Die Stadt Gronau (Westf.) liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine mittlere kreisangehörige Stadt und nach Bocholt die zweitgrößte des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster.
Geographie Gronau liegt in der Dinkel-Niederung. Die Dinkel fließt von Süd nach Nord durch das Stadtgebiet. Nordöstlich von Gronau liegt das Gildehauser Venn, ein Moor- und Heidegebiet. Das Kerngebiet des Gildehauser Venns ist heute Naturschutzgebiet. Der Südteil des Gildehauser Venns (Gronauer Stadtgebiet) wird Rüenberger Venn genannt.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.3|Ortsteile Stadtteil Gronau Stadtteil Epe
Historische Gliederung von Gronau: Innenstadt Tiekerhook (Nordost) Schöttelkotterhook (Ost) Eßseite (Südost) Buterland (Südwest) Beckerhook (Südwest) Brook (West) Spechtholtshook (Nordwest)
Diese Bezeichnungen sind die Namen der Bauerschaften, die die Stadt Gronau umgeben haben. Sie werden in der amtlichen Statistik nicht mehr verwendet, sind aber im Alltag weiter gebräuchlich.
Nachbargemeinden im Osten: Stadt Ochtrup im Südosten: Gemeinde Heek im Süden: Stadt Ahaus im Westen: Stadt Enschede, Niederlande in Norden: Gemeinde Losser, Niederlande in Nordosten: Stadt Bad Bentheim, Niedersachsen In Gronau gibt es vier ehemalige Grenzübergänge in die Niederlande: Grenzübergang Gronau an der Schnellstraße B 54, Glanerbrücke an der ehemaligen B 54 (über Glanerbrug nach Enschede), Losserstraße (über Glane nach Losser) und Tiekerhook (über Overdinkel nach Losser).
Gronau besitzt sowohl eine reine Gemeindegrenze (Süden: Ahaus und Heek) als auch eine Kreisgrenze (Osten: Kreis Steinfurt), eine Landesgrenze (Norden: Niedersachsen) und eine Staatsgrenze (Westen: Niederlande).
Geschichte Überblick miniatur|hochkant|Pfarrkirche St. Antonius Der Name Gronau stammt von Gronauwe (Grüne Aue) und bezieht sich auf den Ursprung als Siedlung am Fluss Dinkel.
Im Jahr 1188 wurde der heutige Gronauer Ortsteil Epe erstmals urkundlich erwähnt, Gronau selbst erst im Jahr 1365.
miniatur|links|hochkant|Evangelische Stadtkirche Gronau war ursprünglich eine eigenständige Herrschaft. Die Burg Gronau war ein sogenanntes Offenhaus der Fürstbischöfe zu Münster. Im Jahr 1365 belehnte Bischof Florenz von Münster die Edelherren von Steinfurt mit dieser Burg. Im 15. Jahrhundert kam Gronau an einen Zweig des Hauses Bentheim.
Unter Graf Arnold II. von Bentheim-Steinfurt wurde 1544 die Augsburger Konfession eingeführt, Graf Arnold VI. wechselte 1591 die Konfession zum Reformierten Glauben.
Mit dem Erbabfall Gronaus an die Linie Bentheim-Tecklenburg-Rheda 1638 wechselte der Besitzer des Ortes erstmals. In einem 1699 geschlossenen Vergleich zwischen dem Hochstift Münster und den Grafen von Bentheim-Tecklenburg-Steinfurt kam Gronau unter münsterische Landeshoheit. Gut einhundert Jahre später wurde das münsterische Amt Horstmar mit Gronau und Epe im Reichsdeputationshauptschluss (1803) an die Grafen von Salm übereignet, die aus dem Gebiet die Grafschaft Salm-Horstmar errichteten. Im Zusammenhang mit der Gründung des Rheinbundes kam das Gebiet 1806 zum Großherzogtum Berg. Nach der dort im Jahr 1808 eingeführten französischen Verwaltungsstruktur gehörte Gronau zum Departement der Ems und war dem Kanton Ochtrup zugeordnet. Von 1811 bis 1813 gehörte Gronau schließlich direkt zu Frankreich, der Kanton Ochtrup und damit Gronau und Epe gehörten nun zum Département de la Lippe und zum Arrondissement Steinfurt. Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Frankreich wurden Gronau und Epe 1815 preußisch. 1816 wurden Gronau und Epe dem neu gebildeten Kreis Ahaus im Regierungsbezirk Münster der Provinz Westfalen angegliedert.
Die Industrialisierung hielt in Gronau Einzug mit der Gründung des ersten Textilwerks 1854. 21 Jahre später (1875) wurden die Eisenbahnlinien von Gronau nach Münster, Dortmund und Enschede eröffnet.
