Smer – slovenská sociálna demokracia (kurz Smer-SSDTomáš Kyseľ: V Smere vymysleli nový názov strany a nakreslili iné logo. Odlíšia sa od Pellegriniho [= In der Smer haben sie einen neuen Namen und haben ein anderes Logo gezeichnet. Sie unterscheiden sich von jenen Pellegrinis]. In: akutality.sk, 20. Mai 2021, abgerufen am 4. September 2021 (slowakisch). oder Smer, ), 1999–2004 Smer (tretia cesta), deutsch „Richtung (Dritter Weg)“, 2005–2021 Smer – sociálna demokracia, ist eine linksnationalistische, populistische und EU-skeptische politische Partei in der Slowakei. Sie gehört der Sozialistischen Internationale an. Ihre Anhänger werden in der Slowakei als Smeráci („Smerianer“) bezeichnet.
Politikwissenschaftler verorten die Smer entweder als linkspopulistisch oder ehemals als sozialdemokratisch, bescheinigen der Partei jedoch auch ein nationalpopulistisches Auftreten und sozialkonservative Positionen in der Gesellschaftspolitik. Seit der Nationalratswahl 2006 bis einschließlich 2016 war Smer bei allen Parlaments- und Europawahlen die stimmenstärkste slowakische Partei. Sie war bisher viermal (2006–2010, 2012–2016, 2016–2020, seit 2023) an einer Regierung beteiligt und stellte jedes Mal mit ihrem Parteichef Robert Fico den Ministerpräsidenten. In der Europawahl 2019 und der Nationalratswahl 2020 verpasste die Smer zum ersten Mal seit 2006 den Wahlsieg; nach ununterbrochenen acht Jahren Beteiligung an der Regierung musste sie ab 2020 als Oppositionspartei agieren. Im Juni 2020 wurde bekannt, dass der ehemalige Ministerpräsident und stellvertretende Vorsitzende Peter Pellegrini und weitere zehn Abgeordnete die Smer verlassen würden, um eine eigene sozialdemokratische Partei namens Hlas – sociálna demokracia (deutsch Stimme – Sozialdemokratie) zu gründen.
Am 17. Oktober 2025 hat die Sozialdemokratische Partei Europas Smer aus der Partei ausgeschlossen.
Einordnung Wissenschaftler unterschiedlicher Couleur wie Jane OispuuJane Oispuu: Die Europäischen Parteien. Zwischen Erweiterung und Selbstbehauptung. In: Integration 29 (2006) 1, S. 69–75, hier S. 71. (2006), Marianne KneuerMarianne Kneuer: Demokratisierung durch die EU. Süd- und Ostmitteleuropa im Vergleich. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-15077-2, S. 315. (2006), Miroslav MarešMiroslav Mareš: Länderporträt Slowakei. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie. 19. Jahrgang (2007), Nomos, Baden-Baden 2007, ISBN 978-3-8329-3168-1, S. 237–262, hier S. 253. (2007), Tom ThiemeTom Thieme: Hammer, Sichel, Hakenkreuz. Parteipolitischer Extremismus in Osteuropa. Entstehungsbedingungen und Erscheinungsformen (= Schriftenreihe Extremismus & Demokratie. Band 16). Nomos, Baden-Baden 2007, ISBN 978-3-8329-3036-3, S. 177; ders.: Extremismus in der Slowakei. In: Eckhard Jesse, Tom Thieme (Hrsg.): Extremismus in den EU-Staaten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17065-7, S. 345–359, hier S. 339. (2007/11), Cas MuddeCas Mudde: Radikale Parteien in Europa. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 47/2008 (online). (2008), Franz SchausbergerFranz Schausberger: Die Regionalwahlen 2001 und 2005 in der Slowakei. In: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung (Hrsg.): Jahrbuch des Föderalismus 2008. Föderalismus, Subsidiarität und Regionen in Europa. Nomos, Baden-Baden 2008, ISBN 978-3-8329-3829-1, S. 407–421, hier S. 417. (2008), Torsten OppellandTorsten Oppelland: Institutionelle Neuordnung und Demokratisierung. In: Olaf Leiße (Hrsg.): Die Europäische Union nach dem Vertrag von Lissabon. