Mit Sutrenübersetzer sind diejenigen Übersetzer bezeichnet, die den chinesischen buddhistischen Kanon (三蔵, San-zangHauptquelle: Anhang II zum Kanonkatalog Nanjō Bun'yus, der sich auf traditionelle hagiographische Darstellungen stützt. A Catalogue of the Chinese Translations of the Buddhist Tripitaka …, Oxford 1883. Reprint: San Francisco 1975.) zusammengetragen haben. „Übersetzen“ bzw. „übertragen“ heißt in diesem Zusammenhang „ins Chinesische“, wobei die Ursprungssprache der Texte oft, jedoch nicht immer, Sanskrit war. Dabei handelt es sich nicht um wörtliche, sondern eher freie Wiedergaben der Urtexte, was sich unter anderem aus den starken grammatikalischen und syntaktischen Unterschieden der Sprachen erklärt.Da sich die biographischen Daten, auf die im Kanon selbst auffindbaren, oft hagiographischen, Angaben stützen, ist deren Historizität manchmal zweifelhaft. In einigen Fällen wurde auch apokryphen in China entstandenen Sutren, um ihnen den Anstrich der Originalität zu verleihen, ein „Übersetzer“ zugeordnet. Vom Blickwinkel des alten China aus gesehen handelte es sich bei „westlichen Ländern/Regionen“ um die zentralasiatische Gebiete/Reiche entlang der Seidenstraße (Parther, Kabul usw.).
Umfangreichere klassische chinesische Werke sind in Faszikel (F) gegliedert, die eine Schriftrolle umfassen. „Bücher“ bedeutet in diesem Zusammenhang also Faszikel bezw. „Schriftrollen“ (). Die Übersetzer sind nur unter der Dynastie aufgeführt, in der sie erstmals erwähnt werden. Späte Han-Dynastie
Spätere Han (後漢, 25–220 u. Z.) mit der Hauptstadt in Luoyang. Von 123 Werken (148 Fasz.) des San zang sind die Übersetzer nicht namentlich bekannt. Insgesamt entstanden 292 Übertragungen in 395 Faszikeln, von denen heute noch 96 existieren.Eventuelle Turfan-Funde bei diesen Angaben nicht mitgerechnet.
Namenach The Korean Buddhist Canon: A Descriptive Catalogue Chinesisch Umschrift(Pinyin) Zur Person Übersetzungen(Anzahl und Faszikelnach Anhang II zum Kanonkatalog Nanjō Bun'yus) Kāśyapa-mātaṅga 迦葉摩騰 Mönch"Mönch" ist hier ein 沙彌 skr: śrāmana, pravrajita; pali: sāmaṇa. Vgl. aus Zentralindien brahmanischer Herkunft. Auf Einladung des Botschafters Tsai Yin 67 angekommen. Im selben Jahr gestorben1 Dharmaratna (Fa-lan) (竺)法蘭 (Zhú) Fǎlán Vinaya-Experte aus Zentralindien. Folgte der Einladung gegen den Willen seines Herrschers. Ankunft 67 kurz nach Kāśyapa-mātaṅga. Über 60-jährig verstorben. 4 oder 5 Lokakṣema 支婁迦識 Ankunft in China 147 oder 164. Aktiv bis 186 in Luoyang. Übertrug 21 (63 F) oder 23 Titel (67 F).12 überkommen An Shigao (An Shih-kao) 安世高 Ān Shìgāo Parthischer Prinz der auf seinen Thron verzichtete. Ankunft 148. Aktiv mit einem Team von Übersetzern bis 170. 176 Übersetzungen (in 197 F) oder 95 (115 F) davon 730 noch 54 (59 F) extant.55 An Xuan (An Hsüan) 安玄 Ān Xuán Upasaka優婆塞 upasaka ("close attendant") der im Laienstand verbleibende Gläubige. Weibliche Form: Ubahi. aus Ansi. In Luoyang 181 2 Zhiyao (Chih-yao) 支曜 Zhīyào Aus den westlichen Regionen. In Luoyang 185. 11 Werke (12–13 F) davon 5 bis 730 verloren. 5 Yan Fodiao (Yen Fo-t’iao) 嚴佛調 Yán Fódiào Mönch oder upasaka aus Lin-hai. Gute Sanskritkenntnisse. Zusammenarbeit mit An Xuan 188. 7 Übersetzungen (9 oder 10F) meist verloren Kang Mengxiang (K'ang Meng-hsiang) 康孟祥 Kāng Mèngxiáng Mönch tibetischer Herkunft. Gelangte über Indien und die westlichen Regionen nach China. Übs. 194–199 6 Titel (9 F). 2 Dali ((Chu) Ta-li) 大力 Dàlì Mönch aus den westlichen Regionen. 1 Tanguo (T'an-kuo) (釋)曇果 Tánguǒ Brachte aus den westlichen Regionen einen Sanskrit-Text des Kapilavastu. 1
Wei-Dynastie Während der Wei-Dynastie (220-65), das nördliche der „drei Königreiche,“ mit der Hauptstadt in Luoyang. Zwei Werke von unbekannten Übersetzern sind überkommen. Insgesamt entstanden 292 Übertragungen in 395 Faszikeln, von denen heute noch 96 existieren.
