miniatur|Jakob Meyer zum Hasen, 1516, Gemälde von Hans Holbein d. J., linke Tafel eines Doppelbildnisses mit Dorothea Kannengiesser, Meyers zweiter Ehefrau. Öl auf Lindenholz, jede Tafel 38,5 × 31 cm, Kunstmuseum Basel, Inv. Nr. 312 miniatur|Dorothea Kannengiesser, Meyers zweite Ehefrau, 1516, Gemälde von Hans Holbein d. J., rechte Tafel des Doppelbildnisses mit Jakob Meyer.

Jakob Meyer zum Hasen (* 1482 in Basel; † 1531 ebenda) war von 1516 bis 1521 Bürgermeister der Stadt Basel. Von Beruf Geldwechsler, war er der erste Basler Bürgermeister, der weder dem Adel noch einer Achtburgerfamilie, sondern einer Zunft angehörte. Über sein Leben ist nur wenig bekannt, es fehlt «selbst eine bescheidene Biographie» (Nikolaus Meier).Nikolaus Meier: Die Krone der Maria. In: Bodo Brinkmann: Der Bürgermeister, sein Maler und seine Familie: Hans Holbeins Madonna im Städel. Petersberg 2004, S. 63–77. Sein Name ist heute vor allem wegen seiner Rolle als Auftraggeber der Darmstädter Madonna von Hans Holbein dem Jüngeren ein Begriff.

Leben

Beruf und Familie

Jakob Meyer zum Hasen wurde 1482 in Basel geboren. Seine Eltern waren der Krämer Jakob Meyer und Anna Galizian, die aus einer Papiermacherfamilie (siehe Basler Papiermühle) stammte. Meyer war Geldwechsler von Beruf und gehörte seit 1503 der Zunft zu Hausgenossen an. Diese stand als sogenannte Herrenzunft zwischen den patrizischen Achtburgern und den Handwerkerzünften, in ihr waren seit dem 13. Jahrhundert Goldschmiede, Silberhändler und Geldwechsler organisiert. Wegen ihrer engen Verbindung mit dem Basler Bischof galten sie als dessen «Hausgenossen». Seit 1382 waren sie im Rat mit einem eigenen Zunftmeister vertreten.https://altbasel.ch/zunft/hausgenoss.html Meyer war dort von 1510 bis 1515 Meister. Daneben gehörte er seit 1503 auch der Zunft der Weinleute und ab 1504 der Schlüsselzunft an, beides ebenfalls Herrenzünfte.Nikolaus Meier: Taktieren und strategisch handeln. In: Hans Holbein der Jüngere. Die Jahre in Basel. München 2006, S. 58–65. Seine zunächst eher bescheidene Wechselstube befand sich im Haus zum Hasen am Marktplatz neben dem Rathaus und enthielt «der wechseltrog, das schrybzùg und ein trog».Paul Koelner: Die Zunft zum Schlüssel in Basel. Basel 1953, S. 287 f. Zitiert nach: Nikolaus Meier: Die Krone der Maria. In: Brinkmann, S. 63–77. Der Namenszusatz «zum Hasen» leitet sich wohl vom Haus zum Hasen her. Ob es sich dabei, wie bei solchen Geschlechternamen üblich, um den angestammten Sitz des alten Bürgergeschlechtes zum HasenAndreas Heusler: Verfassungsgeschichte der Stadt Basel im Mittelalter. Basel, 1860, S. 67, 140. handelte und ob Meyer diesem angehörte, erscheint fraglich, da sein Vater diesen Zusatz nicht gebrauchte und gerade Meyers nicht-patrizische Herkunft betont wird. Vermutlich nannte er sich schlicht aus Gründen der Unterscheidbarkeit des Namens nach dem Gebäude.

1508 erwarb Meyer zusätzlich zu seinem Stadthaus zu einem Preis von 350 Rheinischen Gulden das ausserhalb der Stadt gelegene Gundeldinger Schloss, dazu gehörten «wygerhuse, gesess, schüren und hoffstatt, gärten, reben, ackern, matten, rütinen, holz und velde, weg und stege mit allem byfang begriffen, ehafften rechten und zugehörungen, genannt Groß Gundeldingen […] mit sampt dem vyhe, küe, ross, wagen, schiff und geschirre darzu gehörig und etlichen hausrat und federwat darinn.Verena, Witwe des Johannes Bez von Durlach, Staatsarchiv Basel B 18, f. 54v. Zitiert nach Nikolaus Meier: Die Krone der Maria. In: Brinkmann, S. 63–77.» Das Weiherschlösschen gehörte zu einer Reihe von vier Schlösschen, die als herrschaftliche Landsitze im 14. und 15. Jahrhundert in Gundeldingen entstanden waren. Heute ist noch eines der Schlösschen erhalten, vermutlich war dies jedoch nicht das von Meyer bewohnte.https://www.altbasel.ch/haushof/platter.html Das erhaltene Schlösschen erwarb der Gymnasialrektor Thomas Platter 1549 von einem Voreigentümer namens Ulrich Hugwald – dass auch Meyer zu den Voreigentümern zählte, erscheint deshalb eher unwahrscheinlich.

