Das Theater Zentrifuge war eine der ersten Off-Theatergruppen in Westberlin und ist in Berlin die älteste noch existierende Freie Theatergruppe. Die Gruppe wurde 1969 als gemeinnütziger Verein gegründet. Schwerpunkte sind Stückentwicklungen zu ökologischen und sozialpolitischen Themen wie Nachhaltigkeit, Obdachlosigkeit, Demenz, Pflegenotstand, Krankheit und Altern in der Leistungsgesellschaft; groteske Kompositionen und Spielformen; Dramatisierung literarischer Texte z. B. von Kafka, Schwitters, Handtke, Sibylle Lewitscharoff und Brigitte Kronauer.

Das Ensemble ist semi-professionell, mit teilweise konstanter, zum Teil wechselnder Besetzung. Die Gruppe hat keine eigene Spielstätte.

Geschichte Gründung und erste Jahre Die Zentrifuge wurde 1969 von jungen Schauspielern und Pantomimen als „Arts Laboratorium“ in der Charlottenburger Sybelstraße gegründet, das mit offenen Spielformen, Straßen - und Mitspieltheater experimentierte.

In den 1970er Jahren erarbeitete die Gruppe Eigenproduktionen zu politisch-sozialen Themenstellungen wie Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Jugendkriminalität und spielte auch in geschlossenen Erziehungsheimen und Jugendstrafanstalten.

In den 1980er hatte das Ensemble sein Domizil im Künstlerhaus Bethanien und entwickelte verschiedene Produktionen zur Berliner Geschichte in der Tradition von Volkstheater, Commedia dell’arte und Revue, z. B. ein Open-Air-Spektakel auf dem Kreuzberg, sowie zur Einweihung des neuen Kreuzberger Mehringplatzes.

Es folgten freie Bearbeitungen von Majakowski-Texten, u. a. „Mysterium Buffo“, weiter „Der Weg ins Leben“ nach den Erinnerungen von Makarenko (u. a. im GRIPS Theater) sowie eine Serie von fünf freien Brecht-Bearbeitungen, darunter Der BrotladenKleinbildnegativ: Theater Zentrifuge, Schaubühne am Halleschen Ufer, 1976. (Fotografie), auf berlin.museum-digital.de - in zwei Fassungen, „Die Generalprobe - oder Was kostet das Eisen?“ - u. a. gezeigt auf den Ruhrfestspielen in Recklinghausen, Furcht und Elend des Dritten Reiches und Die heilige Johanna der Schlachthöfe.

Inszenierungen ab 1990 Von 1990 bis 1993 arbeiteten die Mitglieder der ZENTRIFUGE an Produktionen zu historischen Themen aus weiblicher Sicht: die Komödie „Taxi zum Blocksberg - ein hexischer Ritt durch herr-liche Zeiten“ nach Irmtraud Morgner sowie „Bye Bye Othello“ frei nach Shakespeare.

In den Jahren 1995/96 folgte „Die Rigorose“, eine Groteske über Frauen und Faschismus nach dem Roman von Paola Masina mit 20 Vorstellungen im Theater Zerbrochene Fenster in Berlin. Regie und Dramaturgie lag bei Martha Hölters-Freier.

1997/98 und 2001 produzierten sie eine poetische Szenenfolge „KontrKAFKA“ zu Leben und Bildwelten Franz Kafkas. Regie und Dramaturgie geführt von Martha Hölters-Freier und Katarzyna Makowska-Schumacher.Intimate Stranger: „KontrKAFKA“ vom Theater Zentrifuge. auf taz.de Über 40 Vorstellungen liefen im Theater Zerbrochene Fenster, im Fliegenden Theater, in der Schwartzschen Villa Steglitz und im Theaterhaus Mitte in Berlin.

Im Juni 1999 – zum 30. Geburtstag des Theaters wurde Kurt Schwitters Projekt „Zusammenstoß“ gespielt.Grüner Globus am Potsdamer Platz. auf welt.deEin Stern schlägt ein. auf taz.de Dieses Projekt thematisiert die gesellschaftlichen und künstlerischen Turbulenzen der goldenen Zwanziger in Kollision mit den aktuellen Umbrüchen der sich neu konstituierenden Hauptstadt am Ende des Millenniums, abermals unter der Regie und Dramaturgie von M. Hölters-Freier. Die Aufführungen fanden in der UfaFabrik und dem Theater Zerbrochene Fenster in Berlin statt.

2002/2003 kam die Produktion „Argonauten – eine nachhaltige Performance“ mit Texten von Paul Auster, Beckett, den Gebrüdern Grimm, Vilém Flusser, Christa Wolf u. a. im Auftrag des Rates für Nachhaltige Entwicklung unter der Regie und Dramaturgie von M. Hölters-Freier. Die Premiere fand im ehemaligen Staatsratsgebäude statt, Aufführungen gab es u. a. im Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt und der UFA-Fabrik, Berlin.

2004/2005 folgte „Amerika – Fegefeuer in 7 Bildern“ nach Franz Kafka, Regie und Dramaturgie Hölters-Freier, mit 25 Aufführungen an verschiedenen Orten in Berlin.Aufbruch in eine grausame Welt. auf nd-aktuell.de

2005–2007 inszenierte Katarzyna Makowska-Schumacher „Der Verschollene oder Beweis dessen, dass es unmöglich ist zu leben“ nach Franz Kafka. Aufführungen liefen in Berlin, Tczew und Lódź.

