mini|hochkant|Friedrich Alfred Krupp, 1900 Friedrich Alfred Krupp (* 17. Februar 1854 in Essen; † 22. November 1902 ebenda) war ein deutscher Industrieller aus der Familie Krupp. Er war Eigentümer der Essener Gussstahlfabrik und weiterer Unternehmen. Er baute den Konzern durch Erwerb weiterer Betriebe und die Gründung des Werkes in Rheinhausen aus. Er war auch Mitglied des Reichstages.
Biografie Frühe Jahre mini|Krupp-Familie mit Freunden in Nizza 1868/1869. Von links Clara Bruch, Bertha Krupp [d. Ä., geb. Eichhoff], Dr. Schwengberg [stehend] (Friedrich Alfred Krupps Hauslehrer), Alfred Krupp [stehend im weißen Mantel], Friedrich Alfred Krupp, Dr. Schmidt [stehend] (Arzt) und eine weitere unbekannte Person
Friedrich Alfred Krupp war der Sohn von Alfred Krupp und Bertha (geb. Eichhoff). In seiner Kindheit und Jugend war er körperlich schwach und litt unter anderem unter Asthma und Rheumatismus. Da die Familie bis zum Bau der „Villa Hügel“ beim Gussstahlwerk lebte, dürfte die Umweltbelastung durch das Werk seine Gesundheit beeinträchtigt haben. Auch aus diesem Grund erhielt er einen Großteil seiner Bildung durch Hauslehrer. Das Königliche Gymnasium am Burgplatz zu Essen konnte er nur etwa zwei Jahre lang besuchen. Aus Gesundheitsgründen verbrachte er zahlreiche Kuraufenthalte in Südeuropa und reiste dort.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 240 f.
Die Beziehung zu seinem dominanten Vater war kompliziert. Im Gegensatz zur Mutter wehrte dieser sich lange gegen den Wunsch von Friedrich Alfred, in Braunschweig ein Studium der Ingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Metallurgie aufzunehmen. Der Vater argumentierte, dass ein solches Studium eine Sache für Angestellte der Firma wäre, die sich auf bestimmte Dinge spezialisieren würden, nicht für den Inhaber des Unternehmens. Statt eines Studiums musste er nach dem Willen des Vaters ab 1872 im Betrieb die Unternehmensführung in der Praxis erfahren. Die Ausbildung war allerdings wenig systematisch. Auch das Verhältnis zum Vater blieb widersprüchlich. Mal wurde er in die Entscheidungen mit einbezogen, dann wieder davon ausgeschlossen.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 243 f. Auch der Heirat mit der Tochter des Regierungspräsidenten von Düsseldorf August von Ende, Margarethe von Ende, die Friedrich Alfred Krupp früh kennen gelernt hatte, stellte sich der Vater lange entgegen. Friedrich Alfred Krupp erschien Beobachtern als zwar liebenswürdig, ausgleichend, aber wenig selbstständig und durchsetzungsfähig.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 245.
mini|Friedrich Alfred Krupp und Margarethe von Ende (1882) Von seinem Vater wurde er 1875 nach Ägypten entsandt. Die Reise diente Gesundheitsgründen und hatte einen geschäftlichen Hintergrund. Zeitweise spielte er eine Rolle als Mittler zwischen dem zunehmend in der „Villa Hügel“ zurückgezogen lebenden Vater und den leitenden Mitarbeitern. Der Vater vertraute ihm zeitweise wichtige Aufgaben wie die Verhandlungen zur Übernahme des Finanzfachmanns Gussmann aus dem württembergischen Staatsdienst an. Daneben widmete er sich auch metallurgischen Problemen.
Im Jahr 1882 wurde Friedrich Alfred Krupp in die Prokura oder Direktorium, das höchste Leitungsgremium des Unternehmens, aufgenommen. Ein eigenes Ressort erhielt er allerdings nicht. Im selben Jahr durfte er Margarethe von Ende heiraten. Aus der Ehe gingen die Töchter Bertha und Barbara hervor. Auch konnte er endlich für einige Monate die Technische Hochschule in Braunschweig besuchen. In dieser Zeit stand er im ständigen Kontakt mit den Metallfachleuten in Essen und regte unter anderem an, Wolfram für Legierungen zu verwenden. Die Erfahrung bestärkte ihn, nach seiner Rückkehr die Produktion stärker auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Daher wurde 1882 ein zweites Labor unter Leitung eines Braunschweiger Professors eingerichtet. Wichtig für das Unternehmen war die ihm übertragene Pflege von Auslandsbeziehungen mit Spanien, dem Osmanischen Reich und Japan. Eine bedeutende Rolle spielte er auch bei der Übernahme des Stahlwerkes Annen.
