mini|Die Imperia am Konstanzer Hafen Die Sehenswürdigkeiten in Konstanz am Bodensee reichen historisch fast so weit zurück wie die Geschichte der Stadt. Ihre Bandbreite reicht vom spätantiken Römerkastell und frühmittelalterlichen Kirchenbauten über die Patrizier- und Zunfthäuser der mittelalterlichen Bürgerstadt bis hin zu großen zusammenhängenden Jugendstil- und Gründerzeit-Ensembles. In den Weltkriegen blieb die Stadt von Kampfhandlungen verschont, weshalb die mittelalterliche Altstadt nahezu lückenlos erhalten ist. Als ehemaliger Bischofssitz hat die Stadt ein reiches sakrales Erbe vorzuweisen, wobei neben der einstigen Bischofskathedrale, dem Konstanzer Münster, eine ganze Reihe von Kirchengebäuden, ehemaligen Klöstern und Domherrenhöfen zu finden sind. Das Konzil von Konstanz (1414–1418) hinterließ zwar kaum Bemerkenswertes im Städtebau, doch sind hier und dort noch seine Spuren zu finden, nicht zuletzt im von offizieller Seite umstrittenen, sonst überwiegend begeistert aufgenommenen öffentlichen Kunstwerk der Stadt, der 1993 aufgestellten Imperia.

Profanbauten Antike mini|Römisches Turmfundament auf dem Münsterplatz Römerkastell auf dem Münsterplatz: Wahrscheinlich im 4. Jahrhundert unter Constantius Chlorus angelegt, war dieses Kastell Teil einer Befestigungslinie um den westlichen, südlichen und östlichen Bodenseeraum. Weitere römische Befestigungen am See finden sich in Arbon und Bregenz. Das Konstanzer Kastell wurde mit dem Rückzug der römischen Truppen im Jahr 401 aufgegeben, während eine Mischbevölkerung aus Kelten und christlichen Römern noch einige Zeit Bestand hatte. Ein Teil des im Jahr 2003 ausgegrabenen Kastells wurde in einem unterirdischen Raum unter dem Münsterplatz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (nur bei Führungen und an bestimmten Terminen).

Zahlreiche Funde aus prähistorischer und antiker Zeit, nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Baden-Württemberg, zeigt das Archäologische Landesmuseum in Petershausen.

Mittelalter mini|Rathaus mit Fresken mini|Schnetztor mini|Bemalte Fassade des Hauses „zum Hohen Hafen“ am Obermarkt mini|Münsterplatz 5: Haus Zur Kunkel. Zugang von der Rückseite des Hauses mini|Rheintorturm am Rheinsteig mini|Pulverturm am Rheinsteig

