Amyndeo ( [] , alternative Transkriptionen Amynteo, Amyntaio; Name bis 1928 Sorovits Σόροβιτς bzw. Sorovitz maz./bulg. Сорович oder Сурович oder Суровичево, türk. Soroviç) ist eine Gemeinde in der griechischen Region Westmakedonien. Von den 16.973 Einwohnern wohnen 4.306 in der Kleinstadt Amyndeo.
Die Gemeinde liegt im gleichnamigen Weinbaugebiet Amyndeo.
Geographie Das Gebiet der Gemeinde Amyndeo erstreckt sich in Nordost-Südwest-Richtung im Nordosten Westmakedoniens. Es bedeckt ungefähr den nordwestlichen Teil der antiken makedonischen Landschaft Eordaia, deren südwestlicher Teil entspricht etwa dem Gebiet der südöstlichen Nachbargemeinde Eordea. Nach Norden grenzt Amyndeo an die Gemeinde Florina, deren Gebiet der antiken Lynkestis entspricht, von der die Ebene von Eordea und die Gemeinde Amyndeo durch gut 30 km lange Ausläufer des östlichen Verno-Gebirges geschieden werden. Das Dorf Nymfeo im Südwesten befindet sich in diesen Bergen. Nordöstlich grenzt die Gemeinde Edessa an Amyndeo, die Gemeindegrenze verläuft durch den Vegoritida-See. Am südwestlichen Ende der Gemeinde setzt sich das Gemeindegebiet in die Berge fort, südwestlich der Ortschaft Lechovo in rund 900 Metern Höhe stößt das Gemeindegebiet an jenes der Gemeinde Kozani.
Vier größere Seen sind mit ihren schilfbewachsenen Uferlandschaften prägend für das Landschaftsbild der Gemeinde: Der größte ist der Vegoritida-See im Nordosten, westlich davon befindet sich der Petres-See, im Südwesten der Zazari- und der Chimaditida-See, die etwas höher liegen und zum Petres-See hin abfließen. Die drei kleineren Seen befinden sich vollständig auf dem Gebiet der Gemeinde.
Neben der landschaftlich dominierenden Ebene von Eordea erstreckt sich im Nordosten das Gemeindegebiet nördlich des Petres-Sees auf die südwestlichen Ausläufer und Vorgebirge des Voras (Kaimaktsalan). Der höchste Punkt des Gemeindegebietes ist der im Norden gelegene Berg Liliakos (Höhe 1.192 m). An seinen nördlichen Abhängen befindet sich das Dorf Kella (oder Kelli), in dessen Umgebung die antike römische Siedlung Kella vermutet wird. Nordöstlich von Kella beginnen die südwestlichen Ausläufer des Piperitsa (Höhe 1.998 m) auf dem Territorium der Gemeinde Florina. Die nordöstliche Grenze der Gemeinde Amyndeo stellt der Berg Varo (Höhe 989 m) dar, welcher unmittelbar nördlich des Dorfes Agios Pandelimonas am westlichen Ufer des Vegoritida-Sees liegt.
Die hügeligen und bergigen Landschaften im Gemeindegebiet zeichnen sich durch Verkarstung aus; die Vegetation ist überwiegend spärlich und besteht vorwiegend aus Gräsern und Büschen. Waldgebiete finden sich im Gemeindegebiet lediglich im Bereich von Xino Nero und im Südwesten der Gemeinde an den Ausläufern des Verno.
Die Kleinstadt Amyndeo, größte Siedlung und Sitz der Gemeinde, befindet sich in der Ebene von Eordea, etwa 2 km südsüdwestlich des Petres-Sees. Die ebenen Landstriche um Amyndeo und Filotas werden intensiv landwirtschaftlich genutzt und weisen daher keine unberührten Abschnitte auf.
Vom Gemeindesitz Amyndeo aus liegt Florina etwa 25 km ostnordöstlich, die Stadt Ptolemaida in der Gemeinde Eordea 19 km in südsüdöstlicher Richtung ist 19 km entfernt, nach Thessaloniki im Osten beträgt die Entfernung 108 km und nach Athen 350 km in südöstlicher Richtung.
