zentriert|350px|Übergabe des Kaisers Napoleon III. an König Wilhelm von Preußen in Sedan am 2. September 1870 Nach der Schlacht bei Sedan kapituliert die französische Armee im Deutsch-Französischen Krieg. Napoleon III. wird gefangen genommen, in Paris wird die 3. Republik ausgerufen. zentriert|158px|Francisco Solano López Mit dem Tod von Francisco Solano López endet der Tripel-Allianz-Krieg. zentriert|182px|Ludwig II., 1870 Ludwig II. von Bayern schickt den von Otto von Bismarck formulierten Kaiserbrief nach Preußen.1870 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1318/19 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1862/63 (10./11. September) Baha'i-Kalender 26/27 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1275/76 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2413/14 (südlicher Buddhismus); 2412/13 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Metall-Pferdes 庚午 (am Beginn des Jahres Erde-Schlange 己巳) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1232/33 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4203/04 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1248/49 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1286/87 (2./3. April) Japanischer Kalender Meiji 3 () (ab 1. Februar) Jüdischer Kalender 5630/31 (25./26. September) Koptischer Kalender 1586/87 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1045/46 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1285/86 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2180/81 (Jahreswechsel April) Syrien: 2181/82 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1926/27 (April)
1870 bricht der durch die sogenannte „Emser Depesche“ provozierte Deutsch-Französische Krieg aus. Wenig später bricht das Zweite französische Kaiserreich zusammen, Kaiser Napoleon III. gerät in preußische Gefangenschaft, in Frankreich wird die Dritte Republik ausgerufen, die den Krieg gegen den Norddeutschen Bund fortsetzt. Bayerns König Ludwig II. sendet schließlich den von Otto von Bismarck formulierten Kaiserbrief nach Berlin, in dem er im Namen der deutschen Fürsten Preußens König Wilhelm I. auffordert, den Kaisertitel anzunehmen, was dieser Ende des Jahres auch tut.
Auf der Apeninnenhalbinsel kommt es gegen den Widerstand von Papst Pius IX. zur Vereinigung des vor zehn Jahren gegründeten Königreichs Italien mit dem Kirchenstaat unter König Viktor Emanuel II., nur die „Römische Frage“ bleibt weiterhin ungeklärt. In Spanien wird Amadeus von Savoyen inmitten des Sexenio Revolucionario gegen mehrere andere Kandidaten zum König gewählt. Und in Südamerika endet mit dem Tod des paraguayischen Diktators Francisco Solano López nach fünf Jahren der Tripel-Allianz-Krieg, einer der gemessen an der Gesamtbevölkerung verlustreichsten Kriege der Weltgeschichte.
In Österreich-Ungarn wiederum werden erstmals Gewerkschaften zugelassen, doch noch im selben Jahr kommt es zum Wiener Hochverratsprozess gegen Mitglieder der Arbeiterbewegung, die wegen der Organisation einer Kundgebung zu mehrjährigen Kerkerstrafen verurteilt, allerdings bald darauf amnestiert werden.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Deutsche Einigung und Krieg gegen Frankreich
7. Januar: Bundeskanzler Otto von Bismarck bespricht seinen „Kaiserplan“ mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich, um die Deutsche Frage in Bewegung zu halten und das Wohlwollen Großbritanniens zu erhalten. 24. Februar: In der Interpellation Lasker bemühen die Nationalliberalen sich um die Aufnahme Badens in den Norddeutschen Bund. Juni: Der geplante Dreibund zwischen Frankreich, Österreich-Ungarn und Italien wird nach mehr als zweijährigen Sondierungen und Verhandlungen auf Eis gelegt. 2. Juli: Es wird bekannt, dass Leopold von Hohenzollern Kandidat für die spanische Thronfolge ist. In Frankreich gibt es einen Aufschrei der Empörung. 13. Juli: Eine Pressemitteilung Bismarcks, die sogenannte „Emser Depesche“, erscheint. Kaiser Napoleon III. wird sie als Anlass für einen Krieg gegen Preußen nehmen.
mini|links|Verlauf der ersten Kriegsphase bis zur Schlacht von Sedan am 1. September 1870 19. Juli: Der Deutsch-Französische Krieg beginnt mit der französischen Kriegserklärung an Preußen. Durch die norddeutsche Bundesverfassung und die Schutz- und Trutzbündnisse mit Süddeutschland befindet sich ganz Deutschland im Kriegszustand. 4. August: In der Schlacht bei Weißenburg, der ersten Schlacht im Deutsch-Französischen Krieg, tritt erstmals ein gesamtdeutsches Heer auf. Die 3. Armee unter der Führung von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen besiegt nahe der Grenzstadt Wissembourg im Elsass die „Elsassarmee“ unter Marschall Patrice de Mac-Mahon.
