Charles Cullen (* 22. Februar 1960 in West Orange, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Krankenpfleger und Serienmörder. Er ist bis heute der gefährlichste Serienmörder der Geschichte New Jerseys. Im Dezember 2003 gestand Cullen den Behörden, dass er bis zu 45 Patienten während der 16 Jahre ermordet hatte, in denen er in insgesamt 10 Krankenhäusern in New Jersey und Pennsylvania arbeitete. Ermittler gehen von bis zu 400 Morden aus.

Kindheit und frühes Leben Charles Cullen wurde in West Orange, New Jersey als jüngstes von acht Kindern geboren. Sein Vater war Busfahrer, während seine Mutter als Hausfrau die Kinder erzog. Noch während Cullen ein Kleinkind war, starb sein Vater. Auch zwei seiner Geschwister starben bereits im frühen Erwachsenenalter.

Cullen selbst beschreibt seine Kindheit als erbärmlich. Bereits mit neun Jahren unternahm er seinen ersten Selbstmordversuch, indem er Chemikalien aus einem Chemie-Baukasten trank. Dies sollte jedoch nur der erste von etwa 20 Selbstmordversuchen im Verlaufe seines Lebens sein. Später, als Cullen als Krankenpfleger beschäftigt war, entwickelte er Phantasien darüber, Drogen aus dem Krankenhaus, in dem er arbeitete, zu stehlen, um mit ihnen Suizid zu begehen.

Als er 17 Jahre alt war, starb Cullens Mutter bei einem Autounfall, bei dem eine seiner Schwestern am Steuer saß. Am Boden zerstört durch den Tod seiner Mutter verließ Cullen die High School und schrieb sich im Jahre 1978 bei der U.S. Navy ein. Er diente an Bord des U-Boots USS Woodrow Wilson. Cullen stieg als Mitglied des Teams, das den Flugkörper UGM-73 Poseidon bediente, bis in den Rang eines Petty Officers Third Class auf.

Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigte Cullen Zeichen einer mentalen Instabilität. Ein Jahr nach Dienstantritt wurde er an seinem Arbeitsplatz mit einem grünen Chirurgenkittel, einer Schutzmaske und Latexhandschuhen entdeckt, die er aus dem Medizinschrank gestohlen hatte. Er wurde daraufhin auf das Versorgungsschiff USS Canopus versetzt. In den folgenden Jahren versuchte Cullen mehrfach, sich das Leben zu nehmen. Sein letzter Versuch im März 1984 führte zu seiner Entlassung aus der U.S. Navy.

Nach seiner Entlassung aus den Streitkräften der Vereinigten Staaten besuchte Cullen die Mountainside School of Nursing und bekam 1987 einen Job im St. Barnabas Medical Center in Livingston, New Jersey. Im selben Jahr noch heiratete er Adrienne Taub, mit der er zwei Töchter hat.

Morde Cullen beging seinen ersten Mord am 11. Juni 1988. Der Richter John W. Yengo Senior wurde wegen einer allergischen Reaktion auf ein gerinnungshemmendes Mittel in das St. Barnabas Medical Center eingewiesen. Cullen verabreichte ihm intravenös eine tödliche Überdosis. Cullen gestand, 11 Patienten im St. Barnabas Medical Center umgebracht zu haben, darunter auch einen AIDS-Patienten, der einer Überdosis Insulin erlag. Er kündigte seinen Job in St. Barnabas im Januar 1992, als die Krankenhausleitung anfing nachzuforschen, wer sich an den Infusionsbeuteln zu schaffen gemacht hatte.

Im Februar des Jahres 1992 nahm Cullen eine neue Arbeit im Warren Hospital in Phillipsburg, New Jersey, auf. Dort ermordete er drei ältere Frauen, indem er ihnen eine Überdosis der Herzmedizin Digoxin verabreichte. Sein letztes Opfer sagte, ein heimtückischer Pfleger (sneaky male nurse) hätte ihr etwas injiziert, als sie schlief. Ihre Familienmitglieder und weiteres medizinisches Personal übergingen ihre Aussagen allerdings.

Im Januar 1993 beantragte Adrienne Cullen die Scheidung. Später zeigte sie außerdem zwei Fälle häuslicher Gewalt gegen ihren Mann an. Die Scheidungspapiere und die Klagen wegen häuslicher Gewalt stellten Cullen als Alkoholiker dar, der Haustiere quälte, indem er sie in Bowlingtaschen oder Mülleimer steckte, der Feuerzeugbenzin in Getränke anderer Leute mischte und der Streichanrufe an Haushalte von Verstorbenen tätigte. Cullen erhielt ein gemeinsames Sorgerecht für seine Töchter und zog in ein Apartment in der Shafer Avenue in Phillipsburg.

