Der Landkreis Görlitz () ist der östlichste Landkreis Sachsens und Deutschlands. Große Kreisstädte sind neben dem Kreissitz Görlitz (von Nord nach Süd) Weißwasser, Niesky, Löbau und Zittau. Der Landkreis liegt im östlichen Teil der Oberlausitz und ist Mitglied der Euroregion Neiße.
Geographie An den Landkreis Görlitz grenzen der sächsische Landkreis Bautzen im Westen, der brandenburgische Landkreis Spree-Neiße im Norden, die polnischen Landkreise Żary (Woiwodschaft Lebus) und Zgorzelec (Woiwodschaft Niederschlesien) im Osten und die tschechischen Regionen Liberec und Ústí im Süden.
mini|links|Östlichster Punkt Deutschlands zwischen Deschka und Zentendorf
Die nördlichste Landstelle des Landkreises und zugleich Ostsachsens befindet sich in Köbeln bei 51° 35′ 47″ nördlicher Breite, die südlichste in Lückendorf bei 50° 49′ 8″. Durch die Kreisstadt Görlitz verläuft der 15. Meridian, die östlichste Landstelle des Kreises und zugleich Deutschlands befindet sich einige Kilometer nördlich davon in der Gemeinde Neißeaue zwischen den Ortsteilen Deschka und Zentendorf bei 15° 02′ 31″ östlicher Länge. Der westlichste Landpunkt des Kreises befinden sich im Norden in Mulkwitz bei 14° 26′ 27″, der westlichste Punkt des südlichen Kreisgebiets liegt in Oppach bei 14° 28′ 28″.
Der Landkreis Görlitz ist in Sachsen der Landkreis mit der größten Nord-Süd-Ausdehnung und auch sein Aussehen verändert sich hauptsächlich entlang dieser Achse. Die im sorbischen Siedlungsgebiet im Norden des Landkreises häufig noch im Ortskern erkennbare Siedlungsform des slawischen Rundlings weicht gen Süden hin allmählich der des langgezogenen Waldhufendorfs. Im dichter besiedelten Süden sind Umgebindehäuser noch häufig anzutreffen.
mini|Tagebau Nochten und Kraftwerk Boxberg bei Weißwasser im Norden des Landkreises Im Norden ist der Landkreis relativ flach ( im Neißetal von Köbeln bei Bad Muskau am südlichen Rand der Cottbuser Sandplatte) und wird vom Lausitzer Braunkohlerevier, der Muskauer Heide und dem waldreichen Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet geprägt. In südlicher Richtung steigt die Landschaft stetig an und geht in das Oberlausitzer Gefilde, die Östliche Oberlausitz (mit dem Oberlausitzer Bergbaurevier) und das Lausitzer Bergland über. Von den Königshainer Bergen mit den Erhebungen Hochstein (406 m) und Kämpferberge (415 m) ist der Blick bis fast an die nördliche Kreisgrenze frei. Nach Süden verstellt das Lausitzer Bergland mit markanten Bergen wie dem Seidelberg (424 m), der Landeskrone (420 m), dem Rotstein (455 m) sowie dem Kottmar (583 m), an dem auch eine der Spreequellen entspringt, die Sicht auf die noch höheren Berge des Zittauer Gebirges, dessen höchste Berge auf dem Kreisgebiet die Lausche (793 m) und der Hochwald (749 m) sind.
Neben der Lausitzer Neiße im Osten und der Spree im Westen durchziehen die Mandau, das Löbauer Wasser sowie der Weiße und der Schwarze Schöps den Landkreis. Mit dem Bärwalder See, der Talsperre Quitzdorf sowie dem Berzdorfer See befinden sich im Landkreis Görlitz einige der größten Standgewässer Sachsens.
Siehe auch: Liste der Landschaften in Sachsen, Naturräume in Sachsen, Liste der Gewässer in Sachsen
Geschichte mini|Die Jägerkaserne in der Hugo-Keller-Straße in Görlitz diente 2008–2013 als Sitz des Landratsamtes. Der Landkreis Görlitz entstand im Zuge der sächsischen Kreisreform am 1. August 2008, als der Niederschlesische Oberlausitzkreis (NOL), die kreisfreie Stadt Görlitz und der Landkreis Löbau-Zittau zusammengelegt wurden. Diese wiederum entstanden in der sächsischen Kreisreform in den Jahren 1994/1996 größtenteils aus den seit der Verwaltungsreform von 1952 bestehenden Kreisen Weißwasser, Niesky, Görlitz-Land, Löbau, Zittau (von Nord nach Süd) sowie dem Stadtkreis Görlitz. Der nördliche Teil des Landkreises weist auch eine schlesische Vergangenheit auf, da er von 1816 bis 1945 (die Dörfer um Uhyst erst ab 1825) zur preußischen Provinz Schlesien beziehungsweise während ihrer Teilung zur Provinz Niederschlesien gehörte. Die westlich der Lausitzer Neiße liegenden Teile der Landkreise Rothenburg (Ob. Laus.) und Görlitz deckten im Wesentlichen diesen Teil des Kreisgebiets ab, während das südliche Kreisgebiet im Wesentlichen von den sächsischen Amtshauptmannschaften Löbau und Zittau abgedeckt wurde.
