Die Schlacht von Cabo de Palos war die größte Seeschlacht des Spanischen Bürgerkrieges. In ihr trafen zwei Leichte Kreuzer und fünf Zerstörer der Republikaner auf drei Kreuzer der nationalistischen Seite. Sie fand vom 5. bis 6. März 1938 70 Meilen östlich von Cabo de Palos statt und endete mit einem republikanischen Sieg.

Strategischer Hintergrund Der Spanische Bürgerkrieg wurde zwischen Juli 1936 und April 1939 zwischen der demokratisch gewählten republikanischen Regierung Spaniens und den Putschisten unter General Francisco Franco ausgetragen. Hierbei erhielten beide Seiten Hilfe aus dem Ausland: die Nationalisten vor allem von Italien und Deutschland, die Republikaner vor allem aus der Sowjetunion. Geleitzüge der anderen Seite waren deswegen für beide Marinen ein wichtiges Ziel.

Ein internationales Nichteinmischungskomitee verabschiedete einen Plan zur Überwachung von Waffenimporten und zur Ankunft ausländischer Freiwilliger. Hierzu wurden von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien Seepatrouillen vor der spanischen Küste durchgeführt. Diese Maßnahme war nicht effektiv und benachteiligte eher die republikanische Seite.Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg. S. 370. Die sowjetische Marine konnte sich wegen logistischer Probleme und des Mangels an geeigneten Schiffen nicht daran beteiligen.Pemsel: Seeherrschaft. S. 516.

Während des Bürgerkrieges blieben die Überwasserschiffe der spanischen Marine zwischen den Nationalisten und den Republikanern geteilt. Die Republik verfügte über den Großteil der Zerstörer, während die Franquisten in den Besitz der zwei neu gebauten Schweren Kreuzer Canarias und Baleares gelangten. Sie waren am 21. Juli 1936, dem fünften Tag des Aufstandes, erbeutet worden, als die Nationalisten die Marinebasis Ferrol einnahmen. Die Schiffe befanden sich in der letzten Bauphase und wurden von den Nationalisten fertiggestellt.

Die Organisation der Flotte war chaotisch, da anfänglich die Macht in den Händen der Komitees und nicht der Offiziere lag. Dieser Umstand wurde nach und nach rückgängig gemacht. Der Mangel an ausgebildeten Offizieren war ebenso ein Problem. Ein großer Teil des Offizierskorps war erschossen worden, als es die Flotte den Aufständischen zu übergeben versuchte.Pemsel: Seeherrschaft. S. 509. Auch der Mangel an Material, wie zum Beispiel Torpedos, verursachte Probleme.Fullan/Cota/Connolly: Crucero im Kapitel Flota Republicana. Die Republikanische Flotte krankte an schlechter Moral, mangelnder Initiative und trat kaum in Aktion, während die Nationalisten die Initiative behielten.Thomas: Spanish S. 759.

Dies führte dazu, dass die zahlenmäßig unterlegene nationalistische Flotte ein Übermaß an Selbstvertrauen an den Tag legte, umso mehr als ihre Führer vom Sachverstand ihrer republikanischen Gegenspieler keine hohe Meinung hatten. Die nationalistische Flotte nützte ihre wenigen Kräfte weitaus offensiver.Fullan/Cota/Connolly: Crucero im Kapitel La Batalla del Cabo de Palos. S. 1.

Die nationalistische Flotte hatte keine Nachschubprobleme und wurde von Italien und Deutschland mit Nachschub versorgt. Die anfänglichen organisatorischen Probleme wurden schneller als bei der republikanischen Seite behoben. Es herrschte aber Misstrauen bezüglich der politischen Zuverlässigkeit der Mannschaften und Mangel an gut ausgebildeten Matrosen.Fullan/Cota/Connolly: Crucero im Kapitel Flota Nacional.

Gegenüberstellung der Flotten + Republikanische Schiffe Typ Nationalistische Schiffe Typ Libertad Leichter Kreuzer Baleares Schwerer Kreuzer Méndez Núñez Leichter Kreuzer Canarias Schwerer Kreuzer Gravina Zerstörer Almirante Cervera Leichter Kreuzer Lazaga Zerstörer Umbe-Mendi Handelsschiff Sánchez Barcaiztegui Zerstörer Aizkori-Mendi Handelsschiff Lepanto Zerstörer Almirante Antequera Zerstörer

Verlauf der Schlacht mini|hochkant=1.2|Karte der Schlacht mini|Die Libertad, 1927

