Die Burg Ronneburg bei Altwiedermus, einem Ortsteil der Gemeinde Ronneburg im Main-Kinzig-Kreis in Hessen, ist durch ihre Lage als Höhenburg auf einem steilen Basaltkegel weithin sichtbar und Namensgeberin des Ronneburger Hügellandes.

Ursprünglich wohl im 13. Jahrhundert als mainzische Burg zur Sicherung des Territoriums gegründet, gelangte sie 1476 in ysenburgischen Besitz. Ihre größte Bedeutung erlangte sie als Residenz der Nebenlinie Ysenburg-Büdingen-Ronneburg im 16. Jahrhundert. Die Burg weist deshalb eine sehr bedeutsame Architektur der Renaissance auf, darunter den markanten Kuppelhelm des Bergfrieds, den Zinzendorfbau und die Neue Kemenate. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Kernburg zunächst weitgehend aus, einige Jahre später wurde die Ronneburg geplündert. In der Folgezeit verlor sie ihre Funktion als Wehranlage und Adelssitz und diente als Zufluchtsort für gesellschaftliche Randgruppen wie die Herrnhuter Brüdergemeine. Ihre Bedeutung als Denkmal wurde um 1900 erkannt. Die gute Erhaltung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Burggebäude macht sie seitdem zu einem bekannten Ausflugsziel der Region.

Lage Die Ronneburg liegt knapp östlich des Zentrums des Naturraumes Ronneburger Hügelland, der nach ihr benannt ist. Charakteristisch ist eine flachwellige Landschaft zwischen Wetterau und Büdinger Wald, die zum nordöstlich gelegenen Vogelsberg leicht ansteigt.Zum Ronneburger Hügelland siehe Peter Prinz-Grimm und Ingeborg Grimm: Wetterau und Mainebene. (= Sammlung geologischer Führer. Band 93). Borntraeger, Berlin/Stuttgart 2002, ISBN 3-443-15076-4, bes. S. 7; Alfred Pletsch: Hessen. (= Wissenschaftliche Länderkunden, Band 8; = Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West). Band 3). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, ISBN 3-534-06206-X, S. 41–46, bes. S. 43. Die Burganlage nimmt als Höhenburg den Gipfel eines markanten Basaltkegels (ca. ) oberhalb des Fallbachtales (ca. ) ein. In der Tallage südwestlich der Burg schließt sich fruchtbares Ackerland an, während die östlich gelegene Höhe (Am Steinkopf, ) die Ronneburg überragt und bewaldet ist. Durch das Tal verlaufen bedeutende Altstraßen, besonders die Hohe Straße oder Reffenstraße, zu deren Überwachung die Burg genutzt wurde.Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen. (= Schriften des Hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde. Stück 23). Elwert, Marburg 1954, , bes. S. 72.

Geschichte der Burg Gründung als kurmainzische Burg mini|Ein Kupferstich aus dem Jahr 1631 geht wohl auf eine ältere Ansicht zurück und zeigt die Burg vor den zahlreichen Ausbauten der Renaissance. Deutlich zu erkennen der Bergfried ohne den heutigen Helm sowie der etwas übergroß dargestellte Saalbau. mini|hochkant|Anton von Ysenburg-Büdingen zu Ronneburg (1501–1560) mini|Die Ronneburg vor 1867, Illustration aus Die Gartenlaube

Als Ersterwähnung der Burg gilt eine Urkunde des Jahres 1231 oder 1258, in der sich ein Burgmann der Familie von Rüdigheim nach der Burg „de Roneburg“ nennt.Heinrich Reimer: Hessisches Urkundenbuch. Abt. 2, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Band 1: 767–1300. (= Publikationen aus den königlich-preußischen Staatsarchiven. 48). Hirzel, Leipzig 1891, Nr. 338; Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Codex diplomaticus Moenofrancofurtanus = Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Band 1: 794–1314. Unveränd. Nachdr. der Ausg. Frankfurt 1901. Baer, Frankfurt am Main 1970, , S. 120. Die Wehranlage dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit älter sein. Sie wurde möglicherweise durch die Herren von Büdingen (Gerlach I. oder Gerlach II.) zur Sicherung der umliegenden Gerichtsbezirke, des Büdinger Waldes und der vorbeiführenden Handelsstraßen erbaut, möglicherweise in der Zeit des „staufischen Endkampfes“nach Karl Ernst Demandt: Der Endkampf des staufischen Kaiserhauses im Rhein-Maingebiet. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. 7, 1957, S. 102–164. in der Wetterau vor dem Tod Konrads IV.Angela Metzner: Reichslandpolitik, Adel und Burgen – Untersuchungen zur Wetterau in der Stauferzeit. In: Büdinger Geschichtsblätter. 21, 2008/2009, S. 48 und 58 mit weiteren Quellen. Der frühere Name „Raneberg“ oder auch „Roneberg“ leitet sich vermutlich von dem althochdeutschen Wort Rone ab, was so viel wie umgefallener Baum bedeutet und auf eine viel ältere mit Palisaden befestigte Anlage hindeutet.Peter Nieß: Die Ronneburg. Eine Fürstlich Ysenburgische Burg und ihre Baugeschichte. Braubach 1936, S. 21 f. Die ältesten bekannten Bauteile der heutigen Kernburg gehören jedoch erst in das zweite Viertel des 14. Jahrhunderts.Klaus-Peter Decker, Georg Ulrich Großmann: Die Ronneburg. Regensburg 2014, S. 18 f.

