Die Nokia Corporation (finnisch: Nokia Oyj [] schwedisch: Nokia Abp, auch Nokia genannt) ist ein finnischer multinationaler Konzern für Telekommunikations- und Informationstechnologie, der 1865 gegründet wurde. Der Hauptsitz von Nokia befindet sich in Espoo, im Großraum Helsinki, aber die eigentlichen Wurzeln des Unternehmens liegen in der Region Tampere in Pirkanmaa. (finnisch). Im Jahr 2020 beschäftigte Nokia rund 92.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern, war in mehr als 130 Ländern tätig und erzielte 2025 einen Jahresumsatz von rund 19 Milliarden Euro. Nokia ist eine Aktiengesellschaft, die an der Nasdaq Helsinki und der New York Stock Exchange notiert ist. Laut Fortune Global 500 war das Unternehmen gemessen am Umsatz 2016 das 415. größte Unternehmen der Welt und belegte 2009 den 85. Platz. Das Unternehmen war bis 2025 Bestandteil des Börsenindex Euro Stoxx 50.

Das Unternehmen war in seiner über 150-jährigen Geschichte in verschiedenen Branchen tätig. 1865 als Zellstofffabrik und Holzstoffhersteller gegründet, war es lange Zeit mit Gummi und Kabeln verbunden, bevor man sich ab den 1970er-Jahren zu einem Mischkonzern und Telekommunikationsunternehmen wandelte. Nokia leistete einen bedeutenden Beitrag zur Mobilfunkindustrie und war an der Entwicklung der GSM-, 3G- und LTE-Standards beteiligt. Zwischen 1998 und 2011 war Nokia der weltweit größte Anbieter von Mobiltelefonen und Smartphones.Microsoft kauft Nokias Smartphone-Geschäft.Vom Handy-Marktführer zum Smartphone-Nachzügler. Kleine Zeitung, 3. September 2013, abgerufen am 7. Juli 2015. Auf seinem Höhepunkt im Jahr 2000 machte Nokia 4 % des finnischen BIP, 21 % der gesamten Exporte des Landes und 70 % des Marktkapitals des Nasdaq Helsinki aus.

Nachdem 2007 das iPhone und ein Jahr später das erste Android Phone auf den Markt gekommen waren, musste Nokia auch aufgrund einer Reihe schlechter Managemententscheidungen bald einen drastischen Rückgang seines Anteils am Mobiltelefonmarkt hinnehmen. Anfang 2011 versuchte man durch eine Partnerschaft mit Microsoft für das Betriebssystem Windows Phone die Trendwende.Nokia und Microsoft verbünden sich zeit.de, 11. Februar 2011 Die Partnerschaft endete 2014 mit dem Verkauf der Nokia-Mobiltelefonsparte an Microsoft. Dort wurde sie in Microsoft Mobile eingegliedert. Microsoft beendete die Produktion seiner Lumia-Reihe schließlich im Jahr 2016. Nur ein Jahr später kehrte die Marke Nokia allerdings auf den Handy- und Smartphone-Markt zurück. Der finnische Elektronikhersteller HMD Global bietet im Rahmen einer Lizenzvereinbarung Smartphones und Feature-Phones unter der Marke Nokia an, die unter anderem auf Android basieren und von Foxconn produziert werden. Im März 2024 wurde bekannt, dass künftig keine Geräte mehr unter dem Namen Nokia gebaut werden. Vielmehr sollen sie unter dem eigenen Markennamen HMD verkauft werden.HMD global Founded to Create New Generation of Nokia-branded Mobile Phones and Tablets prnewswire.com, 18. Mai 2016Microsoft verkauft Feature-Phone-Geschäft für 350 Millionen Dollar an Foxconn zdnet.de, 18. Mai 2016 Darüber hinaus lizenziert Nokia die Rechte an seiner Marke für andere Consumer-Produkte an diverse Unternehmen. Auf diese Weise sind bereits Fernseher, Set-Top-Boxen, Laptops und Kopfhörer erschienen.

Unter anderem mit der kompletten Übernahme des bisher zu 49 % Siemens gehörenden Joint Venture Nokia Siemens Networks begann Nokia selbst ab den 2010er-Jahren, sich wieder stärker auf sein Telekommunikationsinfrastrukturgeschäft zu konzentrieren. Teil dieses Kurses waren auch die Veräußerung des Kartendiensts Here-Maps und die Übernahme von Alcatel-Lucent im Jahr 2016. 2018 stieg Nokia zum weltweit größten Netzwerkausrüster vor Ericsson, Huawei und ZTE auf. Das Unternehmen betreibt mit den Nokia Bell Labs eine der bedeutendsten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Welt, deren Mitarbeiter bereits neun Nobelpreise gewonnen haben. Darüber hinaus ist Nokia weiterhin ein wichtiger Patentlizenzgeber für nahezu alle großen Mobiltelefonhersteller.

