Eine Peitsche ist je nach Typ ein Gerät zum Schlagen, eine Schlagwaffe, ein Sportgerät, ein Kommunikationsmittel, ein Perkussionsinstrument oder ein Spielzeug, das aus einem schmalen Lederriemen oder Strick an einem mehr oder weniger langen Stiel besteht.
Aufbau und Verwendung Der Griff einer Peitsche heißt Peitschenstiel, Stock oder Knauf. Der Strick oder Riemen wird Peitschenschnur oder Schlag genannt. Der Faden am äußersten Ende der Schnur heißt Treibschnur, Schmitze, Schnäpper oder Knallschnur. In der Schweiz ist auch die Bezeichnung Zwick üblich.
Die Peitsche wird unter anderem zum Berühren (Touchieren) mit Stock oder Schlag verwendet. Es kann sowohl mit dem Schlag als auch mit dem Stock geschlagen werden. Auch ist es möglich, die Peitsche zu werfen. Außerdem findet sie Anwendung zum Erzeugen von Geräuschen – wie Zischen oder Knallen – oder von optischen Signalen.
Verschiedene Peitschentypen dienten lange Zeit als Folter- oder Bestrafungsinstrument (siehe Staupenschlag), daher rührt ihre Verwendung im BDSM-Bereich.
Häufig dienen Peitschen als Kommunikationsmittel für die Dressur und Ausbildung von Tieren, beispielsweise Pferden und Zirkustieren.
Die kunstfertige Handhabung von Peitschen wird als Sport betrieben, ist Bestandteil des Brauchtums und ein Teilbereich der Artistik. Peitschen dienen auch als Spielzeug, beispielsweise beim Peitschenkreisel.
Peitschenmacher war früher im Handwerk ein dreijähriger Lehrberuf., schwaebische.de vom 4. Mai 2012, abgerufen am 15. Oktober 2012.
Kinematik des Peitschenschlages Das Ende einer Peitsche kann, bei korrektem Schlag, auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt werden, was den „Peitschenknall“ hervorruft. Der Knall resultiert aus der Bildung einer Schlaufe, welche sich mit steigender Geschwindigkeit auf das Peitschenende zubewegt und dabei, beim Öffnen am Ende der Schnur, die Schallgeschwindigkeit überschreitet. Genauer wurde das theoretisch durch die Mathematiker Goriely und McMillen in den 2000er Jahren untersucht. Dass der Peitschenknall aus Stoßwellen (Machscher Kegel) und der Überschallgeschwindigkeit der Peitsche resultiert, vermutete schon Otto Lummer 1905O. Lummer, Über die Theorie des Knalls, Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur 83 (1905) 2., und wurde 1927 durch den Franzosen Z. Carrière nachgewiesen.Carrière, Le claquement du fouet, J. Phys. Radium Ser. VI 8 (1927) 365–384.Z. Carrière, Exploration par le fouet des deux faces du mur du son, Cahiers de Physique 63 (1955) 1–17 Mit digitaler Hochgeschwindigkeitsfotografie stellten Peter Krehl, Stephan Engemanner und Dieter Schwenkel 1998P. Krehl, S. Engemann, D. Schwenkel, The puzzle of whip cracking—uncovered by a correlation of whip-tip kinematics with shock wave emission, Shock Waves 8 (1998) 1–9. fest, dass die Schnur an ihrem Ende zum Zeitpunkt des Peitschenknalls etwa doppelte Schallgeschwindigkeit erreicht und eine Endbeschleunigung in der Größenordnung der 50.000-fachen Erdbeschleunigung. Der Berliner Mechanikprofessor István Szabó beschrieb die Peitschenbewegung schon in den 1950er Jahren in seinen Vorlesungen über technische Mechanik, wobei er zunächst eine solche Peitsche knallen ließ und anschließend die zur Erklärung notwendigen Gleichungen an die Tafel schrieb.Die Mechanik der Peitsche wird als Übungsaufgabe in Szabo, Einführung in die Technische Mechanik, Springer, 2. Auflage 1956, S. 288, behandelt. Gesucht wird dort die maximale Geschwindigkeit des Peitschenendes und die dafür notwendige Zugkraft. Die mechanische Behandlung veröffentlichte aber schon 1949 Richard Grammel.R. Grammel, K. Zoller, Zur Mechanik der Peitsche und des Peitschenknalles, Zeitschrift für Physik, Band 127, 1949, S. 11–15
Mechanische Zusammenhänge Am unteren Punkt der Bewegungskurve wird die Schlagbewegung plötzlich gestoppt. Die Peitschenschnur vom Griffende bis zum Umlenkungspunkt der Schlaufe ist gestreckt und weitgehend in Ruhe. Die Peitschenschnur strebt wegen der Fliehkräfte zur vollständigen Streckung. Aus diesem Grund bewegt sich die Schlaufe axial vom Griff fort und die Restschnur oberhalb der Schlaufe wird immer kleiner.