2006/2007 wurde auch das Projekt „Wenn ein Tiefseefisch verrückt wird - Bilder zum Leben mit Demenz“ mit 20 Pflegekräften, pflegenden Angehörigen, Ausbildern und Azubis gespielt unter der Regie von Hölters-Freier, mit Texten von Michaux, Beckett, Kafka, Schwitters, E. Cavazzati, Theresia Walser und dem Ensemble. Aufführungen fanden in Lehnin, Stuttgart, Wittenberg, Leipzig, Naumburg und im HAU Berlin statt.

2007 spielten sie auch Das verlorene Pferd – Hommage an Felisberto H., groteske Szenen nach den Erzählungen von Felisberto Hernandez, Uruguya. Regie und Dramaturgie führte wieder Hölters-Freier. Premiere war im Mai 2007 im Theater Zerbrochene Fenster.

2008/2009 lief „Last Round Up – oder die Türklinge ist ein Zuding das zu hoch für einen ist - Spiel vom Altwerden, dem allmählichen Schwinden der Erinnerung und vom Leben mit Demenz“, Regie und Dramaturgie führte Hölters-Freier. Aufführungen liefen im Thikwa-Theater, im LIW Lehnin, in Stuttgart, Wittenberg, Leipzig, Naumburg und beim 100 Grad-Festival im HAU Berlin.

2010–2012 folgte „Pong hoch fünf – warum einem Verrückten die Welt gefällt wie sie ist und manchmal nicht.“ - ein Eiertanz in sechs Bildern nach einer Erzählung von Sibylle Lewitscharoff, unter Regie und Dramaturgie von Hölters-Freier. Aufführungen liefen im Thikwa Theater, im LIW Lehnin und beim 100 Grad Festival im HAU Berlin.

2013/2014 lief „Ausflug ins Gebirge – Gratwanderungen und hinterletzte Szenen zu Dada + Demenz + den Verheißungen der Endlichkeit“, Regie und Dramaturgie durch Hölters-Freier. Premiere war im Mai 2013 im Thikwa Theater Berlin, Aufführungen liefen im Theater Aufbau sowie im LIW Lehnin.

2015 folgte „Kommen und Gehen - Geschichten vom Platz“ sehr frei nach Handke und Vivaldi, Regie und Dramaturgie durch Hölters-Freier. Die Premiere war im Juni 2015 im Kunstquartier Bethanien.Theater ZENTRIFUGE: KOMMEN UND GEHEN - Geschichten vom Platz frei nach Handke und Vivaldi in Berlin. auf theaterkompass.de

2016 produzierten sie „Irrfahrt und Versuch, anzukommen“ - eine mobile Performance zum Themenkreis Flucht, Unterwegs-Sein, Ankommen, Fremd-Sein, Regie und Dramaturgie von Hölters-Freier. Die Premiere lief zur 16. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) im Mai 2016 an verschiedenen Orten des Tagungsgeländes im Westhafen.

2018 spielten sie „Ein Boot in der Küche“ - eine absurde Komödie zu den Bildwelten der Malerin Romane Holderried Kaesdorf, in Kooperation mit dem Dramatischen Verein Biberach, Regie und Dramaturgie von Hölters-Freier und Thomas Laengerer. Die Premiere fand in Biberach im April 2018 statt.Vom tieferen Sinn des Unsinns. auf schwaebische.de Es folgten Spielserien im ACUD Theater Berlin-Mitte.

2021/2022 folgte „Aus dem letzten Zimmer – Stimmen und Stationen des Abschied“. Die Premiere war im Juli 2021 auf dem Alten St. Marien - St. Nikolai-Friedhof am Prenzlauer Berg.

2023/2024 lief „Die Kleider der Frauen“ - eine Szenensammlung fantastischer Geschichten nach Brigitte Kronauer und Alice Munro Regie und Dramaturgie führten Martha Hölters-Freier und Lucas Liskowski. Katrin Katz Köbbert spielte eine der Hauptrollen. Die Premiere war im November 2023 im ACUD, Berlin-Mitte. Aufführungen liefen im ACUD und im Theaterforum Kreuzberg.

2025/2026 produzierte die Zentrifuge „Irgendwer ist irgendwo ein Hund und bellt den Mond an...“- ein szenischer Essay über die Tragikomik des menschlichen Daseins, als Hommage an den Filmregisseur Roy Andersson, unter der Regie und Dramaturgie von Hölters-Freier, wieder mit Katrin Katz Köbbert in einer Ensemblerolle. Die Premiere war im August 2025 auf dem Alten St. Marien - St. Nikolai-Friedhof am Prenzlauer Berg, in Kollaboration mit dem Verwalterhaus. Dort liefen auch die weiteren Aufführungen.Irgendwo ist irgendwer ein Hund und bellt den Mond an... auf theaterhaus-berlin.com

Mitgliedschaften Theaterhaus Berlin LAFT Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V.

Weblinks Theater Zentrifuge, auf berlin.museum-digital.de

Einzelnachweise

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