Geschäftsinhaber
Unternehmensstrategie mini|Friedrich Alfred Krupp (Gemälde von Ludwig Noster, 1896) Friedrich Alfred Krupp wurde 1887 nach dem Tod des Vaters alleiniger Eigentümer des Unternehmens. Anders als Teile der Prokura gehofft hatten, insbesondere die führende Person Hanns Jencke, wollte er sich keineswegs auf repräsentative Aufgaben und die Kontaktpflege zu Otto von Bismarck, dem Kaiser und anderen führenden Personen beschränken. Vielmehr wollte er die Geschäftsleitung tatsächlich übernehmen und machte dies gegenüber der Prokura auch unmissverständlich klar.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin, 2000, S. 246–248.
Nachdem die Unternehmensleitung, auch als Folge der zeitweisen Verpfändung an ein Bankenkonsortium in den 1870er Jahren, einen eher vorsichtigen Kurs gesteuert hatte, setzte Friedrich Alfred auf Expansion, die Steigerung der Marktmacht und in einigen Bereichen, etwa der Rüstung, gar auf eine marktbeherrschende Stellung. Neben dem vertikalen Ausbau, den bereits der Vater betrieben hatte, trat die horizontale Expansion, also der Erwerb konkurrierender Unternehmen und die Erweiterung der Produktpalette. Friedrich Alfred wollte im Zeichen eines neuen konjunkturellen Aufschwungs das Unternehmen nicht nur zum führenden Rüstungsproduzenten, sondern auch zum größten Stahlproduzenten machen.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 248 f.
Hatte die engste Führungsmannschaft in den letzten Jahren des Vaters den Kurs maßgeblich bestimmt, war Friedrich Alfred Krupp bestrebt, einen risikoreichen Expansionskurs auch gegenüber Jencke durchzusetzen. Im Gegensatz zu dessen Rat etwa war er auch bereit dafür sein Privatvermögen einzusetzen. Wie sein Vater in früheren Jahren setzte Krupp, anstatt Rücklagen zu bilden, die Unternehmensgewinne vor allem für den Ausbau des Unternehmens ein. Der Versuch von Teilen des Direktoriums, wie die Prokura inzwischen hieß, sich einen größeren Spielraum gegenüber dem Eigentümer zu verschaffen, war letztlich gescheitert.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin, 2000 S. 254 f. Die letzte Entscheidungshoheit behielt sich Krupp vor allem bei grundsätzlichen Fragen vor. Für das Tagesgeschäft dagegen hatte das Direktorium weitgehend freie Hand.
Unternehmensexpansion Zur Expansionsstrategie gehörte zunächst eine Modernisierung und ein Ausbau des weiterhin Gussstahlwerk genannten Betriebskomplexes in Essen. War die Belegschaft in den letzten zwölf Jahren des Vaters nur um 2000 Mann gestiegen, wuchs sie in den nächsten zwölf Jahren von 12.000 auf 25.000. Die Gesamtbelegschaft stieg auf 42.000 Mann. Der Umsatz erhöhte sich von etwa 42 Millionen auf 101 Millionen. Dabei wuchs die Rüstungsproduktion von 19 Millionen auf über 42 Millionen.
Besonders ausgebaut wurde die Herstellung von Stahl mit Legierungszusätzen wie Silizium, Nickel oder Chrom. Es wurden vier neue Martinswerke sowie verschiedene mechanische Werkstätten und ein Elektrizitätswerk gebaut. Die bisherigen Dampfhämmer wurden durch Schmiedepressen ersetzt, auch die Transmissionsriemen wichen allmählich elektrischen Antrieben. Die Stahllegierungen spielten eine große Rolle in der Rüstungsproduktion des Unternehmens so bei Kanonenrohren aus Nickelstahl oder besonders bei Nickelstahlpanzerplatten. Die Panzerplatten waren den Konkurrenzprodukten überlegen. Krupp lieferte für die neue Kriegsflotte einen Großteil der Panzerung. Dafür wurde in den 1890er Jahren ein großes und später mehrfach erweitertes Panzerplattenwerk errichtet.Renate Köhne-Lindenlaub: Krupp, Friedrich Alfred. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982 S. 256 f. Ein weiterer Aspekt des Expansionsstrategie war die Verbreiterung der eigenen Rohstoffbasis. Im Jahr 1889 wurden Eisenerzfelder in Lothringen erworben. In Essen selbst kam die Mehrheit der Zeche Vereinigte Sälzer & Neuack in den Besitz von Krupp. Diese lag ohnehin mittlerweile im Betriebsgelände des Kruppwerkes. Hinzu kamen der Kauf der Zeche Hannibal 1899, der Erwerb von Kohlefeldern bei Datteln und 1901 der Bau der Zeche Emscher-Lippe.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 267.