Geschäftsfelder Seit Beginn der 2020er-Jahre ist Nokia in vier Geschäftsfelder aufgeteilt, die von den Nokia Bell Labs bei Forschung und Entwicklung unterstützt werden:

Mobile Networks Mobile Networks entwickelt Technologien, die es Dienstanbietern, der Industrie und dem öffentlichen Sektor ermöglichen, kritische Mobilfunk-Netzwerke zu schaffen. Das Portfolio von Mobile Networks umfasst RAN- und MWR-Produkte, zugehörige Netzmanagementlösungen sowie Netzplanung und -optimierung, Netzeinführung und technische Supportleistungen. So demonstrierte Nokia Mobile Networks schon im Januar 2018 mit dem Schweizer Telekommunikationsanbieter Salt Mobile die Leistungsfähigkeit des 5G-Netzes und liefert 2019 u. a. die 5G-Netzinfrastruktur für Salt Mobile; seit Juli 2020 ist Nokia jedoch nicht mehr alleiniger Lieferant für Salt Mobile.

Network Infrastructure Network Infrastructure arbeitet zusammen mit Unternehmen und Behörden an Technologien für kritische Netze. Diese Netze unterstützen Verbraucher, Unternehmen und Webscaler. So werden zum Beispiel Dienste für etablierte Telekommunikationsbetreiber angeboten, um eine neue Welle der industriellen Digitalisierung zu ermöglichen.

Cloud and Network Services CNS entwickelt Lösungen zur Umstellung von Kommunikationsdienstleistern (CSPs) und Unternehmen auf Cloud-native Software und As-a-Service-Geschäfte sowie Core-Netzwerke.

Nokia Technologies Nokia Technologies erfindet und vermarktet Technologien, die intelligente Geräte verbessern und neue Benutzererfahrungen bieten. Dabei wird mit Geräteherstellern in Lizenzverfahren zusammengearbeitet, um ihnen zu ermöglichen, von Nokia entwickelte Technologien in ihre Produkte zu integrieren.

Unternehmensgeschichte 1865 bis 1966: Gründerjahre und Diversifizierung mini|Fahrrad von Nokia mini|hochkant|Fahrradwinterreifen von Nokia

Das Unternehmen wurde 1865 von dem Ingenieur Fredrik Idestam (1838–1916) in Tampere im Südwesten Finnlands gegründet und stellte anfangs Papiererzeugnisse her, die nach Russland und Großbritannien exportiert wurden. 1868 eröffnete Idestam ein Zweitwerk in der unweit westlich gelegenen Stadt Nokia. Die Nokia Aktiebolag wurde 1871 zusammen mit Idestams Studienfreund Leo Mechelin (1839–1914) gegründet. Die folgenden Jahre der Firmengeschichte waren geprägt von Unternehmenszukäufen, wodurch sich Nokia zu einem Mischkonzern wandelte. Mechelin war von 1898 bis 1914 Geschäftsführer und leitete die Diversifikation des Unternehmens in Richtung Stromerzeugung ein. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts produzierte das Unternehmen vor allem Gebrauchsgegenstände wie Gummistiefel und Radmäntel für Rollstühle. Noch heute prangt der Name Nokia auf vielen Fahrradreifen, sie werden allerdings nicht mehr vom Unternehmen produziert, sondern von Nokian Tyres, einem – ebenfalls am Ort ansässigen – einstigen Tochterunternehmen von Nokia.

1967 bis 1980: Fusion und Entwicklung zum Mischkonzern mini|Toilettenpapier von Nokia Die Nokia Corporation (Nokia Oyj) entstand 1967 durch den Zusammenschluss der Nokia Aktiebolag – der ursprünglichen Papierfabrik – mit den Suomen Gummitehdas (Finnische Gummi-Werke) und den Suomen Kaapelitehdas (Finnische Kabelwerke). Die drei finnischen Firmen waren bereits seit den 1910er-Jahren durch gegenseitige Aufkäufe miteinander verbunden und seit 1922 in einer Hand, nachdem die Suomen Gummitehdas bereits 1918 Nokia Ab und 1922 die Suomen Kaapelitehdas aufgekauft hatte.The rise, dominance, and epic fall – a brief look at Nokia's history In: gsmarena.com, 12. August 2015 Trotzdem blieben die Firmen aufgrund der damaligen Gesetzeslage separat bestehen.

Mit der Fusion wurde der Grundstein für das künftige Technologieunternehmen gelegt, wenngleich die vier Geschäftsbereiche des Konzerns zunächst noch aus Papier, Elektronik, Gummi und Kabel bestanden. Aus den ehemaligen Gummi-Werken entwickelte sich unter anderem der Reifenhersteller Nokian Tyres, den Nokia 1988 zunächst abspaltete, 1995 in Helsinki an die Börse brachte und 2003 an Bridgestone verkaufte.

hochkant|mini|Militärfunkgerät von Nokia mini|Nokia Mikko 3 Minicomputer, 1978 1975 ging Nokia mit dem finnischen Elektronikhersteller Salora ein Joint Venture über Radiogeräte ein. Daraus wurde 1979 die Mobira Oy. 1982 erwarb Nokia den Salora-Anteil und nannte die Geschäftseinheit Nokia-Mobira Oy, bis sie 1989 in Nokia Mobile Phones umbenannt wurde. Auch der ehemalige Partner Salora wurde sukzessive bis 1989 von Nokia übernommen.