Name Chinesisch Umschrift(Pinyin) Zur Person ÜbersetzungenDharmakālaMönch aus Zentralindien, der bei seiner Ankunft 222 feststellte, dass seinen chinesischen Mitbrüdern das Vinaya unbekannt war. Übersetzte 250 daraufhin das Pratimoksha (prātimokṣa; 波羅提木叉; auch Sāṅghikā-vinaya 僧祇律) in der Version der Mahāsaṅgikas.verlorenKang Sengkai (K'ang Seng-k'ai)康僧鎧 Kāng SēngkǎiIndischer Mönch tibetischer Herkunft. 252 im „Kloster vom Weißen Pferd“ (Bái Mǎ Sì, 白馬寺) der Hauptstadt.3Dharmasatya (= Tian-ti)曇諦 (= 曇無諦)Mönch aus dem Lande An-si. In Luoyang 254.1Baiyan (Pai-yen)白延 BáiyánMönch aus den westlichen Regionen. 257 im „Kloster vom Weißen Pferd“1An Faxian (An Fa-hsien)安法賢 Ān FǎxiánParthischer Mönch. 2 (5F)verloren
Wu-Dynastie Die Wu-Dynastie war das südliche der „drei Königreiche,“ (222–280) mit der Hauptstadt Jianye dem heutigen Nanjing. Insgesamt sollen 110 Werke in 291 Faszikeln übertragen worden sein, von denen 730Angaben zum Jahr 730 alle gemäß Kai yüan lu, der unter Kaiser Xuanzong vorgenommene Systematisierung. noch 61 (93F) nachweisbar waren. Heute sind noch 56 bekannt.
Name Chinesisch Umschrift(Pinyin) Zur Person ÜbersetzungenZhiqian (Chih-ch'ien)支謙 ZhīqiānUpasaka aus Kushan (月支國), der China gegen Ende der östliche Han erreichte. Er fand Aufnahme im Reiche Wu. Vom ersten Kaiser zum Professor ernannt und Erzieher des Kronprinzen. Vielzahl von Übersetzungen 222–253.50 in China, 54 in KoreaVighna維祇難 (= 障害)Brachte 224 eine Sanskritversion des Dhammapada aus Indien. Ursprünglich Zoroastrier. Wirkte in Wǔcháng.1(Zhu) Lüyan ((Chu) Lü-yen)(竺)律炎 (Zhú) LǜyánKam zusammen mit Vighna und arbeitete zunächst mit diesem. Um 230 selbständige Tätigkeit.3Kang Senghui (K'ang Seng-hui; Sanghapala)康僧曾 Kāng SēnghuìIndischer Mönch, Sohn des Premierministers des Landes Soghdiana/Samarkand (康居國). Ankunft 241. Im Auftrag des Kaisers ab 247 Erbauer des Klosters 建初寺. Begann Übersetzertätigkeit 251, 14 Werke (29 F), davon 730 noch 5/7 (10/20 F) bekannt. † 2802
Westliche Jin-Dynastie Die Westliche Jin (西晉) bestand mit ihrer Hauptstadt in Luoyang 265–316. (Ab 317 auf das südliche China beschränkt.) Ursprünglich 447 Übersetzungen, von denen 730 noch 156 (321 F) existierten, davon 58 (59 F) von namentlich nicht bekannten Übersetzern. Heute sind noch 153 Werke aus dieser Zeit bekannt (20 ohne Namen).
