mini|hochkant|Christine Ferber, 2017
Christine Ferber (* 11. Mai 1960. In: bfmbusiness.bfmtv.com. in Colmar, Elsass) ist eine vielfach ausgezeichnete Konditorin (Pâtissière), Chocolatière und eine Gelierköchin (Confiseuse) von Konfitüren, die zu den besten der Welt gezählt wird.Franziska Klotz: Früchte des Ruhms. In: Welt am Sonntag, 10. November 2002. Auch als Chocolatière machte sie sich international einen Namen. Ferber veröffentlichte eine Reihe von Koch- und Backbücher für Erwachsene und Kinder. Viele Medien-Auftritte machten sie zu einer der bekanntesten Konditorinnen der Gegenwart.Lindsay Koriath: . In: The French Pastry School, 1. August 2008, (englisch): „Today she is visited every weekend by journalists, writers, and enthusiasts eager to see and taste her jams and pastries.“ (= Heute wird sie jedes Wochenende von Journalisten, Schriftstellern und Enthusiasten besucht, die begierig sind, ihre Marmeladen und Backwaren zu sehen und zu schmecken.)
Leben Christine Ferber betreibt im Dorf Niedermorschwihr am Fuße der Vogesen 6 km westlich von Colmar eine Konditorei in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft. Der Laden befindet sich in einem Gebäude aus dem 17. JahrhundertThomas Bourdeau: Christine Ferber, un conte de Noël sucré pâtissier. In: Radio France Internationale (RFI), 22. Dezember 2017, (frz.), mit Video- und Audio-Datei, aufgerufen am 3. Juni 2021. und trägt den Namen Au relais des Trois Épis (= An der Station der Drei Ähren). Es war eine alte Poststation, benannt nach Trois-Épis, dem benachbarten Wallfahrtsort auf einem Bergzug. Hier ist sie als Bäckerin, Konditorin und Chocolatière in der vierten Generation tätig. Neben der Konfitüreherstellung leitet sie die elterliche Bäckerei und Konditorei mit rund 30 Mitarbeitern.Michelle Freudenreich: Christine Ferber, chef d’entreprise. L’appel du Japon. In: Dernières Nouvelles d’Alsace, 13. April 2019: «La 4e génération de boulangers-pâtissiers-traiteurs emploie une trentaine de personnes.» Niedermorschwihr wurde 1985 als typisch elsässisches Dorf von einer japanischen Fernsehserie (engl.: The Blue Skies of Alsace) als Kulisse verwendet.Karl Schoenberger: 'Japaning' of Europe at Full Tilt: Companies rush for a foothold before the 1992 integration of the European Community. Alsace is a case in point. In: Los Angeles Times, 2. August 1990.
Drei Jahre lernte sie bis 1978 an einer Schule für Lebensmittelberufe (« métiers de bouche ») von Brüssel (CERIA),Bio: Christine Ferber. In: Elle, aufgerufen am 24. April 2024. da es damals für Pâtisserien noch nicht üblich war, auch Mädchen auszubilden. Dort erwarb sie den Gesellenbrief als Konditorin und Schokoladenmacherin.Thomas Platt: 150 Sorten konservierter Sommer. In: Tagesspiegel, 14. Mai 1999. Ein weiteres Jahr lang lernte sie bei dem Meisterkonditor Lucien PeltierFotos: 1987,10,28. Lucien Peltier und seine Pâtisserie. In: lecoindesamis, 10. September 2012, (japanisch). († 1991) in Paris. Léna Lutaud: Pour les becs sucrés, le soleil se lève à l'est. In: Le Figaro, 20. September 2013, (frz.): « Dans les années 1980, Christine Ferber et bien d'autres passent chez Lucien Peltier, un pâtissier parisien aujourd'hui décédé. »(= „In den 1980er Jahren arbeiteten Christine Ferber und viele andere bei Lucien Peltier, einem inzwischen verstorbenen Pariser Konditormeister.“) Peltier galt in den 1980er Jahren als einer der kreativsten Konditoren seiner Generation, seine von der Nouvelle Cuisine inspirierte Arbeit war eine Referenz für alle Fachleute.. In: Le Chef, le magazine des Chefs de cuisine, Nr. 141, Mai 2002. Mit 24 Jahren übernahm sie das Geschäft ihrer Eltern und entwickelte dann die Abteilung für Feinbäckerei und Schokolade. . [Christine Ferber, Konditorin - Schokoladenmacherin - Konfitürenköchin: „Man muss die Frucht sanft bearbeiten, mit dem Wunsch, sie zu verfeinern.“] In: Journal des Femmes, September 2004, Interview, (französisch). Neben ihrer Arbeit absolvierte sie erfolgreich einen Meisterlehrgang, mit dem sie 1987 den Meistertitel für die Pâtisserie und Confiserie erhielt. Ihr Vater Maurice Ferber (1936–2011Todesanzeige: . In: avis-de-deces.net, 1. April 2011.) wurde nach seinem Rückzug vom Berufsleben von 1989 bis 2001 Bürgermeister der Gemeinde,Traueranzeige: Monsieur Maurice Ferber. In: libramemoria.com, 2. April 2011. deren Rathaus vis-à-vis vom Maison Ferber liegt.Foto von Fernand Ehrhart: Maison Ferber neben Hôtel de Ville. In: Google Maps, Januar 2021, aufgerufen am 6. März 2021. Foto (Maison Ferber vor Rathaus), Wolfgang Schuhmacher und Lee Ann Dordrechter: Niedermorschwihr. In: Garçon, 2010, Nr. 3, S. 96–97, aufgerufen am 4. März 2021.