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16072-6, S. 79–96, hier S. 92. (2010) und Karl Magnus JohanssonKarl Magnus Johansson: How Populist Parties Organize. PESO Research Report No. 2 (2014), S. 23. (2014) verorten Smer im Linkspopulismus. Vereinzelt wird sie als „sozialpopulistisch“ bezeichnet, so von Kai-Olaf LangKai-Olaf Lang: Rebellion der Ungeduldigen Populismus in Ostmitteleuropa. In: Osteuropa 59 (2009) 2/3, S. 333–348, hier S. 338; ders.: Politische Profile der neuen Mitgliedstaaten aus Ostmitteleuropa und ihre Bedeutung für die Europäische Union. In: Integration 27 (2004) 1, S. 12–27, hier S. 21; ders.: Populismus in Ostmitteleuropa. Manifestationsformen, Besonderheiten und Chancenstrukturen. In: Rudolf von Thadden (Hrsg.): Populismus in Europa. Krise der Demokratie? (= Genshagener Gespräche. Bd. 7). Wallstein Verlag, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-944-9, S. 137–153, hier S. 145. (2004/05/09). Wolfgang IsmayrWolfgang Ismayr: Die politischen Systeme Osteuropas im Vergleich. In: Ders. (Hrsg.): Die politischen Systeme Osteuropas. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16201-0, S. 9–78, hier S. 58. (2010) hält sie für mittlerweile „sozialdemokratisch“, auch Hannes Hofbauer und David X. NoackHannes Hofbauer, David X. Noack: Slowakei: Der mühsame Weg nach Westen. Promedia Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85371-349-5, S. 179. (2013) urteilen, dass sich die Partei bereits vor den Wahlen 2012 „sozialdemokratisiert“ habe. Nach Dieter SegertDieter Segert: Die Politik der post-kommunistischen Linken in Mittel- und Osteuropa. der Einfluss auf die Konsolidierung oder Gefährdung der Demokratie. In: Uwe Backes, Tytus Jaskułowski, Abel Polese (Hrsg.): Totalitarismus und Transformation: Defizite der Demokratiekonsolidierung in Mittel- und Osteuropa (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Bd. 37). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-36911-1, S. 119–134, hier S. 128. (2009) bediene sie sich jedenfalls „populistischer Mittel“. Klaus BachmannKlaus Bachmann: Populistische Parteien und Bewegungen in Mittelosteuropa. In: Frank Decker (Hrsg.): Populismus. Gefahr für die Demokratie oder nützliches Korrektiv?. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14537-1, S. 216–232, hier S. 228. (2006) attestierte der Partei, dass sie Gefühle von „Anti-Establishment“ und „Law and Order“ bediene; sie trete überdies „national“ und „euroskeptisch“ auf und bemühe sich in jüngster Vergangenheit um ein sozialdemokratischeres Image. Vladimír Bilčík und Juraj BuzalkaVladimír Bilčík, Juraj Buzalka: Slovakia. In: Donnacha Ó Beacháin, Vera Sheridan, Sabina Stan (Hrsg.): Life in Post-communist Eastern Europe After EU Membership. Happy Ever After? Routledge, New York 2012, ISBN 978-0-415-68084-4, S. 55–72, hier S. 67. (2012) erkennen eher einen sozialkonservativen „Nationalpopulismus“.
Der slowakische Historiker Martin Kovanič (2021) ordnet Smer als „linksnationalistisch“ (left-wing Nationalist) ein.Martin Kovanič: Institutionalized Narratives of Communism in Slovakia. Substituting the Nonexistence of of the Official Museum of Communism. In: Constantin Iordachi, Péter Apor (Hg.): Occupation and Communism in Eastern European Museums. Re-Visualizing the Recent Past. London / New York / Dublin 2023 , S. 75–94, hier S. 79. Als „links (und nationalistisch)“ wurde Smer auch von den tschechischen Politologen Vít Hloušek und Lubomír Kopeček (2010) attestiert.Vít Hloušek, Lubomír Kopeček: Origin, Ideology and Transformation of Political Parties. East-Central Europe and Western Europe Compared. New York 2016 , S. 201. Die Einordnung von Smer als „linksnational“ oder „linksnationalistisch“ findet sich häufig auch in der deutschsprachigen Medienlandschaft.Wahlen in der Slowakei: Linksnationalisten verlieren absolute Mehrheit. In: de.euronews.com, 6. März 2016, abgerufen am 9. März 2016, 13:06; Die Wähler haben die Lunte an die europäische Idee gelegt. In: stern.de, 13. Januar 2016, abgerufen am 9. März 2016, 13:10; Barbara Zmušková: Slowakische Linksnationalisten von möglichem Rauswurf aus EU-Partei unbeeindruckt. In: euractiv.de, 4. Oktober 2023, abgerufen am 12. Februar 2024, 00:12; Linksnationale Smer-Partei gewinnt Wahl in der Slowakei. In: mdr.de, 1. Oktober 2023, abgerufen am 12. Februar 2024, 00:14.