Name Chinesisch Umschrift(Pinyin) Zur Person ÜbersetzungenDharmarakṣa d. Ä. (= Chu Fa-hu)竺法護 (= 曇摩羅察) Zhúfǎhù (= Tánmóluóchá)Mönch aus einem Bezirk am westlichsten Ende der chinesischen Mauer. Wanderte mit seinem Lehrer in die westlichen Regionen und soll 36 Sprachen bzw. Dialekte beherrscht haben. Nach seiner Ankunft in Luoyang 266 umfassende Übersetzungstätigkeit bis 316/317 in einer Gruppe von 12, der 210 Übersetzungen zugeschrieben wurden (in 394 F), von denen 730 noch 91 (208 F) bekannt waren. Erster Überträger von Sutren der Vaipulya-Gruppe. Auch bekannt als Tun-huang Bodhisattva (敦煌菩薩).ca. 90KālaruciMönch der westlichen Regionen, der 281 in Kanton ein Sutra übersetzte.verlorenAn Faqin (An Fa-ch'in)安法欽Ān FǎqīnMönch aus An-si, übersetzte 5 Werke (12 oder 16 Fasz.) in Luoyang 281–306.2 Titel überkommen.Mokṣala無羅叉 (= 無叉羅)Mönch aus Kustana (KhotanOasenstadt am südlichen Zweig der Seidenstraße, am Rande der Taklamakan-Wüste.). Übersetzte zusammen mit Kushulan (Zhu Shulan) 1 Werk.1 (erhalten)Kushulan竺叔蘭 ZhúshūlánIn China geborener upasaka indischer Abstammung. 2 Werke zwischen 290–306 übertragen.verlorenBai Fazu (Pai Fa-tsu)白[帛]法祖Bái FǎzǔChinesischer Mönch aus Ho-nei, der zwischen 290 und 306 23 Werke (in 25 Fasz.) übertrug. 730 16 Werke (18 Fasz.) extant.5Fali (Fa-li)(釋)法立 FǎlìMönch unbekannter Abstammung. Übertrug zusammen mit Faju 290–306 in Luoyang 4 Werke (12 Fasz.)3 im Ming-KanonPei-tsang; Peking 1402–1424; Ergänzung: Hsü ju tsang ching 1584, 693 Bde.; reprint als Mi-tsang 1586–1606, darauf aufbauend Ausgabe des Kaisers Yung-cheng 1735–1738.Faju (Fa-chü)(釋)法炬 FǎjùMönch unbekannter Abstammung. Nach dem Tode Fali’s eigenständige Tätigkeit. Soll insgesamt 132 Werke (142 Fasz.) übertragen haben, von denen 16 (26F) bereits 730 verloren waren.23Nie Changyuan (Nieh Ch'eng-yüan)聶承遠 Niè ChéngyuanChinesischer upasaka, der Faju unterstützte. Drei eigenständige Übs.2Nie Daozhen (Nieh Tao-chen)聶道眞 Niè DàozhēnSohn des Nie Chengyuan.4Zhi Fadu (Chih Fa-tu)支法度 Zhī FǎdùHat im Jahre 301 4 Werke (5 Fasz.) übertragen.2Ruoluoyan (Jo-lo-yen)若羅嚴 RuòluóyánMönch ausländischer Herkunft, genaue Daten unbekannt.1
Östliche Jin-Dynastie Die Östliche Jin-Dynastie bestand 317–420, mit der Hauptstadt Jianye im heutigen Nanjing. In diese Ära fallen 232 Übersetzungen, von denen 730 noch 168 (in 468 Fasz.) nachweisbar waren. 35 Titel namentlich nicht bekannter Übersetzer sind Teil des heutigen San-zang.
