Das Mädchen, das den Mond trank (Originaltitel: The Girl who Drank the Moon) ist ein Kinderbuch der US-amerikanischen Schriftstellerin Kelly Barnhill für Kinder ab ca. zehn Jahren. Die Erstausgabe erschien 2016 in den Vereinigten Staaten auf Englisch und wurde im Jahr 2018 von Sandra Knuffinke und Jessica Komina ins Deutsche übersetzt.
Entstehungsgeschichte Die Autorin hätte ihrer Aussage nach das Buch beinahe nicht geschrieben, da sie normalerweise mehrere Jahre über ein Buch nachdenken muss, bevor sie es verfassen kann. Sie erwähnte ihre Gedanken darüber dem Verleger gegenüber zufällig, der erfolgreich auf eine rasche Veröffentlichung des Romans drängte.
Inhalt Im Protektorat, einem kleinen Dorf umgeben von Sümpfen und Wald, leben die traurigen und verzweifelten Bewohner in Angst vor einer Hexe. Geschürt wird die Furcht von den „Ältesten“, die gleichzeitig Unterwerfung und bedingungslosen Gehorsam fordern. Die Ältesten selbst leben komfortabel, die restlichen Bewohner in Armut. Sie fordern von den Dorfbewohnern, jedes Jahr das jüngste Kind zu opfern, um die Hexe milde zu stimmen und so Unheil vom Dorf abzuwenden. Am Opfertag legen die Ältesten das jüngste Baby am Waldrand ab und versichern, dass nur dieses Kind von der Hexe getötet, alle anderen Bewohner aber verschont würden. Insgeheim denken die Ältesten, dass das Baby von Wölfen verschlungen wird oder verhungert, nutzen aber die Geschichte, damit die Dorfbewohner nicht aktiv werden und ihre Situation verbessern, sondern sich in ihr unausweichliches Schicksal fügen.
Am Anfang der Geschichte will der Ältestenratsvorsteher Gherland die Prozession zum Tag des Opfers leiten. Er hat seinen jungen Neffen Antain dabei. Dessen Mutter wünscht sich für ihren Sohn einen hohen Status, damit sie und ihre Familie wohlhabender werden und aufsteigen. Antain ist aber eher daran interessiert zu tischlern als Anführer zu werden, da er ein freundliches Naturell hat. Außerdem stellt er den Ältesten unangenehme und verbotene Fragen.
Am Opfertag will Adara, die Mutter des jüngsten Babys, das Kind nicht gehen lassen. Beide, Mutter und Kleinkind, haben ein sichelförmiges Muttermal auf der Stirn. Die Ältesten nehmen sich das Baby mit Zwang und sperren die Mutter in einen Turm. Sie bringen das Kleinkind zum Waldrand und lassen es zurück, während alle anderen in der Stadt ruhig trauern, ohne etwas zu unternehmen, da sie um ihr eigenes Leben bei Ungehorsam fürchten. Antain ist außer sich und fühlt sich schuldig.
Tatsächlich kommt eine Hexe mit Namen Xan und holt, wie jedes Jahr, das Baby, um es zu retten. Sie bringt die Kleinkinder in die Freien Städte, wo sie geliebt und gepflegt werden. Die Menschen dieses Orts lieben die Kinder, die ohne Kenntnis ihrer eigentlichen Herkunft aufwachsen, da sie keine Erinnerung an das Dorf voller trauriger Bewohner auf der anderen Seite des Waldes haben.
Xan bemerkt das merkwürdige halbmondförmige Muttermal auf der Stirn des Kleinkindes und gibt ihm Sternenlicht zu trinken, weil die Reise lang ist und sie dies immer tut. Xan verwechselt jedoch das Licht und gibt dem Baby Mondlicht. Mit Sternenlicht werden die Kinder genährt, Mondlicht aber verleiht magische Kräfte. Xan bemerkt ihren Irrtum und behält das Baby, da diese magischen Fähigkeiten ausgebildet und trainiert werden müssen. Die Hexe nennt das Baby Luna (sprechender Name für Mond, aus dem Lateinischen) und macht es mit dem Drachen Fyrian und dem Sumpfmonster Glerk bekannt. Alle drei, Hexe, Drache und Sumpfmonster, erziehen Luna mit Liebe und Sorgfalt. Xan sorgt sich, als sie sieht, wie Lunas magische Kräfte zu wachsen beginnen und außer Kontrolle geraten. Als Gegenmittel verzaubert die Hexe Luna, damit das junge Mädchen weder sich noch andere mit ihrer Magie verletzt. Bis zum 13. Geburtstag wird Luna sich ihrer Kräfte wegen des Zaubers nicht bewusst. Xan hofft, dass dies lange genug ist, bis sie Luna die Kontrolle über ihre magischen Kräfte beigebracht haben wird. Das Mädchen fällt in Trance, sobald das Wort Magie oder Zauber genannt wird und wächst deshalb in völliger Unkenntnis über ihre Kräfte auf.