Der Kreistag des Landkreises Löbau-Zittau lehnte den Zusammenschluss mit dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis (einschließlich der Stadt Görlitz) bereits frühzeitig ab und bekannte sich zu einem Zusammengehen der Landkreise Löbau-Zittau und Bautzen, da ein großer Teil der Bevölkerung diese Variante bevorzugte. Dies entsprach jedoch nicht der vorgeschlagenen Variante des Innenministeriums des Freistaates Sachsen und hatte deswegen schlechte Chancen für eine Umsetzung.
Am 4. April 2008 unterschrieben der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick sowie die Landräte Günter Vallentin (Landkreis Löbau-Zittau) und Bernd Lange (NOL) die Auseinandersetzungsvereinbarung. Auch der öffentlich-rechtliche Vertrag zwischen den beiden Landkreisen wurde beschlossen.Martina Hanold, Angelika Brinkop, Thoralf Schirmer: Drei Unterschriften für einen Kreis. In: Lausitzer Rundschau, Lokal-Rundschau für Weißwasser und Niesky. 4. April 2008.
Im Zuge der Reform erhielten die Städte Görlitz und Niesky 2008 den Titel Große Kreisstadt. Löbau, Weißwasser und Zittau hatten diesen bereits inne, so dass alle Städte im Landkreis Görlitz, die seit 1952 Kreisstädte waren, diesen Titel tragen.
Am 25. Mai 2009 erhielt der Landkreis den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Im Jahr 2013 konnte das modernisierte Landratsamtsgebäude im südlichen Stadtzentrum gegenüber dem Görlitzer Bahnhof bezogen werden. Bis zu seiner Fertigstellung war das Landratsamt von 2008 bis 2013 in der Jägerkaserne untergebracht. Außenstellen, die bestimmte Aufgaben wahrnehmen, gibt es in Weißwasser, Niesky, Görlitz, Löbau und Zittau.
Bevölkerung Jahr Einwohner 2008 284.790 2010 276.924 2015 260.000 2020 250.558 2021 248.273 2022 249.681Anstieg durch Zuzug von Schutzsuchenden aus der Ukraine 2023 248.4792024243.9582025241.749
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres
Das Durchschnittsalter hat sich bei den Männern von 35,7 (1990) auf 47,9 (2021) und bei den Frauen von 41,0 (1990) auf 51,2 (2021) erhöht. Die Bevölkerungsdichte hat sich von 174 (1990) auf 118 (2021) verringert.https://www.bevoelkerungsmonitor.sachsen.de/download/RBV%20Kreise/rbv_landkreis_goerlitz.pdf
Politik Kreistag Der Kreistag des Landkreises Görlitz wird auf fünf Jahre gewählt. Er besteht derzeit aus 86 Mitgliedern und dem Landrat als Vorsitzendem. Entsprechend der Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 verteilen sich die Sitze wie folgt:
Parteien und WählergemeinschaftenProzent2024Sitze2024 Prozent2019 Sitze2019 Prozent2014 Sitze2014 Prozent2008 Sitze2008 AfD Alternative für Deutschland36,131 29,1 27 8,0 7 — — CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands23,620 25,4 23 37,4 36 35,1 33 FW Freie Wähler Kreisverband Görlitz11,710 12,8 11 12,7 12 15,4 14 BSW Bündnis Sahra Wagenknecht10,49 DIE LINKE. DIE LINKE.3,33 9,1 8 14,9 14 18,3 17 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen3,13 6,2 5 4,1 4 3,2 3 FS Freie Sachsen2,72–––––– SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands2,62 5,0 4 7,9 7 7,4 7 BfG Bürger für Görlitz2,02 2,4 2 1,9 1 2,7 2 KJIK Wählergemeinschaft für Kinder, Jugend und Familie1,92 2,7 2 2,9 2 3,5 3 FDP Freie Demokratische Partei1,61 3,5 3 4,2 4 6,5 6 ZKM Zittau Kann Mehr0,91 2,1 1 1,2 1— — NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands–– 1,0 0 4,6 4 5,5 5 Die PARTEI Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative–– 0,5 0 – – – – WiR Wähler in Rietschen–– 0,2 0 – – – – DSU Deutsche Soziale Union–– – – 0,4 0 2,4 2 Gesamt10086 100 86 100 92 100 92 Wahlbeteiligung65,8 % 61,7 % 50,4 % 46,0 %
Der Görlitzer Kreistag war der erste und einzige in Sachsen überhaupt, in dem die AfD in der Legislaturperiode 2019/2024 allein die größte Fraktion stellte. Diese Einzelstellung ist mit der Wahl 2024, bei der die AfD in allen Kreistagen stärkste Kraft wurde, verloren gegangen. Es sind zwölf Parteien bzw. Wählervereinigungen vertreten. Anders als bisher wurden statt 92 nur 86 Sitze vergeben.
