mini|Vergleich der Temperaturentwicklung in Deutschland (DWD) und weltweit (NOAA) im Zeitraum 1881 bis 2019F. Kaspar, K. Friedrich, F. Imbery: 2019 global zweitwärmstes Jahr: Temperaturentwicklung in Deutschland im globalen Kontext, Bericht des Deutschen Wetterdienstes (PDF; 581 kB) Stand 28. Januar 2020 Die Folgen der globalen Erwärmung in Deutschland zählen zu den regionalen und lokalen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesellschaft, die Gesundheit, die Wirtschaft, die Natur und in technischen Belangen.

Auswertungen der Wetterbeobachtungen zeigen, dass die mittlere Temperatur in Deutschland im Zeitraum 1881 bis 2024 um ca. 2,5 °C gestiegen ist (lokale lineare Regression), während der weltweite Temperaturanstieg (über See- und Landflächen) im gleichen Zeitraum 1,3 °C betrug. Der Temperaturanstieg in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten beschleunigt.

Im Jahr 2020 veröffentlichte Projektionen für das Klima in Deutschland ließen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts einen Anstieg um bis zu 2,3 °C im langjährigen Mittel erwarten, der sich ohne Klimaschutz bis 2100 weiter auf 3,1–4,7 °C erhöhen könnte (bis 6 °C in Sommermonaten). Bis 2050 könnte der volkswirtschaftliche Schaden 900 Milliarden Euro betragen, zuzüglich Folgekosten durch gesundheitliche Schäden, vorzeitige Todesfälle und sozioökologische Kettenreaktionen.

Der DWD konstatierte in seinem Jahresbericht 2024 Hitzewellen, mehr Hochwasser und Dürren in Deutschland. Er fordert deutlich mehr Tempo beim Kampf gegen die Erderwärmung.Klimawandel hat "gravierende Folgen" für Deutschlanddwd.de: Klimapressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes

Klima in Deutschland

Deutschland gehört zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas und liegt im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Mittel- und Osteuropa.

Klimaänderungen bundesweit Beobachtete Klimaänderungen mini|Die Zeitreihe zeigt die gegen Ende des 20. Jahrhunderts deutlich ansteigenden Lufttemperaturen. + Die 10 wärmsten Jahre in Deutschland seit 1881seit Aufzeichnungsbeginn 1881 bis 2023, die Tabellenwerte hier berechnet anhand Klimastatusbericht 2024 des DWD, Tab. 9, aus mittlerer Jahrestemperatur und dem Mittelwert von 8,2 K der Referenzperiode 1961–1990 Jahr Abweichungzu 1961–1990 2024 + 2,7 °C 2023 + 2,4 °C 2022 + 2,3 °C 2018 + 2,3 °C 2020 + 2,2 °C 2014 + 2,1 °C 2019 + 2,1 °C 2000 + 1,7 °C 2007 + 1,7 °C 2015 + 1,7 °C Legt man einen linearen Trend zugrunde, ist die mittlere Lufttemperatur in Deutschland laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) von 1881 bis 2023 um 1,8 °C angestiegen. Der Temperaturanstieg hat sich seit Beginn der 1970er Jahre beschleunigt: Der DWD gibt den unter Verwendung des LOESS-Filters ermittelten Temperaturanstieg mit 2,5 °C an; dieser bilde die Entwicklung der letzten 50 Jahre besser ab. Im Zeitraum 1988–2024 lagen in Deutschland in allen Jahren außer 1996 und 2010 die Durchschnittstemperaturen über dem langjährigen Mittelwert (1961–1990) von 8,2 °C.F. Kaspar, K. Friedrich: Rückblick auf die Temperatur in Deutschland im Jahr 2019 und die langfristige Entwicklung, Bericht des Deutschen Wetterdienstes (PDF; 1,2 MB) 2. Januar 2020 Seit 1961 war jedes Jahrzehnt wärmer als das vorangegangene. Das Jahrzehnt 2011–2020 war 2,0 °C wärmer als der Zeitraum 1881–1910.F. Imbery, F. Kaspar, K. Friedrich, B. Plückhahn: Klimatologischer Rückblick auf 2020: Eines der wärmsten Jahre in Deutschland und Ende des bisher wärmsten Jahrzehnts. Bericht des Deutschen Wetterdienstes (PDF) 7. Januar 2021

