mini|Bergleute im Gespräch Die Bergmannssprache ist eine berufsgruppenspezifische Fachsprache (Soziolekt) im Bergbau. Sie zeichnet sich durch Schaffung und Entwicklung eigenständiger oder abgewandelter Termini aus. Neben vielen Fachtermini haben auch derbe Worte aus der Alltagssprache Aufnahme gefunden. Die Bergmannssprache gehört zu den ältesten Fachsprachen; bereits aus dem 13. Jahrhundert sind Ausdrücke belegt.Astrid Stedje, Heinz-Peter Prell: Deutsche Sprache gestern und heute: Einführung in Sprachgeschichte und Sprachkunde. (= Uni-Taschenbücher. Band 1499). 2007, S. 257. Die Sprache ist über Jahrhunderte gewachsen und bewahrt dadurch häufig alte Wortformen und Bedeutungen, die in der modernen Sprache bereits ausgestorben oder verdrängt sind, wie sprachwissenschaftliche Vergleiche zeigen.Herbert Wolf: Studien zur deutschen Bergmannssprache in den Bergmannsliedern des 16.–20. Jahrhunderts. (= Mitteldeutsche Forschungen. Band 11). Max Niemeyer Verlag, 1958.
Die ersten Glossare der Bergmannssprache lassen sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts finden. Bereits in der zweiten Auflage des Bergbüchleins von Ulrich Rülein von Calw aus dem Jahre 1518Lothar Hoffmann, Hartwig Kalverkämper, Herbert Ernst Wiegand: Fachsprachen: ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. Band 1, Walter de Gruyter, 1997, S. 1931ff. findet sich ein achtseitiger Anhang zu „Bercknamen, den anfahrenden Bergleuten vast dienlich“, der die Unterschiede zwischen bergmännischen und allgemeinsprachlichen Ausdrücken erläutert. Besondere Bedeutung kommt den Schriften Georgius Agricolas zu, dessen 1528 erschienene Abhandlung „Bermannus, sive de re metallica dialogus“ („Gespräch vom Bergwesen“) unter anderem eine Liste von 76 Fachtermini enthält. Seine nach seinem Tod veröffentlichten „De re metallica libri XII“ („XII Bücher vom Berg- und Hüttenwesen“) (1566) enthalten ein umfangreiches Glossar bergmännischer Ausdrücke und Redensarten. Ab dem 17. Jahrhundert wurden echte Wörterbücher der Bergmannssprache veröffentlicht, etwa das bekannte „Ausgeklaubte Gräublein Ertz“ von G. Junghans (1680). Mitte des 19. Jahrhunderts umfasste der Wortschatz der Bergmannssprache vermutlich über 10.000 Wörter.Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Band 3, Verlag der H. Laupp’schen Buchhandlung, 1846, S. 437.
Da der deutsche Bergbau besonders im 18. Jahrhundert weltweit als führend in der Bergbautechnik galt, verbreiteten sich deutsche bergmännische Termini als Lehnworte in andere Sprachen, so z. B. ins Russische.Lore Trebbin: Die deutschen Lehnwörter in der russischen Bergmannssprache. (= Veröffentlichungen der Abteilung für Slavische Sprachen und Literaturen des Osteuropa-Instituts (Slavisches Seminar) an der Freien Universität Berlin. Band 12). Harrassowitz, Wiesbaden 1957. Alexander von Humboldt verfasste seine geologischen Aufzeichnungen, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten, stets in Deutsch unter Verwendung der Bergmannssprache, um sich möglichst fachlich präzise ausdrücken zu können.Ulrike Leitner: Studia Fribergensia: Vorträge des Alexander-von-Humboldt-Kolloquiums in Freiberg vom 8. bis 10. November 1991. (= Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung. Band 18). Akademie Verlag, 1995, S. 40.
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3/3-Betrieb (gesprochen Drei-Drittel-Betrieb, auch „dreidrittlig“): Schichtbetrieb, bei dem üblicherweise die Seilfahrt um 06:00, 14:00 und 22:00 Uhr stattfindet. Bei 6-Stunden-Betrieben auch 06:00, 12:00, 18:00 oder 7-Stunden Betrieben um 06:00, 13:00, 20:00 Uhr. 4/3-Betrieb (gesprochen Vier-Drittel-Betrieb, auch „vierdrittlig“): Schichtbetrieb, bei dem üblicherweise die Seilfahrt um 06:00, 12:00, 18:00 und 24:00 Uhr stattfindet. 5/3-Betrieb (gesprochen Fünf-Drittel-Betrieb, auch „fünfdrittlig“): Schichtbetrieb, bei dem die Abwechslung vor Ort stattfindet und lange Fahrungszeiten erforderlich sind. Üblicherweise findet die Seilfahrt um 06:00, 10:00, 15:00, 20:00 und 24:00 Uhr statt. 7-Stunden-Betrieb: Bei warmer Arbeit (mehr als 28 °C) wird die Schichtzeit durch die Klimabergverordnung (KlimaBergV) auf 7 Stunden begrenzt.