Antain besucht im Protektorat die Mutter des Babys im Turm, die als verrückt gilt. Die Schwestern des Sterns und deren böse Anführerin Ignatia bewachten diesen. Antain fühlt sich immer noch schuldig, dass er am Tag des Kindesentzugs nicht eingegriffen hat. Er will sich bei der Mutter entschuldigen, die von Tausenden von selbstgebastelten Papiervögeln umgeben ist. Diese werden durch Magie der Mutter lebendig und zerkratzen sein Gesicht. Von dieser magischen Fähigkeit scheint Adara selbst überrascht zu sein. Antains Narben heilen nicht. Er ist dauerhaft entstellt. Antain gibt die Ausbildung beim Ältesten auf, was seine Mutter nicht akzeptieren kann. Er aber kann seine ihm zugedachte Aufgabe nicht leben und wird stattdessen ein erfolgreicher Zimmermann. Antain findet sich damit ab, dass er wegen des entstellten Gesichts alleine bleiben wird, da sich andere deshalb von ihm abwenden. Er trifft seine ehemalige Klassenkameradin Ethyne, die bei den Schwestern des Sterns ebenso für die bösen Tätigkeiten hätte ausgebildet werden sollen und es nicht aushielt. Die beiden verlieben sich, heiraten und eine bisher unbekannte Gefühlswelt voll Hoffnung entsteht im Protektorat. Als Ethyne schwanger wird, wird ihr und Antain klar, dass ihr Baby am Tag des Opfers das jüngste im Protektorat sein wird und damit das für den Opfertod auserkorene.
Luna wird älter. Der Tag naht, an dem ihre magischen Kräfte freigesetzt werden. Xan bemerkt ihre geringer werdenden Kräfte und sie macht sich Sorgen, wie es ihr gelingen kann, dass Luna ihre Macht kontrollieren kann, bevor Unheil geschieht. Denn wenn Luna ihre Kräfte ab dem 13. Geburtstag nutzen kann, wird Xan sterben.
Im Protektorat beginnt der blinde Gehorsam geringer zu werden. Antain und Ethyne wollen die Herrschaft der Hexe beenden und sie töten, um so ihr Baby zu retten. Die Ältesten wollen ihre Machtposition nicht in Frage gestellt sehen. Gherland will Antain in den Wald folgen und ihn töten, damit sich im Protektorat keine Änderungen der Machtverhältnisse zwischen Ältesten und den Leuten ergeben.
Die beiden Welten treffen zusammen, als Antain Xan trifft, die das jährliche Baby abholen will. Luna hat durch einen Brief erkannt, dass sie magische Kräfte hat. Sie will zu Xan fliegen und verirrt sich im Wald. Mittlerweile wird klar, dass sich die schlimme Situation im Protektorat daraus ergeben hatte, dass eine der Befehlenden, Ignatia, ihr eigenes Leiden an der Welt nur aushalten konnte, indem sie andere leiden sah. Ein Vulkan bricht aus, der – geleitet durch Lunas magische Kräfte – Blasen erzeugt, die die Menschen im Protektorat in Zukunft schützen sollen. Gherland kommt ins Gefängnis, Ignatia und Xan sterben im Krankenhaus, Luna findet ihre Mutter wieder und Antain und Ethyne schützen die Dorfbewohner von nun an. Luna bereist Städte, um die Wahrheit über Xans guten Charakter nachträglich zu enthüllen. Sie findet ein Gedicht, das sie zu einer Papierschwalbe faltet, die sie zum Leben erweckt und ihr sagt: „Die Welt ist gut. Geh und sieh sie dir an.“ Der Vogel tut es und fliegt davon.
