Der Verein Deutsche Sprache (VDS) ist ein deutscher eingetragener Verein mit Sitz in Dortmund, der sich als deutscher Sprachverein mit dem Ziel versteht, das Deutsche als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern. Er wurde 1997 gegründet und zählt nach eigenen Angaben 36.000 Mitglieder (Juni 2021). Gründer und Vorsitzender des Vereins ist der Ökonom und Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik Walter Krämer. Einige Sprachwissenschaftler werfen dem Verein aggressiven Sprachpurismus mit nationalistischen Tendenzen vor.
Problembeschreibung und Forderungen des VDS In der Satzung formuliert der VDS: „Der Verein verfolgt das Ziel, die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern.“ Das von ihm so gesehene Problem beschreibt der VDS wie folgt:
Der VDS geht in erster Linie gegen Wortmischungen aus dem Englischen und Deutschen („Denglisch“) vor, lehnt aber die Übernahme von Fremdwörtern aus dem Englischen nicht ab, sofern sie eine Lücke füllen. In den sprachpolitischen Leitlinien des Vereins heißt es dazu: „Wir fordern nicht, dass das Deutsche grundsätzlich von englischen Fremdwörtern freigehalten oder vor ihnen ‚geschützt‘ werden soll. Das Deutsche ist wie viele andere Sprachen Europas eine Mischsprache. Der Wortschatz des Deutschen wird durch Wörter und Wendungen aus anderen Sprachen bereichert.“
Auf der Ebene der EU beklagt der VDS eine von ihm gesehene „schwindende Bedeutung der nicht-englischen Sprachen in den Ämtern und Gremien der Europäischen Union“. „Große Sprachen, darunter besonders Deutsch als weitest verbreitete Muttersprache der EU“ würden „an den Rand gedrängt“.
Konkret fordert der VDS für die Wissenschaft, die deutsche Sprache solle in Forschung und Lehre gefördert werden. Deutsch solle als gleichberechtigte Konferenzsprache auf Kongressen in den deutschsprachigen Ländern gesprochen werden und deutschsprachige wissenschaftliche Veröffentlichungen sollen gefördert werden. Er fordert eine europäische Zitationsdatenbank für deutschsprachige wissenschaftliche Veröffentlichungen. Fachunterricht an allen Schulen solle ausschließlich in Deutsch erfolgen.
Geschichte Der Verein wurde 1997 als Verein zur Wahrung der deutschen Sprache (VWDS) von Walter Krämer gegründet, der seitdem 1. Vorsitzender ist. Im April 2000 wurde er in Verein Deutsche Sprache umbenannt.
Die Vereinszeitung Sprachnachrichten erscheint seit Herbst 2008 in reformierter Rechtschreibung. Grundsätzlich sieht der Verein Rechtschreibregeln als weniger wichtig für die deutsche Sprache an: „Die vielen Anglizismen bringen deren Laut- und Schriftbild viel nachhaltiger ins Wanken als ein paar missglückte Rechtschreibregeln.“
Mitgliederstruktur Der Verein hat nach eigenen Angaben 36.000 Mitglieder (Juni 2019), nach einer Analyse aus dem Jahr 2009 überwiegend Männer ab 45 Jahren, häufig mit akademischer Ausbildung in technischen, naturwissenschaftlichen und juristischen Berufen.Wirth, Unter den Mitgliedern befinden sich zahlreiche Prominente.Wirth, Der VDS hat eine Auswahl auf seiner Homepage veröffentlicht.
Auch juristische Personen können Mitglieder im Verein werden. Diese Möglichkeit haben unter anderem einige kommunale Gebietskörperschaften wahrgenommen. Als erste Stadt ist im Jahr 2005 Mühlhausen/Thüringen dem Verein beigetreten. Später folgten die Städte Gotha, Rastatt, Landshut und Trossingen sowie die Landkreise Sömmerda und Harburg (Stand 2010).Wirth,
Organisation Regionalgruppen Der Verein ist in Deutschland in zahlreichen selbständigen Regionalgruppen organisiert. Sie entsenden Delegierte in eine jährlich ausgerichtete Delegiertenversammlung, die den elfköpfigen Vorstand wählt. Der Verein ist auf allen Kontinenten im Ausland vertreten, jedoch nicht in Österreich und der Schweiz, weil es dort eigenständige Sprachvereine gibt, die mit dem VDS zusammenarbeiten. Seit 2011 unterhält der Verein eine Zweigstelle in Dänemark.
