Lügde (lokale Aussprache: , Lüchte; niederdeutsch: Lüde) ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Lippe. Sie hat Einwohner und liegt im Weserbergland. Seit dem 24. Juli 2012 trägt Lügde offiziell den Titel Stadt der Osterräder.Statistisches Bundesamt – Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2012 Mit ist sie die am dünnsten besiedelte Gemeinde des Kreises Lippe.

Geografie Geografische Lage Lügde liegt im Weserbergland östlich der durch das Tal verlaufenden Emmer, welche im Ortsteil Langeland der Stadt Bad Driburg entspringt und in Emmerthal in die Weser mündet. Weiter westlich befinden sich das Eggegebirge, nordwestlich der Teutoburger Wald und weiter östlich fließt die Weser. Zur Großgemeinde Lügde gehört einer der höchsten Berge des Weserberglandes, der Köterberg mit . Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt auf . mini|Blick auf Lügde vom Osterberg (2009)mini|Lügde von Norden, der Köterberg im Hintergrund mini|Geothermische Ergiebigkeit des Stadtgebiets

Geologie Im Gemeindegebiet besteht das Lipper Bergland vorherrschend aus Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen des Erdmittelalters. Diese Sedimentgesteine sind zwischen 1 und 1,5 km mächtig. Sie wurden im Lauf der Erdgeschichte herausgehoben und im Rahmen gebirgsbildender Vorgänge zu Sätteln und Mulden zusammengeschoben. In den südlichen Stadtteilen treten auch Horste und Gräben auf. Unter diesen Schichten befinden sich die Gesteine des Erdaltertums, insbesondere aus Devon, Karbon und Perm. Lockergesteine aus dem Eiszeitalter (Kies, Sand und Löss) befinden sich insbesondere in den zum Teil weiten Talebenen der Emmer und ihrer Nebenflüsse über dem Festgesteinsuntergrund.

Gute Grundwasserleiter sind die klüftigen Kalk- und Tonmergelsteine des Muschelkalks und Einheiten des Keupers. Vereinzelt sind Grundwässer durch Lösung von Steinsalz und Gips im tieferen Untergrund versalzt und mineralisiert.

Im Stadtgebiet werden Steine und Erden zur Verwendung für die Schotter- und Splittherstellung abgebaut.

Auf den Gesteinen des Muschelkalks und des Keupers haben sich Braunerde und Pseudogley-Braunerden entwickelt, die teils forstwirtschaftlich, teils ackerbaulich genutzt werden. In kleineren Gebieten im Nordteil des Stadtgebiets auf Kuppen befinden sich auch Übergänge zu flachgründigen, steinigen Rendzinen. In den weitgespannten Talmulden und Unterhängen werden die Festgesteine von eiszeitlichem Löss bedeckt. Als Folge haben sich fruchtbare Parabraunerden aus schluffigem Lehm gebildet.

Vorwiegend im südlichen Teil des Stadtgebiets gibt es Vorkommen von schluffreichen staunassen Pseudogleyen. In den Bachniederungen treten vorherrschend Gleye auf; sie werden als Grünland genutzt. Forstwirtschaftliche Nutzung findet auf den Höhenzügen und an mit Pseudogley bedeckten Standorten statt, ansonsten herrscht, besonders auf den ertragreichen Lösslehmböden, intensive ackerbauliche Nutzung vor.

Lügde eignet sich durchweg gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als „Große Landgemeinde“ klassifizierte Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 88,62 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von ca. 11 km und in Nord-Süd-Richtung von etwa 14 km.

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 44,25 33,85 4,31 4,25 0,61 1,15 0,18 Anteil an Gesamtfläche 49,93 % 38,20 % 4,86 % 4,80 % 0,69 % 1,30 % 0,20 %

Nachbargemeinden An Lügde grenzen beginnend im Norden im Uhrzeigersinn die Stadt Bad Pyrmont (Landkreis Hameln-Pyrmont) sowie die Gemeinde Vahlbruch und der Flecken Polle (Samtgemeinde Polle, Landkreis Holzminden), alle Niedersachsen, die Städte Höxter und Marienmünster (Kreis Höxter) sowie Schieder-Schwalenberg und Blomberg (Kreis Lippe), alle Nordrhein-Westfalen.