Die historische Altstadt aus dem 12. bis 15. Jahrhundert ist an vielen Stellen als geschlossener und lebendig genutzter Bestand erhalten. Ganze Straßenzüge sind seit dem Mittelalter im Baubestand weitgehend unverändert, da im Zweiten Weltkrieg, anders als viele deutsche Städte, Konstanz wegen seiner Nähe zur Schweizer Grenze nicht bombardiert wurde. Dazu kommt, dass zwischen dem 16. und der Mitte des 19. Jahrhunderts für die Stadt eine wirtschaftsschwache Zeit war, in der kaum reiche Bürger ansässig waren, die sich Neubauten leisten konnten. Größere Lücken in den historischen Bestand wurden erst im 19. Jahrhundert geschlagen, als für die Ausweitung der Stadt in Richtung Paradies und den Eisenbahnbau große Teile der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung abgebrochen wurden. Zahlreiche mittelalterliche Wohntürme und Häuser verbergen sich heute unter modernen Fassaden. In vielen findet sich eine große Anzahl von Wandmalereien an den Außen- oder Innenwänden. Die Tourismusförderung, die seit den 1930er Jahren intensiv betrieben wird, hat dazu geführt, dass viele der als Hauptattraktion der Stadt geltenden mittelalterlichen Baudenkmäler restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Konzilgebäude: Zwischen 1388 und 1391 errichtet und direkt am Hafen gelegen, diente es den Konstanzer Kaufleuten über Jahrhunderte als Warenlager und Handelshaus. Hier fand während des Konstanzer Konzils (1414–1418) 1417 das Konklave zur Wahl von Papst Martin V. statt. Noch im 19. Jahrhundert wurde es als Messehaus mit Eisenbahnanschluss genutzt, heute ist es ein Restaurant und Veranstaltungszentrum, sowie Hauptspielstätte der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz Niederburg (Konstanz): Die „Niederburg“ nördlich des Münsterbezirks ist das älteste Stadtviertel. Es entstand hier seit der Ansiedlung des Bischofs im 7. Jahrhundert aus den Wohnungen der bischöflichen Bediensteten und Ministerialen. Aus dem 12.–14. Jahrhundert stammen die hier errichteten Stadthäuser der Domherren und wohlhabenden Patrizier. Schmale, verwinkelte Gassen mit vielen Restaurants und Weinstuben prägen hier das Stadtbild. Haus zur Kunkel: Frühe profane Fresken (13. u. 14. Jahrhundert) über die Herstellung und Verarbeitung von Leinwand findet man im Haus zur Kunkel am Münsterplatz 5. Ein weiterer Freskenzyklus bildet Szenen aus Wolfram von Eschenbachs Parzival ab. In der Hofeinfahrt ist allegorisch der Kampf der Tugenden gegen die Laster abgebildet. Haus zur Katz: 1424 wurde das ehemals Haus der Patrizierzunft Zur Katz an der Katzgasse mit rustikalem Bossenwerk ausgezeichnet. Der italienischen Vorbildern nachempfundene Bau aus Rorschacher Sandstein Rustika-Fassade gilt als ältestes Beispiel nördlich der Alpen. Es diente als Fest- und Versammlungssaal, später als Stadtarchiv und als Wohnhaus. Heute ist es Teil des Kulturzentrums am Münsterplatz. „Hohes Haus“: Das an der Zollernstraße/Hohenhausgasse gelegene sechsgeschossige Steinhaus ist ein repräsentatives Bürgerhaus, welches 1295 von Vogt Albrecht von Klingenberg (einem Bruder von Bischof Heinrich von Klingenberg) errichtet wurde. Fassadenmalereien von 1935 durch August Brandes stellen Szenen von einem mittelalterlichen Fischmarkt und eine Hochzeitsgesellschaft dar. Zur Erbauungszeit war es das höchste Profangebäude der Stadt. Wohnform Konstanz. Die Wandbilder werden dort fälschlicherweise als Fresken bezeichnet; abgerufen am 16. März 2018 Obermarkt: Der Obermarkt war im Mittelalter die Gerichtsstätte der Stadt. Hier stand der Pranger, an dem mindere Straftaten verbüßt wurden. An der Nordseite des Platzes befindet sich das „Hotel Barbarossa“, in dem Friedrich I. Barbarossa 1183 den Frieden von Konstanz verhandelt haben soll. Das Haus wurde schon früh als Gaststätte genutzt – ein Tanzboden ist urkundlich für das Jahr 1419 belegt., abgerufen am 7. Mai 2015.Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 1): Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i.Br. 1887, S. 291. online Neben dem „Barbarossa“ befindet sich das Haus „Zum Hohen Hafen“. Es ist mit Wandbildern der vorletzten Jahrhundertwendezeit geschmückt, die von Carl von Häberlin für den damaligen Eigentümer Max Rahn ausgeführt wurden. Im Mittelpunkt der Malereien steht die Belehnung des Burggrafen von Nürnberg, Friedrich VI. von Zollern mit der Mark Brandenburg, die König Sigismund im Jahr 1417 auf dem Obermarkt vollzog, sowie der Besuch Wilhelms II. von Preußen im September 1888. Rathaus: Das Rathaus der Stadt Konstanz besteht aus dem ehemaligen Zunfthaus der Leinweber (16. Jahrhundert) an der Kanzleistraße und dem dahinter gelegenen Haus „Zum Thurgau“. Lange Zeit diente es als Kanzlei und ist heute noch Sitz des Oberbürgermeisters und Teilen der Stadtverwaltung. Die Fassade zur Kanzleistraße wurde 1593 im venezianischen Renaissance-Stil umgebaut. An der Front finden sich historistische Fresken von Ferdinand Wagner (1864), die Szenen und Personen aus der Stadtgeschichte darstellen. In kleinen Medaillons über den Fenstern des ersten Stocks finden sich Porträts von Ambrosius Blarer, Ulrich Zasius, Ignaz Heinrich von Wessenberg und Marie Ellenrieder; ein Bilderfries über den Erdgeschoss-Arkaden zeigt staatstragende Ereignisse: Der Friedensschluss Friedrich Barbarossas mit den Städten der Lombardei (Frieden von Konstanz, 1183), den Besuch Friedrichs II. (1212), die Belehnung des Hohenzollern Friedrich mit der Mark Brandenburg (1417) sowie den Kampf der protestantischen Stadtbevölkerung gegen die Truppen des katholischen Kaisers Karl V. (1548). Der im Renaissancestil dekorierte Innenhof sowie die Wandbilder des 1. Stocks (1898) sind ebenfalls sehenswert. Das Rosgartenmuseum ist ebenfalls in einem ehemaligen Zunfthaus, jenem der Metzgerzunft, untergebracht. In dem 1454 errichteten Gebäude ist noch der Zunftsaal erhalten. Seit 1870 zeigt das Museum Kunst, Kultur und Geschichte der Bodenseeregion. Haus „zum Goldenen Löwen“: Der Hinterhof dieses Gebäudekomplexes birgt einen mittelalterlichen Wohnturm, der von oben bis unten mit illusionistischer Fassadenmalerei (um 1570) geschmückt ist. Altes Rathaus am Fischmarkt: Das alte Rathaus beim Fischmarkt/Konzilstraße wurde 1484 erbaut, dann mehrmals fast vollständig erneuert. Es besaß früher prächtige Dekorationen der Renaissancezeit. Erhalten ist aus der Erbauungszeit das aus Sandstein gehauene Stadtwappen mit den Stadtpatronen Konrad und Pelagius über dem Haupteingang.

