mini|Video eines Rotluchses (Lynx rufus) im Buckeye Tree Der Rotluchs (Lynx rufus), in Amerika aufgrund seines vergleichsweise kurzen Schwanzes „Bobcat“ genannt, ist eine Luchsart, deren Verbreitungsgebiet vom südlichen Kanada bis zum Norden Mexikos reicht. Rotluchse sind anpassungsfähig und nutzen so unterschiedliche Lebensräume wie Wälder, Halbwüsten, die Randzonen von Städten und Sumpfgebiete. Die Art gilt als nicht bedroht.

Zur bevorzugten Beute des Rotluchses zählen Kaninchen und Hasen. Rotluchse sind jedoch opportunistische Jäger, deren Beutespektrum alle im jeweiligen Lebensraum vorhandenen kleinen und mittelgroßen Säuger und Vögel umfasst. Auch Fische, Schlangen und Insekten werden von ihnen gefressen. Wie die meisten Katzenartigen sind Rotluchse territorial und leben überwiegend einzelgängerisch.

Merkmale Körpergröße und -gewicht Rotluchse sind im Durchschnitt kleiner als die drei anderen Luchsarten Kanadischer Luchs, Eurasischer Luchs und Pardelluchs. Ausgewachsene männliche Rotluchse weisen eine Körperlänge zwischen 70 und 120 Zentimetern auf. Die durchschnittliche Körperlänge beträgt 90 Zentimeter. Auf den kurzen Schwanz entfallen zwischen 10 und 18 Zentimeter. Die Schulterhöhe beträgt bei männlichen Tieren zwischen 36 und 38 Zentimeter. Sie wiegen zwischen 7 und 14 Kilogramm. Die größten und schwersten Rotluchse finden sich im nördlichen Teil des Verbreitungsgebiets.K. Nowell, P. Jackson: Wild Cats. Status Survey and Conservation Action Plan. 1996. (PDF). IUCN/SSC Cat Specialist Group. IUCN, Gland, Switzerland. mini|Junge Rotluchse in Texas

Weibchen sind etwas kleiner als die männlichen Tiere und weisen durchschnittlich ein Gewicht von neun Kilogramm auf. Eine morphologische Studie, die in den östlichen Bundesstaaten der USA durchgeführt wurde, konnte belegen, dass die größten männlichen und weiblichen Tiere jeweils in unterschiedlichen Regionen des Verbreitungsgebiets zu finden sind. Dies legt nahe, dass die Selektionskriterien, die die Körpergröße beeinflussen, geschlechtsabhängig unterschiedlich sind.

Jungtiere kommen mit einem Gewicht zwischen 280 und 340 Gramm zur Welt und weisen eine Körperlänge von 25 Zentimeter auf. Am Ende ihres ersten Lebensjahrs haben sie normalerweise ein Gewicht von 4,5 Kilogramm erreicht.

Weitere Erscheinungsmerkmale Die Fellfarbe der Körperoberseite ist sehr variabel und reicht von blassgelb bis rötlich braun. Tendenziell weisen Rotluchse, die in den Wüstenregionen im Südwesten des Verbreitungsgebiets leben, die hellste Fellfärbung auf. Die im nördlichen Teil des Verbreitungsgebiets vorkommenden Rotluchse sind dagegen am dunkelsten gefärbt.

mini|Rotluchs Die Fleckung des Fells ist individuell verschieden ausgeprägt. Bei einzelnen Individuen kann die Fleckung nahezu vollständig fehlen oder ist auf die Läufe beschränkt. Andere Individuen weisen dagegen auf ihrem Fell deutlich erkennbare, dunkelbraune bis schwarze Punkte und Linien auf, die von der Grundfärbung des Fells besonders deutlich auf den Vorderläufen und am Schwanz abgesetzt sind. In Florida hat man allerdings einige melanistische Rotluchse gesichtet und auch gefangen. Ihr schwarzes Fell ist möglicherweise durch ein besonders dichtes Fleckenmuster verursacht. An Kinn, Brust und Körperunterseite sind die Fellhaare grauweiß bis cremeweiß.

Wie bei den anderen Luchsarten sind auch beim Rotluchs die Hinterläufe deutlich länger als die Vorderläufe. Die dreieckigen Ohren sind auf ihrer oberen Rückseite schwarz gefärbt. Rotluchse haben im Vergleich zum Eurasischen Luchs deutlich kürzere Haarpinsel an den Ohrspitzen. Bei einzelnen Individuen können diese sogar ganz fehlen.Clutton-Brock, S. 282. Der Kopf wirkt wegen des ausgeprägten Backenbarts rundlich. Die Nase ist an ihrer Vorderseite rötlich, an den Seiten dagegen grau bis braunrot. Die Augenfarbe ist gelblich bis ockerfarben.