Stadtgliederung

mini|Ortsteile von Lügde

mini|Emmer in Lügde Nach § 3 Abs. 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Lügde in folgende zehn Ortschaften, die vor 1970 eigenständige Gemeinden im Kreis Detmold bzw. im Amt Lügde im Kreis Höxter waren. Die Grenzen der Ortschaften stimmen mit denen der früher selbständigen Gemeinden überein. Ortschaft Wappen Einwohner Elbrinxen 1112 Falkenhagen 302 Harzberg 74 Hummersen 30px 389 Köterberg 68 Lügde 30px 4979 Niese 30px 373 Rischenau 30px 1045 Sabbenhausen 30px 854 Wörderfeld 30px 326

Klima mini|Niederschlagsdiagramm Schieder-Schwalenberg Lügde gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt je nach Höhenlage zwischen ca. 7 und 9,5 °C.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Der Deutsche Wetterdienst betreibt seit dem 11. Oktober 2000 eine vollautomatische Wetterstation in Lügde-Paenbruch, die sich 10 km südlich und ca. 150 Höhenmeter oberhalb der Stadt beim Ortsteil Rischenau-Biesterfeld befindet. Nur rund 600 m davon entfernt, in Marienmünster-Langenkamp, war in vergleichbarer Höhenlage von Dezember 1989 bis Juli 1996 bereits eine nebenamtliche Klimastation betrieben worden. Zugleich fanden bis zum 11. Oktober 2000 automatische Registrierungen der DWD-Station auf dem Köterberg statt.

An der 3 km nördlich von Lügde gelegenen Niederschlagsstation Bad Pyrmont fallen jährlich 833,1 mm Niederschlag, an der 10 km südwestlich gelegenen Klimastation in Schieder sind es 867,6 mm.

Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Stadt gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Geschichte

Mittelalter und Stadtgründung Erstmals urkundlich erwähnt wurde Lügde 784 in den Fränkischen Reichsannalen, als Karl der Große hier sein erstes Weihnachtsfest im damaligen Herzogtum Sachsen beging, nämlich in Villa Liuhidi nahe der Skidrioburg, die heute unter dem Namen Herlingsburg bekannt ist. Wahrscheinlich ist die Siedlung um oder im ersten Jahrhundert nach Christus entstanden und befand sich nördlich des heutigen Stadtkerns im Ollenlüderfeld, zwischen dem heutigen Lügde und Bad Pyrmont–Holzhausen. Die Legende besagt, dass am Platz der Übernachtung Karls des Großen daraufhin eine Kirche errichtet wurde, an deren Stelle im 12. Jahrhundert die heutige Kilianskirche erbaut wurde. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es bereits um 784 an der Stelle eine kleine Kirche gab, die von Karl dem Großen genutzt wurde, um dort die Christmette (ahd. „matutina“) zu feiern. Diese (Holz-)Kirche wird vermutlich um 775, zur Zeit der ersten Sachsenkriege, auf einem vorherigen Thingplatz erbaut worden sein, wodurch sich die Lage der Kirche außerhalb des Siedlungsgebietes der Villa Liuhidi erklären lässt.

Für die Entstehung des Stadtnamens, ursprünglich Liuhidi oder auch Liuhith, gibt es mehrere Theorien. Eine Möglichkeit ist, dass es sich um eine Flurstelle handelte, die mit vielen Leuten besiedelt war. Liu, gegebenenfalls auch plattdeutsch Lüe, bedeutet Leute. Dies wird durch die beim sogenannten Poeta Saxo mit Liudi benannten Einwohner gestützt. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Stadtname Licht bedeutet, woraufhin die Vielzahl von Orten mit der Anfangssilbe Lug hinweisen.Erich Knittel: Heimatchronik des Kreises Lippe. Seite 84–89. Archiv für deutsche Heimatpflege GmbH, Köln 1978. Die Ersterwähnung anno 784 als Liuhidi lässt aber auch eine Herkunft von ahd. luhhen (sprich: „lüchen“) = waschen, zu (vgl. lat. luere = waschen). Für Liuhidi ergibt sich dann die Bedeutung „Siedlung am Waschplatz/Badeplatz“. Diese Deutung erscheint angesichts einer in alter Zeit genutzten Heilquelle am Ort plausibel. Karl der Große bevorzugte bei seinen Aufenthalten bekanntlich Orte mit Heilquellen, wie z. B. Aachen, Paderborn, Wiesbaden.Gerhard Köbler (1993): Althochdeutsches Wörterbuch. S. 320. Jörg Riecke (1996): Die schwachen „jan“-Verben des Althochdeutschen: ein Gliederungsversuch. S. 577f.