A Abbau: Vorgang des Lösens von Mineralien aus einer Lagerstätte, aber auch der Ort, an dem dies geschieht. Abbaufortschritt: Fortschritt eines Abbaubetriebes in Abbaurichtung. Abbauführung: Die organisatorischen Möglichkeiten zur Führung eines Abbaus. Abbauhöhe: Aufgeschlossener und für den Abbau bestimmter Teil eines Grubenfeldes. Abbaurichtung: Hauptrichtung, in der ein Lagerstättenanteil mittels des jeweiligen Abbauverfahrens in Angriff genommen wird. Abbaustoß: Angriffsfläche für den Abbau. Abbaustrecke: Horizontaler Grubenbau in der Lagerstätte, der den Abbau begleitet. Abbauverfahren: Technik, die im Bergbau dazu dient, eine Lagerstätte wirtschaftlich auszubeuten. Für jede Lagerstätte wird das jeweilige Abbauverfahren genau geplant. Abbauverluste: Nicht abbaubare Lagerstätteninhalte innerhalb eines Grubenfeldes, gerechnet in Prozent des anstehenden Lagerstätteninhaltes. Abgang (oft im Plural, Abgänge): das Abfallmaterial aus einer (Erz-)Aufbereitungsanlage (engl. Tailings). Insbesondere im Steinkohlebergbau auch als Waschberge bezeichnet. Abkehren: Den Dienst aufgeben; Entlassen eines Bergmanns (siehe Anlegen). mini|hochkant=0.6|Als „Bergmannsklo“ bezeichneter Abortkübel Ablegen: Entlassen eines Bergmannes Abortkübel, auch Bergmannsklo genannt: Behälter mit verschließbarem Deckel zur Verrichtung der Notdurft unter Tage. Abraum: Im Tagebau das die Lagerstätte überdeckende Gestein, von abräumen. Absaufen: Ungeplantes Volllaufen der Grubenbaue mit Wasser. Abschlag: Vortrieb, der durch jeweils eine Sprengarbeit entstanden ist. Absetzen: Im Tagebau das Aufschütten des Abraumes, oft mittels eines Absetzers; auch verkippen oder verstürzen genannt. Abteufen: Herstellen eines Schachtes von oben nach unten. mini|hochkant=0.6|Firstsicherung in der Grube Glasebach Abtreiben, auch bereißen oder berauben: loses Gestein aus Sicherheitsgründen herunterreißen, „die Firste hart machen“. Abwerfen: Aufgeben einer Grube oder eines Abbaufeldes. Abwetter: Aus den Grubenbauen abgeleitete verbrauchte Luft.
Alter Mann: Abgebaute Räume, die entweder durch Einbringen von Bergeversatz oder durch Niedergehen des Daches (vgl. Pfeilerbau) unzugänglich geworden sind, werden Alter Mann, Altung, auch Bruch oder Wüstung genannt.Abbau. In: Otto Lueger: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften. Band 1, Stuttgart / Leipzig 1904, S. 2–3. (online auf: zeno.org). Am Mann: Gegenstände, die man bei sich führt, sind „am Mann“. Im Untertagebergbau sind z. B. eine Grubenlampe, ein Helm und weiteres immer am Mann. anhauen: ein(en) Abbau / Auffahrung / Strecke beginnen Anlegen: Einstellen eines Bergmanns. Anschläger: Bergmann, der im Füllort unter und auf der Hängebank über Tage die Fördertonnen ans Seil anschlägt. Bedient die Signalanlage zur Verständigung mit dem Maschinisten. Anschnitt: Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben des Berggebäudes beim Bergamt. Der Anschnitt erfolgte in früheren Jahrhunderten mittels Kerbholz. Antrieb: ohne besondere Erläuterung ist der Kopf des Panzers gemeint Armut: Kohle und Holz, die der Kumpel mit nach Hause nimmt (siehe Mutterklötzchen, Matzeln oder Hasen) mini|hochkant=0.6|Arschleder: Bergmann, der auf dem Leder einfährt (nach Georg Agricola) Arschleder: Gesäßschutz des Bergmanns, insbesondere, wenn er auf dem Leder einfährt (über tonnlägige Schächte in den Berg rutscht). Hauptsächlich aber als Schutz vor Nässe und Kälte beim Sitzen, siehe auch Kniebügel. Assanisator: Person, die für die Entleerung der untertägigen Abortkübel verantwortlich ist. aufbereiten: Gewonnene Mineralien zerkleinern, sortieren, klassieren, anreichern, konzentrieren. Aufbruch: Von unten, von einer tieferen Sohle her, nach oben hergestellter Grubenbau. Auffahren: Einen Grubenbau herstellen. Auger Mining: Eine Gewinnungsmethode, die im US-amerikanischen Bergbau entwickelt wurde, bei