Das Geheimnis ihrer kulinarischen Erfolge liegt nach ihrer Meinung und der Ansicht von anderen darin, dass sie mit Geduld, Ruhe und Liebe ihre Arbeit ausübt.. In: #heimat Schwarzwald, Heft 11, 27. Mai 2018: « Was denn das Geheimnis ihres Erfolgs sei, wollen wir am Ende noch wissen. „Es ist die Leidenschaft und die Liebe zu meinem schönen Beruf“, sagt die Elsässerin. » Ihren Vierzehn-Stunden-Tag von 5 bis 19 Uhr in einer Sechs-Tage-Woche empfindet sie dabei noch nicht mal als Arbeit: „Ich liebe alles an meinem Tag.“ Hinzu kommt, dass ihre beiden Geschwister nach ihren Ausbildungen und nach mehreren Jahren an anderen Arbeitsplätzen wieder nach Hause zurückfanden. So konnte sie eine familiäre Arbeitsatmosphäre aufbauen, die sie „überglücklich“ (« aux anges ») mache und keinen Wunsch nach einer eigenen Familie aufkommen ließ.
Konfitüren mini|Christine Ferber stellt ihre Produkte vor auf der Gastronomiemesse beim 9. Festival international de géographie, 1998
Anfang der 1980er Jahre stellte sie ihre ersten Konfitüren her, doch ihre Mutter Marguerite (1936–2020)Todesanzeige: Madame Marguerite Ferber née Fuhrer. In: avis-de-deces.net, März 2020, aufgerufen am 24. April 2024. riet ihr von einem weiteren Engagement ab, da die Hausfrauen im Dorf ihre Konfitüren selbst herstellen würden. Sie blieb dabei (mit Unterstützung ihres Freundes und Kollegen Pierre Hermé, dessen Mutter aus Niedermorschwihr stammteHannah Olivennes: From Alsace, Sweet Love for the World. In: New York Times, 23. April 2013 und als PDF; (525 kB).) und erlangte schließlich internationale Bekanntheit bis hin nach Japan. Ferber kocht ihre kompositorisch sehr ausgefallenen und wohlschmeckenden Gourmet-Konfitüren selbst ein. Bis 2009 hatte sie 400 Sorten in den Kupferkesseln ihrer Konditorei komponiert. Insgesamt zählt das Inventarbuch ihrer Schwester mehr als 1400 verschiedene Sorten bis 2018.. In: #heimat Schwarzwald, Heft 11, 27. Mai 2018. Maschinen kommen bei der Zubereitung der Früchte für die Konfitüren nicht zum Einsatz und Messer nur dann, wenn es gar nicht anders geht. Das Obst soll möglichst unbeschadet bleiben, damit so viel wie möglich vom Aroma bewahrt wird. Kirschen etwa werden vorsichtig mit zwei Fingern gerollt, bis der Kern herausgedrückt ist.
Jede einzelne Charge wird nur in kleinen Kupferkesseln zubereitet, von denen jeder 1000 Euro wert ist.Martina Kast: . In: WDR, Servicezeit: Kostprobe, 5. September 2005. Diese Kupferkessel wurden nach den Vorgaben eines Wissenschaftlers angefertigt zum Zwecke einer besseren Gelierung. Die einheimischen Wildfrüchte werden von Freunden und Bekannten gesammelt. Früchte, die nicht im Elsass wachsen wie Aprikosen, Feigen und exotische Früchte, lässt sich Ferber vom Pariser Großmarkt Rungis liefern. Die stets selbst probierten Früchte kocht sie ohne Konservierungsmittel und nicht mehr als vier kg von einer Sorte ein. Auf 1 kg Frucht kommen nur 800 g Zucker und ein wenig Zitronensaft anstelle von Gelierzucker, weil letzterer „durch seine pure Zitronensäure der Konfitüre eine eindimensionale Note verleiht“.Clark Parkin: Die Backstube der Lady Marmelade. In: WamS, 27. November 2011. Hat eine Fruchtsorte zu wenig Pektin als Geliermittel, nimmt sie einige halbreife grüne Äpfel, die sie in einer Zuckerlösung auskocht. Alle Früchte werden gleichzeitig und nur so lange wie nötig erhitzt, d. h. etwa 5 Min. auf höchster Flamme beim ersten Mal unter ständigem Rühren, um die Frucht und den Zucker miteinander zu verschmelzen und um die Früchte zu konservieren. Zum Durchziehen werden die Früchte mit dem normalen Zucker und Zitronensaft über Nacht in den Kühlschrank gestellt.Christina Metallinos: Rhabarber trifft Himbeere. In: Süddeutsche.de, 6. Juni 2014. Danach werden sie ein zweites Mal kurz aufgekocht, um das Herausziehen der Fruchtsäfte zu beenden. Manche Sorten werden erst am dritten Tag fertig gekocht. Damit wird verhindert, dass die Fruchtstücke in der Konfitüre sich zu Kompott verwandeln.
