Jens Weißflog (* 21. Juli 1964 in Steinheidel-Erlabrunn) ist ein ehemaliger deutscher Skispringer. Er zählt zu den sechs Athleten (neben ihm Espen Bredesen, Thomas Morgenstern, Matti Nykänen, Domen Prevc und Kamil Stoch), welche die wichtigsten vier Wettbewerbe im Skisprung-Sport (Olympia, Weltmeisterschaften, Gesamtweltcup und Vierschanzentournee) gewonnen haben. Weißflog ist der einzige Athlet, der sowohl im Parallel-Stil als auch im V-Stil eine Einzelmedaille bei Olympischen Spielen erringen konnte (siehe Skisprungtechnik).
Werdegang mini|Weißflog bei den DDR-Skimeisterschaften 1989
Jens Weißflog wuchs in Pöhla auf und lebt seit dem Besuch der Kinder- und Jugendsportschule in Oberwiesenthal, wo er dem SC Traktor angehörte und von Dieter Blechschmidt trainiert wurde.
Als 19-Jähriger gewann der – wegen seiner schmächtigen Statur und seines geringen Körpergewichts oft „Floh vom Fichtelberg“ genannte – Skispringer erstmals die Vierschanzentournee zum Jahreswechsel 1983/1984. In dieser Saison wurde er Olympiasieger und zugleich Weltmeister auf der Normalschanze in Sarajevo sowie Sieger des Gesamtweltcups. Damit gewann Weißflog als erster Athlet die vier wichtigsten Wettbewerbe im Skispringen und ist bis heute auch derjenige, dem dies innerhalb des kürzesten Zeitraums gelungen ist. In diesem Zusammenhang profitierte er jedoch davon, dass die Olympischen Spiele bis 1984 zugleich als Weltmeisterschaften zählten.
In den folgenden Jahren dominierte Weißflog zusammen mit dem Finnen Matti Nykänen die Skisprung-Welt: 1985 und 1989 holte er WM-Gold und insgesamt neun weitere Podiumsplatzierungen, 1984, 1985, 1991 und 1996 gelangen ihm Gesamtsiege bei der Vierschanzentournee. 1991 erhielt er die Holmenkollen-Medaille.
Die Einzigartigkeit seines Erfolges liegt darin, dass Jens Weißflog sein Niveau über zwölf Jahre behaupten konnte. Weder der Systemwechsel von der DDR in die Bundesrepublik 1990 noch die Umstellung der Skisprungtechnik vom Parallel- auf den V-Stil um 1993 konnten ihn längerfristig zurückwerfen. 1994 gewann er bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer zwei Goldmedaillen auf der Großschanze und mit der Mannschaft. Weißflog errang damit als einziger Skispringer sowohl im Parallel- wie auch im V-Stil mindestens einen internationalen Titel. Mit dem Erfolg in Lillehammer gewann er auch als bisher einziger deutscher Springer eine olympische Goldmedaille von der Großschanze und war bis zu Andreas Wellinger im Jahr 2018 zugleich der einzige deutsche Athlet, der auf beiden Schanzentypen je eine Medaille bei Olympia erlangen konnte.
Im Jahre 1996 krönte er seine Karriere mit dem vierten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee (er war der Erste, dem das gelang), danach trat er vom Leistungssport zurück. Im Juni 1996 fand auf der Fichtelbergschanze in Oberwiesenthal eine Abschiedsgala von Jens Weißflog statt, bei der er noch einmal zu einem Mattenspringen antrat und sich als Zweitplatzierter mit einem Schanzenrekord über 102 Meter hinter Janne Ahonen verabschiedete.Ergebnisse. In: Sport-Bild. 19. Juni 1996, S. 70.
