mini|hochkant|Signatur Ileana Cotrubaș (; * 9. Juni 1939 in Galați, Königreich Rumänien; † 20. August 2026 in Wien, Österreich) war eine rumänische Opernsängerin. Sie gehörte zu den bekanntesten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts.
Leben und Karriere Ausbildung und Anfänge Ileana Cotrubaș wurde in Galați, einer Stadt an der Donau, geboren.Jens Malte Fischer: Große Stimmen: Von Enrico Caruso bis Jessye Norman. 1. Auflage. Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 1995, S. 292–294. Sie wurde als Elena Cotrubaș geboren und verwendete bereits als Kind den Vornamen Ileana. Ihr Vater Vasile Cotrubaș war Beamter im Landwirtschaftsministerium; sowohl er als auch ihre Mutter Maria waren begeisterte Amateur-Opernsänger.
Mit neun Jahren wurde Cotrubaș in einen Kinderchor des rumänischen Rundfunks aufgenommen; 1952 zog die Familie nach Bukarest, wo sie die Școala specială de muzică für musikalisch besonders begabte Kinder besuchte. Dort erhielt sie neben Gesangsunterricht auch Unterricht in Klavier, Violine, Dirigieren und Schauspiel; am Ciprian-Porumbescu-Konservatorium wurde sie zunächst wegen des geringen Volumens ihrer Stimme abgelehnt und erst nach einem zweiten Vorsingen aufgenommen. Mit dem Kinderchor wirkte sie an der Opera Națională București auch bei Opernaufführungen mit, u. a. in Carmen, La Bohème und Tosca. Cotrubaș studierte am Ciprian-Porumbescu-Konservatorium Gesang bei Constantin Stroescu.Ileana Cotrubas. Biografie bei KlassikHeute.de. Abgerufen am 4. März 2025.
1963 schloss sie ihr Studium am Bukarester Konservatorium ab; ihr Bühnendebüt an der Nationaloper Bukarest als Yniold in Claude Debussys Pelléas et Mélisande fand 1964 im Rahmen des Internationalen George-Enescu-Festivals statt. Bei dieser Aufführung saß die französische Musikpädagogin Nadia Boulanger im Publikum und lobte insbesondere Cotrubaș’ Französisch. Sie blieb bis 1966 an der Nationaloper Bukarest im Engagement und sang in dieser Zeit zunächst vor allem Pagen-Rollen wie Oscar in Un ballo in maschera, Siebel in Faust und Tebaldo in Don Carlo. Später folgten Blonde in Die Entführung aus dem Serail, aber auch bereits ihre erste Gilda in Rigoletto.
Im Jahr 1965 war sie Preisträgerin des Internationalen Gesangswettbewerbs in ’s-Hertogenbosch in den Niederlanden und erhielt dort in der Lied-Sektion den Ersten Preis mit Goldmedaille. Daraufhin erhielt sie Einladungen zu Gastvorstellungen an das Théâtre de la Monnaie in Brüssel (Pamina, Konstanze) und nach Amsterdam (Gilda). 1966 erhielt sie den Ersten Preis beim Gesangswettbewerb der ARD in München, was die Aufmerksamkeit von Operndirektoren und Künstleragenturen auf sie lenkte.
Zum Wintersemester 1967 ging sie nach Wien, um an der Wiener Musikakademie ihre Ausbildung zu vervollkommnen. Im Sommer 1968 sang sie bei den Salzburger Festspielen die c-Moll-Messe von Wolfgang Amadeus Mozart, die 1969 und 1970 wiederholt wurde, und den Zweiten Knaben in Die Zauberflöte unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Sawallisch.Kirchenkonzert: c-Moll-Messe. Besetzung 1968. Vorstellungsarchiv der Salzburger Festspiele. Abgerufen am 4. März 2025.Die Zauberflöte. Besetzung 1968. Vorstellungsarchiv der Salzburger Festspiele. Abgerufen am 4. März 2025. Im September 1968 trat sie unter dem damaligen Generalmusikdirektor Christoph von Dohnányi ein Engagement an der Oper Frankfurt an, wo sie, als Einspringerin für Edith Mathis, mit der Pamina ihre erste Premierenrolle hatte.Johannes Jacobi: Kostümierte Kehlköpfe. Aufführungskritik. In: DIE ZEIT. Nr. 41/1968 vom 11. Oktober 1968. Auszug aus der Kritik: „Mit einem substanzreichen, wohlgebildeten Sopran, dem auch die feineren Nuancen nicht versagt sind, stellte sich Ileana Cortubas [sic!] als Pamina vor.“ 1969/70 folgte bei den Salzburger Festspielen die Bastienne in Mozarts Bastien und Bastienne.Bastien und Bastienne. Besetzung 1969. Vorstellungsarchiv der Salzburger Festspiele. Abgerufen am 4. März 2025.Bastien und Bastienne. Besetzung 1970. Vorstellungsarchiv der Salzburger Festspiele. Abgerufen am 4. März 2025.
