Die Geschichte von dem kleinen Bogenschützen ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (374: Culladhanuggaha-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 172–177, 512. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als der Bodhisattva die Würde des Sakka besaß, lebte in Takkasilā ein junger Brahmane, der sich auf die Kunst des Bogenschießens verstand. Sein Lehrer war davon beeindruckt und so gab er ihm seine Tochter zur Frau, mit der sich der kleine Bogenschütze nach Benares begab. Unterwegs trafen sie auf einen wütenden Elefanten, den der kleine Bogenschütze mit einem Pfeil tötete. Danach begegneten sie fünfzig Räubern, von denen er neunundvierzig erschoss. Mit dem Räuberhauptmann jedoch kam es zum Nahkampf, und als er ihn zu Boden gerungen hatte, ließ er sich von seiner Frau sein Schwert bringen. In sie überkommener heißer Leidenschaft zu dem Räuberhauptmann reichte seine Frau ihm aber nur die Scheide und seinem Widersacher den Schwertgriff, woraufhin der Räuberhauptmann den kleinen Bogenschützen enthauptete.
Mit der Frau des kleinen Bogenschützen zog der Räuberhauptmann weiter, jedoch dachte er bei sich, da sie ihren Mann verraten habe, könne sie dies auch mit ihm tun, also nahm er, an einem Fluss angekommen, all ihren Schmuck und überquerte diesen zuerst, um anschließend davonzuziehen. Die Frau zeterte daraufhin und begann zu weinen, was Sakka sah, also nahm er sich Mātali und Pancasikha und begab sich in verwandelter Form zu ihr. Mātali sollte dabei als ein Fisch aus dem Fluss an Land springen. Er selbst würde als Schakal mit einem Stück Fleisch im Maul vor die Frau treten, es fallen lassen und den Fisch wollen, der daraufhin aber wieder ins Wasser springen würde, und zugleich solle Pancasikha als ein Vogel herabstürzen und das Stück Fleisch mit sich nehmen. Als die Frau dies sah, dachte sie sich, dass der Schakal aufgrund seines Verlangens nach Abwechslung alles verloren hatte, und so lachte sie laut auf. Der Schakal aber machte ihr klar, dass sie dasselbe erlebt hatte, beschämte sie damit und überließ sie ihren Gewissensbissen.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 374 (Culladhanuggaha-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von dem kleinen Bogenschützen. Eine Variante des Märchens findet sich im Panchatantra (IV, 8. Erzählung). Eine weitere Variante in dem Werk Tuti-Nameh – Das Papageienbuch von Georg Rosen (Leipzig 1972) erhielt im Deutschen den Titel Geschichte vom Fuchs und der jungen Frau von Khorasan.Georg Rosen: Tuti-Nameh – Das Papageienbuch, Insel-Verlag, Leipzig 1972, S. 203–207. Andere Varianten finden sich bei Phaedrus (I, 4), in Édélestand Du Mérils Poésies inédites (S. 158 und 187), Roberts Fables inédites (II, 49) und bei Demokrit. Ähnlicher Inhalt ist auch in Babrius’ Babrius’ Fabeln (Halle 1846) zu lesen. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Die betrogene Ehebrecherin.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 221–225.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 172–177, 512. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 221–225.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka