SS-Division „Totenkopf“, auch als SS-Totenkopf-Division bekannt, war zwischen dem 16. Oktober 1939 und 9. November 1942 die Bezeichnung eines militärischen Verbandes der Waffen-SS, der seinen Ursprung in den 1933/34 aufgestellten KZ-Wachverbänden hatte, die seit 1936 unter dem Namen SS-Totenkopfverbände zusammengeschlossen waren und deren Aufgabe der Betrieb und die Bewachung der Konzentrationslager war.

Durch Umgliederungen und Aufstellung weiterer Truppenteile am 9. November 1942 und am 23. November 1943 wurde der Verband erst zur SS-Panzergrenadier-Division „Totenkopf“ und danach zur 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf“. Damit bestand die ursprüngliche Division bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, bei dem sie fast vollständig vernichtet wurde.

Vorgeschichte

Ursprung der Totenkopfverbände Im April 1925 wurde zum Schutz von Adolf Hitler und anderen Parteiführern der NSDAP durch Julius Schreck die Schutzstaffel (SS) gebildet. Ende Juni 1934 beteiligte sich die SS an der Entmachtung ihrer vorherigen Dachorganisation, der SA und wurde am 20. Juli 1934 zu einer eigenständigen Organisation.

Am 15. März 1933 wurde Heinrich Himmler, der seit dem 6. Januar 1929 als Reichsführer SS fungierte, zum politischen Referenten des Staatsministeriums des Inneren in Bayern. Damit leitete der Chef der SS gleichzeitig die gesamte politische Polizei in Bayern und war ab dem 10. April 1933 zur Verhängung der Schutzhaft ermächtigt. Mit der Ernennung war er gegenüber anderen Polizeibehörden weisungsbefugt. Sein Stellvertreter wurde Reinhard Heydrich.

Reichsinnenminister Wilhelm Frick machte Himmler zwischen November 1933 und März 1934 zum Führer der politischen Polizei in allen deutschen Ländern. Nachdem im April 1934 die Geheime Staatspolizei gegründet worden war, wurde Himmler diese Organisation unterstellt.

Ab dem 9. März 1933 begannen in Bayern nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten politische Inhaftierung im Rahmen der Ermächtigung zur Schutzhaft. Die Kapazitäten der Gerichts- und Polizeigefängnisse in Bayern waren schnell erschöpft und am 22. März entstand in der Nähe von Dachau ein erstes „Konzentrationslager“. Im gesamten Deutschen Reich entstanden in der Folgezeit in Deutschland weitere sechs Lager dieser Art.

Für die Bewachung der Konzentrationslager wurden 1934 aus der Allgemeinen SS herausgelöst die SS-Wachverbände gebildet. Diese führten ab Sommer 1936 den Namen „SS-Totenkopfverbände“. Ihr Befehlshaber war Theodor Eicke, der gleichzeitig Inspekteur der Konzentrationslager war.

Typisierung und Ideologie mini| rechter Kragenspiegel für Mitglieder der Totenkopfverbände Für Mitglieder der Totenkopfverbände wurde 1936 ein Kragenspiegelsymbol in Form eines Totenkopfs eingeführt.

Nach ihrer Aufstellung zählte sie zu den „Eliteverbänden“ des Deutschen Reiches und die Totenkopf-Divisionen waren bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine stark vom Nationalsozialismus geprägte Frontdivisionen der Waffen-SS, deren Fanatismus sich auf ihren ersten Kommandeur Theodor Eicke zurückführen ließ. So ging beispielsweise das erste Kriegsverbrechen der jungen Waffen-SS (1940) auf Angehörige der SS-Totenkopf-Division zurück. Aber auch in den Folgejahren war diese Division durch eine besonders rücksichtslose Kriegsführung gekennzeichnet und an mehreren Kriegsverbrechen aktiv beteiligt.

Zunächst gab es erhebliche Probleme mit der Disziplin der neuen Rekruten, auf die Eicke mit drastischen Strafen reagierte. Besondere Bedeutung maß Theodor Eicke der weltanschaulichen Schulung seiner Soldaten bei.Sydnor: Soldaten des Todes. S. 56, 258. Eicke baute dabei auf dem in den Konzentrationslagern entwickelten Feindbild auf; der „innere Feind“, der KZ-Häftling, wurde ersetzt durch den „äußeren Feind“, der als „jüdisch-bolschewistischer Untermensch“ das deutsche Volk vernichten wolle. Das bereits vorhandene Elitebewusstsein der SS-Männer wurde ergänzt durch militärische Tugenden wie Selbstaufopferung, Verachtung von Feigheit und Entbehrungen und die Verherrlichung des Kriegstodes.