Weißflog ist der erfolgreichste deutsche Skispringer, international errangen nur die Finnen Matti Nykänen und Janne Ahonen, die Polen Adam Małysz und Kamil Stoch sowie die Österreicher Gregor Schlierenzauer und Stefan Kraft mehr Weltcup-Siege. Weißflog gewann drei olympische Goldmedaillen. Des Weiteren ist er viermaliger Sieger der Vierschanzentournee, nur Janne Ahonen hat es auf fünf Siege gebracht. Neben Bjørn Wirkola hält Weißflog den Rekord für die meisten Einzelerfolge im Rahmen dieses Turniers (zehn) und ist zugleich Rekordsieger (vier) beim Tourneewettbewerb in Garmisch-Partenkirchen.
Nach seinen Olympiasiegen in Lillehammer wurde er am 27. Februar 1994 zum Ehrenbürger von Oberwiesenthal ernannt. Im Jahre 2003 wurde der am 30. November 2000 in der Volkssternwarte Drebach (Erzgebirge) entdeckte Planetoid 2000 WX158 nach Jens Weißflog benannt. Er trägt jetzt die offizielle Bezeichnung (22168) Weissflog und bewegt sich im Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne.
Sportliche Erfolge Olympische Winterspiele 1984 in Sarajevo: 1 × Gold (Normalschanze), 1 × Silber (Großschanze) 1994 in Lillehammer: 2 × Gold (Großschanze, Großschanze Mannschaft)
Weltmeisterschaften 2 × Gold (1985, 1989) 4 × Silber (1984, 1985, 1989, 1995) 5 × Bronze (1989, 1990, 2 × 1991, 1995)
Deutsche Meisterschaften 5 × Gold (1991, 2 × 1993, 1994, 1995) 1 × Silber (1991) 5 × DDR-Meister In: skispringen.com.
Weltcupsiege im Einzel Nr. Datum Ort Typ 1. 6. Januar 1983 Großschanze 2. 1. Januar 1984 Großschanze 3. 4. Januar 1984 Großschanze 4. 6. Januar 1984 Großschanze 5. 11. Januar 1984 Normalschanze 6. 15. Januar 1984 Großschanze 7. 12. Februar 1984 (Olympia & WM) Normalschanze 8. 27. März 1984 Flugschanze 9. 1. Januar 1985 Großschanze 10. 17. Februar 1985 Großschanze 11. 6. Dezember 1986 Normalschanze 12. 24. Januar 1988 Großschanze 13. 22. Januar 1989 Großschanze 14. 5. März 1989 Großschanze 15. 8. März 1989 Normalschanze 16. 27. März 1989 Flugschanze 17. 27. März 1989 Großschanze 18. 17. Dezember 1989 Großschanze 19. 1. Januar 1990 Großschanze 20. 17. Januar 1990 Großschanze 21. 30. Dezember 1990 Großschanze 22. 1. Januar 1991 Großschanze 23. 12. Dezember 1993 Großschanze 24. 14. Dezember 1993 Großschanze 25. 30. Dezember 1993 Großschanze 26. 22. Januar 1994 Normalschanze 27. 23. Januar 1994 Großschanze 28. 5. März 1994 Großschanze 29. 27. März 1994 Normalschanze 30. 29. Januar 1995 Großschanze 31. 6. Januar 1996 Großschanze 32. 20. Januar 1996 Normalschanze 33. 17. Februar 1996 Großschanze
Weltcupsiege im Team Nr. Datum Ort Typ 1. 25. März 1994 Großschanze
Weltcup-Platzierungen Saison Platz Punkte 1982/83 16. 80 1983/84 1. 230 1984/85 4. 151 1985/86 16. 77 1986/87 11. 103 1987/88 6. 111 1988/89 2. 192 1989/90 6. 200 1990/91 8. 141 1991/92 37. 16 1992/93 11. 61 1993/94 2. 1110 1994/95 6. 683 1995/96 4. 1028