Am Samstag, dem 5. März 1938, brach die republikanische Flotte aus Cartagena auf, um einen Angriff auf den Hafen von Palma de Mallorca durchzuführen. Der Plan sah vor, dass drei Torpedoboote in den Hafen eindringen und die nationalspanische Flotte dort überraschen sollten. Die Torpedoboote sollten von Zerstörern der 1. Zerstörer-Flottille, der Ulloa, Jorge Juan, Escaño und der Almirante Valdés, bis zur Hafeneinfahrt geschützt werden. Die Zerstörer wiederum sollten von den Leichten Kreuzern Libertad und Méndez Nuñez sowie der 2. Zerstörer-Flottille, bestehend aus Sánchez Barcaáiztegui, Almirante Antequetera, Lepanto, Gravina und Lazaga, gedeckt werden. Ab 15:40 Uhr bis 17:06 Uhr brach die Flotte gestaffelt auf. Um 17:11 Uhr erhielt sie die Nachricht, dass die Torpedoboote auf Befehl ihres sowjetischen Kommandeurs Alafusow in den Hafen zurückgekehrt waren, weil der Seegang angeblich zu stark war.Fullan/Cota/Connolly: Crucero im Kapitel La Batalla del Cabo de Palos. Der Grund war nach Meinung des Flottenkommissars Bruno Alonso nur vorgeschoben, weil Alafusow sich nicht traute. Ubieta verlangte dessen Absetzung. Die Flotte konnte nicht umgehend wieder in den Hafen zurückkehren, und so ließ Ubieta sie auf See kreuzen.Alonso: Flota. S. 106.

Am gleichen Tag stachen die zwei nationalspanischen Schweren Kreuzer in Begleitung des Leichten Kreuzers Almirante Cervera von Palma aus in See. Die Baleares, die normalerweise eine Besatzung von 800 Mann haben sollte, hatte laut Archiv der Armada Española 1223 Mann an Bord. Hierbei handelte es sich um Matrosen anderer Einheiten, die zum Landgang nach Cádiz gebracht werden sollten, Angehörige des Stabes des Kreuzergeschwaders, Arbeiter der Sociedad Española de Construcción Naval, die auf der Fahrt Reparaturen durchführen sollten, und zwölf jugendliche Angehörige der Flechas Navales (die Marine-Jugendorganisation der Falange Española de las JONS).

Sie sollten zwei Handelsschiffen, der Umbe-Mendi und der Aizkori-Mendi, Geleitschutz bis zur Meerenge von Gibraltar geben, die Waffen und Munition aus Italien brachten, und deren aus den Kanonenbooten Canalejas und Cánovas sowie den Zerstörern Huesca, Teruel und Velasco bestehende Eskorte ablösen. Um 17:30 Uhr erreichten die Kreuzer den kleinen Konvoi und lösten deren Bedeckung ab. Bei Einbruch der Nacht wurde Verdunkelung angeordnet.

Um 00:38 Uhr sichtete die Baleares auf 330° an Backbord die Silhouetten von mehreren Schiffen. Da beide Gruppen verdunkelt fuhren, bestand kein Zweifel daran, dass es sich jeweils um feindliche Schiffe handelte. Die nationalspanischen Schiffe waren auf die republikanische Flotte – bestehend aus zwei Leichten Kreuzern (der modernen Libertad und der veralteten Méndez Núñez) und fünf Zerstörern (Gravina, Lazaga, Sánchez Barcaiztegui, Almirante Antequera und Lepanto) – gestoßen. Beide Flotten waren überrascht, sie gingen davon aus, dass sich die jeweils andere noch im Hafen befände. Die nationalspanische Flotte glaubte fälschlicherweise anfänglich an die Anwesenheit eines U-Bootes, beschleunigte auf 26 Knoten und leitete Ausweichmanöver ein. Die Sánchez Barcaiztegui schoss zwei Torpedos auf die Almirante Cervera ab, ohne einen Treffer zu erzielen.

Um 01:09 Uhr entschied Vierna, die Handelsschiffe zu umfahren, um einen eventuellen Zerstörerangriff auf sie abzuwehren. Dies war ein gewagtes Manöver, da die Kreuzer wegen ihrer Größe für die Zerstörer leichtere Ziele darstellten als umgekehrt. Die beiden Flotten verloren sich aus den Augen. Um 01:25 Uhr nahm Admiral Vierna seinen ursprünglichen Kurs von 220° (Kurs Südwest) wieder auf. Um 02:00 Uhr setzte die Flotte Kurs auf 40° (Kurs Nordost), 15 Minuten später änderte sie ihren Kurs erneut auf 220°, um nicht zu weit von den langsameren Handelsschiffen abzukommen, und traf wenige Minuten später erneut auf die republikanische Flotte.

