Das Zisterzienserkloster Rüde, auch Rus Regis oder Rudekloster (), befand sich von 1210 bis 1582 am Ort der heutigen Stadt Glücksburg an der Flensburger Förde.

Das Kloster ging aus einer Niederlassung von Benediktinern in der Nähe von Schleswig hervor, die vermutlich um 1170 gegründet wurde. Die erste urkundliche Erwähnung steht im Zusammenhang mit ihrer Auflösung 1191/92. Damals gründete Bischof Waldemar das Kloster in Guldholm neu und unterstellte es der Zisterzienserregel. Diese Gründung hatte nur kurzen Bestand, denn schon 1210 siedelte der Konvent nach Glücksburg um. Die dort errichtete Klosteranlage mit einer großen Kirche ist nicht erhalten und auch die meisten Urkunden aus den über dreihundert Jahren der Klosterzeit sind verloren.

Auch nachdem das Kloster im Zuge der Reformation 1541 evangelisch geworden war, lebten dort bis spätestens 1561 Mönche. Danach diente die Kirche bis 1582 als Pfarrkirche des Kirchspiels Munkbrarup, ehe Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg sie zusammen mit den übrigen Gebäuden abtragen ließ. Aus den Steinen wurde Schloss Glücksburg errichtet. Die Fundamente versanken im aufgestauten Schlossteich, weshalb das Aussehen der Gebäude nur teilweise rekonstruiert werden kann.

Vorgeschichte Michaelis-Kloster Schleswig Das möglicherweise schon vor 1100 als Kanonikerstift des Domkapitels Schleswig gegründete Michaelis-Kloster in Schleswig war vermutlich das älteste Kloster in Schleswig-Holstein.Glauben – Wissen – Leben. Klöster in Schleswig-Holstein. Ausstellungsbegleitband der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. Kiel 2011, S. 315. Um 1170 siedelten sich die Kanoniker (Domherren) am Schleswiger Dom an, worauf Benediktiner die leerstehenden Räumlichkeiten übernahmen und sie erweiterten.Christian Radtke: Schleswig. Benediktiner. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation, Bd. 2. Regensburg 2019, S. 538–545, hier S. 538 f. Eine genaue Datierung ist aber nicht möglich, da die erste Erwähnung dieses Klosters im Briefwechsel des Wilhelm von Æbelholt aus der Zeit um oder kurz nach 1192 ausschließlich mit dem Streit um die Auflösung befasst.

mini|Schleswig um 1600, in der Mitte (C) St. Michaelis auf dem Berge Wie die Chronik Narratio de Monasterio S. Michaelis apud Slesvicum et de Fundatione Monasterii Aureae Insulae (Geschichte des Klosters St. Michaelis bei Schleswig und der Gründung des Klosters Guldholm) von 1289 berichtet, führte das angeblich unsittliche Leben im damaligen Doppelkloster zu dessen Auflösung. Die Mönche wurden 1191/92 in das neugegründete Zisterzienserkloster in Guldholm umgesiedelt und zur Übernahme der strengeren Ordensregel verpflichtet, der Großteil des Klosterbesitzes wurde dem neuen Kloster überschrieben. Acht Nonnen blieben, so die Narratio, im Konvent zurück, seelsorgerlich betreut von vier Mönchen. Die übrigen nach Guldholm umgesiedelten Mönche kehrten 1192 in ihr altes Kloster zurück, verfügten jedoch über keine Einnahmen mehr, da diese nun an Guldholm flossen. Im sogenannten Mönchekrieg versuchten sie – unter Berufung auf den Papst und den Herzog von Schleswig, den späteren König Waldemar II., als ihren Patron, also weltlichen Schutzherrn, – auch unter Einsatz von Gewalt, ihr altes Kloster und dessen Einkünfte von dem neuen Zisterzienserkloster in Guldholm zurückzubekommen. Was aus ihnen nach dem päpstlichen Schiedsspruch von 1196, der die Überschreibung des Klosterbesitzes an Guldholm bestätigte, wurde, ist nicht bekannt. Auch das Schicksal der Nonnen ist unbekannt. Die spätere Überlieferung, dass das Benediktinerinnenkloster St. Johannis vor Schleswig bereits 1194 gegründet worden sei und die Nonnen des Michaelisklosters dorthin umzogen, lässt sich anhand der Quellen nicht belegen.

