Johannes Grandinger (* 27. März 1869 in Nürnberg; † 25. Oktober 1941 in Bamberg) war ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher und Mitglied der bayerischen Kammer der Abgeordneten.

Leben Johannes Grandinger wurde als Sohn des Lokomotivführers Johann Baptist Grandinger und dessen Ehefrau Babette Höring geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur absolvierte er ein Studium der Theologie am Lyzeum Bamberg und erhielt 1891 die Priesterweihe. Im Jahr darauf kam er als Kaplan in die Pfarrei St. Gangolf in Bamberg und begründete 1893 die katholische Wochenschrift „St. Heinrichsblatt“. Als Redakteur war er über Jahre für deren Inhalt verantwortlich. Er fühlte sich als Pfarrer in Elbersberg in der Fränkischen Schweiz nicht gefordert und schrieb dort „Der Bergpfarrer -Gereimtes und Ungereimtes von dem fränkischen Jura“. 1900 bewarb er sich auf eine freie Stelle in der Pfarrei St. Bartholomäus Nordhalben und konnte noch im selben Jahr seinen seelsorgerischen Dienst beginnen. Die Not der Menschen im Frankenwald war ihm ein Anliegen und so übernahm er den Vorsitz im „Arbeiter-Beschäftigungs-Komitee“. Seine Bemühungen lagen auch in der Ansiedlung neuer Firmen und in der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Er setzte sich für die Einführung der Spitzenklöppelei ein, so dass Frauen eine Möglichkeit des eigenen Broterwerbs erhielten. Die Gründung einer Klöppelschule ging auf seine Initiative zurück.Matthias Einwag, inFranken.deDer Vergessenheit entrissen:Johannes Grandingen

Grandinger sah sich in der Zentrumspartei nicht mehr am richtigen Platz; seine politische Einstellung war liberal und sozial. Als 1907 eine „Liberale Vereinigung Nordhalben und Umgebung“ ins Leben gerufen und er bei der Nominierungsversammlung von den Gemeindebürgern für den Wahlkreis Naila vorgeschlagen wurde, kam Unmut in der katholischen Bevölkerung auf. Nach Auseinandersetzungen und seinem zwischenzeitlich angekündigten Verzicht auf eine Kandidatur wurde er trotzdem vier Wochen später in dem Wahlkreis einstimmig nominiert. Das war ein Novum im Deutschen Reich: zum ersten Mal kandidierte ein katholischer Priester für die Liberalen. Er wurde mit 59,2 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Naila gewählt.

Der Bamberger Erzbischof verbot ihm die Zugehörigkeit zu der liberalen Partei. Damit kam es zu öffentlichen Auseinandersetzungen. Der Münchener Magistrat berief ihn 1911 zum Pfarrer in Pullach. Diese Entscheidung fand keine Bestätigung. Es kam zu einem Kompromiss: Grandinger durfte nicht der Liberalen Fraktion beitreten, wohl aber ein Mandat als Fraktionsloser ausüben.Michael Wunder:der Heilige von NordhalbenLebensweg des Johannes Grandinger So wurde Grandinger der einzige der 163 Abgeordneten, der keiner Fraktion angehörte. Er blieb bis 1911 in dem vorzeitig aufgelösten Parlament und setzte sich für die Belange des Frankenwaldes ein, wurde Fürsprecher für Forst- und Holzarbeiter und gründete einen eigenen Berufsverband der Forstwirte. mini|St. Bartholomäus Buttenheim 1914 verließ er den Frankenwald und wechselte in die Pfarrei St. Bartholomäus Buttenheim bei Bamberg, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1934 blieb. In den 1930er Jahren setzte er sich für die Buttenheimer Juden ein. Das führte dazu, dass die NS-Machthaber einen Anschlag auf das katholische Pfarramt verübten.Andreas Spörlkein, inFranken.de Weit mehr als die Geschichte von Levi Strauss; Johannes Graudinger und die Buttenheimer Juden

Mitgliedschaften Sektionsmitglied im Deutschen Alpenverein.

Schriften 1900 Der Bergpfarrer-Gereimtes und Ungereimtes von dem fränkischen Jura 1926 Buttenheim – ein Heimatbuch 1938 Das Predigerseminar St. Christophorus Bamberg

Siehe auch Liste der Mitglieder des Bayerischen Landtages (Königreich, 20. Wahlperiode)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Zentrum-Mitglied Kategorie:Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1869 Kategorie:Gestorben 1941 Kategorie:Mann