Geschichte Der Zeitpunkt der Besiedlung des gegenwärtigen Stadtgebietes von Amyndeo ist nicht exakt überliefert. Auf dem Gebiet der Gemeinde lassen sich Siedlungsspuren bereits aus der Frühgeschichte nachweisen. Die Seen Petres und Vegoritida mitsamt der südlich angrenzenden Ebene von Eordaia waren bereits in der Frühzeit ein bevorzugtes Siedlungsgebiet von Menschen.
Alte Handelswege Im weiteren Verlauf der Geschichte erlangte die verkehrsmäßige und strategische Lage insbesondere des nördlichen Gemeindegebietes von Amyndeo Bedeutung, da durch das Gebiet in der Antike die Via Egnatia von Byzanz über Thessaloniki nach Durrës führte. Hier befand sich der westliche Kontrollpunkt bei der Berg-Passage der Via Egnatia aus der zentralmakedonischen Tiefebene zur Ebene von Eordaia. Neben der wichtigen Ost-West-Verkehrsachse erlangte insbesondere in der Neuzeit die Verkehrsachse von Norden nach Süden durch die Ebene von Eordaia Bedeutung. Der Klidi-Pass stellte und stellt den Übergang zwischen dem nördlichen Teil der Ebene von Eordaia mit den Siedlungen Florina und Bitola (Manastir in osmanischer Zeit) und dem südlichen Teil der Ebene von Eordaia mit den Siedlungen Kozani und Ptolemaida (Kailar in osmanischer Zeit) dar. Über Kozani und dem weiter südlich gelegenen Servia war und ist eine Verbindung in den nordöstlichen Teil der thessalischen Ebene gegeben. Diese Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt bzw. Kontrollpunkt von Verkehrsachsen spiegelt sich auch heute noch im Verlauf von Straßen- und Schienenwegen wider. Sie wurde durch die bewaffneten Auseinandersetzungen in dieser Region während mehrerer Kriege unterstrichen.
Antike Siedlungen Eine neolithische Siedlung konnte in der Nähe des Dorfes Agios Pandelimonas nachgewiesen werden. Russische Archäologen gruben hier 1897 die Überreste der Siedlung auf der Landbrücke zwischen dem Petres- und Vegoritida-See aus, darunter eine Nekropole mit 376 Gräbern mitsamt Grabbeigaben. (auf Englisch). Die ausgegrabenen Gegenstände befinden sich heute im archäologischen Museum von Istanbul. In der weiteren Umgebung von Agios Pandelimonas wurden Überreste weiterer Siedlungen aus der Bronze- und Eisenzeit entdeckt. Aufgefunden wurde ein 7.300 Jahre alter Fußboden aus Holz in sehr gut erhaltenem Zustand. Weiterhin wurden 358 Gräber einer Nekropole entdeckt, mitsamt der darin enthaltenen Grabbeigaben. Offensichtlich war das Gebiet der Gemeinde Amyndeo spätestens seit dem 6. Jahrtausend vor Christus ständig bewohnt. Nordwestlich und westlich von Agios Pandelimomas auf dem Gebiet der Ortschaft Kella (Kelli) werden die Überreste der römischen Siedlung Cella (Cellae, Kella) vermutet, deren Position schriftlich überliefert ist. Diese Siedlung soll in römischer Zeit entstanden sein und hatte die Funktion einer Zwischenstation auf der Trasse der antiken Via Egnatia, welche nördlich des Petres-Sees von Byzanz über Thessaloniki nach Dyrrachium verlief. Eine Sicherung der Position der antiken Siedlung Kella durch Ausgrabungen ist bisher allerdings nicht erfolgt. Eine weitere antike Siedlung befand sich auf dem Berg Gradiska nördlich von Amyndeo und nordwestlich des Dorfes Petres sowie am südwestlichen Ufer des Petres-Sees. Die Überreste dieser Siedlung werden gegenwärtig ausgegraben.