Bei der Betrachtung der kinetischen Energie der Peitsche kann diese Bewegung des Peitschenendes relativ zum Griff von der Bewegung des Schwerpunkts der Peitsche entkoppelt werden; sie sind unabhängig voneinander. Aus diesem Grund gilt für beide Bewegungen unabhängig voneinander der Energieerhaltungssatz. Bezeichne die Relativgeschwindigkeit und die reduzierte Masse der Peitsche, nimmt die kinetische Energie der Relativbewegung die bekannte Form
an. Die reduzierte Masse der Peitsche kann durch die Masse der Restschnur , und die Gesamtmasse der Peitsche wie folgt ausgedrückt werden:
Da die Masse der Restschnur proportional zu ihrer Länge ist, geht die reduzierte Masse gegen Null. Aufgrund der Energieerhaltung muss deswegen gegen Unendlich gehen und durchbricht die Schallmauer. In der Praxis ist die Maximalgeschwindigkeit des Schnurendes und der Schlaufe durch innere und äußere Reibungsverluste begrenzt.R. Grammel, K. Zoller, Zur Mechanik der Peitsche und des Peitschenknalles, Zeitschrift für Physik, Band 127, 1949, S. 11–15
Peitschentypen mini|Kinder mit Peitschenkreiseln Schlaggerät und Schlagwaffe Geißel im eigentlichen Sinne: aus einem Stiel mit mehreren Riemen oder Schnüren, die zur Züchtigung diente. Die Geißel hat an den Enden Knoten oder Gewichte aus Metall, die meist mit Widerhaken versehen sind, so dass sie die Haut des Gegeißelten stark verletzen (siehe Flagellanten) Eine neunschwänzige Katze ist eine Riemenpeitsche mit neun geflochtenen Tauenden. Sie diente zum Beispiel zur Züchtigung in der Seefahrt. Die Klopfpeitsche oder Riemenpeitsche wurde im deutschsprachigen Raum bis in die 1970er Jahre hinein zur Züchtigung von Kindern und Jugendlichen genutzt, die mehrriemige Peitsche galt als besonders schmerzhaft. In Frankreich ist sie als Martinet bekannt. Die Tawse wurde in Schottland häufig an Schulen statt des englischen Rohrstocks benutzt.
Arbeitsgeräte Bullenpeitsche: Eine einschwänzige Peitsche (Singletail). Es wird im Englischen genauer unterschieden zwischen der Bullwhip mit starrem Griff und der Snakewhip mit biegsamem Griff. Snakewhips können aufgerollt und damit leichter verstaut werden. Sie zählen zum Handwerkszeug von Cowboys. australische Stockpeitsche Tretsche Wengerter-Peitsche: Arbeitsgerät von Weinberghütern mini|Eggen mit Stockpeitsche Kommunikationsmittel Fahrpeitsche (Stock- oder Bogenpeitsche) Voltigierpeitsche Longierpeitsche Hetzpeitsche Signalpeitschen für Schlittenhunderennen Sportgerät oder Bestandteil des Brauchtums Karbatsche Goaßl, die Peitsche beim Aperschnalzen – oft mit Schnäpper am Ende Innerschweizer GeißelChlauschlöpfe ChlausgeisselChlauschlöpfe Peitschenkreisel oder Dildop 9-Teile-Peitsche Waffe für asiatischen Kampfsport Stecken – peitschenähnlicher Schläger für die Schweizer Nationalsportart Hornussen
Wortherkunft mini|Eine australische Stockpeitsche. mini|Neunschwänzige Katze im Foltermuseum in Freiburg im Breisgau. Das Wort ‚Peitsche‘ ist kein ursprünglich deutsches Wort, es wurde im 14. Jahrhundert aus dem Westslawischen entlehnt,Duden 7: Etymologie (1963), S. 499 siehe das polnische Wort für Peitsche bicz (lies: bitsch), das wiederum auf das urslawische biti (schlagen) zurückverfolgt werden kann, das selbst wohl auf der indogermanischen Wortwurzel *bhau (schlagen) basiert. Siehe auch englisch to beat (schlagen, besiegen) oder altertümlich deutsch Bäuschel (schwerer Hammer) von germanisch *bautan (schlagen).
