mini|Edmund Allenby (1917) Edmund Henry Hynman Allenby, 1. Viscount Allenby GCB, GCMG, GCVO (* 23. April 1861 in Brackenhurst Hall, Nottinghamshire; † 14. Mai 1936 in London) war ein britischer Feldmarschall und bedeutender Militärführer im Ersten Weltkrieg. Als Oberbefehlshaber im Nahen Osten führte er 1917/18 an der Palästinafront erfolgreiche Offensiven gegen das Osmanische Reich und nahm unter anderem Jerusalem ein. Nach dem Krieg war er britischer Hochkommissar für Ägypten und spielte eine wichtige Rolle bei dessen formeller Unabhängigkeit 1922.

Leben Edmund Allenby besuchte zunächst das Haileybury and Imperial Service College. Nachdem zwei Versuche, die Aufnahmeprüfung für den Indian Civil Service zu bestehen, gescheitert waren, bestand er die Prüfung für das Royal Military College in Sandhurst. Zwischen 1884 und 1890 war er in Betschuanaland (Botswana) und Zululand stationiert. Danach kehrte er mit seinem Kavallerieregiment ins Vereinigte Königreich zurück. Dort besuchte er den Stabsoffizierslehrgang am Staff College Camberley und war anschließend einige Zeit in Irland stationiert.

mini|Gedenkstein für den gefallenen Michael Allenby, Stiftung seiner Tante Florence Downes im 1934 eingeweihten Allenby Garden in Haifa Am 30. Dezember 1896 heiratete er Adelaide Mabel Chapman, die Tochter eines Gutsbesitzers aus Wiltshire. Mit ihr hatte er seinen Sohn Horace Michael Hynman Allenby (1898–1917).

Burenkrieg Allenby nahm am Zweiten Burenkrieg (1899 bis 1902) als Kommandeur von Kavallerieeinheiten teil. Zunächst als stellvertretender Bataillonskommandeur, dann als Chef einer Kavallerieschwadron war er an der Verteidigung der nördlichen Grenze der Kapkolonie beteiligt. Auch an der Befreiung der belagerten Stadt Kimberley nahm er teil. Dabei machte er die Bekanntschaft von Cecil Rhodes. Später war seine Einheit an der Eroberung von Bloemfontein, Johannesburg und Pretoria beteiligt.

Während des folgenden Guerilla-Krieges war Allenby dann Kommandeur einer gemischten Kolonne, die trotz erheblicher Belastungen bis Kriegsende im Einsatz war. Zu diesem Zeitpunkt hatte er den Rang eines Obersts erreicht.

Am 10. September 1909 wurde Allenby zum Major-General befördert und aufgrund seiner umfangreichen Kavallerieerfahrung am 25. April 1910 zum Kavallerieinspektor ernannt. In diesem Amt machte er sich wegen seiner brüsken Manieren und seiner Pedanterie wenige Freunde. Er erhielt – auch aufgrund seiner Statur – den Spitznamen „der Bulle“. Ab 1912 war er Colonel of the Regiment der 5th (Royal Irish) Lancers.

Erster Weltkrieg

Westfront Im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) führte Generalmajor Allenby zunächst die Kavalleriedivision an der Westfront, die nach der Schlacht bei Mons den Rückzug der British Expeditionary Force zur Marne deckte. Er wurde am 10. Oktober 1914 zum Lieutenant-General befördert und befehligte das Kavalleriekorps in der Ersten Flandernschlacht. Während der Zweiten Flandernschlacht wurde er am 6. Mai 1915 zum Kommandeur des V Corps ernannt. Im Oktober 1915 stieg er zum Befehlshaber der 3. Armee an der Westfront auf.

Ein ständiges Problem waren Allenbys andauernde Differenzen mit Feldmarschall Douglas Haig über taktische Fragen. Nachdem es seinen Truppen in der Schlacht bei Arras 1917 nicht gelungen war, einen Durchbruch auszunutzen, wurde er durch Julian Byng als Armeekommandeur ersetzt.

Palästinafront mini|Allenby zieht im Dezember 1917 durch das Jaffa-Tor in Jerusalem ein. Am 28. Juni 1917 wurde Allenby zum Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Ägypten, der Egyptian Expeditionary Force (EEF), ernannt und begann mit einer erfolgreichen Offensive gegen die Osmanische Armee an der Palästinafront. Der letzte erfolgreiche Kavallerieangriff der Geschichte wurde am 31. Oktober 1917 unter Allenby von der australischen 4th Light Horse Brigade und der britischen 5th Mounted Brigade bei der Eroberung von Be’er Scheva geführt. Am 7. November nahm er Gaza ein, das von den deutschen Befehlshabern der osmanischen Truppen stark befestigt worden war. Daraufhin brach der osmanische Widerstand zusammen und Allenby konnte am 16. November Jaffa erobern.

