Die Bundesautobahn 96 (Abkürzung: BAB 96) – Kurzform: Autobahn 96 (Abkürzung: A 96) beginnt an der Staatsgrenze bei Lindau (Bodensee) und endet in München. Sie hat eine Länge von 172,5 km und verbindet die Bodenseeregion, die Ostschweiz und Vorarlberg mit dem Fünfseenland und dem Großraum München.

Verlauf Die A 96 beginnt als Weiterführung der österreichischen Rheintal/Walgau-Autobahn A14 (kommend vom Übergang der Arlberg Schnellstraße S 16 bei Bludenz über Feldkirch, Bregenz durch den Pfändertunnel bis zur österreichisch-deutschen Grenze in Hörbranz) bei Lindau (Bodensee) in Bayern. Richtung Norden erreicht die Autobahn nach acht Kilometern das Bundesland Baden-Württemberg. In nordöstlicher Richtung folgen die Städte Wangen und Leutkirch im Allgäu. Die Strecke überquert im weiteren Verlauf die Iller und erreicht damit wieder Bayern. Im weiteren Verlauf erreicht die A 96 das Autobahnkreuz Memmingen, in dem die Bundesautobahn 7 gekreuzt wird. Die Hauptfahrrichtung führt hierbei auf die A 7 Richtung Ulm; die A 96 nach München zweigt hier ab.

mini|hochkant=2|Einmündung der A 96 in den Mittleren Ring in München Die Strecke verläuft weiter an Memmingen vorbei. Es folgen Mindelheim, Buchloe (Einmündung der Bundesstraße 12) und Landsberg am Lech mit Deutschlands größtem Kreisverkehr (Kreuzung der Bundesstraße 17). Nördlich am Ammersee vorbeiführend erreicht die A 96 bei Germering die Bundesautobahn 99 (Münchner Ring) und das Stadtgebiet München. Die Bundesautobahn 96 endet in München am Mittleren Ring im Stadtteil Sendling-Westpark.

Von Lindau bis Memmingen ist die A 96 ein Teil der Europastraße 43, von Sigmarszell bis München Teil der Europastraße 54. An der Anschlussstelle Landsberg am Lech-West endet der autobahnähnliche, vierstreifige Ausbau der Bundesstraße 17, die ein Teil der verworfenen Planung der A 91 ist.

Die Streckenführung der A 96 verläuft mit Ausnahme der Umfahrung Mindelheim zwischen Erkheim und Bad Wörishofen und des Abschnitts von Memmingen bis zur Iller fast exakt auf der ehemaligen Trasse der Bundesstraße 18 (Abschnitt Lindau – Buchloe) beziehungsweise der Bundesstraße 12 (Abschnitt Buchloe – München), so dass diese Straßen infolge des schrittweisen Ausbaus der Autobahn seit den 1970er Jahren nach und nach durch die A 96 ersetzt wurden. Von Wangen-Nord bis zur österreichischen Grenze sowie zwischen Leutkirch-West und Memmingen-Ost und von der Ausfahrt Erkheim bis zur Ausfahrt Bad Wörishofen wurde die A 96 mit dem Kohlbergtunnel (zwischen Erkheim und Stetten (Schwaben)) komplett neu gebaut.

Im Dreieck München-Süd-West beginnt und endet in der A 96 der Autobahnring München A 99. Die Münchener Stadteinfahrt der A 96 war in früheren Jahren ab dem heutigen Dreieck München-Süd-West als A 997 geplant.

Verkehrsaufkommen Es gab 2015 entlang der A 96 insgesamt sieben automatische Zählstellen. In West-Ost-Richtung betrug das durchschnittliche tägliche Verkehrsaufkommen in diesem Zeitraum:bast - Bundesanstalt für Straßenwesen: Automatische Zählstellen 2015 - A 96. Online auf www.bast.de, abgerufen am 22. Oktober 2016.

Zählstelle Kfz-Verkehr/Tag Schwerverkehr/Tag Lindau (S) (9250) 31.360 3.756 Wangen (8120) 34.057 3.827 Leutkirch–West (8041) 39.956 4.886 Stetten (W) (9550) 38.448 5.061 Landsberg am Lech–Nord (O) (9136) 62.547 5.885 Gräfelfing (W) (9222) 99.375 4.231

Bedeutung der Autobahn innerhalb des Fernstraßennetzes Die A 96 verbindet den südwestbayerischen Raum mit dem westlichen Österreich, der östlichen Schweiz, Liechtenstein und Italien. Ebenso wird über die Verbindung mit der A 7 Richtung Würzburg der Bodenseeraum Richtung Norden angebunden.

Der Ammersee im Fünfseenland wird über die Anschlussstellen Greifenberg (Ammersee-Westufer) und Inning am Ammersee (Ammersee-Ostufer) angebunden. Er zählt zu den beliebtesten Tourismuszielen Bayerns und auch zu den bevorzugten Naherholungsgebieten der Augsburger und Münchner Bevölkerung. Aus den beiden jeweils nur rund 50 km entfernten Ballungszentren kommt es an schönen Wochenenden zu starkem Ausflugsverkehr über die A 96.