Mit dem Wachstum der Textilindustrie und der Gründung des Gronauer Bauvereins im Osten der Stadt (1893) begann eine Expansion der Siedlungsfläche. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden in Gronau unter anderem ein neues Rathaus, das Amtsgericht, die Pfarrkirche St. Antonius, Schulen, Krankenhäuser, ein Hallenbad, ein Wasserwerk, ein Elektrizitätswerk und der Stadtpark.
Am 27. Dezember 1897 erhielt Gronau die Stadtrechte.
miniatur|50-Pf-Notmünze der Stadt Gronau 1919 Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in den Jahren 1918 und 1919 von der Stadt Gronau drei Notmünzen im Wert von 10, 25 und 50 Pfennig herausgegeben.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, auch (Reichs-)Kristallnacht oder Reichspogromnacht genannt, wurde die Synagoge in der Wallstraße geschändet, verbunden mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.Elfi Pracht-Jörns: Gronau – Stadtteile Gronau und Epe. In: dies.: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Band 4: Regierungsbezirk Münster (= Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.2). J.P. Bachem, Köln 2002, ISBN 3-7616-1397-0, S. 91–95 und 153–155, hier S. 93. Schließlich wurden alle Juden aus Gronau (Familien Eichberg, Poppert, van Engel, Kauffmann, Lion) in die Vernichtungslager deportiert. In Gronau existiert heute noch ein Jüdischer Friedhof.
Mit dem Konkurs des 1854 gegründeten van-Delden-Konzerns 1980/1981 endete die Ära der Textilindustrie in Gronau.Ralf Keuper: , 22. August 2010
Erdgeschichte 1910 fand man in der damaligen Ziegeleigrube Gerdemann das Skelett eines Plesiosauriers aus der Kreidezeit. Es befindet sich heute im Geologisch-Paläontologischen Museum in Münster. Ein weiterer Fund zwei Jahre später entdeckte dort eine neue Gattung, die Gronausaurus wegneri benannt wurde.Markus Bertling: „Gronausaurus wegneri HAMPE, 2013“, in Bürgerbuch Gronau und Epe 2013/14, S. 172
Eingemeindungen Am 1. April 1898 wurde der Nordteil der Gemeinde Kirchspiel Epe (die Eilermark und das Buterland) nach Gronau eingemeindet. Am 1. April 1934 wurden die Gemeinden Dorf Epe und Kirchspiel Epe (der verbliebene Südteil) zur Gemeinde „Epe“ zusammengeschlossen. Am 1. Januar 1975 wurden die Stadt Gronau und die Gemeinde Epe (Westfalen) zur neuen Stadt Gronau zusammengeschlossen.
Politik
miniatur|Neues Rathaus (Nordostseite)
Stadtrat Die Tabelle zeigt die Sitzverteilung als Ergebnis der Kommunalwahlen seit 1999. +CDU SPDUWGFDPGrüneGALGAL: Grün Alternative Liste GronauLINKEPro!Pro: Pro! BürgerschaftWEGWEG: Wählergemeinschaft Epe GronauAfDPiratenPBCGesamt2025191084323756202016933411261462014Kommunalwahlen am 25. Mai 2014171232221142200917124421242200422113321421999231422142
Die Zahl der Ratssitze wurde 2014 von 42 auf 40 Sitze reduziert, die weggefallenen Sitze wären entsprechend dem Wahlergebnis zu je einem an die CDU und die SPD gegangen. 2020 wurden aufgrund von Ausgleichsmandaten (CDU gewann mehr Wahlbezirke, als ihr prozentual Sitzen zustanden) der Rat um 6 Sitze auf 46 Sitze erweitert. Dieser Effekt verstärkte sich noch 2025, der Rat wurde nun um 16 Sitze auf 56 Sitze erweitert.
Bürgermeister
1974–1979: Bruno Jäkel (SPD) 1979–1984: Gerhard Schultewolter (CDU) 1984–1989: Bruno Jäkel (SPD) 1989–1994: Norbert Diekmann (SPD) 1994–1999: Gerhard Gleis-Preister (CDU) 1999–2013: Karl-Heinz Holtwisch (CDU) 2013–2019: Sonja Jürgens (SPD) 2019–2025: Rainer Doetkotte (CDU) seit 2025: Jörg von Borczyskowski (UWG)
Wappen, Banner, Flagge und Logo
Wappen Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurden die Stadt Gronau und die Gemeinde Epe zum 1. Januar 1975 zu einer neuen Stadt mit dem Namen „Gronau (Westf.)“ zusammengeschlossen.
