mini|Antennenfahrzeug der P-19 mit entfalteter Antenne Die P-19 (, deutsch P-19 Donau) ist ein in der Sowjetunion entwickeltes 2D-Radargerät. Das 1974 in die Bewaffnung der Sowjetarmee eingeführte System wird zur Aufklärung tieffliegender Luftziele und zur Zielzuweisung benutzt. Die Werksbezeichnung lautet 1РЛ134 (Transkription: 1RL134). Die NVA bezeichnete das System auch als Rundblickstation 19, abgekürzt RBS-19. Der NATO-Codename ist Flat Face B.

Entwicklung Die P-19 entstand als Weiterentwicklung der P-15. Die Anfang der 1970er Jahre entwickelte Version P-15MN (russisch: П-15МН) zeichnete sich bei Beibehaltung der grundsätzlichen Konstruktion durch verbesserte Störschutzmöglichkeiten aus. Die Geräte des Freund-Feind-Kennungssystems Kremnij 2 wurden in das System integriert. Zum Einsatz kam weiterhin eine neue Generation elektronischer Bauelemente. Der Bedienteil mit der elektronischen Ausrüstung wurde vom Antennenteil getrennt und auf ein eigenes Trägerfahrzeug gesetzt. Als Trägerfahrzeuge wurde der ab Ende der 1960er Jahre eingeführte Lkw ZIL-131A verwendet. Da sich Aufbau und technische Daten vom Vorgänger deutlich unterschieden, erhielt das System die neue Bezeichnung П-19 Дунай bzw. 1РЛ134.РЛС П-15 „ТРОПА“ („Вестник ПВО“) (russisch)

Konstruktion Aufbau der Radarstation Das System besteht ausRaketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Rundblickstation 19 dem Gerätefahrzeug im Koffer K4.131 auf ZIL-131 dem Antennenfahrzeug auf ZIL-131 dem Kennungsgerät NRS-15 dem System zur elektronischen Datenübertragung ASPD-U zwei Elektroaggregaten AB-16-T/230/Tsch-400 (bzw. AB-16-T/230/Tsch-400M1, ab 1987 AB-16-T/230P-RM1) Zubehör und Ersatzteilen Die Bestandteile des Systems ermöglichten einen weitgehend autonomen Einsatz sowie die Prüfung, Wartung und Instandsetzung unter feldmäßigen Bedingungen.

Grundsätzliches Zusammenwirken der Elemente des Waffensystems mini|Antennenfahrzeug mit Antennen in Marschlage Auf dem Antennenfahrzeug war die Antennenanlage verlastet, ebenso die zwei zur Stromversorgung des Systems benötigten Elektroaggregate. Das Gerätefahrzeug nahm im Koffer die wesentlichen elektronischen Baugruppen des Systems auf. Hier befanden sich ebenfalls die Arbeitsplätze der zur Bedienung des Systems eingesetzten Soldaten. Antennen- und Gerätefahrzeug wurden nach Aufbau der Station miteinander verkabelt. Zum Aufbau des Systems wurde eine Zeit von maximal 20 Minuten benötigt, dazu kamen noch einmal 3,5 Minuten zum Einschalten des Systems.P-19 Flat Face B auf AirPowerAustraliadiese Zeiten können in verschiedenen Streitkräften abweichen, in der NVA war beispielsweise eine Aufbauzeit von 13 min vorgesehen Diese Zeit war durch das notwendige Vorwärmen der elektronischen Baugruppen bedingt.

Aufgeklärte Luftziele wurden auf einem Rundsichtgerät dargestellt. Die Bedienung des Systems konnte auch von außerhalb des Gerätefahrzeuges erfolgen. Dazu wurde das Tochtersichtgerät WIKO-01 benutzt, das sich bis zu 300 m vom Radargerät entfernt befinden konnte.siehe P-19 auf RWD im Kdo. MB-III Prinzipbedingt konnte die Höhe des aufgeklärten Luftzieles nicht ermittelt werden. Zur Bestimmung der Höhe musste das System mit sogenannten Höhenfindern wie dem PRW-9 oder dem PRW-16 gekoppelt werden. Die aufgeklärten Luftziele wurden mit Hilfe des integrierten Kennungsgerätes NRS-15 identifiziert. An andere Führungs- und Waffensysteme wurden die Zieldaten mittels Datenlink übertragen. Genutzt werden dazu Funkgerätesätze R-123 bzw. R-111, die die Übertragung von Sprache und Daten im Frequenzbereich von 20–52 MHz auf eine Entfernung von bis zu 50–60 km ermöglichten.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, UKW-Funkgerätesatz R-111