Spätantike und Mittelalter Eordaia, und damit auch das Gemeindegebiet von Amyndeo, wurde unter dessen König Philipp II. Bestandteil des Königreiches Makedonien. Es blieb unter makedonischer Oberhoheit bis zur Niederlage des Königreichs Makedonien unter Perseus in der Schlacht von Pydna 168 v. Chr. gegen ein Heer des Römischen Reiches. Infolge der makedonischen Niederlage wurde die Landschaft Eordaia Bestandteil der römischen Provinz Macedonia und blieb dies bis zur Reichsteilung 395 n. Chr. Der Bau und Betrieb der Via Egnatia bescherte der Region Eordaia einen wichtigen Status, was sich in den antiken Siedlungen von Kella und Petres manifestierte. Nach Aufteilung des Römischen Reiches in einen West- und Ostteil 395 n. Chr. fiel das Gemeindegebiet von Amyndeo an das oströmische Reich, dem späteren byzantinischen Reich. Durch die Lage an der Via Egnatia hatte das Gebiet weiter hervorgehobene Bedeutung, da die Via Egnatia die in Süditalien gelegenen Reichsteile und die in Griechenland und in Kleinasien gelegenen Reichsteile verband. Die bisherige Bevölkerungsstruktur der Eordaia wurde ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. durch den Zuzug von Slawen dauerhaft verändert und in den folgenden Jahrhunderten mit dem bulgarischen Reich umkämpft.
Neuzeit Die Ortschaften Agios Pandelimonas, Petres und Kella sind offensichtlich durchgängig seit der Antike besiedelt. Im Gegensatz dazu entstand die Kleinstadt und zugleich der Gemeindesitz Amyndeo laut schriftlichen Quellen erst in der Mitte des 18. nachchristlichen Jahrhunderts. Bei Gründung dieser Siedlung sollen Familien aus den umliegenden Bergdörfern in die fruchtbare Ebene umgezogen sein. Die Bezeichnung der Ortschaft bzw. Siedlung zur damaligen Zeit war Sorovits bzw. Soroviç. Ende des 18. Jahrhunderts geriet die Siedlung an der Stelle des heutigen Amyndeo unter die Herrschaft von Ali Pascha Tepelena (Pascha von Ioannina). Ende des 19. Jahrhunderts wurde Sorovits als „Landgut“ (türk. çiftlik, griech. tsiflíki/τσιφλίκι) Rauf Pascha (griech. Reouf Pasa, türk. Rauf Paşa) übereignet.
Die Bevölkerungsstruktur der Gemeinde Amyndeo wandelte sich entsprechend dem Verlauf der Geschichte. Die Bevölkerung von Sorovits scheint überwiegend osmanischen Ursprungs gewesen zu sein; ein griechischer Bevölkerungsteil befand sich zum damaligen Zeitpunkt in der Minderheit. Sicher siedelten in Sorovits auch slawische Mazedonier bzw. Bulgaren.
1892 begann für Sorovits durch die Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Thessaloniki-Edessa-Florina-Monastir ein neues Zeitalter. Die Trasse verlief über Sorovits und schloss die Siedlung mittels eines Bahnhofes an die Bahnstrecke an. Beim Ilinden-Aufstand 1903 war Amyndeo (Sorovits) zweimal Ort von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Aufständischen und osmanischen Truppen. Am 7. August 1903 besiegen vier osmanische Bataillone mit Artillerie 1.700 bulgarische (damaliger Sprachgebrauch) Aufständische.Zeitungsartikel der britischen Zeitung The Times vom 8. August 1903, Seite 5. 150 Aufständische werden knapp eine Woche später in der Umgebung von Sorovits (Amyndeo) durch osmanische Truppen getötet.Zeitungsartikel der New York Times vom 13. August 1903. Der erste Balkankrieg 1912 bringt den Verlust der osmanischen Herrschaft über Sorovits mit sich: Es fällt nach heftigen Kämpfen an Griechenland. Die griechische Armee kann am 18. Oktober 1912 Sorovits erstmals erobern. Nur vier bis sechs Tage später gelingt den osmanischen Streitkräften eine Rückeroberung der Kleinstadt. Die erneut hergestellte osmanische Herrschaft währt allerdings nur knapp einen Monat: am 23. November 1912 wird Sorovits endgültig von griechischen Truppen eingenommen. Unter griechische Herrschaft wurde die Ortschaft mit einer Einwohnerzahl von mehr als 4.000 Stadtgemeinde (Dimos). Der erste Bürgermeister der Stadt war Grigorios Nikolaidis.
mini|Die Hauptstraße im Zentrum der Kleinstadt Amyndeo mini|Griechisch-Orthodoxe Kirche im Zentrum von Amyndeo
Erster Weltkrieg