Geschichte Vorgeschichte Weite Strecken der Verbindung Lindau – München verlaufen auf den ehemaligen Trassen der Bundesstraße 12 und Bundesstraße 18. Diese waren bis in die 1960er Jahre wenig ausgebaut. Dies änderte sich mit dem Bau zahlreicher Ortsumgehungen.

Bereits in den 1930er Jahren war geplant, die Verbindung von München nach Lindau als Autobahn auszubauen. Die Trassenführung sollte den direkten Weg, südlich am Ammersee vorbei, über Kempten nach Lindau nehmen. Die Planungen nach dem Zweiten Weltkrieg sahen die Verbindung nach München dann allerdings über die Voralpenautobahn A 98 und die A 95 vor.

Bau der Autobahn mini|Autobahnkreuz Memmingen Die A 96 war zunächst nur von Lindau bis Memmingen als Anbindung an die Autobahn nach Würzburg geplant. Dies ist heute noch am Autobahnkreuz Memmingen mit der A 7 zu erkennen, bei dem die Hauptfahrbahn von Lindau aus auf die A 7 in Richtung Norden führt (sogenanntes TOTSO-Autobahnkreuz). Als 1980 die Planungen der A 98 aufgrund der enormen Kosten, des nicht ausreichend nachweisbaren Bedarfs und fehlender Akzeptanz aufgegeben wurden, wurde der Ausbau der Strecke zwischen Memmingen und München vorangetrieben.

Die Netzkonzeption aus den 1960er Jahren sah für die Trasse der A 96 als Verbindung zwischen Lindau und Ulm eine weiter westlich der heutigen verlaufenden Trasse vor. Zusätzlich sollte die B 18 ausgebaut werden. 1974 wurden die beiden Pläne zusammengelegt und die B 18 sollte zur A 96 ausgebaut werden.

Im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele 1972 wurde die A 96 von München bis kurz hinter Oberpfaffenhofen gebaut, bis Germering (damals noch Anschlussstelle Unterpfaffenhofen) sechsstreifig. Bis zum Lückenschluss begann die Autobahn mit Kilometer 0,0 in München. Dieses Teilstück wurde zuerst vierstreifig als B 12 neu ausgebaut. Nach der Fertigstellung bekam diese ehemalige B 12 neu im Bereich München-Sendling bis München-Blumenau innerhalb der Landeshauptstadt München den Straßennamen Ammerseestraße, der bis heute beibehalten wurde. Auch deshalb und weil die A 96 am nördlichen Ende des Ammersees vorbeiführt, wird die A 96 auch Ammerseeautobahn genannt.

Bis 1979 wurde die Umfahrung von Landsberg am Lech (ebenfalls als B 12 neu) fertiggestellt. Bei Memmingen wurde eine Fahrbahn schon 1978 fertiggestellt (als B 18 neu), die zweite kam 1990 dazu. 1980 wurde das kurze Stück von Lindau zur Deutsch-Österreichischen Staatsgrenze fertiggestellt.

Im Jahr 1988 wurde ein 3,5 Kilometer langer Abschnitt von Landsberg am Lech Richtung München eröffnet, der Abschnitt in die andere Richtung bis Jengen wurde 1989 freigegeben. Ein Jahr später folgten die Abschnitte von Bad Wörishofen bis Mindelheim und von Landsberg am Lech-Ost weiter zirka vier Kilometer Richtung Osten.

Daraufhin wurden die bereits autobahnähnlich ausgebauten Teilstücke zur A 96 hochgestuft. 1994 wurde die Umfahrung von Mindelheim mit Kohlbergtunnel bis kurz vor Erkheim und östlich von Landsberg am Lech bis Schöffelding fertiggestellt. 1996 folgte der Abschnitt bis Inning am Ammersee mit dem Echinger Tunnel. Ab 1998 war die A 96 mit Fertigstellung des Etterschlager Tunnels und der Fortführung der Autobahn bis Germering auf der oberbayerischen Seite durchgehend befahrbar.

2002 folgte der Abschnitt Jengen–Bad Wörishofen, ehe es im Juli 2008 an das Teilstück zwischen Memmingen und Erkheim anschloss. Die Bauarbeiten des Teilstückes Memmingen-Ost und Erkheim begannen im Jahre 2004.

Der Abschnitt zwischen Holzgünz und Erkheim wurde im November 2007 fertiggestellt. Die Bauarbeiten für das 12,3 km lange Teilstück zwischen Memmingen-Ost und Holzgünz begannen im Oktober 2004 und wurden am 8. Juli 2008 abgeschlossen. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 56 Mio. Euro.