Entstehungsgeschichte und ideologische Strömungen mini|Parteilogo bis 2020 mini|Parteilogo 2020 bis 2021
Die Partei entstand als Smer (dt. „Richtung“) am 8. November 1999 um den Politiker Robert Fico, nachdem dieser aus der Partei der demokratischen Linken (SDĽ) ausgetreten ist. In den ersten Monaten nach ihrer Gründung präsentierte sich Smer als eine an keine klassische Ideologie gebundene Partei. Drei Jahre später fing sie an, die Bezeichnung Smer (tretia cesta) (dt. „Richtung (der dritte Weg)“) zu benutzen, und nannte die deutsche SPD und die britische Labour-Party mit Tony Blairs Konzept des Dritten Weges als Parteivorbilder. Zugleich lehnte Smer es aber ab, sich mit den Ideen der Sozialdemokratie zu identifizieren.Radoslav Štefančík: Christlich-demokratische Parteien in der Slowakei. Universität der Heiligen Kyrill und Method in Trnava, Trnava 2008, ISBN 978-80-8105-016-9, S. 30. Erst nachdem die Partei 2002 an der Regierungsbildung nicht teilnahm, ordnete sie sich parteiideologisch dem linken Spektrum ein. Bis 2007 kam es zu Vereinigungen mit der Partei der demokratischen Linken (SDĽ), der Sozialdemokratischen Alternative (SDA), der Partei der Bürgerlichen Verständigung (SOS) von Rudolf Schuster, dem Block der Linken (ĽB) sowie der Sozialdemokratischen Partei der Slowakei (SDSS), der alten Partei von Alexander Dubček. Im ehrenvollen Gedenken an Dubček nannte sich die Partei fortan Smer – sociálna demokracia (dt. „Richtung – Sozialdemokratie“).Radoslav Štefančík: Christlich-demokratische Parteien in der Slowakei. Universität der Heiligen Kyrill und Method in Trnava, Trnava 2008, S. 30; Hannes Hofbauer, David X. Noack: Slowakei: Der mühsame Weg nach Westen. Promedia Verlag, Wien 2013, S. 178.
Generell verlaufen die Trennlinien innerhalb der Partei weniger entlang ideologischer Überzeugungen als vielmehr entlang geographischer Regionen. Die sichtbarste ideologische Kluft besteht zwischen der „patriotisch-konservativen Strömung“ und der „wirtschaftsorientiert-pragmatischen Strömung“. Das vereinigende Element des Parteichefs Robert Fico vermag es, nicht nur diese beiden, sondern auch kleinere ideologische Randströmungen kulturell-liberaler, euro-föderalistischer oder linksradikaler Orientierung zu integrieren.Ľuboš Blaha: Die slowakische SMER. Europas erfolgreichste Partei der linken Mitte? Veröffentlicht bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2013, ISBN 978-3-86498-580-5, S. 3.
Auf den im Juli 2016 vom europäischen Smer-Abgeordneten Boris Zala geäußerten Vorwurf, Robert Fico und der Parteivorstand würden die Partei in Richtung Nationalkonservatismus ausrichten,Boris Zala: Ak má Smer prežiť, Fico musí odísť. In: dennikn.sk, 24. Juli 2016, abgerufen am 31. Juli 2016 (slowakisch). entgegnete der slowakische Kulturminister und Vizevorsitzender von Smer Marek Maďarič:
Programmatik Trotz ihrer Verankerung in der sozialistischen Internationale und dem eigenen Bekenntnis zur sozialdemokratischen Ausrichtung gibt es zwischen der Programmatik der Smer-SD und westeuropäischen Sozialdemokraten einige fundamentale Unterschiede.
Innenpolitik Das Programm der Smer zielt auf die Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums durch öffentliche Investitionen (Neo-Keynesianismus), auf Solidarität und einen starken Sozialstaat. Die Slogans der Partei sind traditionell auf wirtschaftliche Unsicherheit und die Angst der einfachen Menschen vor einem Arbeitsplatzverlust sowie auf einen Gemeinschaftssinn der Bevölkerung ausgerichtet. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen mittel- und westeuropäischen sozialdemokratischen Parteien verweigerte die Smer neoliberale Wirtschaftsreformen.