Paul Heinz Wolfgang Seidel (* 4. Juli 1926 in Dresden; † 1. März 1987 in München) war ein deutscher Automobilrennfahrer, der vorwiegend Sportwagenrennen fuhr und außerdem von Fall zu Fall in der Formel 1 startete.

Karriere

Wolfgang Seidel war gelernter Kaufmann. Seine Motorsportkarriere begann 1950 bei der Internationalen Rheinlandfahrt. In den folgenden drei Jahren fuhr er Sportwagenrennen auf einem Veritas RS, mit dem er beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring 1953 zusammen mit Josef Peters Fünfter im Gesamtklassement wurde und im gleichen Jahr den Großen Preis von Deutschland bestritt, den er auf Rang 16 beendete.Michael Behrndt, Jörg-Thomas Födisch, Matthias Behrndt: Deutsche Rennfahrer. Heel Verlag, Königswinter 2008, ISBN 978-3-86852-042-2

Formel 1

Insgesamt war Seidel bei zehn Läufen zur Fahrerweltmeisterschaft am Start und fuhr so unterschiedliche Fabrikate wie den Maserati 250F, den Lotus 18, den Lotus 24 und die Cooper-Modelle T45 und T43. Als beste Platzierung erreichte er Rang neun beim Großen Preis von Italien 1960. Sein letzter Grand Prix war der Große Preis von Großbritannien in Aintree 1962.

Sportwagen

Seine größten Erfolge feierte Seidel als Sportwagenpilot. Beim 12-Stunden-Rennen von Sebring 1958 wurde er mit Harry Schell Dritter in der Gesamtwertung und Sieger bei den Sportwagen bis 2 Liter Hubraum (unterschiedliche Quellen geben hier auch Jean Behra als zweiten Fahrer an). 1959 gewann er gemeinsam mit Edgar Barth auf einem Porsche 718 RSK die Targa Florio. Zwischen 1955 und 1960 startete Seidel fünfmal beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Ins Ziel kam er nur 1955 und 1960, als er mit Edgar Barth Elfter der Gesamtwertung wurde. 1955 schaffte er sogar den fünften Gesamtrang, den er sich mit Olivier Gendebien im Porsche der Equipe Nationale Belge teilte.

Entzug der Lizenz

1962 entzog die ONS Seidel die Rennlizenz, nachdem er die Sportbehörde und den AvD als Veranstalter des Großen Preises von Deutschland öffentlich kritisiert hatte. Vorausgegangen war, dass Seidel beim Großen Preis von Deutschland 1962 nicht starten durfte, weil er statt der nach damaligem Reglement vorgeschriebenen mindestens fünf Trainingsrunden auf der Nordschleife wegen eines technischen Defekts nur vier absolviert hatte. Nach der Kritik entzog ihm der AvD die Mitgliedschaft und die ONS verhängte eine lebenslange Sperre, die jedoch auf zwei Jahre korrigiert wurde. Mit der Teilnahme trotz Sperre an einem Rennen in Mexiko, das nicht zur Weltmeisterschaft zählte, wollte Seidel erreichen, dass sein Fall vor dem internationalen Sportgericht der FIA verhandelt würde, wozu es aber nicht kam. Daraufhin und weil er befürchtete, in zwei Jahren den Anschluss an den Leistungsstand der Konkurrenten zu verlieren, beendete er seine Motorsportkarriere und arbeitete fortan als Autoverkäufer.

Privates

Während seiner Zeit als Rennfahrer wohnte Wolfgang Seidel in Düsseldorf.Programmheft zum Großen Preis von Europa 1961, Seite 40 Er starb am 1. März 1987 in einem Münchener Krankenhaus an Herzversagen.

Statistik

Statistik in der Automobil-Weltmeisterschaft Gesamtübersicht Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.Rennrunden Punkte WM-Pos. 1953 Wolfgang Seidel Veritas RS Veritas 2.0 L6 1 − − − − − − NC1958 Scuderia Centro Sud Maserati 250F Maserati 2.5 L6 2 − − − − −−NC Rob Walker Racing Team Cooper T43 Climax 1.5 L4 1 − − − − − 1960 Wolfgang Seidel Cooper T45 Climax 1.5 L4 1 − − − − − − NC 1961 Scuderia Colonia Lotus 18 Climax 1.5 L4 3 − − − − − − NC1962 Ecurie Maarsbergen Emeryson 1006 Climax 1.5 L4 1 − − − − −−NC Autosport Team Wolfgang Seidel Lotus 24 BRM 1.5 V8 1 − − − − − Gesamt 10 − − − − − −

Einzelergebnisse Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 111953 161958 DNF DNF DNF1960 91961 DNS 17 DNF DNF1962 NC DNF DNQ

Le-Mans-Ergebnisse

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1955 Equipe Nationale Belge Porsche 550/4RS 1500 Spyder Olivier Gendebien Rang 5 1957 Wolfgang Seidel DKW Monza Coupé Heinz Meier Ausfall Motorschaden 1958 Scuderia Ferrari Ferrari 250TR 58 Wolfgang von Trips Ausfall Unfall 1959 Porsche KG Porsche 718 RSK Edgar Barth Ausfall Getriebeschaden 1960 Porsche KG Porsche 718 RS60 Edgar Barth Rang 11

Sebring-Ergebnisse

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1958 Porsche K.G. Porsche 718 RSK Harry Schell Rang 3 und Klassensieg

Einzelergebnisse in der Sportwagen-Weltmeisterschaft

Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 1953 Wolfgang Seidel Veritas Comet RS 5 1955 PorscheEquipe Nationale Belge Porsche 550 8 5 12 1956 Wolfgang Seidel Mercedes-Benz 300 SLPorsche 550 7 DNF 11 1957 Wolfgang SeidelScuderia Ferrari Mercedes-Benz 300 SLDKW 3=6 MonzaFerrari 250TR DNF 21 DNF DNF 3 1958 John von NeumannPorscheScuderia Ferrari Ferrari 250TRPorsche 718 RSK DNF 3 DNF 5 DNF 1959 Porsche Porsche 718 RSK 1 DNF DNF 1960 Wolfgang SeidelPorsche Porsche 718 RSK DNF 11 1962 Peter NöckerWolfgang Seidel Ferrari 250 GTFiat-Abarth 700 10 5

Weblinks

Wolfgang Seidel bei Racing Sports Cars

Einzelnachweise

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