Landrat mini|Landrat Stephan Meyer (2013) Zum Landrat wurde im Juni 2008 Bernd Lange gewählt, der bereits von 2001 bis 2008 Landrat im Niederschlesischen Oberlausitzkreis war. Bei der Wahl am 8. Juni trat er gegen sieben weitere Kandidaten an und erhielt 42,8 % der Stimmen. Damit hatte er zwar die relative Mehrheit, verfehlte jedoch die absolute. Bei der Neuwahl am 22. Juni reichte die einfache Mehrheit, er erhielt 57,6 % der Stimmen und erreichte damit gegen die drei angetretenen Konkurrenten die absolute Mehrheit. Aufgrund einer Wahlanfechtung konnte Lange sein Amt als Landrat erst später antreten.
Bei der Landratswahl am 7. Juni 2015 setzte sich Bernd Lange mit 73,0 % der Stimmen gegen Mirko Schultze (Die Linke) durch.
Die Amtszeit beträgt 7 Jahre, eine erneute Wiederwahl Langes ist aus Altersgründen nicht möglich. Die nächste Landratswahl erfolgte am 12. Juni bzw. 3. Juli 2022. Dabei setzte sich der CDU-Kandidat Stephan Meyer durch. +Historische LandratswahlergebnisseBewerber fett: AmtsinhaberVorschlagStimmenAnteil in %gewähltStimmenAnteil in %gewählterster Wahlgangzweiter Wahlgang [Anm. 1]12. Juni 2022 Wahlbeteiligung: 49,4 %3. Juli 2022 Wahlbeteiligung: 39,8 %Sebastian WippelAfD36.04135,5keiner: 2. Wahlgang nötig29.47035,8Stephan MeyerCDU47.05146,346.49256,4×Kristin SchützFDP8.2778,1nicht angetretenSylvio Ingo ArndtArndt10.27310,16.4397,87. Juni 2015 Wahlbeteiligung: 36,6 %Bernd LangeCDU56.74373,0×Mirko Steffen SchultzeDie Linke20.95427,08. Juni 2008 Wahlbeteiligung: 46,1 %22. Juni 2008 Wahlbeteiligung: 24,5 %Bernd Fritz LangeCDU46.57142,8keiner: 2. Wahlgang nötig34.00857,6×Kathrin KagelmannDie Linke21.96720,213.95723,6Prof. Stefan KofnerSPD7.1806,6nicht angetretenAndreas StorrNPD7.9127,33.3415,7Kristin SchützFDP6.4585,9nicht angetretenFrank von WoedtkeGrüne3.8643,6nicht angetretenChristfried WiedemuthDSU2.8672,6nicht angetretenChristian LinkeFW11.87710,97.77113,2 [Anm. 1] Ein zweiter Wahlgang wird nur nötig, wenn kein Kandidat aus dem ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt hat und damit direkt gewählt ist. Im zweiten Wahlgang ist die relative Mehrheit für die Wahl zum Landrat ausreichend. Bewerber, die im ersten Wahlgang antreten, können vor dem zweiten Wahlgang ihre Kandidaturen zurückziehen. Ein zweiter Wahlgang wurde bisher 2008 und 2022 nötig.
Wappen mini|hochkant|links|Wappen des Landkreises Görlitz
Blasonierung: „Durch einen silbernen Faden von Blau und Rot gespalten; vorn goldener Schild, worin ein rot bewehrter und gezungter schwarzer Adler mit silbernem Brustmond, dessen Höhlung mit einem Kreuz besetzt ist, hinten ein steigender doppelschwänziger golden gekrönter, bewehrter und gezungter silberner Löwe; unten, beide Felder überdeckend, durchgehende und unten anstoßende dreigezinnte schwarz gefugte goldene Mauer belegt mit einem dreiblättrigen grünen Lindenzweig.“
Der Entwurf des neuen Wappens des Landkreises Görlitz stammt vom Magdeburger Heraldiker Jörg Mantzsch. Es beinhaltet den Niederschlesischen Adler und den Böhmischen Löwen über der Oberlausitzer Zinnenmauer. Diese wird belegt mit dem sorbischen Lindenblatt.
Am 28. Januar 2009 fand die Abstimmung dazu im Kreistag statt, dabei votierten 61 Kreisräte dafür und 21 dagegen. Der Wappenentwurf wurde dem sächsischen Staatsarchiv zur Prüfung vorgelegt. Nach positivem Bescheid wurde das Wappen am 21. April 2009 von der Landesdirektion Dresden genehmigt und ist seit Zustellung der Urkunde offizielles Hoheitszeichen des Landkreises.
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