Um die Störfestigkeit und die Aufklärungsreichweite zu erhöhen, wurde die P-19 im Regelfall mit anderen Radarstationen genutzt. Dies war auch deshalb notwendig, da eine Aufklärung hochfliegender Luftziele mit der P-19 nicht möglich war. Eingesetzt wurden regelmäßig die im Meterwellenbereich arbeitende P-18 sowie die P-40. Mit Hilfe der P-18 konnten vor allem höher fliegende Luftziele aufgeklärt werden. Der genutzte Frequenzbereich erleichtert dabei auch eine Aufklärung von Luftzielen mit Stealth-Eigenschaften. Außerdem sind keine Anti-Radarraketen für diesen Frequenzbereich verfügbar. Die Aufklärungsergebnisse der verschiedenen Radargeräte wurden dabei zusammengefasst und auf Sichtgeräten der automatisierten Feuerleitkomplexe dargestellt. Um im Gesamtsystem die Luftziele eindeutig und mit der geforderten Genauigkeit darstellen zu können, musste die Stellung des Systems vermessen werden. Dazu wurde der im Zubehör vorhandene Richtkreis PAB-2A genutzt.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Richtkreis PAB-2

Die Bedienung besteht aus insgesamt sechs Soldaten. Damit ist ein Betrieb im Schichtdienst möglich, da zur Bedienung der Station nur zwei bis drei Soldaten gleichzeitig benötigt werden. Für die Station wird eine mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen von mindestens 300 Stunden angegeben.P-19 Flat Face

Trägerfahrzeug, Kabine und Stromversorgung Als Trägerfahrzeug kam der geländegängige Lkw ZIL-131 zum Einsatz. Das System konnte sowohl auf Straßen, als auch im Gelände verlegt werden. Aufgrund des schweren Aufbaus mit hohem Schwerpunkt und der empfindlichen elektronischen Baugruppen durfte jedoch eine Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h im Gelände nicht überschritten werden.

Das Antennenfahrzeug hatte eine Länge von 7,7 m bei einer Breite von 2,6 m und einer Höhe (in Marschlage) von 3,4 m. Das Gesamtgewicht lag bei 10,7 t.RBS-19 auf NVA-FuTT

Das Gerätefahrzeug hatte eine Länge von 7,7 m bei einer Breite von 2,4 m und einer Höhe (in Marschlage) von 3,4 m. Das Gesamtgewicht lag bei 9,5 t. Im Koffer K4.131 befanden sich die elektronischen Baugruppen, die Fernmeldeeinrichtungen sowie die Arbeitsplätze der Bedienung. Die Heiz- und Lüftungsanlage OW-65 ermöglichte die Wärmezufuhr und Belüftung des Koffers auch im Stand unabhängig vom Betrieb des Fahrmotors.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Heiz- und Lüftungsanlage OW-65, OW-95, 015, 030 Zum Schutz vor radioaktiv, chemisch und biologisch (bakteriologisch) verseuchter Außenluft war der Koffer mit der Filterventilationsanlage FWUA-100 ausgestattet. Dazu wurde der Koffer unter Überdruck gesetzt und die angesaugte Luft gefiltert. Der Betrieb der Anlage war während der Fahrt und im Stand möglich, zum Auf- und Abbau des Radarsystems musste der Koffer jedoch verlassen werden.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Filterventilationsanlage FWUA-100

Zur Führung des Systems kam ein Funkgerät R-123 zum Einsatz, zur Übertragung der Zieldaten zwei Funkgeräte R-111. Weiterhin war eine Vermittlung P-193 vorhanden. Sie diente zur Verbindung der Fernsprechstellen der einzelnen Teile des Waffensystems (Gerätewagen, Antennenwagen, Tochtersichtgerät), die sich in bis zu 300 m Entfernung befinden konnten.

Eine eigenständige Navigationsanlage war nicht vorhanden. Zur genauen Positionsbestimmung musste die Stellung mit Hilfe des Richtkreises unter Zuhilfenahme bekannter und vermessener Geländepunkte eingemessen werden.