6. August: In der Schlacht bei Wörth besiegt Preußen Frankreich. Bei der Schlacht gibt es über 20.000 Tote und Verwundete auf beiden Seiten. In der Schlacht bei Spichern setzen sich am selben Tag preußische Einheiten unter schweren Verlusten gegen französische Verteidiger durch, die sich am Abend zurückziehen. 14. August: Deutsche Truppen siegen in der Schlacht bei Colombey. 15. August: Die bis zum 28. September dauernde Belagerung von Straßburg beginnt. 16. August: In der Schlacht bei Mars-la-Tour zwingen zwei preußische Korps die französische Rheinarmee zum Rückzug in die Festung Metz. 16. August: Die Belagerung von Toul durch deutsche Truppen unter Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg beginnt. 18. August: In der Schlacht bei Gravelotte gelingt es den Preußen, einen französischen Angriff zurückzuschlagen und Richtung Metz vorzurücken. 20. August: Die von Marschall Bazaine zurückgezogene Rheinarmee wird von den Preußen und ihren Verbündeten in der Stadt Metz eingeschlossen, die Belagerung von Metz beginnt. Sie wird sich bis zum 27. Oktober hinziehen. 30. August: Auch das Gefecht bei Beaumont endet mit einem preußischen Sieg. 31. August/1. September: Die Franzosen unterliegen in der Schlacht bei Noisseville. Die Deutschen beginnen mit dem Kampf um Bazeilles erfolgreich die Schlacht bei Sedan.
mini|links|Verlauf der zweiten Kriegsphase (1. September bis 30. November) 2. September: Nach der Niederlage in der zweitägigen Schlacht von Sedan kapituliert die französische Armee; es kommt zu einem Treffen Otto von Bismarcks mit Napoleon III. in Donchery. 3. September: Napoleon III. wird im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel interniert. 4. September: Louis Jules Trochu bildet das Kabinett Trochu. Diese „Regierung der Nationalen Verteidigung“ ist die erste Regierung der Dritten Französischen Republik. Napoleon III. wird als Kaiser der Franzosen abgesetzt. Die Republik setzt den Krieg fort. 19. September: Deutsche Truppen siegen im Gefecht bei Sceaux. 19. September: Die Belagerung von Paris beginnt. 23. September: Die Belagerung von Toul geht zu Ende. Nach einer etwa achtstündigen Kanonade übergeben die französischen Soldaten die von ihnen bis dahin gehaltene Stadt. 28. September: Die Stadt Straßburg kapituliert nach mehrwöchigem heftigen Beschuss durch die deutschen Truppen. 30. September: Deutsche Truppen siegen auch im Gefecht bei Chevilly. 7. Oktober: In der Schlacht bei Bellevue scheitert ein Ausbruchsversuch der bei Metz eingeschlossenen französischen Rheinarmee des Marschalls François-Achille Bazaine an den preußischen Streitkräften.
7. Oktober: Innenminister Léon Gambetta verlässt das belagerte Paris in einem Ballon, um seinen Plan zur Befreiung der französischen Hauptstadt umzusetzen, der indessen scheitern sollte. 10. Oktober: Im Gefecht bei Artenay setzt sich ein Armeekorps der bayerischen Truppen unter General Ludwig von der Tann-Rathsamhausen durch. 13. Oktober: Die Bayern siegen auch im Gefecht bei Châtillon. 18. Oktober: In der Schlacht bei Châteaudun setzen sich die Deutschen im Häuserkampf durch und besiegen Truppenteile der französischen Loirearmee. 27. Oktober: Die Belagerung von Metz endet mit der Kapitulation der verteidigenden französischen Truppen. 28. bis 30. Oktober: Auch in der Schlacht von Le Bourget nördlich von Paris siegen die deutschen Truppen. 3. November: Deutsche Truppen schließen die Stadt Belfort ein. Das ist der Auftakt zur Belagerung von Belfort, der letzten kämpfenden Festung in Ostfrankreich. 9. November: Die Schlacht bei Coulmiers endet mit einem französischen Sieg.