Der Durchmesser der Pfotenabdrücke kann zwischen zwei und acht Zentimeter schwanken, die durchschnittliche Rotluchsfährte ist etwa vier Zentimeter breit. Sie ist damit etwa doppelt so groß wie die einer Hauskatze. Die Schrittlänge liegt bei ruhig laufenden Rotluchsen zwischen 20 und 40 Zentimetern und kann bei sprintenden Rotluchsen zwischen einem und 2,4 Meter betragen. Der Abdruck der Hinterpfoten überlappt sich meist mit dem der Vorderpfote.

Verbreitung Das Verbreitungsgebiet des Rotluchses erstreckte sich ursprünglich vom Süden Kanadas über das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten bis nach Oaxaca, Mexiko. Bis heute konnte der Rotluchs dieses Verbreitungsgebiet weitgehend halten. Rotluchse kommen heute nicht mehr in einigen Teilen des mittleren Westens und des Ostens der Vereinigten Staaten vor, wo sie ihre Lebensräume auf Grund einer intensiven Landwirtschaft verloren haben. Zu den heute nicht mehr von Rotluchsen besiedelten Regionen zählen unter anderem der Süden von Minnesota, der Osten von South Dakota, Teile von Iowa und Missouri. Obwohl man davon ausgeht, dass Rotluchse im Westen von New York und in Pennsylvania nicht mehr vorkommen, gab es in jüngster Zeit mehrfach bestätigte Sichtungen von Rotluchsen an der Südgrenze und sogar im zentralen Nordteil von New York (Metropolregion Syracuse).Dave Tobin: . In: Syracuse Post-Standard. 31. Mai 2007.

mini|Verbreitungsgebiet Die nördliche Verbreitungsgrenze des Rotluchses ist vor allem von der Höhe bestimmt, die die Schneedecke im Winter erreichen kann. Anders als der Kanadische Luchs kommt der Rotluchs mit hohen Schneelagen nur schlecht zurecht.Bobcats: Yellowstone National Park Service Ihm fehlen die großen behaarten Pranken, die für den Kanadischen Luchs charakteristisch sind. Auf einer Schneedecke laufende Rotluchse brechen daher tiefer ein als jene und sind damit in ihrer Fortbewegung bei Schnee behindert. Dort, wo sich die Verbreitungsgebiete von Kanadischem Luchs und Rotluchs überschneiden, ist der Rotluchs aber nicht unbedingt seinem größeren Vetter unterlegen. In Nova Scotia konnte der Rotluchs den Kanadischen Luchs partiell verdrängen, nachdem die dortigen Nadelwälder teilweise gefällt wurden, um in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt zu werden.

In Nord- und Zentralmexiko lebt der Rotluchs in trockenen Buschgebieten sowie Kiefern- und Eichenwäldern. Die südliche Verbreitungsgrenze erreicht er im Übergangsbereich zu den Tropen.

Lebensraumansprüche mini|Ein männlicher Rotluchs im Stadtgebiet

Rotluchse sind sehr anpassungsfähig. Sie bevorzugen Waldgebiete, ohne dabei eine Präferenz für Nadel-, Laub- oder Mischwälder zu zeigen. Sie kommen jedoch außer in Waldgebieten in einem breiten Spektrum unterschiedlicher Lebensräume vor. Sie sind in den Everglades von Florida ebenso beheimatet wie in den hochgelegenen Felsregionen der Rocky Mountains, den Appalachen oder den Halbwüsten Kaliforniens. Als Revier nutzen sie auch landwirtschaftlich genutzte Flächen, wenn diese einen ausreichenden Waldbestand aufweisen oder ihnen angrenzende Sumpfgebiete oder Steinbrüche ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bieten. Wenn dies gegeben ist, hängt die Bestandsdichte vor allem von der Anzahl potenzieller Beutetiere ab. Rotluchse sind gelegentlich auch in Stadtrandgebieten zu beobachten, wenn diese an weitgehend naturbelassene Zonen angrenzen.

Das Beutespektrum des Rotluchses überschneidet sich mit dem anderer mittelgroßer Prädatoren. Untersuchungen in Maine wiesen allerdings nur eine geringe Konkurrenz zwischen Rotluchs und Kojote oder Rotfuchs nach. Die interspezifischen Revierüberschneidungen ließen kein Muster erkennen. Anders verhält es sich mit dem kanadischen Luchs. Die Nahrungskonkurrenz mit dem Rotluchs verhindert eine weitere Ausbreitung des Kanadischen Luchses nach Süden.

Lebensweise Der Rotluchs ist dämmerungsaktiv. Die erste Aktivitätsphase beginnt gewöhnlich drei Stunden vor Sonnenuntergang und währt bis Mitternacht. Die zweite Aktivitätsphase setzt mit dem Sonnenaufgang ein und endet drei Stunden nach Sonnenaufgang. Während dieser beiden Aktivitätsphasen legt der Rotluchs in der Regel eine Wegstrecke zwischen drei und elf Kilometern zurück. Er durchstreift dabei sein Revier auf Wegen, die er regelmäßig nutzt.