Das Wort Peitsche hat im Sprachgebrauch weitgehend das ursprüngliche Wort Geißel verdrängt, das heute im Hochdeutschen nur noch in der Bedeutung Züchtigungsinstrument und übertragen im Sinne von Strafe verwendet wird.Duden 7: Etymologie (1963), S. 206 Im Bairischen wird die Peitsche als Goaßl, das Peitschenknallen als Goaßlschnalzen bezeichnet. Im Schweizerdeutschen ist das Wort Geissel gebräuchlich und es gibt „Geisslechlöpfer“-Vereine.
Das deutsche Wort ‚Knute‘ ist über Umwege mit dem Wort Knoten verwandt und wurde indirekt über das russische knut (Knotenpeitsche) aus dem altnordischen knútr (der Knoten) entlehnt, das in die Gruppe jener indogermanischen Wörtstämme fällt, die mit dem Anlaut kn- eine Verdickung oder Verengung ausdrücken (Vgl. deutsch: Knolle, Knochen, Knopf, Knie, Knauf, kneifen, kneten, knutschen, knapp usw.).Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, 2002
‚Geißel‘ findet sich schon ahd. kaisala, geisila, geisla. Nach Grimm ist es ursprünglich nur der Stiel selbst, weil es sich auch für einfache Hütestöcke findet. Der Übergang auf die Bedeutung ‚Peitsche‘ dürfte in der Zeit der Entlehnung des zweiteren Worts stammen. Bei Grimm ist die Schreibung Geisel ohne »sz« (bzw. heute »ß«) noch das Lemma.
Das Wort Peitsche ist Bestandteil der Redewendung „mit Zuckerbrot und Peitsche“. Der Begriff Peitscheneffekt ist in der Biomechanik und in den Wirtschaftswissenschaften gebräuchlich.
Peitschen im Pferdesport Im Umgang mit Pferden, beim Fahren, Longieren, Voltigieren, bei der Bodenarbeit und Doppellongenarbeit, dient die Peitsche der differenzierten Hilfengebung, also der Kommunikation mit dem Tier. Im Gegensatz zu anderen Verwendungen wird die Peitsche im Pferdesport nicht eingesetzt, um Schmerz zuzufügen, da das Pferd sonst Angst vor der Peitsche hätte und nicht mehr angemessen reagieren würde. Beim Reiten werden in der Regel keine Peitschen, sondern Gerten verwendet.
Bodenarbeit Bei der Bodenarbeit und zirzensischen Lektionen werden nicht nur Gerten, sondern auch kurze Peitschen als Armverlängerung eingesetzt. Diese haben meist einen festen, wenig biegsamen kurzen Stock und einen rund 1,8 m langen weichen Lederschlag und werden als Stick bezeichnet.
Voltigieren Beim Voltigieren geht das Pferd auf einem Kreis von mindestens 18 m Durchmesser, was einem Radius von mindestens 9 m entspricht. Der Longenführer befindet sich im Mittelpunkt des Zirkels. Voltigierpeitschen haben meist einen 3 m langen Teleskop-Stock und einen 3 m bis 4,5 m langen Schlag. Eine Peitschenlänge von 7,5 m genügt zusammen mit der Armlänge gerade, um das Pferd zu erreichen. Ein längerer Stock macht die Peitsche trotz Teleskopstock unhandlich, ein längerer Schlag verwickelt sich leichter. Der Teleskopstock ist aus dünnem, leichtem, verstärktem Kunststoff-Material (meist GFK), damit die Peitsche im Verlauf der Voltigierstunde für den Longenführer nicht zu schwer wird. Der Schlag ist meistens aus Leder. Am Ende des Schlages ist ein dünner Baumwollfaden als Knallschnur angebracht. Stock und Schlag sind meistens weiß, damit das Pferd die Peitsche gut sehen kann. Die Peitsche wird während des Longierens normalerweise nach schräg oben gehalten, so dass die Voltigierer unter der Peitsche hindurch an der Longe entlang zum Pferd laufen können. Der Schlag liegt nicht andauernd auf dem Boden, da sonst die Voltigierer versehentlich über den Schlag stolpern können.
Peitschenhilfen müssen überlegt eingesetzt werden, damit sie das Pferd nicht zu Taktfehlern veranlassen, die Punktabzug bringen und Stürze der Voltigierer verursachen können. Es muss sehr präzise gezielt werden, da sonst versehentlich die Voltigierer getroffen werden können. Es gibt treibende, verwahrende und hinausweisende Peitschenhilfen.
treibende Peitschenhilfen optisch Die Peitsche abgesenkt und zeigt auf die Sprunggelenke des Pferdes, auch Auf- und Abbewegung möglich. akustisch Schlag von oben zischend hinter das Pferd werfen touchierend Das innere Hinterbein im Augenblick des Abfußens mit dem Peitschenschlag treffen.
Hinausweisende Peitschenhilfen