Nach einer Übergangszeit, in der das Wappen der ehemaligen Stadt Gronau seine Gültigkeit behielt, wurde vom Rat das abgebildete Wappen beschlossen. Es beinhaltet die Symbole der beiden früheren Gemeinden (Schwan, Spule, Ähre) sowie die Farben grün-gelb der ehemaligen Stadt Gronau und eine Farbe (blau) der ehemaligen Gemeinde Epe. Der Schwan deutet auf die frühere territoriale Zugehörigkeit Gronaus zur Herrschaft der Edelherren von Steinfurt hin; der grüne Untergrund soll redender Hinweis auf die Bezeichnung des alten Gronau als „Grüne Aue“ sein. Aus dem ehemaligen Wappen der Gemeinde Epe wurden die Symbole „Ähre“ und „Spule“ übernommen. Während die Spule die enge Verbundenheit beider Gemeinden mit der Textilindustrie andeutet, steht die Ähre symbolisch für die Bedeutung der Landwirtschaft.
Das neue Wappen der Stadt wurde am 8. Januar 1981 durch den Regierungspräsidenten in Münster genehmigt und am 1. Februar 1981 formalrechtlich offiziell eingeführt. Es soll zum Ausdruck bringen, dass die neue Stadt Gronau aus zwei Gemeinden entstanden ist.
Heraldische Beschreibung des Wappens (Blasonierung):
„Das Stadtwappen zeigt in Grün einen breiten gelben mit einem schwarz bewehrten blauen Schwan belegten Wellenpfahl, begleitet vorn von einer gelben Spule, hinten von einer gelben Ähre.“
Banner und Flagge Der Stadt Gronau ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten Münster vom 8. Oktober 1981 das Recht zur Führung einer Flagge und eines Banners verliehen worden.
Beschreibung des Banners: „Das Banner zeigt die Stadtfarben in zwei Bahnen von Grün und Gelb im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift und in der Mitte der oberen Hälfte den Wappenschild.“ Beschreibung der Flagge: „Die Stadtflagge hat die Farben Grün und Gelb im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift (gemeint ist quergestreift) und in der Mitte der beiden Bahnen den Wappenschild. Es können Stadtfahnen ohne Wappen sowie Wimpel in den Stadtfarben verwendet werden.“
Städtepartnerschaften Epe (Niederlande) Bromsgrove (Vereinigtes Königreich) Mezőberény (Ungarn)
Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik miniatur|Rock’n’Popmuseum Gronau kann auf eine respektable Musikgeschichte zurückblicken, die in den 1950er Jahren den dort geborenen Udo Lindenberg prägte und letztlich zur Eröffnung des Gronauer rock’n’popmuseums führte. Charakteristisch für diese Musikkultur ist die deutsch-niederländische Verbindung. In der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in Gronau und Enschede eine enge und erfolgreiche deutsch-niederländische Kultur-Kooperation, die sich über Musikvereine, Streichquartette, Salonorchester und Hot-Dance-Kapellen bis hin zu Sinfonieorchestern und einer Operettengesellschaft (Enschedesch Opera en Operette Gezelschap) mit eigenen Uraufführungen steigerte (u. a. Hans-Martin Majewski: Insel der Träume, 1938). Zugleich fand der Jazz ab 1920 begeisterte Anhänger. Die lokale Jazzgeschichte der 1940er und 1950er Jahre schrieb sich ab 1988 durch das Jazzfest Gronau auf internationaler Ebene fort. In der Tanzmusikszene der Nachkriegszeit lernte Udo Lindenberg sein musikalisches Handwerkszeug.
Die Gronauer Wall ist eine „Hall of Fame“ und erinnert an die lokale deutsch-niederländische Musikszene und die internationalen Musiker, die in Gronau aufgetreten sind.
Festivals Einmal im Jahr (Ende April) bietet das Jazzfest Gronau internationalen Größen des Jazz eine Plattform.
Bauwerke miniatur|Gronauer Wasserturm am Stadtpark Wasserturm der ehemaligen Weberei Matthieu van Delden|miniatur
Wahrzeichen der Stadt Gronau ist der alte Wasserturm am Stadtpark. Der Trinkwasserspeicher hat ein Fassungsvermögen von 250 m³. Der Wasserturm wurde nach dem Bau eines neuen Erdspeichers mit 2800 m³ Inhalt (heute 4800 m³) 1965 vom Netz genommen.
Die eindrucksvollen Bauten der Textilindustrie nördlich der Innenstadt sind teilweise als technische Denkmäler restauriert worden.
Vom alten Rathaus ist nur noch der Rathausturm erhalten geblieben. Im Zuge der Kommunalen Neugliederung entstand von 1969 bis 1975 ein neues Rathaus in moderner Gestalt nach Plänen des Architekten Harald Deilmann. Als experimentelles „Haus der Bürger“ konzipiert, markiert es bis heute einen neuen Mittelpunkt im Stadtbild.Stefan Rethfeld: Rathaus Gronau – die Vernunft des geometrischen Systems, in: Bauwelt 40–41, Berlin 2012, S. 36–41