Eine frühe urkundliche Erwähnung des Herrenhofes „Lugete“ mit zwei Vorwerken stammt aus der Busdorf-Urkunde vom 25. Mai 1036, als der Paderborner Bischof Meinwerk dem neugegründeten Kloster Busdorf in Paderborn den Zehnt dieses Herrenhofes schenkte.Roland Linde: Höfe und Familien in Westfalen und Lippe, Der Amtsmeierhof Asemissen und das Amt Barkhausen. Eine Hof- und Familiengeschichte aus dem lippisch-ravensbergischen Grenzgebiet. Books on Demand, 2002, ISBN 978-3-8311-3666-7, S. 20 online

Aufgrund einer 1195 in Lügde geprägten Münze des Grafen Gottschalk I. von Pyrmont kann angenommen werden, dass zu dieser Zeit bereits Stadtrechte bestanden. Es sind allerdings keinerlei Gründungsurkunden mehr vorhanden. Es gilt jedoch als sicher, dass die Verleihung der Stadtrechte spätestens 1246 stattfand, da in dieser Zeit sowohl der heute noch in seiner Ursprungsform erhaltene Stadtgrundriss als auch die größtenteils erhaltenen Befestigungsanlagen, wie Stadtmauer, Wallgrabenanlage und Wehrtürme, entstanden. Darüber hinaus besaß Lügde einen Markt und einen siegelführenden Stadtrat.

Lügde stellt eine planmäßige Stadtgründung der Pyrmonter Grafen dar und weist das typische Dreistraßensystem mit einer Hauptachse und zwei Seitenstraßen auf. Diese zweigen im Süden spitzwinklig von der Hauptstraße ab, folgen ihr parallel und enden im Norden in einer Querstraßenverbindung.

Im Spätmittelalter war Lügde Hauptort der Grafschaft Pyrmont und Sitz der gleichnamigen Grafen. Der Standort der Burg innerhalb der Stadtmauern ist heute unbekannt. Lügde wurde wiederholt zum Spielball fremder Interessen. 1255 mussten die Grafen von Waldeck und Pyrmont die Hälfte Lügdes an den Erzbischof von Köln abtreten, ein Ereignis, das auch im Stadtwappen verdeutlicht wird.

Hylliger Born, Dreißigjähriger Krieg und paderbornische Exklave mini|Lügde um 1670 mini|hochkant|Fürstbischof Ferdinand von Paderborn um 1670 Zur Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich die Mär vom Hylligen Born, dessen Wasser angeblich jedes Gebrechen heilen sollte. Nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa kamen die Menschen in Scharen in die Gegend von Lügde, denn den Ort Pyrmont gab es noch nicht. Lügde und die in der Umgebung liegenden Dörfer konnten die Menschenmengen nicht aufnehmen, so dass Tausende im Wald oder auf freiem Feld übernachten mussten.Josef Friese: 784–1884 Lügde im Blickfeld. In Heimatland Lippe vom August 1984, S. 260f.

Im Jahr 1583 traten die Bewohner Lügdes zur Reformation über. Wechselnde Einflüsse im Dreißigjährigen Krieg zwangen sie jedoch, das lutherische Bekenntnis wieder aufzugeben und 1624 nach heftigen Auseinandersetzungen zum katholischen Glauben zurückzukehren. Am Ende des Krieges war die Stadt zu einem Drittel zerstört und die Bevölkerung völlig verarmt.

Am 14. März 1668 einigten sich Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg und die Grafen von Waldeck nach über 174 Jahren über den strittigen Besitz der Grafschaft Pyrmont. Die Grafen erhielten den Pyrmonter Brunnen und die benachbarten Dörfer. Der bekannteste Vertreter der Grafen zu Waldeck, Georg Friedrich zu Waldeck (1620–1692), ließ daraufhin den Quellbach zuwerfen, pflanzte die später berühmt gewordene vierreihige Lindenallee und begründete Bad Pyrmont. Das Hochstift Paderborn erhielt das Amt Lügde, dessen Bewohner erfolglos dagegen protestierten und das zur katholischen Enklave inmitten eines protestantischen Gebiets wurde. Das Amt Lügde umfasste die Stadt Lügde und das Dorf Harzberg. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wurde Lügde durch Truppendurchzüge und Einquartierungen schwer geschädigt und geriet an den Rand des wirtschaftlichen Ruins.

Brandkatastrophen und Hochwasser mini|hochkant|Jérôme und Katharina als König und Königin des Königreichs Westphalen