mini|hochkant=1.3|Eingang zum Bergfriedhof Heidelberg in der Rohrbacher Straße mit Blick auf das Krematorium

Der Bergfriedhof Heidelberg ist einer der 17 Friedhöfe der Stadt Heidelberg. Der 1842 angelegte und 1844 eröffnete Bergfriedhof war der erste unter kommunaler Leitung geführte Friedhof der Stadt, zunächst genannt Friedhof an der Steige.Eichler, Horst: Heidelberg – Lernlandschaft Südliche Gaisbergscholle. Verlag Regionalkultur (Ubstadt-Weiher) 2017, S. 83 ff. Er liegt im Süden Heidelbergs auf einem nach Osten hin ansteigenden ehemaligen Weinberggelände am Nordende des Stadtteils Südstadt, er grenzt an die Weststadt und an den Gaisberg. Der Friedhof ist konfessionsübergreifend, ein Teil der Anlage ist auch als jüdischer Friedhof ausgewiesen. Auf einer Geländeterrasse südöstlich oberhalb des Bergfriedhofs wurde von 1933 bis 1935 der Heidelberger Ehrenfriedhof angelegt.

Auf dem Bergfriedhof wurde Reichspräsident Friedrich Ebert beigesetzt.

Anlage mini|Angegliedert im Süden des Friedhofsgeländes befindet sich der Jüdische Friedhof mit vielen neuen Belegungen in den letzten Jahren mini|Blick auf den Jüdischen Friedhof Heidelberg

Der Heidelberger Bergfriedhof erstreckt sich über eine nach Osten hin ansteigende, unregelmäßig begrenzte Fläche von 14,4 Hektar östlich der Rohrbacher Straße. Im Norden wird er von einer Bahnstrecke begrenzt, welche die Neckartalbahn mit dem ehemaligen Güter- und Rangierbahnhof der Stadt verband, im Nordosten von einem Taleinschnitt, durch den der Steigerweg bergan zieht, im Osten von Wald am recht steilen Hang, im Süden von Wohnbebauung an Görresstraße und Panoramastraße.

Der Haupteingang zum Friedhof ist an der Seite zur Rohrbacher Straße, woher ein gerader Weg nach Osten zum im Stil des Klassizismus errichteten Krematorium führt. Der Friedhof hat sechs weitere Eingänge, drei davon im Nordosten am Steigerweg. Durch die nördlichen beiden hiervon verkehrt vorwiegend der Friedhofs-Fuhrpark und sie dienen als Zufahrt zur Friedhofs-Verwaltung, die beide in Gebäuden im nordöstlichen Bereich untergebracht sind. Das Verwaltungsgebäude wurde in schlichtem, ländlichem Stil erbaut. Der obere der Eingänge am Steigerweg ist Zufahrt zur Leichenhalle und Anfahrtsweg zur Friedhofskapelle. Zwischen Kapelle und Krematorium verläuft der so genannte Professorenweg, an dem die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, ein Kriegerdenkmal und die Grabstellen von Universitätshonoratioren liegen.

Oben am hohen Hang im Südosten des Friedhofsgeländes befinden sich in der Waldabteilung, die über steile Wege mit Treppen und Sandsteinstufen erschlossen ist, viele über 100 Jahre alte Grabanlagen, oftmals geschmückt von mannshohen Granitfindlingen. In jüngerer Zeit werden in diesem Teil des Friedhofs auch Baumbestattungen durchgeführt. Die Namen der auf diese Art Bestatteten werden in Messingplättchen auf Sandsteinquadern eingraviert.

Im südlichen Teil des Geländes liegt der jüdische Friedhof, der wegen der speziellen religiösen Vorschriften separat verschlossen werden kann. Südlich des jüdischen Friedhofsbereichs wurde in den 1950er Jahren wegen großer Platznot noch die Abteilung W eingerichtet, die jüngste Abteilung des Friedhofs. An einem dort stehenden kleinen alten Sandsteinschuppen wurden Urnennischen eingebaut und eine schmiedeeiserne Tür als Zugang angebracht, er dient heute als Columbarium.

Der Friedhof umfasst insgesamt über 17.405 Grabstellen, das gesamte Wegenetz hat über 20 Kilometer Länge. Wegen der Weitläufigkeit der Anlage und der steilen Wege steht insbesondere für ältere und gehbehinderte Besucher seit geraumer Zeit ein Friedhofsmobil bereit.

Geschichte mini|Eingang zur Trauerhalle der 1842 erbauten Friedhofskapelle mini|Das Krematorium von 1891 ist das zweitälteste in Deutschland

Der Landschaftsarchitekt Johann Christian Metzger plante die heute fast 15 Hektar große Friedhofsanlage und hatte ab dem Jahre 1842 die Leitung bei der Ausführung. Im Jahr 1844 wurde der Friedhof eingeweiht. Johann Christian Metzger gelang es, indem er viele Wege entlang von Hangterrassen führte und das Gelände passend mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen bepflanzen ließ, der Friedhofsanlage ein „romantisches“ Gesamtbild zu verleihen, das sich harmonisch in die weitere landschaftliche Umgebung einfügt.