Am 9. Dezember nahm Allenby, nach der Schlacht um Jerusalem, die religiös wichtige Stadt ein und brachte den Osmanen in der arabischen Welt einen schweren Prestigeverlust bei. Beim Einmarsch in die Altstadt bestand er darauf, zu Fuß zu gehen, um seine Ehrfurcht zu demonstrieren. Die britische Presse veröffentlichte eine Karikatur, in der König Richard Löwenherz – dem die Eroberung Jerusalems selbst misslungen war – aus dem Himmel auf Jerusalem herunterblickt und sagt: „Der letzte Kreuzzug. Mein Traum wird wahr!“Andrew Curry: The First Holy War. In: U.S. News and World Report, 8. April 2002. Berichten zufolge soll Allenby beim Einzug in die Stadt bemerkt haben: „Erst jetzt sind die Kreuzzüge beendet.“Jonathan Phillips: Holy Warriors. A modern History of the Crusades. Bodley Head, London 2009, ISBN 978-0-224-07937-2, S. 327–331. Angesichts der panislamischen Propaganda der Osmanen, die 1914 zum Dschihad gegen die Alliierten aufgerufen hatten, riet Allenby jedoch selbst von der Verwendung der Kreuzzugsmetapher ab, verbot seinen Presseoffizieren die Verwendung der Begriffe „Kreuzzug“ und „Kreuzfahrer“ in ihren Pressemitteilungen und betonte stets, dass er lediglich gegen das Osmanische Reich und nicht gegen den Islam kämpfe. Allenby erklärte: „Die Bedeutung Jerusalems lag in seiner strategischen Lage; dieser Feldzug war nicht religiös motiviert.“

Mitte Januar 1918 verlegte Allenby sein Hauptquartier von Kelab, etwa drei Kilometer südwestlich von Chan Yunis, ins Schulgebäude des Syrischen Waisenhauses in Bir Salem. Dort suchte ihn am 3. April 1918 Chaim Weizmann mit einer zionistischen Delegation auf, um nach drei Tagen des Antichambrierens Palästina als Staat für das jüdische Volk zu fordern.Barnet Litvinoff (Hrsg.): The Letters and Papers of Chaim Weizmann. Transactions Books, Rutgers University, New Brunswick NJ 1984, ISBN 0-87855-297-9 / Israel Universities Press, Jerusalem 1984, ISBN 965-07-0003-X, Band 2: December 1931 − April 1952, S. 266. Allenby erwiderte, dass seine Aufgabe Kriegführung und Eroberung sei, für Politik und Staatsgeschäfte sei London zuständig.

Allenbys Truppen hatten die Küstenebene bis nördlich Tel Avivs und östlich Petach Tikwas eingenommen. Allenbys Hauptquartier wurde eines der meist fotografierten Ziele der Luftaufklärung der bayerischen Fliegerabteilung 304.Zu den Luftbildern der Luftaufklärung siehe Benjamin Ze'ev Kedar () und Moscheh Milner (, Photos), (Mabaṭ ṿe-ʻod mabaṭ ʻal Erets-Yiśraʼel: tatslume-aṿir mi-yeme Milḥemet ha-ʻOlam ha-Rishonah mul tatslumim bene zemanenu), (Yad Yitsḥaḳ Ben-Tsevi) und (Miśrad ha-biṭaḥon), Jerusalem / Tel Aviv 1991, ISBN 965-05-0586-5.

Die deutsche Frühjahrsoffensive an der Westfront führte dazu, dass Allenby nach dem gescheiterten Versuch seiner Truppen, Amman im März und April 1918 einzunehmen, ohne Verstärkung dastand. Er stoppte die Offensive im Frühjahr 1918 und musste 60.000 Mann an die Westfront entsenden. In dieser Zeit unterstützte Allenby Lawrence von Arabien, der die Araber auf die Seite der Briten zog, in erheblichem Umfange finanziell.