mini|Friedrich Krupp AG Grusonwerk, Panzergießerei, Gemälde von Otto Bollhagen Diese Erwerbungen lagen auf der älteren Linie der vertikalen Konzentration. Hinzu kam nun auch die horizontale Konzentration. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Erwerb der Grusonwerke in Magdeburg. Dieses Unternehmen stellte vor allem Eisenhartguss her. Unter anderem wurden Panzerplatten für Küstenbefestigungen, Räder und Verschleißteile für stark beanspruchte Maschinen hergestellt. Ziel Krupps bei der Übernahme des Werkes war der Ausbau der eigenen Produktpalette und die Ausschaltung eines Konkurrenten. Endgültig 1893 gingen die Grusonwerke im Kruppschen Unternehmen auf. Die Geschütz- und Geschossproduktion wurde in Essen konzentriert, während die Herstellung von Panzerplatten und Panzergeschützen in Magdeburg verblieb. Daneben wurde in Magdeburg der nichtmilitärische Bereich erweitert. Mit Blick auf die Herstellung von Panzerplatten konnte Krupp nach dem Erwerb von Gruson wie ein Monopolist auftreten und hohe Preise, letztlich zu Lasten der Steuerzahler, fordern. Krupp wurde dafür kritisiert.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 258–262.
mini|Kruppwerke Rheinhausen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Von langfristig großer Bedeutung war die Errichtung des Stahlwerkes in Rheinhausen. Krupp erwarb 1895 beim Dorf Rheinhausen ein großes Grundstück zur Errichtung eines riesigen Hüttenwerkes mit Stahl- und Walzwerken. Bereits 1897 wurden die ersten beiden von fünf geplanten Hochöfen angeblasen. Gegen das zögerliche Direktorium, insbesondere gegen Jencke, setzte Krupp den raschen Ausbau des Werkes durch. Dabei wurde das im Hüttenwerk produzierte Roheisen im flüssigen Zustand im benachbarten Siemens-Martin-Werk weiterverarbeitet. An der Planung des weiteren Ausbaus 1902 war er noch beteiligt. Die Gründung des Werkes in Rheinhausen war sein wichtigster Beitrag zur Entwicklung des Unternehmens zu einem Weltkonzern. Es wurde bald zu einem der modernsten und größten Roheisen- und Rohstahlwerke der Welt. Im Jahr 1904, als ein neuer moderner Hochofen in Betrieb ging und der Bau des Thomas-Stahlwerks begann, wurde das Werk in 'Friedrich-Alfred-Hütte' umbenannt.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 262 f.
Die dritte große Erweiterung war die Übernahme der Germaniawerft in Kiel und der damit verbundenen Maschinenfabrik in Berlin. Allerdings war sein Engagement in dieser Sache weniger nachdrücklich als bei den anderen Erwerbungen. Zwar bot sich vor dem Hintergrund des Schlachtflottenbaus der Erwerb einer Werft für einen Produzenten von Waffen und Panzerplatten an, aber dem stand der sanierungsbedürftige Zustand der Werft entgegen. Er stimmte schließlich der Mehrheitsmeinung des Direktoriums zu. Eine Rolle spielte auch, dass Wilhelm II. sein Wohlwollen signalisierte. Für Krupp war ein Grund für den Erwerb das Ziel, die Bindung zu Staat und Kaiser zu erhöhen. Die Werft wurde in der Folge modernisiert. Die bislang in Berlin ansässige Maschinenbauabteilung wurde an die Küste verlegt. Die Belegschaft wurde auf über 3000 Mann stark erweitert. Die Befürchtungen von Krupp erwiesen sich als berechtigt. Die hohen Modernisierungskosten gingen zu Lasten von Rheinhausen und erzwangen die Aufnahme einer Anleihe über 20 Millionen Mark. Der Kauf zahlte sich anders als bei Gruson nicht unmittelbar aus, sondern war als Investition in die Zukunft gedacht.Lothar Gall: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000, S. 264–266.
„Herr-im-Haus“ und Sozialpolitik