Branzoll ([]; italienisch Bronzolo) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Südtiroler Unterland in Italien etwa 13 km südlich von Bozen. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Italienisch als Muttersprache.
Geographie mini|links|Branzoll von Nordwesten gesehen, dahinter das Tal des Aldeiner Bachs Branzoll befindet sich im Unterland, einem von Bozen bis zur Salurner Klause reichenden Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols. Das 7,45 km² große Gemeindegebiet erstreckt sich auf der orografisch linken (östlichen) Seite der Etsch zwischen Leifers im Norden und Auer im Süden. Das Gemeindezentrum (220–) liegt auf einem Schwemmkegel, wo der Aldeiner und der Petersberger Bach von Osten aus den Fleimstaler Alpen kommend die Unterlandler Talsohle erreichen. Hinter dem Dorf steigt das Gemeindegebiet zum das Unterland ostseitig flankierenden Regglberg an, dessen den Talboden überragenden Kuppen (von Norden nach Süden) Judenberg, Rosssprung und Göller genannt werden. In diesen bewaldeten Höhen stößt Branzoll an die Regglberger Nachbargemeinden Deutschnofen und Aldein. Im Westen, hinter den vom Branzoller Graben entwässerten flachen Talgründen, bildet der Verlauf der Etsch die Grenze zur Gemeinde Pfatten.
Geschichte Branzoll wird erstmals 1181 als Branzol – damals Stiftungsbesitz des Klosters Sonnenburg im Pustertal – erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich vom germanischen Personennamen Berinza ab. Das Dorf wurde – ähnlich wie die Nachbarorte Leifers und Auer – auf einem breiten Schwemmkegel errichtet, um den Gefahren der ursprünglich sehr häufig auftretenden Etschhochwässer auszuweichen.Bruno Mahlknecht: Leifers – Branzoll – Pfatten. Südtiroler Gebietsführer, Band 14. Athesia, Bozen 1977, S. 19.
Im Zuge des Zweiten Koalitionskrieges fielen französische Truppen auch in Branzoll ein und richteten erhebliche Verwüstungen an.Emil Pasolli: Der feindliche Einfall der Franzosen im Jahr 1801 in Branzoll und die dabei verursachten Kriegsschäden. In: Der Schlern 24, 1950, S. 198–203 (Digitalisat).
Branzoll gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Innerhalb Tirols war Branzoll dem Gerichtsbezirk Neumarkt zugeordnet, der wiederum Teil des Bezirks Bozen war. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam Branzoll 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zu Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Branzoll wie auch einige andere umliegende Gemeinden der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Erst 1948 wurde Branzoll in die Provinz Bozen bzw. Südtirol eingegliedert.
Wirtschaft Bis in das 19. Jahrhundert hinein bildeten Viehzucht und Weinanbau die wirtschaftliche Grundlage der Bevölkerung. Zusätzlich wurde bis etwa 1880 Holz von den Deutschnofner Höhen herabgeliefert und am Ausgang des Aldeiner Baches zum Verkauf angeboten. Dort wurden große Mengen von norditalienischen Holzhändlern erworben, die es vom Etschhafen von Branzoll aus auf der Etsch in Richtung Verona verflößten. Branzoll bildete den nördlichsten Punkt, der vom italienischen Raum aus für die Schifffahrt erreichbar war. Hieraus ergab sich die Bedeutung als wichtiger Warenumschlagplatz. Auch der Porphyrabbau hatte für lange Zeit eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung, die bis in die heutige Zeit hinein reicht.Bruno Mahlknecht: Leifers Branzoll Pfatten. Südtiroler Gebietsführer, Band 14. Athesia, Bozen 1977, S. 22–26.
Verkehr Für den Kraftverkehr ist Branzoll in erster Linie durch die SS 12 erschlossen, die das Dorf durchquert. Die Brennerbahn bietet nahe dem Ortszentrum am Bahnhof Branzoll eine Zugangsstelle. Zudem führt die Radroute 1 „Brenner–Salurn“ an Branzoll vorbei.