Die Temperaturen in Deutschland steigen deutlich stärker als im globalen Durchschnitt: Der Erwärmungsrate 1971–2022 von 0,38 °C pro Jahrzehnt in Deutschland stand eine weltweite von 0,18 °C pro Jahrzehnt (Land- und Meerflächen) bzw. 0,29 °C pro Jahrzehnt (nur Landflächen) gegenüber. Im Zeitraum 1881–2021 betrug der lineare Anstieg in Deutschland 1,7 °C, der globale demgegenüber etwa 1,1 °C.

Für Deutschland fällt bei Betrachtung des Zeitraums 1881 bis 2022 die Erwärmung in den Jahreszeiten nahezu einheitlich aus: Für Frühling und Herbst ergeben die Auswertungen des DWD einen linearen Trend von +1,6 °C, für den Sommer von +1,7 °C, für den Winter sind es 1,9 °C. Auch phänologisch sind Verschiebungen der Jahreszeiten nachweisbar: So verfrüht sich der Frühlingsbeginn, der Vorfrühling – angezeigt durch die Haselblüte – begann 1991–2020 im Mittel 19 Tage früher als 1961–1990. Zugvögel kommen früher in ihre Brutgebiete zurück. Auch räumlich verlief die Erwärmung bislang weitgehend einheitlich; die westlichen Bundesländer, Bayern und Thüringen lagen etwas über dem Durchschnitt, Brandenburg und Berlin etwas darunter.

Die Anzahl heißer Tage mit einer maximalen Lufttemperatur über 30 °C hatte sich bis Mitte der 2010er-Jahre gegenüber den 1950er-Jahren von etwa drei Tagen auf durchschnittlich zehn Tage im Jahr mehr als verdreifacht. Die Zahl der Eistage mit einer maximalen Lufttemperatur unter dem Gefrierpunkt ging in demselben Zeitraum von 27 auf 18 Tage zurück.

Eine flächengleiche Auswertung des gesamten Bundesgebiets ergab beim Vergleich der Zeiträume 1951–1970 und 2006–2025 eine Zunahme um durchschnittlich 19,0 Sommertage und 6,6 heiße Tage pro Jahr. Die mittlere tägliche Höchsttemperatur der Sommermonate lag im jüngeren Zeitraum um 2,3 °C höher.

Der jährliche Niederschlag nahm von 1881 bis 2023 um etwa 8 Prozent zu. Bei stark schwankenden Niederschlagsmengen pro Jahr wurden viele Winter nasser und viele Sommer etwas trockener.

Erwartete Klimaänderungen Der 2024 veröffentlichte Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie gibt für die Repräsentativen Konzentrationspfade (RCP) 2.6 und 8.5 Projektionen der kurz- und langfristigen Klimaentwicklung an. RCP 2.6 ist ein Niedrigemissionsszenario mit starkem Klimaschutz, der die globale Erwärmung auf unter 2 °C begrenzt. RCP 8.5 ist ein Hochemissionsszenario, in dem weltweit weiter primär fossile Energieträger für die Energieversorgung genutzt werden. Kurzfristig, für den Zeitraum 2031–2060, wird im Niedrigemissionsszenario mit um 0,8–1,5 °C höheren Temperaturen gegenüber 1971–2000 gerechnet, im Hochemissionsszenario sind es 1,5–2,3 °C (dies entspricht + 1,6–2,3 °C bzw. + 2,3–3,1 °C gegenüber 1881–1910). Langfristig, für den Zeitraum 2071–2100, sind es im Niedrigemissionsszenario + 0,9–1,6 °C und + 3,0–4,7 °C im Hochemissionsszenario (entsprechend + 1,7–2,4 °C bzw. + 3,8–5,5 °C gegenüber 1881–1910).