Die Kölner Gruppe, die sich zusätzlich der Kölner Mundart verbunden fühlt, verleiht seit 2004 den Lehrer-Welsch-Sprachpreis, den 2006 die Kölner A-cappella-Gruppe Wise Guys erhielt. Weitere Preisträger sind Die Sendung mit der Maus (2009)WDR-Pressemitteilung: In: WDR-Presselounge. 25. Juni 2009, abgerufen am 1. Juli 2019. und die Kölner Musikgruppe Höhner (2011).Höhner ausgezeichnet mit dem Lehrer-Welsch-Sprachpreis. In: Express.de. 7. Oktober 2010, abgerufen am 1. Juli 2019. Die Regionalgruppe Hamburg verleiht jährlich den Elbschwanenorden.VDS: Elbschwanenorden.
Arbeitsgruppen Der Verein hat in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts seine Themenfelder über Sprachpflege hinaus erheblich erweitert. Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Arbeitsgruppen ins Leben gerufen mit Schwerpunkt auf sprachpolitischen Themen wie Deutsch in der Politik, Deutsch in Verwaltung und Wirtschaft, Deutsch in der Wissenschaft, Ausbildung und Schule und Gegenwartsdeutsch.VDS: Arbeitsgruppen.
Geschäftsstelle Seit 2023 befindet sich die Geschäftsstelle des VDS in Kamen (Ortsteil Methler) und wird als „Sprachhof“ bezeichnet.VDS lädt zum Tag der offenen Tür am 16.9.2023 – Konzert am 15.9.2023. Verein Deutsche Sprache.
Vereinszeitung Der Verein Deutsche Sprache gibt unter anderem die vierteljährlich erscheinende Vereinszeitung Sprachnachrichten heraus, die nach eigenen Angaben in einer Druckauflage von 25.000 Exemplaren (Ausgabe 4/2024) produziert wird. Im Juni 2019 lag die Auflage bei 30.000 und 2013 bei 45.000 Exemplaren.VDS: Sprachnachrichten.VDS-Vereinszeitung: Sprachnachrichten. Nr. 57, 1/2013, S. 32 (). Seit 2002 ist sie auch online und seit 2009 im Zeitschriftenhandel erhältlich.
Wissenschaftlicher Beirat In sprachwissenschaftlichen Fragen steht dem Verein ein 1999 gegründeter wissenschaftlicher Beirat zur Seite, dem vorwiegend Sprachwissenschaftler angehören und der von dem Germanisten Roland Duhamel (Universität Antwerpen) geleitet wird. Nicht alle der neun Mitglieder des Beirats sind Vereinsmitglieder.VDS: Wissenschaftlicher Beirat. Zitat: „[…] renommierte Sprachwissenschaftler und Sprachwissenschaftlerinnen. Einige davon plus ausgewiesene Sprachfreunde außerhalb des VDS haben sich zu einem wissenschaftlichen Beirat zusammengeschlossen.“
Finanzierung Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch seine Mitgliedsbeiträge und Spenden, meist aus dem Kreis der Mitglieder, sowie durch Erlöse aus Buchverkäufen und Ähnlichem. Er hat mehrmals vergeblich versucht, öffentliche Fördermittel einzuwerben.Wirth,
Initiativen Negativpreis und Auszeichnungen Sprachpanscher des Jahres Der Verein Deutsche Sprache verleiht jährlich den Negativ-Preis „Sprachpanscher des Jahres“ an Institutionen und Personen, die im öffentlichen Sprachgebrauch auffällig viele Anglizismen oder Denglisch verwenden.
Kulturpreis Deutsche Sprache Von 2001 bis 2021 vergab der VDS zusammen mit der Eberhard-Schöck-Stiftung jährlich den „Kulturpreis Deutsche Sprache“, einen der höchstdotierten Sprachpreise im deutschsprachigen Raum. Seit 2022 ist die Eberhard-Schöck-Stiftung allein für die Vergabe des Preises verantwortlich, der VDS ist nicht mehr beteiligt. Der Geschäftsführer der Stiftung gab an, man stimme mit dem VDS in wichtigen Dingen nicht mehr überein. Insbesondere wolle die Stiftung etwas Positives auszeichnen, der VDS sei jedoch besonders aktiv darin, aus seiner Sicht Negatives anzuprangern.Matthias Lohr: Kassel verliert Kulturpreis Deutsche Sprache. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 28. Oktober 2021, hna.de; Andreas Jüttner: Wie der Kulturpreis Deutsche Sprache nach Baden-Baden kam und was den Preisträger Max Goldt auszeichnet. In: Badische Neueste Nachrichten, 7. Oktober 2022, bnn.de
„Schlagzeile des Jahres“
Seit 2010 vergibt der Verein Deutsche Sprache die undotierte Auszeichnung „Schlagzeile des Jahres“. Es sollen nach Eigenangaben zwei Eigenschaften berücksichtigt werden: das Zusammenfassen des Wesentlichen eines Beitrags in wenigen Worten sowie die kreative Nutzung des wortspielerischen Reichtums, über den die deutsche Sprache nicht weniger als andere verfüge.VDS: Schlagzeile des Jahres.