Die vor einer steilen Anhöhe des Bergrückens gelegene Friedhofskapelle wurde 1842 nach den Entwürfen des Heidelberger Stadtbaumeisters Heinrich Greif errichtet. Pilaster und Lisenen aus rotem Sandstein gliedern die Wände des Gebäudes. Auch Fensterleibungen und Gesimse sind in rotem Sandstein gearbeitet. Teilbereiche des Bauwerks sind verklinkert. Der Glockenstuhl auf dem Dach der Kapelle ist eine Holzkonstruktion. Das Portal der Kapelle ist mit mehrflügeligen, glasdurchbrochenen Eichentüren versehen und von einem Vordach aus Schmiedeeisen und Glas geschützt. Zum Berg hin, der Rückwand der Kapelle angegliedert, liegen Nutz- und Nebenräume der Kapelle und in einer Querachse die Leichenhalle mit ihren aneinander gereihten Einzelkammern. Die Friedhofskapelle und insbesondere ihre wichtigen Nebenbereiche wurden im Lauf der Zeit teilweise umgebaut, erweitert und in ihrer Wirtschaftlichkeit immer wieder dem jeweils zeitgemäßen technischen Stand angepasst. Bis in die frühen 1850er Jahre hinein läutete die Kapellenglocke zu jedem Begräbnis. Von der Bergseite der Kapelle her betrat dazu der Glöckner über eine Außentreppe das Glockengestühl.

Im Jahre 1891 ging auf dem Bergfriedhof das neu erbaute Krematorium in Betrieb, das zweitälteste Deutschlands nach dem Krematorium Gotha. In den Jahren 1990/91 wurde es grundlegend modernisiert. Die Einäscherungen werden in technisch hochmodernen Elektroöfen durchgeführt. Im Jahre 2000 baute man neu eine emissionsreduzierende Filteranlage ein.

Der jüdische Friedhof mit seinen historisch bedeutenden Grabanlagen wird bis heute belegt.

Wie an vielen anderen Orten gibt es auch auf dem Bergfriedhof Heidelberg seit 2005 ein sogenanntes „Schmetterlingsgrab für stillgeborene Kinder“ (Frühchen unter 500 g), für die in Baden-Württemberg ein Bestattungsrecht besteht. Hier finden Eltern einen stillen Ort der Trauer.

Am 13. Mai 2006 wurde eine Gedenkstätte für an AIDS Verstorbene eingeweiht (siehe unten).

Seit einigen Jahren werden kunsthistorisch bedeutende und erhaltungswürdige Grabanlagen im Rahmen eines Denkmalschutz-Konzeptes neu belegt. Durch Übernahme einer Grabpatenschaft erwerben dabei Interessenten ein Belegungsrecht. Weil die Errichtungszeiten der so weitergenutzten Grabanlagen sich über den langen Zeitraum von rund 150 Jahren seit der Eröffnung der Friedhofsanlage erstrecken, ist jedes der Patenschafts-Gräber einzigartig.

mini|hochkant|Skulptur aus Marmor: Morpheus (mit Kapseln des Schlafmohns in der Hand) in weiblicher Engelsgestalt

Lagepläne

Denkmale mini|hochkant|Denkmal Deutsch-Französischer Krieg

Denkmale erinnern an die Opfer der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, an die während des Holocausts vernichtete Jüdische Gemeinde in Heidelberg, an die Widerstandsgruppe des sogenannten Goerdeler-Kreises um Karl Friedrich Goerdeler, und an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. An der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus wird an 27 antifaschistische Widerstandskämpfer erinnert., Website des Vereins VIA MONUMENTUM

Liste bedeutender auf dem Bergfriedhof bestatteter Personen Zu den vielen Persönlichkeiten, die auf dem Heidelberger Bergfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, zählen der Reichspräsident Friedrich Ebert, der Dirigent und Komponist Wilhelm Furtwängler, der Dichter und Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf, die Chemiker und Forscher Robert Bunsen und Carl Bosch, der Chirurg und Krebsforscher Vincenz Czerny, der Astronom Max Wolf, der Anthropologe und Prähistoriker Otto Schoetensack, der Dichter und Übersetzer Johann Heinrich Voß, der Theologe Martin Dibelius, der Erfinder Felix Wankel, der Rechtsphilosoph Gustav Radbruch, der Staats- und Völkerrechtler Georg Jellinek, der Rechtswissenschaftler Oskar von Bülow, der Soziologe Max Weber, der Priester Alfons Beil, die Dichterin Hilde Domin und viele weitere (siehe Liste unten).

