Die Temporallappenepilepsie (TLE; auch Schläfenlappenepilepsie oder Psychomotorische Epilepsie) ist die häufigste Form der fokalen Epilepsie. Ihre Anfälle sind im Temporallappen (Schläfenlappen) lokalisiert, jedoch kann es in seltenen Fällen zu einer Generalisierung kommen.
Definition Der Begriff wurde im Jahre 1985 durch die Internationale Liga gegen Epilepsie definiert als Erkrankung mit typischen wiederkehrenden Anfällen ohne erkennbaren Auslöser, die ihren Ursprung im medialen oder lateralen Temporallappen haben. Dabei handelt es sich um einfache fokale Anfälle ohne Bewusstseinsverlust und komplexe Anfälle mit Bewusstseinsverlust.emedicine
Pathologie In der Mehrzahl der Fälle liegt neuropathologisch eine mesiale temporale Sklerose vor, verändert sind der Hippocampus, die angrenzenden Hirnwindungen und der Mandelkern.
Verbreitung Die Temporallappenepilepsie gilt als die häufigste Epilepsieform, sie tritt bei Jugendlichen und Erwachsenen auf,Günter Krämer: Diagnose Epilepsie. Georg Thieme Verlag, 2003 ISBN 9783830430773, S. 75. am häufigsten im Alter zwischen 10 und 20 Jahren.Heinrich Mattle, Marco Mumenthaler: Neurologie. Georg Thieme Verlag, 13. Auflage 2012, ISBN 978-3-13-157773-3, S. 397.
Einteilung Je nach Lokalisation des epileptischen Fokus kann unterschieden werden: Mesiale Temporallappenepilepsie (mTLE), häufigste Form, Fokus im Hippocampus, der Area entorhinalis oder der Amygdala Laterale Temporallappenepilepsie (lTLE oder nTLE), Fokus im temporalen Neocortex
Ursache An Ursachen kommen infrage: Hippokampussklerose Infektionen wie Herpesenzephalitis, Bakterielle Meningitis, zerebrale Zystizerkose Traumabedingte Enzephalomalazie oder kortikale Narbe Hamartome Tumoren wie Meningiom, Gliom, Ganglioneurom Paraneoplastisch, z. B. Antikörper gegen NMDA-Rezeptor Vaskuläre Malformation wie AV-Malformation, Kavernöses Hämangiom, Ischämie Genetische Ursachen Infantile mesiale Temporallappenepilepsie mit schwerer kognitiver Regression Familiäre mesiale Temporallappenepilepsie Familiäre mesiale Temporallappenepilepsie mit Fieberkrämpfen Autosomal-dominante laterale Temporallappenepilepsie
Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Gedächtnisstörung Aura somatosensorisch, vegetativ oder Déjà-vu Möglicherweise Einschränkung der sozialen KompetenzenBernadett Mikula, Anita Lencsés, Csaba Borbély, und Gyula Demetera: Emotion recognition and theory of mind after temporal lobe epilepsy surgery: A systematic review. In: Seizure. Band 93, 2021, S. 63–74, doi:10.1016/j.seizure.2021.10.005.
Therapie Da die medikamentöse Behandlung schwierig ist, kommt eine Epilepsiechirurgie bei Therapieresistenz infrage.
Geschichte Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1881 durch John Hughlings Jackson.
Siehe auch Transiente epileptische Amnesie
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitsbild in der Kinderheilkunde