Bereits 1984 hatte Nokia den schwedischen TV-Hersteller Luxor und 1987 den französischen TV-Gerätebauer Oceanic gekauft. 1988 folgte die Übernahme des Bereichs Audio-Video-Elektronik der ehemaligen ITT-Tochter Standard Elektrik Lorenz (SEL) mit ca. 8.000 Beschäftigten und etwa 1,5 Milliarden DM Umsatz unter den Markennamen ITT Schaub-Lorenz und Graetz.Ein neuer Riese in der Unterhaltungselektronik entsteht. Der finnische Nokia-Konzern übernimmt die deutsche SEL. In: Spiegel Online, 21. Dezember 1987, abgerufen am 30. März 2018. Mit Hauptstandort in Pforzheim firmierte der Bereich ab 2. Februar 1988 als Nokia-Graetz GmbH und vertrieb noch einige Jahre vor allem Farbfernsehgeräte, Videorecorder und Verstärker unter der Marke ITT Nokia, bis der finnische Mutterkonzern das Geschäft mit Unterhaltungselektronik aufgab, um sich ganz auf Mobiltelefone zu konzentrieren.

1981 bis 1997: Expansion und Aufstieg als Technologieunternehmen mini|hochkant|Jorma Ollila, CEO von 1992 bis 2006 1981 erhielt Skandinavien sein erstes Mobilfunknetz NMT. Nokia stellte ab 1982 mit dem Mobira Senator, das fast 10 Kilogramm wog, die ersten tragbaren Autotelefone für dieses Netz her. Die Nokia-Geschäftsführung hatte die Mobiltelefonsparte anfangs noch als Spielerei angesehen. 1987 folgte aus dem Hause Nokia das erste wirklich tragbare Mobilfunktelefon, das Mobira Cityman 900.

Mitte der 1980er-Jahre beschäftigte Nokia in hundert Tochtergesellschaften rund 30.000 Mitarbeiter und generierte einen Umsatz von umgerechnet fünf Milliarden D-Mark.Karl-Heinz Büschemann: Die furchtlosen Finnen. In: Die Zeit, 29. Januar 1988, abgerufen am 30. März 2018 Nachdem 1987 der GSM-Standard eingeführt worden war, präsentierte Nokia 1992 das Nokia 1011, ein fast 500 Gramm schweres Mobiltelefon.

Zwischen 1981 und 1987 brachte Nokia unter dem Namen MikroMikko eine Reihe von Mikrocomputern und Laptops auf den Markt. Im Jahr 1988 kaufte Nokia das PC-Geschäft von Ericsson Information SystemsEricsson verkauft DV-Abteilung an Nokia. In: Computerwoche, 29. Januar 1988, abgerufen am 30. März 2018 und verschmolz es mit der bisherigen Abteilung zu Nokia Data mit Sitz in Stockholm. Allerdings wurde die PC-Sparte 1991 wieder an die britische International Computers Limited (ICL) verkauft,Finnen verkaufen Computersparte an Fujitsu-Tochter. In: Computerwoche, 7. Juni 1991, abgerufen am 30. März 2018. die ihrerseits 1990 wiederum von Fujitsu aufgekauft wurde, woraus 1999 zusammen mit Siemens Fujitsu Siemens Computers entstand.

In Deutschland übernahm die Nokia-Graetz GmbH im März 1988 mit dem Audio-Video-Bereich der Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) und deren 8.000 Mitarbeitern auch die Marke Schaub Lorenz, die 1955 von den SEL-Vorgängern C. Lorenz AG aus Berlin und der von ihr 1940 übernommenen G. Schaub Apparatebau aus Pforzheim eingeführt worden war. Zu der Übernahme gehörten auch die Werke des Unternehmens Graetz in Bochum (TV-Produktion), ein Holzwerk in Geroldsgrün sowie das Bildröhrenwerk in Esslingen am Neckar. Aus der Fabrikationsstätte in Bochum wurde das Nokia-Werk Bochum, wo die Nokia Unterhaltungselektronik (Deutschland) GmbH zunächst Fernsehgeräte und SAT-Empfänger weiterbaute und ab 1989 Mobiltelefone produzierte. Außerdem wurde durch den Kauf der Philips Kommunikations Industrie GmbH das Portfolio auf Glasfaserkabel ausgeweitet.

1998 bis 2008: Internationaler Erfolg mit Mobiltelefonen mini|Eine d-box 1 (digitaler Sat-Receiver) von Nokia