Politik Bürgermeister seit 1952: Riccardo Veneri: 1952–1952 Ferdinando Scrinzi: 1952–1956 Hartmann Lentsch: 1956–1969 Renzo Fantini: 1969–1993 Benedetto Zito: 1993–1995 Georg Mamming: 1995–1999 Benedetto Zito: 1999–2005 Alessandro Bertinazzo: 2005–2007 Benedetto Zito: 2008–2015 Alessandro Bertinazzo: 2015–2017 Giorgia Mongillo: seit 2017
Bevölkerung Branzoll ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine mehrheitlich italienischsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 43,27 % 39,57 % 39,68 % 37,34 % 35,88 % Italienisch 56,48 % 59,96 % 59,85 % 62,01 % 63,46 % Ladinisch 0,26 % 0,47 % 0,47 % 0,65 % 0,66 %
Bildung In Branzoll gibt es sowohl eine deutschsprachige als auch eine italienischsprachige Grundschule. Die deutschsprachige Einrichtung gehört zum Schulsprengel der Nachbarstadt Leifers, die italienischsprachige wird vom Sprengel Unterland verwaltet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
mini|Alte Pfarrkirche St. Leonhard Kirchlich gehörte Branzoll während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zur Pfarre Bozen und wird noch 1341 in urkundlichen Aufzeichnungen als „villa Pranzol in plebatu Bozani“, also als Dorf Branzoll, zur Pfarre Bozen gehörend, bezeichnet.Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 1. Bozen: Stadtgemeinde Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 574, Nr. 572. Branzoll besitzt neben der historischen Pfarrkirche St. Leonhard auch eine neuere Kirche, die dem hl. Herzen Jesu gewidmet ist. Sie wurde im Jahr 1896 im neuromanischen Stil erbaut, als die alte Kirche zu klein geworden war. Die alte, spätgotische St.-Leonhards-Kirche steht etwa 100 Meter südlich der neuen Kirche. Sie wurde in der Zeit um 1500 errichtet, wobei der romanische Turm noch von dem Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert stammt, welcher durch den jetzigen ersetzt worden ist. Sehenswert im Inneren der Kirche ist der auf das Jahr 1585 datierte Taufstein aus weißem Marmor.Bruno Mahlknecht: Leifers Branzoll Pfatten. Südtiroler Gebietsführer, Band 14. Athesia, Bozen 1977, S. 74–75. mini|Palais Thomsen Weiters wird das Dorfbild durch einige, für das Unterland typische Ansitze geprägt. Bemerkenswert ist das Palais Thomsen, in dessen Innenhof sich ein achteckiger Brunnen aus Trientner Marmor aus dem Jahr 1849, sowie drei hohe Zedern befinden.
Heimatbühne Branzoll Eine wichtige Rolle im kulturellen Leben der deutschen Sprachgruppe im Dorf spielt die Heimatbühne Branzoll. Sie wurde 1954 auf Initiative von Rudi Christoforetti mit dem Ziel gegründet, einen Kulturträger für die deutschsprachige Kultur zu schaffen.Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004, S. 20. Als erste Wanderbühne Südtirols tourte sie auch durch Deutschland und spielte u. a. in München, Nürnberg und Erlangen. Der Erlös der Deutschlandtourneen wurde für die Finanzierung des deutschsprachigen Kindergartens von Branzoll verwendet.Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004, S. 29–42. 1960 wurde das erste Puppentheaterspiel aufgeführt.Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004, S. 69. Nach der vorläufigen Einstellung der Theateraufführungen 1969 und einer Pause von 25 Jahren wurde die Heimatbühne 1994 wiedergegründet und bringt seither wiederum volkstümliches Theater zur Aufführung.Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004, S. 105–113.
Persönlichkeiten Günther Pallaver (* 1955), Politikwissenschafter an der Universität Innsbruck Oskar Peterlini (* 1950), ehemaliger Abgeordneter zum Südtiroler Landtag und dem Senat der italienischen Republik Giorgio D’Amico (1961–2010), Heimatkundler, Buchhändler und Chronist der Gemeinde Branzoll Andrea Micheletti (* 1981), Dartspieler Mattia Predomo (* 2004), italienischer Radsportler
Literatur
Fausto Turbiano (Red.): Bronzolo ed il suo cammino = Branzoll und seine Entwicklung. Hrsg. Circolo Culturale Vivaldi, Branzoll 1994 (online).
Weblinks
Offizielle Homepage der Gemeinde Branzoll
Einzelnachweise
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Kategorie:Ersterwähnung 1181 Kategorie:Ort an der Etsch