In erster Ehe war Jakob Meyer zum Hasen mit Magdalena Bär, der Tochter des Zunftmeisters und Ratsherrn Hans Bär (* um 1440; † 1502) und Schwester des legendären Bannerherrn Hans Bär († 1515) verheiratet. Sie war zuvor schon mit zwei gesellschaftlich hochstehenden Baslern verheiratet. Durch ihre Verbindungen ermöglichte sie Meyer den Zugang zu den wirtschaftlich einflussreichen Personen der Stadt. Meyer verband sich mit Hans Gallizian zu einer Handelsgesellschaft, betätigte sich als Verleger für den Erzbischof von Besançon und spekulierte mit Immobilien. Magdalena starb 1511 und wurde in der Basler Martinskirche beigesetzt. 1513 heiratete er Dorothea Kannengiesser. Im selben Jahr kam die gemeinsame Tochter Anna zur Welt.

Vermittler eidgenössischer Söldner

Von 1507 bis 1515 nahm Meyer an den Feldzügen Kaiser Maximilians I. im französisch besetzten Oberitalien teil. Meyer erlebte 1507 als Fähnrich auf französischer Seite die Einnahme von Genua, 1510 zog er als Hauptmann auf Seiten des Papstes gegen den Herzog von Ferrara. 1512 war er diplomatischer Unterhändler auf kaiserlicher Seite gegen die Franzosen.Valentin Groebner: Spezialist für das Geld anderer Leute: Jakob Meyer zum Hasen, die Geschenke und die Politik. In: Brinkmann, S. 45–53.

Seit den 1480er Jahren hatte sich in der Schweiz ein System von «Pensionszahlungen» entwickelt, innerhalb dessen auswärtige Auftraggeber wie das Haus Österreich, Frankreich, Mailand, Venedig, Savoyen oder der Papst hohe Summen für die Vermittlung schweizerischer Söldner bezahlten. Offiziell gingen diese Gelder an öffentliche Kassen, daneben bedachten die kriegsführenden Parteien aber auch einflussreiche Amtsträger. Unter Meyers Ägide nahm die Stadt Basel die ersten auswärtigen Pensionszahlungen an. Darunter befanden sich eine Pension von 1000 Gulden in Gold beim Abschluss eines Bündnisses mit Papst Julius II. im Jahr 1510 und eine jährlich zu zahlende Pension von 200 Gulden anlässlich der Erbeinigung mit Maximilian I. von 1511. Weitere regelmässige Zahlungen trafen ab 1512 aus Savoyen und Mailand ein.

Meyer hatte im Januar 1512 an der Inthronisation des Mailänder Herzogs Massimiliano Sforza teilgenommen und eine auf den 23. Juli 1512 vorausdatierte Urkunde erhalten, die ihm für seine Verdienste bei der Rückeroberung des Herzogtums eine jährliche Pension von 100 rheinischen Gulden garantierte. Im März 1512 beantragte er deshalb im Rat, ihm sowie «ettlich namhaft personen dieses Rats», die allerdings nicht genannt wurden, diese private Pension zu genehmigen. Der Rat lehnte den Antrag ab, beschloss aber im folgenden Jahr, Meyer für seine Verdienste künftig jährlich einen Anteil von 500 Dukaten aus der Mailänder Pension zu zahlen. Als aber kurz darauf die Nachricht von bewaffneten Aufständen gegen Pensionsherren in anderen Schweizer Städten eintraf, verzichtete Meyer förmlich auf die Zahlungen. Ab Juni 1515 zahlte der Rat die Pension jedoch stillschweigend weiter aus.