Die sorgfältige Zubereitung und Qualität ihrer Konfitüren brachten der kreativen Elsässerin daher weltweit Ehrenbezeichnungen ein wie „Marmeladenkönigin des Elsass“, „la fée des confitures“ oder „Christine, the Queen of jams“Emmanuel Tresmontant: . In: ViaMichelin, September 2001, (englisch).Lindsay Koriath: . In: The French Pastry School, 1. August 2008, (englisch).. Komplexe Aromen (aigres-doux / sauer-süß) entwickeln ihre Kreationen wie etwa weiße Kirsche mit Pfefferminze, Hagebutte mit Orange, Wildapfelgelee mit Zimtrinde, Heidelbeere mit Lakritz.Jürgen Dollase: . In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12. Mai 2002, S. 60. Jährlich verkauft sie etwa 180.000 Gläser mit Konfitüren,Christine Ferber sur France 5 – La confiture dans tous ses états. In: France 5, 21. September 2015, mit Video, Christine Ferber erscheint (u. a. mit Pierre Hermé) ab 41:41 Min. 2017 waren es „mehr als 200.000 Gläser“.Stéphane Davet: Christine Ferber, créatrice haute confiture. In: Le Monde, 25. Dezember 2017: „ ... plus de 200 000 pots de confiture vendus chaque année“ (= mehr als 200.000 verkaufte Gläser Marmelade pro Jahr); nur Artikelanfang. Jedes einzelne Konfitürenglas wird von ihr selbst abgefüllt, zwischen den Vor- und Nacharbeiten ihrer Mitarbeiter, die sie auch macht.siehe Ferber im Video: Maison Ferber. In: AEA architectes, Februar 2019, 2:19 Min.
Atelier 2016 erweiterte sie ihre Produktion mit einem Atelier am Ortseingang von NiedermorschwihrJürgen Dollase: . In: Facebook, 30. Juli 2016: „Ihr neues Atelier am Ortseingang ist fast fertig.“ (Mobilversion) unterhalb des Weinbergs Grand Cru Sommerberg.Peter Marx: Madame Marmelade. In: Geislinger Zeitung, 12. September 2020, nur Anfang frei.Grand Cru Sommerberg • Katzenthal und Niedermorschwihr. In: vinsalsace.com, aufgerufen am 24. April 2024. Dennoch kommt für sie eine Delegation ihrer Arbeit und eine weitere Expansion nicht in Frage, um die hohe Qualität ihrer Erzeugnisse zu bewahren. Das neue Atelier hat 1.300 m² und eine schwarze Holzlattenverblendung an den Wänden, die nahtlos an ein klassisches Satteldach anschließt. Ein zweites Gebäude mit Satteldach, doch ohne Holzlatten, aber mit Terrassen und Panoramafenstern, ist parallel damit verbunden. 2018 wurde das Gebäude mit dem Architekturpreis Prix AMO in der Kategorie lieu le mieux productif (= Produktivster Ort)Rédaction: Prix Architecture et Maîtres d’Ouvrage (AMO) 2018 – Les lauréats. In: Chroniques d'architecture, 13. November 2018, (französisch), aufgerufen am 28. Februar 2021. ausgezeichnet.Fotos: Maison Ferber [Atelier]. In: AEA architectes, aufgerufen am 28. Februar 2021. Nach und nach zogen hier neben der Verwaltung und dem Lager auch alle Produktionszweige ein (Schokoladenmanufaktur, Konditorei, Eisherstellung). Der Familienbetrieb erwirtschaftet im Jahr einen Umsatz von 2 Millionen Euro, davon nimmt die Herstellung von Konfitüren 35 % ein, die Feinbäckerei hat einen Anteil von 35 % und das Traiteur-Geschäft 25 %. Alexandre Amrhein: . In: L’Express, 29. Juli 2009.
Verschiedenes In den 2000er-Jahren folgte von ihr kurz nacheinander eine Reihe von kulinarischen Büchern wie Mes Confitures und Mes Tartes. Der Drei-Sterne-Koch Alain Ducasse schrieb zu ersterem ein Vorwort und bekannte, nie wieder eine andere Konfitüre als jene von Madame Ferber gegessen zu haben.