der die Gewinnung mittels groß dimensionierter Schneckenbohrer erfolgt. Aufhauen: Eine in einer Lagerstätte aufwärts führende Strecke, z. B. Strebaufhauen zur Vorrichtung eines Strebbaus, Wetteraufhauen zur Wetterführung. aufholen: Gegenteil von Hängen bei der Vertikalförderung auflassen: endgültiges Verlassen des Bergwerks nach Beendigung der Gewinnungsarbeiten. Aufschließen: Eine Lagerstätte durch ein neues Bergwerk zugänglich machen. aufwältigen: Einen verbrochenen (eingestürzten) oder verfüllten Grubenbau wiederherstellen. mini|hochkant=0.6|Ausbau mit Holzstempeln Ausbau: Abstützung innerhalb des Bergwerkes. Ausbaubock: Hydraulischer Schreitausbau, Nachfolgetyp des Ausbaugespannes. Ausbaugespann: Hydraulischer Schreitausbau, der aus zwei oder drei Ausbaurahmen besteht. Ausbaurahmen: Hydraulischer Ausbau, der im Bergbau beim Strebbau eingesetzt wurde. Ausbeißen, auch ausgehen; bergmännisch für zu Tage kommen, sich verringern, verschmälern; ausgehendes Flöz: ein zu Tage sich verschmälerndes, selbst aufhörendes Flöz. Ausbeute: Überschuss aus dem Ertrag eines Bergwerks. Ausbeutebogen: Verzeichnis aller Zechen eines Bergbaureviers, die Gewinne abwarfen. Ausbiss: Das Hervortreten einer Lagerstätte an der Tagesoberfläche. Ausbringen: gesamte Rohförderung an nutzbaren Mineralien. Ausrichtung: Erschließung eines Grubenfeldes durch die Anlage von Schächten, Querschlägen, Feld- und Richtstrecken. Ausstreichen: Flöz oder Gang streicht an der Erdoberfläche aus, d. h. schneidet die Erdoberfläche, und ist dort sichtbar; auch Ausbiß oder Ausgehendes genannt. Auswetterungszeit: Zeitraum der vergehen muss bis, nach einer erfolgten Sprengung, die Sprengstelle und die sie umgebenden Bereiche von schädlichen Reaktionsprodukte der Sprengung weitestgehend mittels Bewetterung gereinigt wurden. Wird auch als Auswetterzeit bezeichnet.
B Bandfahrung: Spezielle Form der maschinellen Fahrung, die nur im Bergbau auf den unter Tage installierten Gurtbandförderern durchgeführt wird. Bankrecht ist eine Senkrechte zum Streichen und Fallen einer Schichtenfolge. Barbarafeier (auch: Barbarafest): Traditionelle Feier zum jährlichen Barbaratag am 4. Dezember, welcher zu Ehren Berufspatronin der Bergleute, der heiligen Barbara, begangen wird. Barte (oder Bergbarte), ein kleines Beil mit einer langen Spitze und einem langen Stiel, das zu festlichen Anlässen mitgeführt wird. Befahrung ist die Begehung eines Stollens, heute auch die generelle Begehung (Besichtigung) eines Bergwerks. Beibrechendes Mineral: Fällt mit an beim Abbau des Minerals, das eigentlich Ziel der Gewinnung ist. Bello: 20-kg-Vorschlaghammer (auch Dicker Hammer) Beraubefahrzeug: Mobile Arbeitsmaschine, die unter Tage zum Bereißen der Firste eingesetzt wird. Berauben: siehe Bereißen. Berechtsame: Nutzungsrecht an bestimmten Grubenfeldern, wird heute im Bergrecht Bergbauberechtigung genannt. Berechtsamsurkunde: Bergrechtliches Dokument, das aus der sogenannten Verleihungsurkunde und einer Ausfertigung des Lagerrisses besteht und einem Bergbautreibenden bei der Verleihung von Bergwerkseigentum überreicht wird. bereißen: Herunterreißen von losen Gesteinsstücken oder Kohlebrocken von der Firste mittels Bereißwerkzeugen, „die Firste hart machen“. Berg: Eher flach geneigte Verbindungsstrecke zwischen Grubenbauen unterschiedlicher Teufe, z. B. zwischen den Sohlen eines Bergwerks. Siehe auch Förderberg. Bergamt: Für den Bergbau zuständige Aufsichtsbehörde. Bergbautreibender: Eine natürliche oder juristische Person, die nach erhaltener bergrechtlichen Genehmigung auf eigene Rechnung ein Bergwerk beginnt oder betreibt. Bergbuch: Buch, in das alle Rechtsgeschäfte des Bergamts und alle von den Bergämtern geführten Nachweise über die Besitzverhältnisse der Bergwerke eingetragen werden. Das Bergbuch wird beim zuständigen Bergamt des jeweiligen Bergreviers geführt.