mini|hochkant|Deutschlands Zukunft, Karikatur im österreichischen Satireblatt „Kikeriki“ zu den Novemberverträgen 15. November: Der Norddeutsche Bund schließt mit Baden und dem Großherzogtum Hessen den ersten der Novemberverträge, die die Gründung des Kaiserreichs vorbereiten. 23. November: Der Norddeutsche Bund schließt mit Bayern einen weiteren Novembervertrag. Das Königreich handelt sich dabei Reservatrechte aus. 25. November: Der Vertrag Norddeutschlands (sowie Badens und Hessens) mit dem Königreich Württemberg ist der dritte und letzte der Novemberverträge. 27. November: Otto von Bismarck formuliert für Bayerns König Ludwig II. den Kaiserbrief. Darin fordert er im Namen der deutschen Fürsten Preußens König Wilhelm I. auf, den Kaisertitel anzunehmen. 27. November: Es kommt zu einer Schlacht nahe Amiens, bei der sich preußische Truppen gegenüber abziehenden Franzosen durchsetzen. Der Kampf um Beaune-la-Rolande der zahlenmäßig überlegenen französischen Loirearmee geht am folgenden Tag durch die ihr am Abend nachsetzenden Preußen verloren. 28. November bis 4. Dezember: Truppen im belagerten Paris unternehmen mehrere Ausfallversuche, die letztlich in der Schlacht bei Villiers von den deutschen Belagerern zurückgeschlagen werden. 1. Dezember: Das Gefecht bei Villepion endet mit einem französischen Sieg. 2. Dezember: In der Schlacht bei Loigny und Poupry ist eine preußisch-bayerische Armeegruppe gegenüber französischen Einheiten erfolgreich. Der Kampf kostet insgesamt etwa 12.000 Soldaten das Leben. 3. Dezember: Prinz Luitpold überbringt Ludwigs Kaiserbrief dem preußischen König. 4. Dezember: Die Deutschen siegen in der zweitägigen Schlacht von Orléans. 9./10. Dezember: Norddeutscher Reichstag und Bundesrat beschließen, dass das Bundespräsidium zusätzlich den Titel Deutscher Kaiser führen soll. 10. Dezember: Im Deutsch-Französischen Krieg endet die seit zwei Tagen andauernde Schlacht bei Beaugency. Wegen der Gefahr, eingeschlossen zu werden, zieht sich die französische Loirearmee unter dem Befehl von General Antoine Chanzy in Richtung Le Mans zurück. 18. Dezember: Gegenüber einer Deputation des Reichstags akzeptiert König Wilhelm in Versailles den Kaisertitel. 18. Dezember: Das Gefecht bei Nuits endet mit einem deutschen Sieg. 23./24. Dezember: In der Schlacht an der Hallue kommt es zu einem preußischen Sieg. Die etwa doppelt so starken französischen Truppeneinheiten ziehen sich nach den am Vortag begonnenen verlustreichen Kämpfen mit den preußischen Angreifern zurück.
Risorgimento in Italien
20. September: Italienische Truppen besetzen Rom, die Hauptstadt des Kirchenstaates. Papst Pius IX. betrachtet sich im Vatikan als „Gefangener“. 2. Oktober: Die Bewohner des Kirchenstaates haben der Vereinigung mit dem Königreich Italien zugestimmt; Unabhängigkeit Italiens; Rom wird an Stelle von Florenz Hauptstadt. 6. Oktober: Ein königliches Dekret von Viktor Emanuel II. proklamiert die Vereinigung des Kirchenstaats mit Italien. Das Risorgimento endet mit diesem Zusammenschluss, doch die Römische Frage schwelt weiter.
Spanien
Februar: Die spanische Regierung unter Juan Prim bietet dem deutschen Fürsten Leopold von Hohenzollern die spanische Krone an. 12. März: Antoine d’Orléans, duc de Montpensier, der sich Hoffnungen auf den spanischen Thron macht, tötet in einem Duell den Infanten Heinrich von Bourbon, den Bruder von Spaniens ehemaligem Titularkönig Francisco. 19. Juni: Leopold von Hohenzollern stimmt einer Kandidatur für den spanischen Thron zu. 25. Juni: Die vor zwei Jahren nach Frankreich geflohene spanische Königin Isabella verzichtet zu Gunsten ihres ebenfalls im Pariser Exil befindlichen Sohnes Alfons XII. auf den Thron.