Lage der Gräber mini|Mausoleum der Familie Bartholomae mini|Grab von Robert Wilhelm Bunsen mini|hochkant|Grab von Vincenz Czerny mini|Friedrich-Ebert-Gedenkstätte mini|Grab von Wilhelm Furtwängler mini|Ehrengrab Hilde Domin (Abt. WA) am Steigerweg

A–B Gerhard Anschütz (1867–1948), Rechtswissenschaftler (Abt. G) Friedrich Arnold (1803–1890), Anatom, Professor in Heidelberg (Abt. F) Julius Arnold (1835–1915), Pathologe, Professor in Heidelberg (Abt. F) Marie Baum (1874–1964), Sozialpolitikerin (Abt. WB) Alfons Beil (1896–1997), katholischer Priester und Autor Richard Benz (1884–1966), Kulturhistoriker, Honorarprofessor in Heidelberg (Abt. E) Carl Ludwig Blum (1796–1869), Historiker und Geograph (Abt. B) Wilhelm Blum (1831–1904), Politiker und Ehrenbürger von Heidelberg (Abt. B) Johann Caspar Bluntschli (1808–1881), Rechtswissenschaftler, Professor in Heidelberg (Abt. D) Peer Bork (1963–2026), Bioinformatiker, Direktor des EMBL Heidelberg (Abt. X) Heinrich Bornkamm (1901–1977), Theologe, Professor in Heidelberg Carl Bosch (1874–1940), Chemiker, Nobelpreisträger (Abt. WB) Hermann Braus (1868–1924), Mediziner und Anatom Winfried Brugger (1950–2010), Rechtswissenschaftler, Professor in Heidelberg (Abt. D) Julius Wilhelm Brühl (1850–1911), Chemiker, Professor in Heidelberg (Abt. R) Hermann Karl Robert Buddensieg (1893–1976), deutscher Schriftsteller Robert Wilhelm Bunsen (1811–1899), Chemiker, Professor in Heidelberg (Abt. V) Oskar von Bülow (1837–1907), Rechtswissenschaftler (Abt. Z) C–D Moritz Cantor (1829–1920), Mathematikhistoriker, Honorarprofessor in Heidelberg (Abt. Q) Maximilian Joseph von Chelius (1794–1876), Augenarzt und Chirurg, Professor in Heidelberg, Ehrenbürger von Heidelberg (Abt. H neu) Julius Curtius (1877–1948), Jurist, Reichsaußen- und -wirtschaftsminister (Abt. B) Theodor Curtius (1857–1928), Chemiker, Professor in Heidelberg (Abt. WA) Vincenz Czerny (1842–1916), Chirurg, Professor in Heidelberg (Abt. T) Herbert Derwein (1893–1961), Historiker, Leiter des Heidelberger Stadtarchivs (Abt. J) Martin Dibelius (1883–1947), Theologe, Professor in Heidelberg (Abt. D) Albrecht Dieterich (1866–1908), Philologe, Professor in Heidelberg (Abt. Y) Hilde Domin (1909–2006), Schriftstellerin (Abt. WA) Friedrich von Duhn (1851–1930), Archäologe, Professor in Heidelberg (Abt. O) Alexander von Dusch (1789–1876), badischer Außenminister (Abt. E) E–F Friedrich Ebert (1850–1914), Architekt (Abt. X) Friedrich Ebert (1871–1925), Reichspräsident (Abt. V neu) Louise Ebert (1873–1955), Ehefrau von Friedrich Ebert August Eisenlohr (1832–1902), Ägyptologe, Honorarprofessor in Heidelberg (Abt. G) Friedrich Eisenlohr (1831–1904), Mathematiker, Professor in Heidelberg (Abt. G) Friedrich Endemann (1857–1936), Jurist, Professor in Heidelberg (Abt. WB) Wilhelm Heinrich Erb (1840–1921), Neurologe, Professor in Heidelberg (Abt. R) Hans Gerhard Evers (1900–1993), Kunsthistoriker (Abt. V neu) Kuno Fischer (1824–1907), Philosoph, Professor in Heidelberg (Abt. D) Albert Fraenkel (1864–1938), Arzt, Professor in Heidelberg (Abt. G) Nikolaus Friedreich (1825–1882), Pathologe, Professor in Heidelberg (Abt. D) Ernst Fries (1801–1833), Landschaftsmaler (Abt. E) Wilhelm Furtwängler (1886–1954), Dirigent und Komponist, Ehrenbürger von Mannheim (Abt. R) G–H Karl Geiler (1878–1953), Rechtswissenschaftler, Rektor der Uni Heidelberg (Abt. K) Georg Gottfried Gervinus (1805–1871), Historiker, Professor in Heidelberg (Abt. H) Leopold Gmelin (1788–1853), Chemiker, Professor in Heidelberg (Abt. E) Victor Mordechai Goldschmidt (1853–1933), Mineraloge, Professor in Heidelberg (Abt. S) Eberhard Gothein (1853–1923), Nationalökonom, Professor in Heidelberg (Abt. V neu)