mini|Solecurtus scopula (aus Deshayes, Taf. 6, Fig. 14-16, deutlich sichtbar sind die spitzen Hauptzähne des Schlosses) Solecurtus scopula ist eine Muschelart aus der Familie der Kurzscheidenmuscheln (Solecurtidae) in der Ordnung der Cardiida. Sie ist in den Gewässern des östlichen Atlantiks und des Mittelmeeres verbreitet.

Merkmale Das gleichklappige Gehäuse ist ungleichseitig, die Wirbel liegen etwas vor der Mitte (bezogen auf die Gehäuselänge). Das Gehäuse klafft an Vorder- und Hinterende. Es ist im Umriss länglich-gestreckt. Der vordere Gehäuseteil ist etwas höher als der hintere Gehäuseteil. Hinterer und vorderer Dorsalrand fallen sehr flach ab. Das Vorderende ist breit abgerundet, der Hinterrand ist etwas enger gerundet. Der Ventralrand ist mittig ganz leicht eingebuchtet. Im Adultstadium erreicht das Gehäuse eine Länge von 45 mm.

Das Schloss ist nur schwach ausgeprägt. Es sind nur zwei Hauptzähne (Kardinalzähne) pro Klappe vorhanden. Sie sind sehr lang und zerbrechlich. Der kleinere, hintere Zahn in der linken Klappe bricht oft ab und geht verloren. Der vordere Zahn der linken Klappe und der hintere Zahn der rechten Klappe sind schwach längsgerieft (bifid). Die Mantelbucht ist tief und reicht über die Linie hinaus, die von den Wirbeln senkrecht zur Gehäuselänge gebildet wird. Der dorsale Abschnitt ist gekrümmt, der ventrale Abschnitt fällt meist mit der Mantellinie zusammen. Das außenliegende, markante und gewölbte Ligament liegt hinter dem Wirbel.

Die schmutzigweiße bis cremefarbene Schale ist robust und spröde. Die Skulptur besteht aus feinen Rippen, die diagonal über den mittleren Gehäuseteil verlaufen. Im hinteren Gehäuseteil ändert sich der Winkel und die Rippen ziehen zum hinteren unteren Rand hin. Der Wechsel im Winkel ist deutlich markiert, die Rippen stehen dort dichter und sind wellig. Über dieser Zone ändert sich der Winkel erneut und die feinen Rippen ziehen zum Hinterrand und nach oben zum hinteren Dorsalrand. Im vorderen Gehäuseteil ab etwa einer Linie vom Wirbel zum unteren vorderen Rand fehlen die diagonalen Rippen und die Skulptur besteht nur aus Anwachsstreifen und Unregelmäßigkeiten im Schalenwachstum. Die Anzahl der feinen Rippen ist variabel. Der Innenrand der Klappen ist glatt. Das dünne, bräunliche Periostrakum ist hinfällig und meist nur an den Klappenrändern gut erhalten.

Unterschiede Die Kurze Scheidenmuschel (Solecurtus strigilatus) ist rötlich gefärbt mit zwei charakteristischen, breiten weißen Streifen, die schräg über das Mittelfeld verlaufen. Solecurtus candidus ist deutlich größer, annähernd rechteckig mit parallel verlaufenden Dorsal- und Ventralrändern.

Geographische Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Keltischen See über die Biskaya bis nach Nordafrika (Mauretanien). Die Art kommt auch im Mittelmeer, im Osten bis ins Marmarameer vor. Poppe und Goto geben eine Tiefenverbreitung von der Infralittoralzone bis in 110 m Wassertiefe an. Die Art gräbt tief in schlammigen Schill- oder Kiesgrund.

Taxonomie Das Taxon wurde 1822 von William Turton als Psammobia Scopula in die wissenschaftliche Literatur eingeführt. Allerdings wurde die Art in vielen älteren Publikationen falsch interpretiert. Dieser Interpretation folgend, beschrieben Frank Nolf und Johan Vertraeten die Art als Solecurtus multistriatus (Scacchi, 1835). Solecurtus multistriatus (Scacchi, 1835) ist somit ein jüngeres Synonym von Solecurtus scopula. Die Art, die von den früheren Autoren als Solecurtus scopula bezeichnet wurde, wird heute Solecurtus candidus (Brocchi, 1814) genannt (Oliver et al.). Weitere Synonyme sind: Adasius loscombeus Leach, 1852, Solecurtus albus Blainville, 1827, Solecurtus candidus var. oblonga Jeffreys, 1865, Solen albicans Nardo, 1847 und Solen gallicus Chenu, 1843.

Literatur Peter Graham Oliver, Frank Nolf, Johan Verstraeten: On the identity of Solecurtus scopula (Turton 1822) and the establishment of S. candidus (Brocchi 1814). Journal of Conchology, 40(2): 129-141, 2010. Guido Poppe. Yoshihiro Goto: European Seashells Volume 2 (Scaphopoda, Bivalvia, Cephalopoda). 221 S., Verlag Christa Hemmen, Wiesbaden 1993 (2000 unv. Nachdruck), ISBN 3925919104 (S. 117)

Online Marine Bivalve Shells of the British Isles: Solecurtus scopula (Turton, 1822) (Website des National Museum Wales, Department of Natural Sciences, Cardiff)

Einzelnachweise Serhat Albayrak, Hüsamettin Balkis, Neslihan Balkis: Bivalvia (Mollusca) fauna of the Sea of Marmara. Acta Adriatica, 45(1): 9-26, 2004 PDF

Gérard Paul Deshayes: Traité élémentaire de conchyliologie: avec les applications de cette science à la géologie. tome 3, Atlas. Paris, Crochard, 1839 - 1853 Münchener Digitalisierungszentrum, hier Taf. 6, Fig. 14-16.

MolluscaBase: Solecurtus scopula (W. Turton, 1822)

Frank Nolf & Johan Verstraeten: The family Solecurtidae d’Orbigny, 1846 (Bivalvia: Heterodonta: Veneroida) in European waters. Neptunea, 1(1): 1-17, 2002 PDF auf Neptunea - the Belgian society devoted to the study of molluscs.

Frank Nolf & Johan Verstraeten: Additions to The family Solecurtidae d’Orbigny, 1846 in European waters. Neptunea, 2(2): 13-20, 2003 PDF

William Turton: Conchylia insularum britannicarum. London, Nattali & Leicester, Combe, 1822. Online bei Biodiversity Heritage Library, hier S. 98, Taf. 6, Fig. 10, 11.

Weblinks

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