Auf dem Weg zur Aufstellung eines militärischen Verbandes Am 1. Juli 1937 wurden die drei SS-Totenkopfstandarten „Oberbayern“, „Brandenburg“ und „Thüringen“ gebildet, die den drei Hauptlagern Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald zugeordnet waren. Im März 1938 kam durch den Anschluss Österreichs die vierte Standarte „Ostmark“ für das KZ Mauthausen hinzu.

Durch einen Geheimerlass Hitlers vom 17. August 1938 wurde es möglich, dass die Totenkopfverbände neue Angehörige auch aus den Reihen der Wehrmacht anwerben konnten. Die militärische Ausbildung von aktiven Mitgliedern der Allgemeinen SS wurde bei den Totenkopfverbänden begonnen. Allerdings stand der Führer der Totenkopfverbände in einem ständigen Konflikt mit den nunmehr die Ausbildung leitenden ehemaligen Offizieren im SS-Übungslager und bestand darauf, dass seine Standarten nicht dem Heer noch der SS-Verfügungstruppe zugehörig waren.

Per Erlass vom 18. Mai 1939 war bestimmt worden, dass die Totenkopfverbände im Mobilisierungsfall den Ersatz für Ausfälle von Angehörigen der geplanten Division SS-Verfügungstruppe zu stellen hatten. Damit wurden auch diese Verbände zur militärischen Reserve.

Beim Angriffskrieg gegen Polen, dem Polenfeldzug, ab dem 1. September 1939 stellten die Totenkopfverbände drei Standarten für polizeiliche Aufgaben hinter den vorrückenden Heerestruppen. Die Totenkopfstandarten „Oberbayern“, „Thüringen“ und „Brandenburg“ führten gemeinsam mit Polizei-Bataillonen sogenannte „Befriedungs“-, „Säuberungs“- und „Sicherungsmaßnahmen“ aus und wurden damit bereits paramilitärisch eingesetzt, ohne jedoch zum Heer zu gehören.

Im Oktober 1939 musste die Angehörigen der Totenkopfverbände die Mannschaften für eine Standarte (Regiment) der nunmehr gebildete Division SS-Verfügungstruppe stellen. Parallel hierzu begann Eicke mit der Bildung einer eigenen Totenkopf-Division.

Geschichte

Aufstellung Die SS-Totenkopf-Division wurde ursprünglich ab dem 16. Oktober 1939 unter dem Kommando von SS-Gruppenführer Theodor Eicke im Konzentrationslager Dachau aufgestellt, das für diesen Zweck zeitweise von Häftlingen geräumt wurde. Die Aufstellungsphase war am 1. November 1939 abgeschlossen.

Divisionsstab SS-Totenkopf Division () (aus ) SS-Totenkopf-Infanterie-Regiment 1 () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) SS-Totenkopf-Infanterie-Regiment 2 () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) SS-Totenkopf-Infanterie-Regiment 3 () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) SS-Totenkopf-Artillerie-Abteilung () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) schwere SS-Totenkopf-Artillerie-Abteilung () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) SS-Totenkopf-Aufklärungs-Abteilung () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) SS-Totenkopf-Panzerabwehr-Abteilung () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) SS-Totenkopf-Pionier-Bataillon (Dresden) (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) SS-Totenkopf-Nachrichten-Abteilung (Nürnberg) (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS) weitere Versorgungseinheiten () (aus SS-Division Verfügungstruppe, verstärkten SS-Totenkopf-Standarten und Kriegsfreiwilligen der Allgemeinen-SS)

Die SS-Totenkopf-Division hatte eine Sollstärke von 15.000 Soldaten. Knapp die Hälfte davon kam aus den drei ursprünglichen Totenkopfstandarten, die anderen waren zuvor bei der Allgemeinen SS, der SS-Heimwehr Danzig, der Ordnungspolizei und den neueren Totenkopfeinheiten.