Internationale Karriere Ileana Cotrubaș’ Vertrag mit der Frankfurter Oper legte nur eine bestimmte Anzahl von Vorstellungen fest, und so war es ihr möglich, Einladungen von internationalen Opernhäusern anzunehmen.
Im Dezember 1969Die Zauberflöte. Besetzung vom 27. Dezember 1969. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 4. März 2025. sang sie zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper, einem Haus, dem sie bis zum Ende ihrer Karriere eng verbunden blieb und an dem sie für mehrere Premierenproduktionen verpflichtet wurde. Im Dezember 1971 übernahm sie unter der musikalischen Leitung von Josef Krips die Violetta in einer Neuinszenierung von La traviata (Regie: Otto Schenk) an der Seite von Nicolai Gedda und Cornell MacNeil.La traviata. Besetzung vom 25. Dezember 1971. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 4. März 2025. Weitere Premierenrollen an der Wiener Staatsoper waren Susanna in Le nozze di Figaro (1977), Adina in L’elisir d’amore (1980) und Nedda in I Pagliacci (1985).Le nozze di Figaro. Besetzung vom 10. Mai 1977. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 4. März 2025.L’elisir d’amore. Besetzung vom 26. April 1980. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 4. März 2025.Pagliacci. Besetzung vom 6. Juni 1985. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 4. März 2025. In Repertoirevorstellungen war Cotrubaș an der Wiener Staatsoper als Pamina, Zerlina, Sophie (Der Rosenkavalier), Gilda, Mimì und Micaëla, in späteren Jahren auch als Amelia (Simone Boccanegra), Tatjana und Charlotte (Werther) zu hören.. Abgerufen am 4. März 2025. Bis zu ihrem letzten Auftritt dort 1990 absolvierte sie an der Wiener Staatsoper insgesamt 109 Vorstellungen.
In der Saison 1970/71 debütierte Ileana Cotrubaș als Tatjana in Eugen Onegin am Royal Opera House Covent Garden in London.Eugen Onegin. Besetzung vom 10. Februar 1971. Vorstellungsarchiv des Royal Opera House. Abgerufen am 4. März 2025. Die Besetzung als Tatjana kam für Cotrubaș selbst überraschend; Musikdirektor Georg Solti ließ sie zweimal vorsingen, anschließend wurde sie von Mark Elder, damals Korrepetitor am Royal Opera House, auf die Partie vorbereitet. Sie sang dort u. a. Susanna, Pamina, Norina, Violetta, Gilda, Mélisande, Antonia und Mimì.Ileana Cotrubas. Vorstellungsarchiv des Royal Opera House. Abgerufen am 4. März 2025. Ihren letzten Auftritt hatte sie dort im September 1987 als Alice Ford in Falstaff.Falstaff. Besetzung vom 25. September 1987. Vorstellungsarchiv des Royal Opera House. Abgerufen am 4. März 2025.
Ihr USA-Debüt gab sie 1973 an der Lyric Opera of Chicago als Mimì in La Bohème an der Seite von Luciano Pavarotti als Rodolfo. Mit derselben Partie folgte im Januar 1975LA BOHEME. Besetzung vom 7. Januar 1975. Vorstellungsarchiv des Teatro alla Scala. Abgerufen am 4. März 2025. ihr vielbeachtetes und „fulminantes“ Debüt an der Mailänder Scala, als sie – auf Empfehlung von Luciano Pavarotti – kurzfristig für Mirella Freni einsprang. Cotrubaș wurde dafür aus England nach Mailand eingeflogen, schminkte sich während des Fluges und traf erst etwa 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Theater ein.