Name Chinesisch Umschrift(Pinyin) Zur Person ÜbersetzungenZhi Shilun (Chih Shih-lun)支施崙 Zhī ShilúnUpasaka aus dem Lande der Yuezhi. Wirkte 373 in der Hauptstadt der frühen Liang-Dynastie (前涼). 4 Titel (5 F).1Śrīmitra帛尸梨蜜多羅Mönch aus den westlichen Ländern, der als Prinz geboren, zu Gunsten seines jüngeren Bruders auf den Thron verzichtet haben soll. Ankunft in China zwischen 307–312. 3 Übersetzungen 317–322, verstarb, um die 80 Jahre alt 335–342.3Chihtaokan支道根Chinesischer Mönch. Um 335 2 Werke (7 Fasz.), eines davon eine Version des Lotos-Sutra in 5 Fasz.verlorenTanwulan (T'an-wu-lan; Dharmarakśa d. J.)曇無蘭 (= 法正) TánwúlánMönch aus den westlichen Ländern, der zwischen 381–395 111 Übersetzungen (mit 112F) angefertigt haben soll.29Gautama Saṅghadeva瞿曇僧伽提婆Mönch aus dem Lande Kubhā (罽賓國), dem Kophen der Griechen, d. h. Kabul.Eitel, S. 58aChristian Lassen: Zur Geschichte der griechischen und indoscytischen Könige in Baktrien, Kabul und Indien, durch Entzifferung der alkabulischen Legenden auf ihren Münzen. Bonn 1834. Auch in Journ. As. Soc. Beng. Vol. IX., S. 251, 339, 449, 627, 733. Erreichte 383 die Hauptstadt der früheren Chin-Dynastie, wo er 2 Werke übertrug. 391–398 weitere Übs. im Bereich der östlichen Chin: 1) 391 und 397 am Berg Lu (廬山), 2) 397–398 im Dongting-Kloster (Dōngtíng Sì, 東亭寺). 7 von denen bis 730 eine verloren ging.Im heutigen Kanon 3.Kālodaka迦留陀伽Mönch aus den westlichen Ländern. Übs. 3921Buddhabhadra佛陀跋陀羅JuexianIndischer Mönch, Nachfahre von Amritonada, eines Onkels von Śākyamuni. Übs. 398–421. Tätig war er zunächst auf Einladung von Hui-yen (慧遠) am Berg Lu als auch später in der Hauptstadt. Wichtigste Arbeit das Avatamsaka-sūtra. Zusammenarbeit mit Kumārajīva und Faxian 13 oder 15 Werke, von denen 730 noch 8 (116 Fasz.) existierten. † 429 im Alter von 71. 7Dharmapriya曇摩卑nicht zu verwechseln mit 曇摩蜱Inder. Vinayaexperte. Verfasste 400 ein Buch zu „Verschiedenen Fragen der Regel“ 2 Fasz.verlorenVimalākṣa卑摩羅叉Mönch, der in Kabul das Vinaya lehrte, wo Kumārajīva unter ihm studierte. Kam 406 nach China wo er mit seinem ehem. Schüler zusammenarbeitete. Wanderte nach K.'s Tod nach Südchina (zwischen 408–415). 2 Übs. (5F)1Faxian (Fa-hsien)法顯Fǎxiǎnca. 337-ca. 422.Vgl.: Herbert A. Giles; Record of the Buddhistic kingdoms: translated from the Chinese; London 1877. Geburtsname Kun. Pilgerte 399 nach Indien von wo er 414 zurückkehrte. Bekannt für seinen Reisebericht (Fóguó Jì, 佛國記).4 im Ming-KanonVielzahl in KoreaGītamitra祇多蜜Mönch aus den westlichen Ländern. Genaue Daten unbekannt. Soll 25 oder 23 Werke übertragen haben.2Nandi(竺)難提Haushalter (grihapati) aus den westlichen Regionen. Übersetzte 3 Werke 419.2
Frühere Qin Die Dynastie der Früheren Qin (前秦) mit der Hauptstadt in Chang’an (長安) (das heutige Xi’an) bestand von 350–394. Insgesamt entstanden unter dieser Dynastie 15 Übersetzungen in 197 Fasz., von denen bis 730 8 (132 F) verloren gingen.