Die Klosterkirche St. Michaelis auf dem Berge war ein romanischer Rundbau aus dem 12. Jahrhundert.Rekonstruktionszeichnungen in Richard Haupt: Die Bau und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein, Bd. 2. Kiel 1888, S. 315 ff. Die dreigeschossige Rundkirche mit einer östlichen Halbrundapsis wurde nach dem Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche errichtet und war möglicherweise ursprünglich ein Baptisterium und/oder, wie das Patrozinium des Erzengels Michael nahelegt, eine Begräbniskapelle wie die Michaelskirche in Fulda.Christian Radtke: Schleswig. Benediktiner. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation, Bd. 2. Regensburg 2019, S. 538–545, hier S. 539 f. Sie war aus Tuff und Granit gebaut. Um 1170 wurde die Rundkirche durch einen zweigeschossigen, die Kirche zu drei Viertel umgebenden Umgang auf einen Durchmesser von 25 Meter vergrößert. Zwölf Säulen trennten die ursprüngliche Kirche und den Umgang. Bei archäologischen Untersuchungen wurden in dem Erweiterungsbau Bauplastiken aus der Schleswiger Dombauhütte gefunden, wie sie sich auch am Dom selbst befinden.

mini|Die erweiterte Michaeliskirche auf einer Abbildung von etwa 1860, die alte Rundkirche mit Apsis ist nur noch an der Ostseite zu erkennen. Nach der Verlegung des Klosters wurde die Michaeliskirche als Pfarrkirche für die in der Umgebung lebende Bevölkerung weitergenutzt und mehrfach umgebaut und erweitert. 1643 ließ Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf die Kirche mit einem quadratischen Kirchenschiff nach Westen erweitern und mit einem Turm versehen. Ein Teil der runden Außenwände und vier Säulen wurden dafür entfernt. Nach längerer Vernachlässigung stürzte die Kirche bei Restaurierungsarbeiten 1870 ein und wurde 1874 durch einen (1971 wieder abgerissenen) Neubau ersetzt.Katja Hillebrand: Schleswig. Benediktiner. In: Oliver Auge, Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation, Bd. 2. Regensburg 2019, S. 545–553.

Neugründung in Guldholm 1191 gründete der Schleswiger Bischof Waldemar das Kloster Aurea Insula (Goldinsel, Guldholm) neu auf einer Insel im Langsee bei Schleswig.Glauben – Wissen – Leben. Klöster in Schleswig-Holstein. Ausstellungsbegleitband der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. Kiel 2011, S. 247. Klostergründungen auf Inseln waren im Mittelalter durchaus üblich.Thomas Meier: Das Kloster im See. Überlegungen zu einem mittelalterlichen Lagetyp. In: Siedlungsforschung. Band 27, 2009, S. 113–161. Waldemar war ein vermutlich postum geborener Sohn des 1157 ermordeten dänischen Thronprätendenten Knut V. König Waldemar I., der damals aus dem Streit um die dänische Krone siegreich hervorgegangen war und nun die Thronfolge seiner Söhne sichern wollte, ernannte seinen Verwandten Waldemar Knutsson kurz vor seinem Tod 1182 zum Bischof von Schleswig. Auch wenn Waldemar erst um 1187 geweiht wurde, war er als Geistlicher kein Konkurrent mehr für das Königsamt. Als Bischof war er gleichzeitig Verwalter des Herzogtums Schleswig für den minderjährigen Königssohn Waldemar (II.).

Für seine Klostergründung griff Bischof Waldemar auf sein Patrimonialgut, also das ihm von seinem Vater ererbte Land zurück, womit er zum Patron des Klosters wurde und die Neugründung als Eigenkloster ausschließlich ihm verpflichtet war. Waldemar, der später selbst Zisterziensermönch wurde, unterstellte seine Neugründung der Zisterzienserregel als Filiation (Tochterkloster) des Klosters Esrom auf Seeland. Neben den zwangsweise umgesiedelten ehemaligen Benediktinermönchen aus dem Michaelis-Kloster gehörten zum Gründungskonvent Zisterzienser aus Esrom und möglicherweise auch aus anderen Klöstern. Da Waldemar auch als Bischof selbst Ambitionen auf den Thron hatte, könnte er bei dieser Gründung auf seinem eigenen Land neben persönlicher Frömmigkeit auch politische Ziele verfolgt haben.