Erster zünftiger Bürgermeister miniatur|Wappen Jakob Meyers zum Hasen, nachträglich von einem unbekannten Künstler auf der Rückseite der Bildnistafel (siehe oben) ausgeführt alternativtext=Den Epitaph für Jakob Meyer zum Hasen, Johannes Oekolampad und Simon Grynaeus ziert eine lateinische Grabschrift in klassischer Antiqua im Sinne des Humanismus. In deutscher Schrift steht darunter ein reformatorischer Spruch: «So ehr/guot/kunst, hülffend in noth, wer keiner von den dreyen todt». («Könnten die Ehre, die sie erworben, das Gute, das sie getan, und die Kunstfertigkeit, das Können, das sie bewiesen haben, in der Not helfen, dann wäre keiner von diesen dreien tot».)|mini|Epitaph im Kreuzgang des Basler Münster für Jakob Meyer zum Hasen, Johannes Oekolampad und Simon Grynaeus Am Johannistag, dem 24. Juni 1516 wählte das Kieserkollegium Jakob Meyer zum Hasen zum Bürgermeister der Stadt Basel. Er war der erste bürgerliche Bürgermeister aus den Reihen der Zünfte, die seit 1506 im Kieserkollegium vertreten waren, und zu deren Gunsten alle Vorrechte der Adligen und Patrizier, der sogenannten «hohen Stube», beim Zugang zu öffentlichen Ämtern 1515 abgeschafft worden waren. Vermutlich war die Wahl der Anlass, bei Hans Holbein d. J. ein Doppelportrait mit seiner zweiten Ehefrau in Auftrag zu geben. Meyer ist seinem Berufsstand entsprechend als wohlhabender Bürger mit Fingerringen und einer Goldmünze in der Hand abgebildet.Jutta Zander-Seidel: Des Bürgermeisters neue Kleider. In: Brinkmann, S. 55–61. Die Goldmünze ist jedoch nicht identifizierbar. Der Kunsthistoriker Nikolaus Meier deutet die Münze auch als Zeichen eines neu entstandenen Geldadels. Jakob Meyer sei ein «homo novus», ein Emporkömmling, gewesen, der durch den Auftrag an Holbein sein Ansehen steigern wollte.Nikolaus Meier: Taktieren und strategisch handeln. In: Hans Holbein der Jüngere. Die Jahre in Basel. München 2006, S. 58–65. Eine andere Interpretation von Christl Auge deutet die Münze als Verweis auf das Privileg der Stadt Basel zur Prägung von Goldgulden, dessen Durchsetzung auf Meyers geschicktes Verhandeln zurückzuführen sei.Christl Auge: Zur Deutung der Darmstädter Madonna. Frankfurt am Main 1993, S. 12.

miniatur|«Der Hase springt über den Adel» – ein Sprichwort, das auf Meyers Wahl zum Bürgermeister zurückgehen soll, erläutert in Kirchhofer: Wahrheit und Dichtung, 1824.

Die 15 Basler Zünfte, in denen seit Mitte des 14. Jahrhunderts der überwiegende Teil der wirtschaftlich selbstständigen männlichen Basler Erwachsenen organisiert war, übernahmen nach der Reformation die politische Macht in Basel. Diese Alleinherrschaft der Zünfte dauerte im Kern noch bis 1798 an. Die Wahl Jakob Meyers zum Bürgermeister kann deshalb, obwohl Meyer selbst Katholik war und sein Amt noch vor der Reformation antrat, als politischer Wendepunkt in der Stadtgeschichte angesehen werden.Martin Alioth, Ulrich Barth, Dorothee Huber: Basler Stadtgeschichte. Band 2, Basel 1981. Das Schweizer Sprichwort «Der Hase springt über den Adel» wird auf Meyers Wahl zurückgeführt.«Zur Zeit (1515), als es endlich nach langem Kampfe mit dem Adel den Bürgern von Basel gelang, den Sieg über die hohe Stube zu erringen, und die Zünfte zu ihren ersten Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen erwählten, entstand das obige Sprichwort, das diesem Ereignis ein Gedächtniss setzt.» [sic!] Hase (Lepus). In: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Band 2, Leipzig 1870, Sp. 368, Nr. 28. Siehe Scan mit der Erläuterung dieses Sprichwortes in Kirchhofers Wahrheit und Dichtung aus dem Jahr 1824.

Meyers Politik war zunächst erfolgreich und sorgte für steigende Einnahmen der Stadtkasse. 1517/18 nahm die Stadt mehr als das Doppelte der durchschnittlichen Einnahmen des vorhergehenden Jahrzehnts ein. Bis 1521 stiegen die Einnahmen immer weiter an. Zeitgenossen wie Pamphilus Gengenbach kritisierten in Flugblättern, die Obrigkeit verkaufe ihre Untertanen für schmutziges «heimlich gelt» wie Vieh ins Ausland.

Der «Pensionensturm»

1521 verbündete sich Basel exklusiv mit Frankreich. Nachdem Meyer und andere Ratsherren im August 1521 die Annahme privater Pensionen für legal erklärt hatten, kam es im Oktober zu Strassenschlachten zwischen Anhängern des französischen und des kaiserlichen Lagers. Meyer wurde wie fünf weitere Mitglieder des Rates seines Amtes enthoben und verhaftet. Diese Säuberungsaktion, heute als «Pensionensturm» bezeichnet, führte zu einer Umverteilung der Macht innerhalb der verschiedenen politischen Kräfte. In dem zunächst entstandenen Machtvakuum sagte sich der Rat von der bischöflichen Stadtherrschaft los, und die Zünfte konnten die Oberhand im Rat gewinnen. Obwohl formal entmachtet, war Meyer auch nach seiner Amtsenthebung nicht ohne Einfluss. Im Sommer 1522 verklagte er erfolgreich zwei Handwerker und Söldner wegen Beleidigung. Beide mussten ihre Aussagen widerrufen, Meyer für ehrenhaft erklären und eine beträchtliche Geldbusse entrichten.