Die Baugenossenschaft Ideal e.G. ist eine Berliner Wohnungsgenossenschaft, die 1907 gegründet wurde. Sie hat etwa 8.400 Mitglieder; im Bestand befinden sich rund 4.600 Wohnungen in den Bezirken Neukölln und Tempelhof-Schöneberg.
Geschichte mini|Ideal-Passage, 2012 mini|1914 von Reinhold Kiehl für Ideal in Berlin-Britz an der Hannemannstraße gebaut, 2015 mini|1928/29 von Bruno Taut für Ideal in Berlin-Britz am Buschrosenplatz gebaut, 2015 Die Genossenschaft wurde als Rixdorfer Baugenossenschaft „Ideal“ eGmbH am 9. April 1907 fast ausschließlich von Mitgliedern der Geschäftsführung der Allgemeinen Ortskrankenkasse – Ärzten, Zahnärzten und Apothekern – in Rixdorf gegründet. Die AOK wollte ursprünglich ein Verwaltungsgebäude errichten und gleichzeitig „gesunde, ideale“ Wohnungen bauen. Ein Grundstück war bereits gekauft, der Wohnungsbau wurde der AOK jedoch nicht genehmigt. Aus dem Preußischen Gewerbeministerium wurde der AOK vorgeschlagen: „Gründen Sie doch eine Genossenschaft und verkaufen dieser den für den Wohnungsbau bestimmten Grundstücksteil.“ So geschah es und bereits im Gründungsjahr wurde mit dem Bau der ersten Wohnungen begonnen – die Ideal-Passage.
In den folgenden Jahren bis 1935 wurden 1.120 Wohnungen und zehn Einfamilienhäuser in Britz südlich der heutigen Franz-Körner-Straße gebaut. Beim Bau der Wohnanlagen sollten auch Ideen der an der Genossenschaft beteiligten Wohnungsreformer Rudolph Eberstadt und Werner Hegemann verwirklicht werden. Neben der Eberstadtallee sollte auch ein Aronsweg entstehen, benannt nach dem Physiker und sozialdemokratischen Politiker Leo Arons, dem Erfinder der Quecksilberdampflampe und finanziellen Unterstützer freier Gewerkschaften und auch der Baugenossenschaft Ideal. Bezüglich der Straßennamen kam es bereits in den 1910er Jahren zu einer politischen Konfrontation zwischen dem Landrat des Kreises Teltow und dem Britzer BürgermeisterFelix Escher, Neukölln, S. 56 f.. Die Eberstadtallee und der Aronsweg wurden schließlich 1935 umbenannt; hierbei sind antisemitische Motive zu vermuten.
Die Mehrfamilienhäuser in Britz gehören zu den frühesten Zeilenbauten in Deutschland. Am Bau war auch der Wohnreformer Bruno Taut beteiligt. Taut schrieb 1930 rückblickend:
In Mariendorf wurde 1938 mit dem Bau weiterer 345 Wohnungen begonnen. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges besaß die Ideal etwa 1.400 Wohnungen, von denen während des Krieges mehr als die Hälfte beschädigt oder zerstört worden war.
Ab Ende der 1950er Jahre entstanden insgesamt 696 Wohnungen in Buckow, Mariendorf und Marienfelde.
mini|links|hochkant|Ideal-Hochhaus in der Gropiusstadt, 2011 Beim Bau der Gropiusstadt ließ die Baugenossenschaft Ideal in den 1960er Jahren 815 Wohnungen errichten, darunter 228 im Ideal-Hochhaus, Berlins damals und heute höchstem Wohnhaus. Architekt dieses Gebäudes war Walter Gropius. In den folgenden Jahren wurden weitere 615 Wohnungen in Lichtenrade und 173 Wohnungen in Rudow gebaut, von denen 119 speziell für Senioren ausgelegt waren. Bis 1976 wurden – ebenfalls in Rudow – 140 weitere Seniorenwohnungen fertig. In den 1980er Jahren entstanden Gewerbebauten und Anfang der 1990er Jahre 45 Wohnungen in Britz, in den 1990er Jahren wurden 187 weitere Wohnungen in Rudow gebaut.
1997 erwarb Ideal 93 Wohnungen in Mariendorf, 15 Jahre später, 2012 kamen weitere 129 Wohnungen in Lichtenrade hinzu. Bis Ende 2016 wurden in Buckow 100 Wohnungen neu gebaut. Bis 2018 entstanden 44 neue Wohnungen in Mariendorf und 49 weitere Wohnungen bis 2024.
Gegenwart Über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheidet der Vorstand der Genossenschaft. Die Höhe der mindestens zu zeichnenden Genossenschaftsanteile richtet sich nach Größe der jeweiligen Wohnung. Hinzu kommt eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von 50 Euro. Die Höhe der Dividende, über die die jährliche Vertreterversammlung entscheidet, betrug in den letzten Jahren 4 % des Geschäftswertes. Bei Interesse können weitere Anteile erworben werden; es besteht jedoch eine Begrenzung auf maximal 200 Genossenschaftsanteile je Mitglied. Der Wert eines Anteils beträgt 180 Euro.
Die Baugenossenschaft Ideal bietet Gästewohnungen, Gemeinschaftsräume und unterhält Saunen und Waschhäuser.
Ideal engagiert sich für die Themen Lebensqualität und Klimaschutz. Die Genossenschaft bildet Immobilienkaufleute aus.
Literatur Felix Escher: Neukölln (Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke, Band 3). Colloquium-Verlag Berlin, 1988, ISBN 3-7678-0713-0. Jean Molitor, Katja Voss: Bauhaus in Berlin. Eine fotografische Reise durch die Klassische Moderne. BeBra Verlag, Berlin, 2023, ISBN 978-3-8148-0278-7
Einzelnachweise
Kategorie:Wohnungsbaugenossenschaft (Berlin) Kategorie:Unternehmensgründung 1907