Cullen behauptete, er habe die Krankenpflege 1993 aufgeben wollen, ihn hätten jedoch gerichtlich angeordnete Unterhaltszahlungen dazu gezwungen, weiterzuarbeiten.

Im März 1993 brach er in die Wohnung einer Kollegin ein, als diese und ihr junger Sohn schliefen. Er verließ die Wohnung – jedoch ohne die beiden zu wecken. Daraufhin begann Cullen, sie häufig anzurufen, hinterließ ihr unzählige Nachrichten und folgte ihr sowohl bei der Arbeit als auch in der Stadt. Die Frau verklagte Cullen, und er erklärte sich des Hausfriedensbruchs schuldig. Er wurde zu einer Strafe von einem Jahr verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Am Tag nach seiner Entlassung beging Cullen einen weiteren Suizidversuch. Er nahm zwei Monate Urlaub und wurde in einer psychiatrischen Anstalt wegen Depressionen behandelt. Bis zum Ende des Jahres unternahm Cullen zwei weitere Suizidversuche.

Cullen verließ das Warren Hospital im Dezember 1993 und nahm einen Job im Hunterdon Medical Center im Raritan Township, New Jersey, zum Anfang des folgenden Jahres an. Er arbeitete dort drei Jahre auf der Intensivstation und der kardiologischen Station. 1994 wurde Cullen in Pennsylvania sogar anerkannter Krankenpfleger. Er behauptet, in den ersten beiden Jahren seiner Tätigkeit keine weiteren Morde begangen zu haben. Die entsprechenden Unterlagen des Krankenhauses wurden bereits während seiner Haft im Jahre 2003 zerstört. Daher können die Behauptungen Cullens weder bewiesen noch widerlegt werden. Trotzdem gestand Cullen, fünf weitere Morde in den ersten neun Monaten des Jahres 1996 begangen zu haben. Wieder verabreichte er den Patienten Überdosen des Medikaments Digoxin.

In der Folgezeit fand Cullen Arbeit im Morristown Memorial Hospital in Morristown, New Jersey. Dort wurde er bereits im August 1997 aufgrund schwacher Leistungen wieder entlassen. Er blieb sechs Monate arbeitslos und stellte die Unterhaltszahlungen für seine Töchter ein.

Im Oktober 1997 tauchte Cullen im Warren Hospital auf und bat um die Behandlung seiner Depressionen. Er wurde einer psychiatrischen Anstalt überstellt, verließ diese jedoch kurze Zeit später, ohne dass die Behandlung Erfolg gebracht hatte. Nachbarn berichteten, er habe mitten in der Nacht Katzen auf der Straße verfolgt, Selbstgespräche geführt oder rumgeschrien und Leuten Grimassen geschnitten, wenn er dachte, dass sie ihn nicht sehen.

Im Februar 1998 wurde Cullen vom Liberty Nursing and Rehabilitation Center in Allentown, Pennsylvania, eingestellt. Dort arbeitete er auf einer Krankenstation, die Patienten betreute, welche Beatmungsgeräte zum Überleben benötigten. Im Mai beantragte Cullen Insolvenz, nachdem er beinahe 67.000 US-Dollar Schulden angehäuft hatte. Das Liberty Nursing and Rehabilitation Center entließ ihn im Oktober 1998, nachdem Cullen gesehen wurde, wie er mit Spritzen in der Hand ein Patientenzimmer betrat. Der Patient hatte am Ende zwar einen gebrochenen Arm, Injektionen wurden allerdings nicht vorgenommen. Dennoch wurde Cullen beschuldigt, den Patienten unplanmäßig Medikamente zu verabreichen.

Daraufhin arbeitete Cullen im Zeitraum von November 1998 bis März 1999 im Easton Hospital in Easton, Pennsylvania. Dort brachte er am 30. Dezember einen weiteren Patienten mit einer Überdosis Digoxin um. Der von einem Gerichtsmediziner durchgeführte Bluttest wies zwar den tödlichen Anteil des Medikaments im Blut des Patienten nach, doch eine nachfolgende Untersuchung des Vorfalls endete ergebnislos. Nichts konnte die Schuld Cullens am Tod des Patienten zweifelsfrei beweisen.