Schanzenrekorde Ort Land Weite aufgestellt am Rekord bis Bischofshofen 110,0 m(HS: 140 m) 6. Januar 1983 6. Januar 1983 Garmisch-Partenkirchen 108,0 m(HS: 140 m) 1. Januar 1984 1. Januar 1989 Innsbruck 107,5 m(HS: 130 m) 4. Januar 1984 4. Januar 1985 Bischofshofen 114,0 m(HS: 140 m) 6. Januar 1984 6. Januar 1987 Engelberg 121,0 m(HS: 137 m) 17. Januar 1984 17. Februar 1984 Oberwiesenthal 96,0 m(HS: 106 m) 1984 1985 Hinterzarten 95,5 m(HS: 108 m) 1993 3. August 1994 Engelberg 124,0 m(HS: 137 m) 17. Februar 1984 15. Januar 1994 Oberstdorf 124,5 m(HS: 137 m) 30. Dezember 1993 29. Dezember 1996 Garmisch-Partenkirchen 110,0 m(HS: 140 m) 1. Januar 1994 1. Januar 1994 Sapporo 125,0 m(HS: 137 m) 23. Januar 1994 19. Januar 1997 Lillehammer 135,5 m(HS: 138 m) 23. Februar 1994 28. November 1998 Oberwiesenthal 97,5 m(HS: 106 m) 1995 1996 Bad Mitterndorf/Tauplitz 201,0 m(HS: 225 m) 11. Februar 1996 8. Februar 1997 Iron Mountain 131,5 m(HS: 130 m) 18. Februar 1996 18. Februar 1996 Oberwiesenthal 102,0 m(HS: 106 m) 1996 2003
Privatleben und politische Tätigkeit Zur Volkskammerwahl 1986 wurde Weißflog von der FDJ als Nachfolgekandidat der Volkskammer der DDR nominiert.Es konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass Weißflog zu irgendeinem Zeitpunkt als Abgeordneter nachrückte. Bei der Stadtratswahl am 7. Juni 2009 erlangte Weißflog für die Oberwiesenthaler CDU ein Mandat und engagiert sich seitdem in der Kommunalpolitik.Freie Presse, Lokalausgabe Annaberg vom 9. Juni 2009: Skisprung-Legende schafft Sprung in die Politik. Nach der Wende war Weißflog einige Jahre lang als Werbebotschafter für die Krankenkasse AOK tätig. Weißflog eröffnete im Jahr seines Abschieds aus dem Leistungssport ein Hotel in seiner Heimatstadt Oberwiesenthalwww.jens-weissflog.de Jens Weißflog Hotel & Restaurant und war bis 2011 als Skisprung-Experte beim ZDF tätig.
Er war in erster Ehe 17 Jahre verheiratet und hat aus dieser Ehe, neben seiner Tochter aus einer früheren Beziehung, zwei Söhne. Im Juli 2005 trennte sich das Paar einvernehmlich. Im Oktober 2010 wurden Weißflog und seine Lebensgefährtin Doreen Eltern einer Tochter, Greta. Am 10. August 2019 heiratete er nach fast 13 Jahren seine Lebensgefährtin. Tochter Greta ist mittlerweile selbst erfolgreiche Nachwuchs-Skispringerin.
Er trat 2021 in der ARD-Fernsehshow Klein gegen Groß – Das unglaubliche Duell und am 13. Februar 2025 in der ARD-Quizsendung Wer weiß denn sowas? auf.
Auszeichnungen Vaterländischer Verdienstorden in Gold der DDR, 1984 und 1986 Sportler des Jahres der DDR 1985 Holmenkollen-Medaille 1991 Silbernes Lorbeerblatt 1994 Bundesverdienstkreuz am Bande 1996 Georg von Opel-Preis 2000 Askania Award (Askania Sport Award) 2019 Goldene Henne 1996 Skikönig der nordischen Sportjournalisten des Forum Nordicum Sportler des Jahrhunderts Skiverband Sachsen
Literatur
Jens Weißflog und Egon Theiner: Geschichten meines Lebens. egoth-Verlag, 2004, ISBN 978-3-902480-94-1. Jens Weißflog und Egon Theiner: Bilder meines Lebens. egoth-Verlag, 2014, ISBN 978-3-902480-84-2.
Dokumentation Legenden – Ein Abend für Jens Weißflog, MDR Dok, MDR Fernsehen, 2019
Weblinks
Jens Weißflog Appartmenthotel & Restaurant bei skispringen.com
Anmerkungen
Einzelnachweise
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