Vieles spricht dafür, dass es sich ursprünglich um eine Territorialburg des Erzbistums Mainz handelte: Die Ronneburg lag im mainzischen Gericht Langendiebach und sicherte dieses sowie die Waldgebiete unter kurmainzischer Kontrolle an der unteren Kinzig (auch Gelnhausen befand sich bis 1170, die Bulau bis 1277 in Mainzer Besitz).Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen. (= Schriften des Hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde. Band 23). Elwert, Marburg 1954, bes. S. 69–72. Nach dem Aussterben der Büdinger (vor 1247) fiel die Ronneburg zunächst nicht an deren Haupterben, die Grafen von Ysenburg, sondern sie befand sich bei der Ersterwähnung im Besitz der Familie von Hohenlohe. Gottfried III. von Hohenlohe-Brauneck verkaufte sie 1313 an das Erzbistum Mainz.Angela Metzner: Reichslandpolitik, Adel und Burgen – Untersuchungen zur Wetterau in der Stauferzeit. In: Büdinger Geschichtsblätter. 21, 2008/2009, S. 124.

Das Bistum verpfändete die Burg ab 1327 an die Ritter von Rockenberg, die sie erweiterten. 1339 bis 1356 war die Anlage wieder unter der Verwaltung des Erzbistums. 1356 wurde die stark ausgebaute Burg erneut verpfändet, und zwar an die Herren von Cronberg: Hartmut VI. und Frank VIII. von Cronberg, die dem Erzbischof Gerlach von Nassau auch vorher immer wieder mit Geld ausgeholfen hatten, erhielten die Burg als Pfand für 18 000 kleine Goldgulden. Die Cronberger blieben bis 1407 auf Ronneburg. In dieser Zeit entstanden weitere An- und Umbauten (Kapellenerker des Saalbaus). Ab 1424 war die Burg erneut verpfändet, diesmal an den Grafen von Hanau.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806. Marburg 2014, S. 209.

Ysenburgische Burg und Residenz 1476 überschrieb der Mainzer Erzbischof Diether von Ysenburg, wohl als Folge der Mainzer Stiftsfehde, die Burg seinem Bruder, dem Grafen Ludwig II. von Ysenburg-Büdingen. Nach dem Tode Ludwigs im Jahre 1511 erschütterte ab 1517 ein Erbfolgekrieg zwischen seinen drei Söhnen das Büdinger Land. 1523 fiel die Burg an Philipp von Ysenburg-Büdingen, der die Linie Ysenburg-Büdingen-Ronneburg begründete. Als Residenz dieser Linie erhielt die Ronneburg ihre endgültige Form als Renaissanceschloss.

Auf Philipp von Isenburg-Ronneburg folgte sein Sohn Anton, der 15 Kinder hatte. Doch blieben die Ehen seiner Söhne kinderlos. Es regierten nacheinander die Brüder Georg und Heinrich. Nach der Erbauung des Schlosses Kelsterbach durch den dritten Sohn Antons, Wolfgang von Ysenburg-Ronneburg, wurden sie einige Male als Grafen von Isenburg-Büdingen-Kelsterbach erwähnt. Mit den Umgestaltungen durch den Grafen Heinrich hatte die Ronneburg eine letzte Blütezeit.Bernhard Peter: Galerie – Photos schöner alter Wappen Nr. 1078 – Ronneburg (Main-Kinzig-Kreis, Hessen)

Nach dem Tode Heinrichs von Ysingen-Ronneburg im Jahre 1601 erlosch die Linie bereits wieder. Wolfgang Ernst I. von Ysenburg-Büdingen in Birstein berief sich auf sein Erbrecht und nahm die Burg als heimgefallenes Lehen mit Gewalt in seinen Besitz. Sie diente aber in der Folgezeit weiter als Sitz für die Witwe Heinrichs.Burkhard Kling: Die Ronneburg. (= Große Baudenkmäler. Heft 471). München/Berlin 1993, S. 3.