Cullen fand jedoch weiterhin Arbeit. Der Bedarf an Krankenpflegern war zu dieser Zeit deutlich größer als die vorhandenen Arbeitskräfte, was es den Krankenhäusern schwer machte, neues Personal zu finden. Außerdem existierte keinerlei System, um Krankenpfleger mit psychischen Problemen zu identifizieren oder Schwierigkeiten bei vorherigen Arbeitgebern aufzudecken. Daher konnte Cullen im März 1999 seine neue Arbeit auf der Station für Brandverletzungen im Lehigh Valley Hospital in Allentown, Pennsylvania, aufnehmen. Während seiner Anstellung im Lehigh Valley Hospital ermordete Cullen erneut einen Patienten und scheiterte bei einem weiteren Versuch, sich umzubringen.

Im April des Jahres 1999 hörte Cullen freiwillig auf, im Lehigh Valley Hospital zu arbeiten. Er nahm einen Job im St. Luke’s Hospital in Bethlehem, Pennsylvania, an. Dort arbeitete er auf der kardiologischen Station. In den folgenden drei Jahren versuchte Cullen sieben Patienten zu ermorden, wobei er fünfmal Erfolg hatte und zweimal scheiterte.

Im Januar 2000 unternahm Cullen einen erneuten Suizidversuch, der misslang. Er wurde in eine Psychiatrie gebracht, durfte diese jedoch am folgenden Tag wieder verlassen.

Niemand verdächtigte Cullen, Patienten im St. Luke’s Hospital zu ermorden, bis ein Kollege zufällig unbenutzte Fläschchen mit Medizin in einem Abfalleimer fand. Diese Drogen waren außerhalb des Krankenhauses wertlos und wurden nicht von Gelegenheitsdrogennutzern verwendet. Daher erschien ihr Diebstahl merkwürdig. Eine Untersuchung ergab, dass Cullen die Medizin nahm. Im Juni 2002 wurde er entlassen und aus dem Krankenhaus entfernt.

Sieben der Krankenschwestern des St. Luke’s Hospital trafen sich später mit den Behörden des Lehigh County, um sie über ihren Verdacht zu informieren, Cullen würde Patienten mit Medikamenten umbringen. Sie argumentierten, dass Cullen zwar lediglich zu 20 % der Zeit auf seiner Station anwesend war, während seiner Arbeitszeit aber beinahe zwei Drittel der Patienten starben. Da bei den Untersuchungen jedoch nie Cullens Vergangenheit beleuchtet wurde, wurde der Verdacht wegen fehlender Beweise neun Monate später wieder aufgegeben.

Cullen arbeitete in der Folge für eine kurze Zeit im Sacred Heart Hospital in Allentown, Pennsylvania. Dort kam er allerdings mit seinen Kollegen nicht zurecht und ging freiwillig.

Im September 2002 fand Cullen einen Job im Somerset Medical Center in Somerville, New Jersey. Dort arbeitete er in der notfallmedizinischen Abteilung. Cullens Depressionen verschlimmerten sich, obwohl er anfing, mit Frauen aus der Umgebung auszugehen. Er ermordete weitere acht Patienten und unternahm einen weiteren Versuch, der scheiterte. Wieder verwendete er für seine Taten die Medikamente Digoxin und Insulin.

Am 18. Juni 2003 versuchte Cullen einen Patienten namens Philip Gregor zu ermorden. Gregor überlebte allerdings, wurde entlassen und starb sechs Monate später eines natürlichen Todes.

Bald darauf ergaben Auswertungen der Zugriffe auf den Krankenhauscomputer, dass Cullen die Daten von Patienten abrief, für die er nicht eingeteilt war. Auch Kollegen hatten ihn in den Patientenzimmern gesehen. Außerdem zeigten Auswertungen der computergesteuerten Medizinschränke, dass Cullen Medikamente nachfragte, die seinen Patienten nicht verschrieben worden waren.

Der Geschäftsführer des Poison Information and Education System von New Jersey warnte die Verantwortlichen des Somerset Medical Centers im Juli 2003, dass mindestens vier verdächtige Verabreichungen von Überdosen auf die Möglichkeit hinweisen würden, dass einer der Angestellten Patienten töten würde. Doch das Krankenhaus verschob den Kontakt mit den Behörden in den Oktober des Jahres. Bis dahin hatte Cullen bereits weitere fünf Patienten umgebracht und es bei einem sechsten versucht.

Die Behörden des Bundesstaates belegten das Krankenhaus mit einer Strafe, da dieses es versäumt hatte, eine nichttödliche Überdosis Insulin zu melden. Die Überdosis war von Cullen verabreicht worden. Als Cullens letztes Opfer im Oktober wegen eines zu niedrigen Blutzuckerspiegels starb, alarmierte das Somerset Medical Center die Behörden. Eine Untersuchung von Cullens Arbeitnehmervergangenheit deckte schließlich die Verdachtsmomente auf, die bereits bei früheren Toten entstanden waren.