Um 02:14 Uhr nahm der republikanische Zerstörer Sanchéz Barcáiztegui optische Signale der gegnerischen Flotte wahr, und das republikanische Führungsschiff Libertad gab Feuerbefehl. Canarias und Baleares feuerten Leuchtraketen ab, um die Ziele zu beleuchten, und eröffneten das Feuer mit Granaten, ohne einen Treffer zu erzielen. Libertad und Méndez Núñez erwiderten augenblicklich das Feuer und erzielten einen Treffer auf dem Deck der Baleares. Während dieses Kreuzerduells näherten sich die drei republikanischen Zerstörer Sanchéz Barcáiztegui, Lepanto und Almirante Antequera den nationalspanischen Kreuzern und schossen auf 3000 Meter einen Fächer von zwölf Torpedos ab. Die Sánchez Barcaiztegui feuerte vier, die Almirante Antequera fünf und die Lepanto drei. Ungefähr um 02:20 Uhr traf eine nicht bekannte Anzahl Torpedos die Baleares backbords auf Höhe der Brücke. In diesem Bereich befanden sich die Munitionsbunker. Es kam zu einer großen Explosion, auf die weitere folgten. Teile von Brücke und Schornstein flogen durch die Luft und der Mast fiel auf die Geschütztürme drei und vier. Die Baleares blieb antriebslos ohne Elektrizität liegen und neigte sich schnell nach Backbord über, während ausgebrochenes Feuer die Munition der Luftabwehrgeschütze und die Treibstofftanks zur Explosion brachte. Da Konteradmiral de Vierna bei der Explosion ums Leben gekommen war, übernahm der Kapitän der Canarias Rafael Estrada Arnaiz das Kommando, ließ auf 29 Knoten beschleunigen und Kurs 190° (Kurs Süd) nehmen. Die zwei verbliebenen nationalspanischen Kreuzer Almirante Cervera und Canarias ließen die sinkende Baleares zurück und entfernten sich mit den Handelsschiffen. Die republikanischen Kreuzer zogen sich nach ihrem Erfolg ebenfalls zurück und erreichten Cartagena um 07:50 Uhr.

Die Bergung der Überlebenden mini|Zerstörer Kempenfelt

Die sich auf Neutralitätspatrouillen befindlichen britischen Zerstörer Boreas und Kempenfelt (die spätere Assiniboine) befanden sich zum Zeitpunkt der Schlacht 40 Seemeilen entfernt und näherten sich mit voller Kraft der brennenden Baleares. Ein Versuch, die Überlebenden direkt vom untergehenden Kreuzer zu übernehmen, schlug auf Grund der starken Schlagseite fehl. Um 05:10 Uhr am Morgen des 6. März 1938 war die Baleares gesunken. Kurze Zeit später erreichten die britischen Zerstörer Brilliant und Blanche die Untergangsstelle.

Um 07:20 Uhr erschienen die nationalspanischen Kreuzer wieder und begannen mit der Übernahme der Verwundeten. In Erwartung eines republikanischen Angriffs wurden von der Canarias keine Boote zu Wasser gelassen. Tatsächlich griffen um 08:58 Uhr neun Tupolew SB-2 die Schiffe an, wobei auf der Boreas ein Besatzungsmitglied getötet und vier verwundet wurden. Nach dem Angriff liefen die britischen Schiffe und die beiden spanischen Kreuzer gemeinsam nach Palma de Mallorca und setzten dort die Schiffbrüchigen an Land.

Es gelang den Briten, 435 Mann aufzunehmen. 785 Seeleute starben bei der Versenkung der Baleares, unter ihnen Admiral Vierna, nur drei Leichen konnten geborgen werden.

Die Verwundeten erreichten am 6. März 1938 um 15:45 Uhr Palma de Mallorca an Bord von Canarias, Almirante Cervera und der britischen Kempenfelt. Sie wurden auf verschiedene Krankenhäuser und Kasernen Mallorcas verteilt und wiesen fast ausschließlich Brandwunden auf, verursacht durch die ausgebrochenen Feuer. Vier Verwundete verstarben in Krankenhäusern.

Folgen der Schlacht mini|Spendenbriefmarke zur Erinnerung an die Baleares. Der Erlös ging an die Waisenschule der Marine.