Die Leistungsaufnahme des gesamten Systems liegt bei ungefähr 15 kW.Angabe nach RWD im Kdo. MB III, je nach Modifikation sind Angaben von 11 bis 15 kW möglich Zur Stromversorgung dienen dabei die zwei auf dem Antennenwagen installierten Elektroaggregate AB-16-T/230/Tsch-400, die Dreiphasenwechselstrom mit einer Netzfrequenz von 400 Hz und einer Spannung von 3 * 230 Volt bereitstellen. Dabei kann jedes Aggregat bis zu 16 kW erzeugen.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Technikkatalog, Elektroaggregat AB-16-T/230/Tsch-400 / M1 / M2

Antennenanlage mini|Vorgänger P-15 Der grundsätzliche Aufbau der Antennenanlage hat sich im Vergleich zum Vorgänger P-15 nicht geändert. Zum Einsatz kamen auch hier zwei angeschnittene Parabolspiegel. Die Form der Parabolspiegel ergab eine relativ hohe Auflösung in der horizontalen, aber nur eine geringe in der vertikalen Ebene. Gespeist wurden diese Antennen wiederum durch zwei Hornstrahler. Die Speisung konnte sowohl gegen- als auch gleichphasig erfolgen, dadurch änderte sich die Form des Richtdiagramms. Die Antennenanlage ist auf einem Gittermast montiert, der in Marschlage nach hinten geklappt wird. Im Betrieb dreht sich der Mast mit 6–12/min in der horizontalen Ebene, in der vertikalen Ebene kann die Antennenanlage nicht geschwenkt werden, daher ist eine Bestimmung der Flughöhe des Luftzieles nicht möglich. Durch Umschalten der Einspeisung der beiden Parabolantennen kann jedoch ein Luftziel einem von insgesamt drei Höhensektoren zugeordnet werden. Aufgrund der Richtcharakteristik der Antenne können Luftziele mit einer Flughöhe von über 6 km nicht aufgeklärt werden.Aufklärungsstation RBS-19takt.-techn. Angaben zur FuMS P-19

Die Antennenanlage bestimmt die Genauigkeit der Bestimmung des Seitenwinkels und das Auflösungsvermögen. Der Seitenwinkel konnte mit einer Genauigkeit von 100 Winkelminuten bis 2° bestimmt werden, die Auflösung lag bei 8° bis 15°. Dies bedeutet praktisch, dass alle Luftziele, die sich in annähernd gleicher Entfernung in einem jeweils 8° breiten Sektor befanden, auf den Sichtgeräten als ein Luftziel dargestellt wurden.

Die Antenne des integrierten Kennungsgerätes befindet sich bei der P-19 seitlich am unteren Parabolspiegel.

Radargerät Das Radargerät arbeitet im UHF-´Bereich mit einer Sendefrequenz im Bereich von 750 MHz. Im Sender des Radargerätes wird ein Magnetron eingesetzt. Der Sender erzeugt Impulse mit einer Länge von 2,1 μs und einer Impulsleistung von 210 bis 300 kW. Die Impulswiederholfrequenz liegt zwischen 500 und 600 Hz. Damit konnte die Schrägentfernung zum Luftziel bis auf 450 m genau bestimmt werden, die Auflösung wird ebenfalls mit 450 m angegeben. Dies bedeutet praktisch, dass alle Luftziele, die sich in gleicher Richtung in einem jeweils 450 m tiefen Abschnitt befanden, auf den Sichtgeräten als ein Luftziel dargestellt wurden. Zum Schutz vor Radarstörungen kann das Radargerät schnell zwischen vier voreingestellten Frequenzen umgeschaltet werden.

Der Empfänger hat eine Empfindlichkeit von 1,65 × 10−14W. Die eingebauten Störschutzsysteme ermöglichen einen Schutz vor gezielten aktiven Funkmeßstörungen, Rauschstörungen, passiven Funkmeßstörungen und asynchronen Impulsstörungen. Zum Schutz vor passiven Störungen und Festzielen war ein System zur Selektion beweglicher Ziele (SBZ) vorhanden, das mit Potenzialspeicherröhren arbeitete.

Die Luftlage wurde auf dem Rundsichtgerät im Kofferaufbau oder dem Tochtersichtgerät WIKO-01 dargestellt. Dabei wurde das Lagebild, je nach Umdrehungsgeschwindigkeit der Antenne, alle fünf bis zehn Sekunden erneuert. Auf den Sichtgeräten dargestellt wurde ebenfalls das Ergebnis der Kennungsabfrage sowie die Fluginformationen eigener Luftfahrzeuge bei Nutzung des Bodenkennungsgerätes NRZ-5P (1L23-6). Dieses Sekundärradargerät des Systems Parol ersetzte ab Mitte der 1980er Jahre das Kennungsgerät NRS-15 des Systems Kremnij-2.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Kennungssystem Kremnij Im Vergleich zum Vorgänger ist neben der eigentlichen Identifizierung (Freund oder Feind) und deren Darstellung auf den Sichtgeräten auch die Abfrage und Darstellung zusätzlicher Informationen wie Flugnummer, Höhe des Flugzeuges über Grund und der Treibstoffrest (in Prozent), falls das Luftfahrzeug mit dem entsprechenden System ausgerüstet ist.Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Kennungssystem Parol