Neue Truppen aus dem Britischen Empire (insbesondere aus Australien, Neuseeland, Indien und Südafrika) ermöglichten die Wiederaufnahme der Operationen im August 1918.Barnet Litvinoff (Hrsg.): The Letters and Papers of Chaim Weizmann. Transactions Books, Rutgers University, New Brunswick NJ 1983, ISBN 0-87855-297-9 / Israel Universities Press, Jerusalem 1983, ISBN 965-07-0003-X; Band 1: August 1898 – July 1931, S. 172, Fußnote 1. Nach einer Reihe von Täuschungsmanövern wurde die osmanische Linie in der Schlacht von Megiddo (19.–21. September 1918) durchbrochen, und die alliierte Kavallerie durchbrach die Lücke und blockierte den türkischen Rückzug. Dabei wurden zwei osmanische Armeen fast vollständig vernichtet. Allenby rückte in beeindruckendem Tempo vor: Die Kavallerie legte bis zu 96 Kilometer in 55 Stunden zurück, die Infanterie kämpfte sich 32 Kilometer pro Tag voran und stieß dabei auf minimalen Widerstand. Damaskus fiel am 1. Oktober 1918, Homs am 16. Oktober und Aleppo am 25. Oktober. Angesichts der drohenden Invasion Kleinasiens kapitulierte das Osmanische Reich am 30. Oktober 1918 mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Mudros.

Nachkriegszeit Nach der osmanischen Kapitulation wurde Allenby zum Feldmarschall ernannt und als Viscount Allenby, of Megiddo and of Felixstowe in der Grafschaft Suffolk zum Peer erhoben (7. Oktober 1919).

Von 1919 bis 1925 war Allenby als Nachfolger Reginald Wingates der britische Hochkommissar im Sultanat Ägypten. Hier hatte er die nationalistischen Unruhen und Streiks für eine Unabhängigkeit des Landes zu bekämpfen. Allenby setzte gegenüber der britischen Regierung die Entlassung Ägyptens in die Unabhängigkeit durch, sicherte aber gleichzeitig den weiteren Einfluss Großbritanniens. So blieben u. a. weiterhin britische Truppen im Land stationiert; vor allem kontrollierte Großbritannien weiterhin den Suezkanal.Dietrich Rauschning: Der Streit um den Suezkanal. Analyse, Materialien, Bibliographie. Forschungsstelle für Völkerrecht und ausländisches öffentliches Recht der Universität Hamburg, Hamburg 1956.

1925 schied er aus dem aktiven Dienst aus. Allenby starb 1936 in London. Er wurde eingeäschert, seine Urne in der Westminster Abbey neben der Lord Plumers beigesetzt.

Da sein einziger Sohn bereits 1917 als Soldat an der Westfront gefallen war, erbte sein Neffe Dudley Allenby seinen Adelstitel.

Sonstiges Die Allenby-Brücke, die den Fluss Jordan überspannt und Jericho in der West Bank mit dem Königreich Jordanien verbindet, ist nach ihm benannt, da die historisch originale Brücke 1918 in seinem Auftrag gebaut wurde.

In David Leans Filmklassiker Lawrence von Arabien (1962) wurde Allenby von Jack Hawkins gespielt.

Das größte Jahresfest in Port Said ist ein al-Limbi genannter, Karneval-ähnlicher Umzug im Frühjahr am ersten Montag nach dem koptischen Osterfest. Der Name ist von Allenby abgeleitet, der als eine verhasste Symbolfigur des Kolonialismus in Form einer mit Stoffresten bekleideten Strohpuppe nachts durch die Straßen getragen und nach Mitternacht schließlich auf einem Scheiterhaufen verbrannt wird.Gabriele Braune: Das Ḍamma und Simsimiyya-Repertoire in Port Saʿīd. In: Rüdiger Schumacher (Hrsg.): Von der Vielfalt musikalischer Kultur. Festschrift für Josef Kuckertz. Ursula Müller-Speiser, Anif/Salzburg 1992, S. 99.

Literatur Lawrence James: Imperial warrior: the life and times of Field-Marshal Viscount Allenby 1861–1936. Weidenfeld and Nicolson, London 1993, ISBN 0-297-81152-5. The Palestine News (Hrsg.): A brief record of the advance of the Egyptian expeditionary force under the command of General Sir Edmund H. H. Allenby, G. C. B., G. C. M. B. July 1917 to October 1918. Government Press and Survey of Egypt, Kairo 1919,

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Viscount Allenby Kategorie:Generalkonsul und Hochkommissar für Ägypten Kategorie:Person im Zweiten Burenkrieg Kategorie:Befehlshaber im Ersten Weltkrieg (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Feldmarschall (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Oberbefehlshaber einer Armee (British Army) Kategorie:Kommandierender General eines Korps (British Army) Kategorie:Absolvent des Staff College Camberley Kategorie:Mitglied des House of Lords Kategorie:Rektor einer Universität Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Knight Grand Cross des Order of the Bath Kategorie:Knight Grand Cross des Royal Victorian Order Kategorie:Knight Grand Cross des Order of St. Michael and St. George Kategorie:Träger des Ordens der Aufgehenden Sonne Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1861 Kategorie:Gestorben 1936 Kategorie:Mann