Umrahmt wird die Geschichte mit dem ersten und 48. Kapitel, in dem vom Ich-Erzähler deutlich gemacht wird, dass es die Hexe wirklich gibt. Zu Beginn wird dabei auf die kommende Geschichte eingestimmt, am Ende wird gesagt, dass die Hexe in uns allen ist, dass nur die Geschichten überleben und dass letztlich alles eins ist. Der Ich-Erzähler nutzt weitere Rahmenkapitel, in denen er über die Geschichte reflektiert, beispielsweise in Kapitel vier, wo er über die zu vielen Fragen des Zuhörers klagt oder in Kapitel acht, in dem er droht, dass einen die Hexe hole, wenn man nicht an die Wahrheit der Geschichte glaubt.
Rezensionen Andrea Wanner vom Titel-Kulturmagazin sieht Barnhills Erzählweise als vielschichtig, die Dialoge als amüsant, die Charaktere als unverwechselbar und die Handlung durch die unterschiedlichen Perspektiven und Zeitebenen im Roman als komplex an. Ihrer Meinung nach ist das Buch stimmig.
Die Times lobt Barnhills vierten Roman als wundervoll und fügt hinzu, dass über Unterdrückung, blinden Gehorsam und Veränderung einiges beigebracht wird.
Auf Goodreads.com erhält das Buch 4,11 von 5 möglichen Sternen (bei 119.177 Bewertungen, Stand: 2026). Die Geschichte wird als fantastisch wegen der Figuren (Drachen und Hexen) aber auch wegen des Inhalts bewertet, in dem man an zentrale Themen wie an Liebe und an das Leben erinnert wird. Das Buch ist laut S. Penkevich (2025) magisch, rein und einfach.
Auf Lovelybooks.de erhält der Roman 4,3 von 5 möglichen Sternen und wird als literarischer Hochgenuss mit Potential zum Klassiker gesehen, der nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene wegen der tiefgründigen Botschaften und der Themen wie Freundschaft, Mut, Verlust und Trauer gut zu lesen ist (Tanpopo, 2026).
Auszeichnungen 2016: Nominierung für den Andre-Norton-Preis 2017: Charlotte Huck Honor durch den National Council of Teachers of English, NCTE (= Nationaler Rat der Englischlehrkräfte) 2018: Newberry Medal für Kinderliteratur 2018: Ulmer Unke (Sonderpreis)
Adaptationen
Aufführung 2023: Uraufführung im Mai als Theateradaption durch den Regisseur Jan Gehler im Düsseldorfer Schauspielhaus
Rechte für Verfilmung Fox Animation sicherte sich im Jahr 2015 die Rechte für eine etwaige Verfilmung des Romans zu. Marc Haimes wurde für die Adaptation des Drehbuchs gewonnen. Die Idee war, einen Mischfilm aus realen und Animationselementen zu erstellen. Etwaige weitere Entwicklungen sind nicht bekannt (Stand: 2026).
Unterrichtsmaterial Unterrichtskonzept für die Klassenstufen drei mit fünf mit Aufgaben wie Storyboard erstellen, Fragen beantworten, zeichnen Unterrichtsquiz für die Klassenstufen 7 bis 10, Antolin, Westermann
Literatur (Deutsche Ausgaben) Das Mädchen, das den Mond trank (Übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessica Komina, 2. Auflage). S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2020, ISBN 978-3-733-50418-2 (Taschenbuch). Das Mädchen, das den Mond trank (8. Auflage). S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2018, ISBN 978-3-737-35538-4 (Hardcover). Das Mädchen, das den Mond trank (1. Auflage). Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2018, ISBN 978-3-733-65063-6 (E-Book, 6559 KB). Das Mädchen, das den Mond trank. (Gesprochen von Simon Jäger). Argon Kinder und Jugendhörbuch, Berlin, ISBN 978-3-732-44173-0 (MP3. 7 Stunden 10 Minuten, gekürzte Fassung).
Weblink Hörbuchbeginn auf YouTube, 2018, 14:59 Min.
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Kinderliteratur