Von der Ringmauer mit den über 20 Türmen und Toren, die vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert die Stadt umschloss, sind nur noch wenige Elemente erhalten. Neben einigen Mauerresten sind dies drei turmartige Anlagen. Von dem zweiten Befestigungswall, der seit dem Dreißigjährigen Krieg die Stadt und den Stadtteil Paradies umgab, ist nahezu nichts Oberirdisches mehr erhalten. Der Grießeggturm als westlicher Eckpunkt der Verteidigungslinie ist zum Wohnhaus umgebaut am Ende der Fischenzstraße noch erhalten. Er wird seit dem 19. Jahrhundert als Paradieser Schlössle bezeichnet. Ab 1733 war Konstanz nicht mehr befestigt.Heike Thissen: Paradieser Schlössle. In: Eva Maria Bast, Heike Thissen: Geheimnisse der Heimat. Edition Südkurier, Konstanz 2011, ISBN 978-3-00-035899-9.

Rheintorturm: Dieses Stadttor bildete früher den einzigen Zugang zur Stadt von Norden her über den Rhein. Von 1200 bis 1856 lief eine hölzerne Rheinbrücke direkt auf das Tor zu. Sie war wichtig für den Konstanzer und den Fernhandel. Die heute bestehende sogenannte Alte Rheinbrücke, errichtet für die Eisenbahn, führt hingegen östlich am Rheintorturm vorbei.Eva-Maria Bast: Rheintor und Konzil. Handel im ganz großen Stil. In: Eva Maria Bast, Heike Thissen: Geheimnisse der Heimat. Edition Südkurier, Konstanz 2011, ISBN 978-3-00-035899-9. S. 54–57. Erbaut im 13.–15. Jahrhundert, dient der Rheintorturm der „Gemeinschaft Konstanzer Fanfarenzüge“ als Probelokal. In Eigenarbeit wurde der Turm im Rahmen der Initiative Rheintorturm und der „Gemeinschaft Konstanzer Fanfarenzüge“ renoviert. Heute wird das Turmstübchen als Treffpunkt genutzt.

Schnetztor: Das Stadttor wurde als Wehrturm im 14./15. Jahrhundert errichtet. Es liegt an der Hauptstraße nach Süden. Vom Rheintorturm verlief quer durch die Stadt über die Rheingasse und die heutige Wessenbergstraße der Hauptverkehrsweg, um beim Schnetztor zu enden. Dort begannen die Straßen durch die Vorstadt Stadelhofen in Richtung St. Gallen und Winterthur. Es ist seit 1978 als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft. Das Schnetztor wurde unter Planung und Tatkraft der Blätzlebuebezunft von 1976 bis 1984 saniert. Die Zunftstube der Blätzlebueb-Zunft wurde 1978 ins Schnetztor verlegt.Claudia Rindt: Wie Narren das Schnetztor retteten. In: „Südkurier“, 2. August 2019, S. 17.

Pulverturm: Er bildete den Eckpunkt der inneren Stadtmauer am Rhein. Mutmaßungen über die Umstände und die genaue Zeit der Erbauung sind historisch nicht belegbar. Heute dient der Pulverturm als Zunfthaus der Narrenzunft Niederburg.Aurelia Scherrer: Einer falschen Jahresszahl auf der Spur. In: Südkurier, 18. August 2021.

Barock und Klassizismus Stadttheater (neben der Christuskirche): Das 1609 ursprünglich als Schulhaus für das Jesuitenlyzeum errichtete Gebäude wurde von Anfang an auch für Theateraufführungen der Schüler genutzt, deshalb wird das Stadttheater als die älteste kontinuierlich bespielte Bühne Deutschlands beworben. 1789–1792 wurde es zum „Kommedienhaus“ umgebaut.