5. Mai und dem 5. Juni 1945, die von einer Kommission aus Wissenschaftlern aus Leningrad, Kiew, Charkiw und Winnyzja durchgeführt wurde.

Das Anwesen wurde am 2. März 1945 durch eine Anweisung des Generalstabs formell als Zweigstelle des Militärmedizinischen Museums der Roten Armee integriert. Die Restaurierungsarbeiten zielten darauf ab, dass das Museum rechtzeitig zum 135. Geburtstag Pirogows im November 1945 eröffnet werden konnte. Das Museum war nicht nur als Gedenkstätte für Pirogow, sondern auch als Zentrum für die Erforschung seiner Beiträge zur Chirurgie, zur medizinischen Ausbildung und zur Militärmedizin konzipiert.

Eröffnung des Museums Das Museum wurde am 9. September 1947 eröffnet.

In den folgenden Jahren wurde die Museumsausstellung erweitert und verbessert. Bis 1960, rechtzeitig zum 150. Geburtstag Pirogows, wurde sein Arbeitszimmer und seine Apotheke rekonstruiert und mehrere persönliche Gegenstände und Manuskripte konnten dafür erworben werden. Auch nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Innere der Nekropole restauriert sowie der Operationssaal, der Empfangsbereich und die Apotheke renoviert und modernisiert. Außerdem wurde ein Speziallabor eingerichtet, das seit 1994 für die regelmäßige Wiedereinbalsamierung von Pirogows Leichnam genutzt wird.

Zwischen 1980 und 1985 wurden Reparatur- und Restaurierungsarbeiten am Kirchenkomplex durchgeführt. Von 1992 bis 1997 wurde der Innenraum rekonstruiert.

Sammlungen und Ausstellungsgegenstände Das Museum beherbergt eine Sammlung von rund 16.500 Objekten, von denen über 1500 in zehn Sälen des Hauptgebäudes, einer Galerie und sechs Räumen einer ehemaligen Privatapotheke ausgestellt sind. Zu den Exponaten gehören Manuskripte, Fotografien, persönliche Gegenstände, chirurgische Instrumente, Gemälde, Skulpturen und Druckgrafiken. Das Museum verfügt außerdem über eine Bibliothek mit 7000 Büchern und Zeitschriften, darunter viele seltene Publikationen zu Pirogows wissenschaftlichen Beiträgen und zur Medizingeschichte. Eine Marmortafel am Gebäude erinnert an die Jahre, in denen Pirogow dort lebte, und im Park steht eine Büste des Bildhauers Krestovsky. Die Exponate sind chronologisch angeordnet und spiegeln die wichtigsten Stationen in Pirogows Leben und Werk wider.

Weblinks

Einzelnachweise

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