Die Weihe des Klosters fand am 23. Mai 1191 statt. Die Bauten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht gänzlich fertiggestellt, denn erst am 22. Juni 1192 wurden auch der Kirchhof und ein ambitus (Umgang), also vermutlich der Kreuzgang, geweiht. Bei einer Begehung des Gebiets 1985 gefundene Fundamentsteine und Feldbrandziegel sprechen dafür, dass es sich bei den Konventgebäuden nicht um provisorische Holzbauten handelte, weshalb davon auszugehen ist, dass eine dauerhafte Ansiedlung auf der Aurea Insula geplant war. Möglicherweise hatte Bischof Waldemar die Klosterkirche als seine Grablege geplant.

Nur kurz nach der Klostergründung ließ Bischof Waldemar sich zum Erzbischof von Bremen wählen und erklärte in diesem Zusammenhang offen seinen Anspruch auf den dänischen Thron. Von Bremen aus zog er gegen den nunmehr volljährigen Herzog von Schleswig und dessen Bruder, den dänischen König Knut VI., zu Felde. Ende 1192 wurde er von Knut VI. gefangen genommen und seiner Ämter entsetzt. Daraufhin kehrten die Benediktinermönche in ihr altes Kloster in Schleswig zurück. Mehrere Jahre stritten sie um die Rückgabe der dem Michaelis-Kloster zugeordneten Besitztümer, was als „Mönchekrieg“ in die Chroniken einging. Es soll sogar zu Überfällen der weitgehend einkommenslosen Schleswiger Benediktiner auf die Zisterzienser in Guldholm gekommen sein. Über diesen Streit berichten mehrere Schreiben, die der später heiliggesprochene Abt Wilhelm von Æbelholt an Papst Coelestin III. richtete. Wohl Anfang 1196 entschied ein päpstliches Schiedsgericht schließlich zugunsten von Guldholm und für die Änderung der Ordensregel. Den Zisterziensern half dabei, dass sie von der Treue zu Bischof Waldemar abrückten und als neuen Patron den Schleswiger Herzog Waldemar anerkannten. Dessen Bruder, König Knut VI., bestätigte daraufhin in einem Schreiben vom 31. März 1196 die päpstliche Entscheidung. In derselben Urkunde genehmigte er auch die von Nicolaus I., Waldemars Nachfolger als Bischof von Schleswig, vorgenommene Schenkung des bischöflichen Anteils an den Abgaben der Kirchspiele St. Michaelis auf dem Berge, Kahleby, Nübel und Tolk an das neue Kloster.Urkunde vom 31. März 1196: Paul Ewald Hasse: Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden. Band 1, Leopold Voss, Hamburg/Leipzig 1886, S. 104–105, Nummer 199 (Digitalisat). Regest: „Knud VI., König der Dänen und Wenden, genehmigt die Verlegung des Klosters von Schleswig nach Guldholm sowie die Änderung der Ordensregel und bestätigt den Besitz des Klosters Guldholm.“ Außerdem verfügte das Kloster über weitverstreuten Landbesitz. So hatte der erste Abt Matthias schon 1191 Land in Dörpum erworben, wo er eine Grangie errichten ließ.

Das Guldholmer Kloster hatte nicht lange Bestand. Es wurde 1209/10 aus unbekannten Gründen nach Holdernes-Brotorp verlegt. Dass die ungünstige Lage im Überschwemmungsgebiet den Umzug notwendig gemacht hatte, erscheint eher unwahrscheinlich, da der Wasserspiegel des Langsees damals deutlich niedriger lag als heute. Vermutlich spielten vor allem politische Gesichtspunkte eine Rolle. Der nach vierzehnjähriger Gefangenschaft 1206 wieder als Erzbischof von Bremen eingesetzte Waldemar wurde schon 1208 von Papst Innozenz III. erneut abgesetzt, blieb aber Konkurrent von Waldemar II., der 1202 seinem Bruder auf dem dänischen Thron nachgefolgt war. Möglicherweise wollte der König den einflussreichen Zisterzienserorden durch das Geschenk des neuen Klosterlandes ganz aus der Abhängigkeit seines lästigen Verwandten lösen und näher an sich binden.