Einsatz Nach ihrer Aufstellung gehörte die SS-Division Totenkopf zur Reserve des OKH und war im Dezember 1939 in LudwigsburgKowtun: SS-Division „Totenkopf“. S. 122. bei Stuttgart und von Januar bis Mai 1940 in Vorbereitung auf den Westfeldzug bei Alzey stationiert.Schmitz: Die deutschen Divisionen 1939–1945. Band 1, S. 245. Die Ausrüstung der Division bereitete anfänglich erhebliche Probleme, da sich die Wehrmacht erst im Frühjahr 1940 bereit zeigte, militärisches Gerät in ausreichenden Mengen zur Verfügung zu stellen.Sydnor: Soldaten des Todes. S. 48.

Westfeldzug und deutsche Besetzung Frankreichs Während des Westfeldzugs wurde die Division erstmals bei der Schlacht von Arras und Dünkirchen eingesetzt, wo sie in Kämpfe im Raum Poperinge, Hondschoote und westlich von Dünkirchen verwickelt war. SS-Gruppenführer Theodor Eicke setzte auf einen konzentrierten Einsatz aller verfügbaren Soldaten, Waffen und Fahrzeuge an vorderster Front und auf Angriffe, die mit Fanatismus und Härte vorgetragen wurden. Deswegen erlitt die Division empfindliche Verluste bei der Überschreitung des La-Bassée-Kanals, bei Béthune und in Le Paradis.Sydnor: Soldaten des Todes, S. 90 Nach der Eroberung von Le Paradis ermordeten die Soldaten der SS-Division Totenkopf die überlebenden britischen Verteidiger.Sydnor: Soldaten des Todes, S. 91 (→Kriegsverbrechen der SS-Division Totenkopf)

Nach dem Ende der Schlacht wurde die geschwächte Division für wenige Tage zur Küstensicherung bei Calais verwendet und am 7. Juni 1940 in das Gebiet um Nogent an der Seine verlegt. Nach der Überschreitung des Flusses am 15. Juni verfolgte die Division sich zurückziehende französische Verbände bis in den Raum Nevers. Von Nevers marschierte sie kampflos bis nach Angoulême und übernahm vom 29. Juni bis zum 8. Juli 1940 die Sicherung der französischen Biskaya-Küste zwischen Bayonne und Arcachon. Vom 15. Juli 1940 bis zum 27. August sicherte die Division die Demarkationslinie zum unbesetzt gebliebenen Teil Frankreichs zwischen Moulins und Chalon-sur-Saône. Vom September 1940 bis zum Juni 1941 war die Division Teil der 7. Armee und als Besatzungstruppe im heutigen Département Landes stationiert.Schmitz: Die deutschen Divisionen 1939–1945. Band 1, S. 245, 596–597.

SS-Gruppenführer Eicke nutzte die Zeit zur ideologischen Schulung, zur verbesserten Ausrüstung und zum Training der Division. Ein Schwerpunkt der Ausbildung war ab November 1940 die mobile Kriegsführung in ausgedehnten und offenen Gebieten und die rasche Verlegung der Division über größere Entfernungen.

Deutsch-Sowjetischer Krieg mini|Soldaten der SS-Division „Totenkopf“ mit ihrem Kommandeur Theodor Eicke während des Vormarsches auf Demjansk (23. September 1941) Anfang Juni 1941 wurde die „Totenkopf“-Division nach Marienwerder bei Danzig verlegt.Sydnor: Soldaten des Todes. S. 120–142. Sie bezog bald darauf einen Bereitstellungsraum in der Nähe von Insterburg und wurde der Panzergruppe 4 zugeteilt. Kurz vor dem Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion hatte sie eine Stärke von 17.400 Soldaten. Nach dem deutschen Angriff überschritt sie am 24. Juni 1941 die deutsch-sowjetische Grenze bei Haselberg und führte „Säuberungsoperationen“ gegen versprengte sowjetische Truppenteile in Litauen durch. Bei Dünaburg führte die Division eine Ausbruchsoperation aus einem dort von deutschen Truppen gebildeten Brückenkopf über die Düna und erreichte am 6. Juli 1941 Sebesch, wo sie am 9. Juli die Stalin-Linie durchbrach. Während der Kämpfe um die Stalin-Linie wurde der Divisionskommandeur Eicke am rechten Fuß verwundet, als sein Befehlswagen auf eine Landmine auffuhr, und nach Berlin ausgeflogen. Während des Durchbruchs der Stalin-Linie musste die Division hohe Verluste hinnehmen. Vom 24. Juni 1941 bis zum 11. Juli war die Anzahl der gefallenen, vermissten oder verwundeten Soldaten auf etwa 1.700 gestiegen.