Der Ausbau des letzten Teilstücks zwischen Wangen-Nord und Leutkirch-Süd hatte am 21. Oktober 2005 begonnen und wurde am 23. November 2009 fertiggestellt. Die Kosten für diesen Abschnitt beliefen sich auf 75 Mio. Euro. Damit war das letzte verbliebene Teilstück der B 18 ersetzt und die Bundesautobahn 96 fertiggestellt.

2005 wurde im Zuge des Anschlusses der A 99 der Bereich des heutigen Autobahndreieckes München-Südwest geringfügig umgebaut. Im Einmündungsbereich fiel in beiden Fahrtrichtungen der dritte Fahrstreifen weg. Östlich des Dreiecks entstand die Ausfahrt München-Freiham-Süd. Ein weiterer Umbau wurde Ende der 2000er Jahre im Bereich der Anschlussstelle Landsberg am Lech-West vorgenommen. Hier entstand mit dem Anschluss der autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße 17 Deutschlands größter Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 330 Metern.

Sechsstreifiger Ausbau zwischen Germering Süd und Oberpfaffenhofen Von Mai 2017 bis Dezember 2020 wurden zirka neun Kilometer der A 96 zwischen den Anschlussstellen Germering Süd und Oberpfaffenhofen von vier auf sechs Fahrstreifen erweitert. Hierfür investierte die Bundesrepublik Deutschland als Baulastträger 131 Mio. Euro, wovon zwei Drittel in die Errichtung von Lärmschutzgalerien flossen.

Weitere Planungen Tunnelverlängerung Gräfelfing Aufgrund der gestiegenen Verkehrszahlen der A 96 im Gemeindegebiet Gräfelfing (Steigerung 2010 zu 2005 um 34 %) hat die Gemeinde Gräfelfing 2010 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um einen besseren Lärmschutz zu erreichen. Nach der Grundlagenermittlung mit einem Zwischenbericht an den Bürgermeister am 27. Oktober 2010 wurden verschiedene Varianten entwickelt, die dem Gräfelfinger Bauausschuss am 5. Mai 2011 vorgestellt wurden. Im Anschluss folgte die Bewertung und eine Infoveranstaltung im Bürgerhaus am 14. Dezember 2011. Im Jahr 2012 wurde eine Empfehlung erarbeitet. Es folgte ein Zwischenbericht am 24. April 2012 und der Abschlussbericht am 24. August 2012 im Gemeinderat. Einer breiten Öffentlichkeit wurde die Machbarkeitsstudie am 25. Oktober 2012 vorgestellt.

Für den Bereich westlich des Tunnels Gräfelfing wurden vier Varianten untersucht. Die Studie sprach sich für eine lärmtechnische Optimierung des westlichen Tunnelportals aus. Östlich des Tunnels Gräfelfing wurden ebenfalls vier Varianten untersucht. Hier empfahl die Studie den bestehenden Tunnel um 807 Meter zu verlängern und daran anschließend eine Galerie Süd (Fahrtrichtung München), eine weitere Überdeckelung mit 79,5 m Länge und eine Galerie Nord (Fahrtrichtung Lindau) mit 453 m Länge zu errichten.

Die Kosten belaufen sich laut Machbarkeitsstudie auf zirka 165 Mio. Euro bei einer Realisierungszeit von 10 bis 15 Jahren. Aus Erlösen von Grundstücksverkäufen könnten etwa 98 Mio. Euro aufgebracht werden, somit verbliebe ein Restbetrag von etwa 67 Mio. Euro. Angesichts der Notwendigkeit der Finanzierung dieses Betrages ist seither ungewiss, ob und wann ein solcher Bau erfolgen wird.

Einhausung auf Münchner Stadtgebiet Im Oktober 2019 wurden Planungen verworfen, den im Münchner Stadtgebiet auf 4,2 km Länge verlaufenden Abschnitt aus Lärmschutzgründen einzuhausen.

Ingenieurbauwerke mini|hochkant|Pfeiler der Talbrücke Obere Argen mini|Naherholungsgebiet Buxheimer Wald mit 2 von 6 Weihern mini|Buxachtalbrücke Es gibt zahlreiche Brücken über die A 96 oder Brücken der A 96 über Straßen und Gewässer.

Der Ingenieur Gerhard Pahl hat an der A 96 zwischen Memmingen und Mindelheim vier Brücken geplant und dafür den „Deutschen Brückenbaupreis“ erhalten.

Talbrücke Obere Argen

Im Gemeindegebiet von Wangen im Allgäu überquert die A 96 auf der Talbrücke Obere Argen das Tal der Obere Argen auf einer Schrägseilbrücke (). Die Brücke wurde zwischen 1985 und 1990 erbaut. Architekt war Hans Kammerer, für den Amtsentwurf und die statische Prüfung war die Schlaich, Bergermann und Partner sbp GmbH verantwortlich. Die bauausführenden Unternehmen waren die Dyckerhoff & Widmann AG und die Walter Bau AG.