An der Pariser Oper sang sie 1974Massenet's "Manon" (Paris, 1974). Abgerufen am 4. März 2025., an der Seite von Alain Vanzo, in einer Neuinszenierung die Titelpartie in Manon, 1980 die Mélisande, 1983 die Rosalinde in der Operette Die Fledermaus und 1986 die Mimì.
Im März 1977 debütierte sie, an der Seite von José Carreras als Rodolfo und Renata Scotto als Musetta, als Mimì in La Bohème an der Metropolitan Opera in New York.La Bohème. Besetzung vom 23. März 1977. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 4. März 2025. Es folgten an der Metropolitan Opera in Neuproduktionen die Gilda in Rigoletto (Saison 1977/78) und die Violetta in La traviata (Saison 1980/81).Rigoletto. Besetzung vom 31. Oktober 1977. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 4. März 2025.La Traviata. Besetzung vom 17. März 1981. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 4. März 2025. Ihr letzter Opernauftritt an der Metropolitan Opera war im März 1987 als Micaëla in Carmen.Carmen. Besetzung vom 26. März 1987. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 4. März 2025.
In Deutschland war sie nach ihrer Anfangszeit in Frankfurt an den Opernhäusern in Berlin, Hamburg und Köln und dann für viele Jahre an der Bayerischen Staatsoper, u. a. seit 1975 in einer Neuinszenierung von La traviata von Otto Schenk unter der musikalischen Leitung von Carlos Kleiber, zu hören. Im Februar 1984 trat sie, „beim Schlußbeifall am meisten bejubelt“, an der Bayerischen Staatsoper als Mimì in La Bohème an der Seite von Alberto Cupido als Rodolfo auf.B. Polher: LA BOHÈME. Aufführungskritik. In: Opernglas. Ausgabe Nr. 3 / März 1984, Seite 28. Im Juni 1984 übernahm sie an der Oper Köln die Rolle der Ninetta in einer Neuinszenierung der Oper Die diebische Elster.M. Kosel: KÖLN: DIE DIEBISCHE ELSTER. Aufführungskritik. In: Das Opernglas. Ausgabe 7/8. Juli/August 1984. Seite 15/16.
Anfang der 1980er Jahre hatte Cotrubaș zeitweise Stimmprobleme, die sie selbst auf eine hormonelle Störung zurückführte und denen eine Operation folgte; ihre Gesangskarriere setzte sie dennoch fort. 1989 kündigte sie während einer Probe am Royal Opera House ihren bevorstehenden Rückzug von der Bühne an. Beim Maggio Musicale Fiorentino sang sie im selben Jahr nochmals die Rolle der Mélisande.52º Maggio Musicale Fiorentino 1989. Besetzung 1989. Vorstellungsarchiv des Maggio Musicale Fiorentino. Abgerufen am 4. März 2025. Im November 1990 gab sie an der Wiener Staatsoper als Mimì in La Bohème an der Seite von Luis Lima im Alter von 51 Jahren ihren letzten Opernauftritt.La Bohème. Besetzung vom 26. November 1990. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 4. März 2025.
Ileana Cotrubaș war Österreichische Kammersängerin (1981) und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper (1991). Nach Beendigung ihrer Gesangskarriere war sie als Jurorin bei Gesangswettbewerben aktiv, leitete MeisterklassenIleana Cotrubas zu Gast an der HfM Karlsruhe. Abgerufen am 4. März 2025.Ileana Cotrubas Masterclass Cardiff 1995. Abgerufen am 4. März 2025. und arbeitete als privater Stimmcoach für Sänger. Zu ihren bekanntesten Schülerinnen gehörte die rumänische Sopranistin Angela Gheorghiu. 2023 wurde ihr der Österreichische Musiktheaterpreis für das Lebenswerk zuerkannt.
Festspielauftritte und Konzerte Ileana Cotrubaș trat bei zahlreichen internationalen Festspielen auf. Im Juni 1969 debütierte sie als Mélisande beim Glyndebourne Festival, wo sie bis 1981 auch als Calisto, Pamina, Susanna und als Titania in Benjamin Brittens Oper A Midsummer Night’s Dream auftrat.Pelleas et Melisande. Besetzung vom 13. Juni 1969. Vorstellungsarchiv des Glyndebourne Festival. Abgerufen am 4. März 2025.Ileana Cotrubas. Vorstellungsarchiv des Glyndebourne Festival. Abgerufen am 4. März 2025. Beim Edinburgh Festival wurde sie 1975 für die Susanna engagiert.