Die Aktivitätsphasen unterliegen einer jahreszeitlichen Schwankung. Im Herbst und Winter ist der Rotluchs häufiger am Tag aktiv, da auch seine Beutetiere in dieser Zeit stärker tagaktiv sind.

Reviergröße mini|Rotluchs im hohen Gras, Tennessee Valley, Marin, Kalifornien

Rotluchse sind territorial. Die Reviergröße ist abhängig vom Geschlecht des jeweiligen Tiers sowie von der Zahl potenzieller Beutetiere. Reviergrenzen werden durch Harn, Losung und durch Kratzspuren an Bäumen markiert. Innerhalb seines Reviers nutzt der Rotluchs eine Reihe verschiedener Versteckplätze. Meist präferiert er eines dieser Verstecke und nutzt die anderen Rückzugsmöglichkeiten nur gelegentlich. Typische Verstecke finden sich in hohlen Baumstämmen, in dichtem Unterholz oder in Dickungen sowie unter Felsüberhängen.

In den bislang durchgeführten Studien konnten als Extremwerte Reviere mit einer Größe von nur 0,6 und solche mit einer Größe von 326 Quadratkilometern nachgewiesen werden. Untersuchungen in Kansas haben nachgewiesen, dass etablierte männliche Luchse durchschnittlich ein Revier mit einer Größe von 20 Quadratkilometer haben. Die Reviere der Weibchen sind dagegen nur halb so groß. Luchse ohne etablierte Reviere durchstreifen häufig ein Gebiet, das deutlich größer ist. Noch nicht vollständig ausgewachsene Luchse haben in Kansas mit einer Reviergröße von durchschnittlich sieben Quadratkilometern die kleinsten Reviere.J. F. Kamler, P. S. Gipson: In: Canadian Field-Naturalist. Band 114, Nummer 3, Jul-Sep 2000, S. 388–394. In einzelnen Untersuchungen konnte auch gezeigt werden, dass die Reviere von männlichen Luchsen am weitesten vom Geburtsort der Tiere entfernt liegen.

Es ist bislang umstritten, ob die Reviergröße von Luchsen jahreszeitlich bedingt schwankt. Die Ergebnisse einzelner Untersuchungen sind dabei widersprüchlich: In einer Untersuchung lag die durchschnittliche Reviergröße von männlichen Luchsen während des Sommers bei 41 Quadratkilometern, während sie im Winter 100 Quadratkilometer betrug. Eine andere Studie wies dagegen nach, dass weibliche Rotluchse mit Nachwuchs während des Winters größere Revier nutzen, während männliche Tiere ihr Revier lediglich verlagern, aber kein größeres Gebiet als im Sommer durchstreifen. Diese Ergebnisse stimmen auch mit denen zahlreicher früher durchgeführter Untersuchungen überein. In anderen Untersuchungen in einer Reihe von US-amerikanischen Bundesstaaten konnte keine oder nur eine geringe saisonale Schwankung der Reviergröße festgestellt werden.

Wie die meisten Katzenartigen leben Rotluchse überwiegend einzelgängerisch. Ihre Reviere überlappen sich jedoch häufig. Bedingt durch die kleinere Reviergröße der Weibchen leben häufig zwei oder mehr Weibchen im Revier eines Männchens. Weibliche Rotluchse überschreiten nur selten die Reviergrenze eines anderen weiblichen Tieres. Anders als bei den meisten anderen Katzenartigen tolerieren männliche Rotluchse es, wenn sich ihr Revier mit einem gleichgeschlechtlichen Tier überschneidet. In diesem Fall ist ein Männchen jedoch häufig das dominantere.

Entsprechend den unterschiedlichen Reviergrößen schwankt auch die Bestandsdichte stark. Auf einem Gebiet von 65 Quadratkilometern können zwischen einem und 38 Rotluchse leben. Der Durchschnitt liegt jedoch bei einem Tier je 13 Quadratkilometer, dabei hat man einen Zusammenhang zwischen der Bestandsdichte und dem Geschlechterverhältnis festgestellt. In Kalifornien hat man in Gebieten, in denen Rotluchse nicht bejagt werden und eine hohe Populationsdichte besteht, 2,1 Männchen je Weibchen gezählt. Mit sinkender Bestandsdichte verändert sich dieses Verhältnis, so dass in dünn besiedelten Regionen nur noch 0,86 Männchen je Weibchen leben. Diese Untersuchungen legen nahe, dass Männchen besser in der Lage sind, in Regionen mit einem hohen Konkurrenzdruck durch andere Rotluchse zu überleben.