Die Ronneburg in der Neuzeit Bei einem durch Unachtsamkeit des Burggrafen verursachten Brand wurden 1621 große Teile der Burg zerstört, darunter die Neue Kemenate und der Obere Torbau. Die Funktion als Witwensitz fand damit ihr Ende. Dreizehn Jahre später fiel die schwer beschädigte, leer stehende Ronneburg im Dreißigjährigen Krieg einer Plünderung durch kroatische Reitertruppen zum Opfer. Eine Wiederherstellung erfolgte erst nach Kriegsende, wobei die Neue Kemenate nicht mehr auf die volle, ursprüngliche Gebäudehöhe aufgebaut wurde.Burkhard Kling: Die Ronneburg. (= Große Baudenkmäler. Heft 471). München/Berlin 1993, S. 16.

Ihre Funktion als Amtssitz des vormaligen Gerichts Langendiebach (später ysenburgisches Amt Ronneburg) verlor die Ronneburg zum Ende des 17. Jahrhunderts durch einen Verkauf von der Linie Isenburg-Birstein an Isenburg-Büdingen. Das Amt war bereits 1645 um das Gericht Selbold erweitert worden, zu dessen Verwaltungssitz schließlich 1698 Langenselbold erhoben wurde.Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen. (= Schriften des Hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde. Band 23). Elwert, Marburg 1954, bes. S. 151.

Den calvinistischen Ysenburg-Büdingern ist es zu verdanken, dass sich ab 1700 protestantische Exilanten auf der Burg niederlassen durften. Sie wurde für lange Zeit Zufluchtsort für religiös Verfolgte, die Schweizer Mystikerin Ursula Meyer hatte unter anderem hier zwischen 1715 und 1719 156 Aussprachen, und „Unbehauste“ (Juden und Zigeuner), die in den Räumen der Burg auch handwerklichen Tätigkeiten nachgingen. So befand sich am Ende des 18. Jahrhunderts in der Hofstube eine Wollwaren-Manufaktur.Burkhard Kling: Die Ronneburg. (= Große Baudenkmäler. Heft 471). München/Berlin 1993, S. 4. 1736 zog Graf von Zinzendorf mit seiner Herrnhuter Brüdergemeine ein und machte die Burg zu einem viel besuchten Wallfahrtsort. Schon zwei Jahre später war die Anlage jedoch zu klein für die Glaubensbrüder, sie gründeten auf einen nahe gelegenen Hügel die Siedlung Herrnhaag. Ab 1750 wanderten viele dieser Siedler nach Amerika und in andere Länder aus.Matthias Graf: Herrnhuter in Hessen. Der Herrnhaag in der Grafschaft Büdingen. Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54560-6 (= Mainzer Studien zur Neueren Geschichte 18).

Die Ronneburg wurde auch in der Folgezeit unter verschiedenen Pächtern eher von Randgruppen bewohnt. Die große Zahl der Bewohner führte dazu, dass sie 1821 im Zuge einer Verwaltungsreform zur selbständigen Gemeinde, jedoch ohne Gemarkung, wurde. Bereits 1829 wurde dies wieder rückgängig gemacht. Als die Gebäude nach Sturmschäden zunehmend verfielen, nahm auch die Zahl der Bewohner in der Mitte des 19. Jahrhunderts ab. 1838 wurden die Gebäude der Vorburg abgebrochen, was von der Verwaltung offensichtlich aufgrund der unliebsamen Bewohner gefördert wurde. Der Verkauf des Abbruchmaterials sollte offenbar teilweise die sinkenden Mieteinnahmen ausgleichen. 1870 erfolgten weitere Verkäufe auf Abbruch, doch verließ erst im Jahre 1885 der letzte Bewohner die Burg.Klaus-Peter Decker, Georg Ulrich Großmann: Die Ronneburg. Regensburg 2014, S. 16f.