Preisträger: 2010: Die Zeit mit der Schlagzeile „Krieger, denk mal!“ – zur Münchner Sicherheitskonferenz und veralteten Strategien der militärischen Abschreckung 2011: taz mit „Brüderle bei Ehrlichkeit ertappt“ – über die taktischen Gründe des Atomausstiegs der Bundesregierung„Schlagzeile des Jahres“: „taz“ für Brüderle-Überschrift ausgezeichnet. In: Spiegel Online. 25. November 2011, abgerufen am 1. Juli 2019;Zitat: „Kurz vor der Wahl in Stuttgart überraschte Rainer Brüderle mit einem Eingeständnis, mit dem keiner gerechnet hatte: Der Atomstopp der Regierung habe taktische Gründe. Die ‚taz‘ zog die nötigen Schlüsse – nun wurde sie für die ‚Schlagzeile des Jahres 2011‘ ausgezeichnet.“ 2012: Stern mit „Politik. Macht. Einsam.“ – zu einem Bericht über den Politiker Gregor Gysi 2013: Bild mit „Yes, we scan!“ – die drei Worte würden besser als manche Leitartikel „die Enttäuschung vieler Europäer über die Überwachungsmanie der Obama-Regierung zusammenfassen“;VDS: 2013: Bild „Yes, we scan!“ (PDF: 28 kB, 1 S.) 27. November 2013. die Bild-Zeitung lehnte den Preis aber mangels eigener Urheberschaft abBild lehnt Preis dankend ab. In: RP-online.de. 28. November 2013, abgerufen am 1. Juli 2019. 2014: Frankfurter Allgemeine Zeitung u. a. mit „Fluchhafen Berlin“ 2015: Süddeutsche Zeitung mit „Der Mann, der die Mauer niederstammelte“ 2016: Focus mit „Macht. Wahn. Erdogan.“ 2017: Süddeutsche Zeitung mit „1:0 verloren“ – über Angela Merkels zweideutigen WahlerfolgPaul-Josef Raue: „May Day“ und „Leyen-Spiel“: Die Schlagzeilen des Jahres. In: Kress.de. 11. Dezember 2017, abgerufen am 1. Juli 2019. 2018: Bild mit „Grün ist das neue Rot“ 2019: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit „Baden gehen mit Thomas Cook“ – über die Erlebnisse deutscher Urlauber mit der Pleite von Thomas Cook.„Baden gehen mit Thomas Cook“ lautet die Schlagzeile des Jahres 2019. In: UEPO.de – das Übersetzerportal, 1. Dezember 2019, abgerufen am 18. März 2020. 2020: Westfälische Rundschau mit „Forschung und Leere“ (Bezugnahme auf den coronabedingten Lockdown) 2021: Süddeutsche Zeitung mit „Katarstimmung beim FC Bayern“ 2022: Süddeutsche Zeitung mit „Klebe wohl!“ 2023: Bild mit „Birkenstock latscht an die Börse“ 2024: Bild am Sonntag mit „Danke, ihr Pfeifen!“ 2025: Frankfurter Allgemeine Zeitung mit „Im Frühstau zu Berge“Schlagzeile des Jahres: „Im Frühstau zu Berge!“ Verein Deutsche Sprache, abgerufen am 8. Februar 2026.
Wortpatenschaft Dieses Projekt, das 2006 ins Leben gerufen wurde, vergibt Patenschaften für deutsche Wörter. Aufgebaut wurde die Seite im Rahmen einer Diplomarbeit an der Technischen Universität Ilmenau unter dem Dach des Vereins Deutsche Sprache. Die Einnahmen gehen an Medfux, eine vom ehemaligen Pressesprecher des VDS gegründete Medienagentur, die für die praktische Umsetzung des Projekts zuständig ist.Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache. University of Bamberg Press, 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 288
Der Umfang der Datenbank beträgt derzeit 507.232 Wörter, 17.594 Wortpatenschaften sind aktuell vergeben (Stand April 2025).
Während die Beteiligten die Wortpatenschaft als Sprachpflegeprojekt sehen,Wortpatenschaft Beteiligte, Wortpatenschaft.de. meinen Kritiker wie der Verleger Koray Yılmaz-Günay, dass sich dieses Projekt auf eine „diffuse Angst vor einem angeblichen Verfall der deutschen Sprache“ stütze.Koray Yılmaz-Günay: Ich hege und pflege Pi!. Website von Koray Yılmaz-Günay, abgerufen am 14. Mai 2025. Die taz wirft die Frage auf, ob der VDS überhaupt anbieten darf, was ihm nicht gehört, denn Sprache sei schließlich Allgemeingut. Letztendlich handele es sich einfach um eine unkonventionelle Spendenkampagne, die der deutschen Sprache gar nichts bringe.Boris R. Rosenkranz: Aus „Scheisse“ Geld machen. In: taz, 28. Februar 2006.
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