Laut Monitoringbericht ist damit zu rechnen, dass die Zahl heißer Tage im Hochemissionsszenario kurzfristig um 5 bis 10, langfristig um 14 bis 27 zunimmt. Es wird auch in mehr Regionen und häufiger Tropennächte geben: im Hochemissionsszenario kurzfristig bis zu 3 mehr, langfristig 5 bis 16. Die Zahl der Frosttage und Eistage wird zurückgehen. Hitzewellen sollen häufiger werden und stärker ausfallen. Langfristig wird für den Sommer mit einer kaum veränderten Niederschlagsmenge (Niedrigemissionsszenario) oder einer leichten Abnahme (Hochemissionsszenario) gerechnet. In den anderen Jahreszeiten ist eher mit einer Zunahme zu rechnen; die Spannbreite der Projektionen ist aber groß: im Hochemissionsszenario beträgt sie: +3 % bis +22 % im Frühling, −3 % bis +7 % im Herbst und + 7 % bis + 33 % im Winter. Besonders für den Sommer ist langfristig mit einer deutlichen Zunahme der Trockentage zu rechnen.

Einzelne Studien deuten darauf hin, dass auch mit dem Auftreten strenger Kälteeinbrüche zu rechnen ist, wie es beispielsweise die Kältewelle in Europa 2012 einer war. Mehrere Forscher identifizierten unabhängig voneinander Mechanismen, die die Wahrscheinlichkeit strenger Winter stark erhöhen. PIK PotsdamNeue Studie zeigt Zusammenhang zwischen arktischer Meereisbedeckung im Sommer und dem Winterwetter in Mitteleuropa. Alfred-Wegener-Institut, Pressemitteilung, 26. Januar 2012

Extremwetterereignisse Die Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags schrieben 2016, dass Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse in Deutschland sich häufen. Überschwemmungen, Stürme, Hagel, Hitze und Dürre würden häufiger auftreten.

Laut Deutschem Wetterdienst und Extremwetterkongress Hamburg gibt es in Deutschland als Folge der globalen Erwärmung erhebliche Änderungen bei Extremwetterereignissen, mit gravierenden Folgen. Durch die steigenden Temperaturen in Deutschland kommt es regional viel häufiger zu Hitzewellen. Es treten langanhaltende Phasen mit Tageshöchsttemperaturen von mehr als 30 °C in Regionen auf, wo bislang keine Beobachtungen solcher Ereignisse bekannt waren. Im Jahr 2015 ereignete sich eine Hitzewelle, die teilweise mit historischen Rekordtemperaturen einherging.Erste klimatologische Einschätzung der Hitzewelle 2015 (PDF) Deutscher Wetterdienst, 2. Juli 2015 In Hamburg gab es beispielsweise im Jahr 2020 erstmals eine ununterbrochene Folge von acht heißen Tagen. Im vorangegangenen Winter gab es dort keinen Eistag, an dem die Temperaturen den ganzen Tag lang unter 0 °C blieben. Die Wahrscheinlichkeit für kalte Winter, kühle Sommer und Spätfröste nahm ab.

In den Sommermonaten sind Trockenphasen häufiger geworden. Die Sommer 2018 (Dürre und Hitze in Europa 2018) und 2019 (Hitzewellen in Europa 2019) waren wahrscheinlich die trockensten zwei aufeinanderfolgenden Sommer seit 250 Jahren. Über die Entwicklung von Starkregenereignissen ließen sich 2016 noch keine eindeutigen Aussagen treffen. Die Intensität von Starkniederschlägen hat sich im Verlauf der letzten 65 Jahre – bezogen auf das Jahr 2015 – in den Wintermonaten um 25 % erhöht, und es wurde erwartet, dass es einen weiteren Anstieg in dieser Größenordnung bis zum Jahr 2100 geben wird.Die Entwicklung von Starkniederschlägen in Deutschland: Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung (PDF) Bericht des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach am Main, 2016. Trogwetterlagen treten zwei- bis dreimal häufiger auf als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Großwetterlagen bringen größere Hochwassergefahr mit sich.

Die mittlere Zahl schwerer Stürme über dem Nordatlantik lag 2012 doppelt so hoch wie 1986, im Binnenland hingegen könnte die Zahl der Sturmtage zurückgegangen sein. Die zunehmende Zahl beobachteter Tornados ist vor allem auch auf verbesserte Beobachtungsmöglichkeiten zurückzuführen, zum Beispiel die Verbreitung von Handykameras; ein eindeutiger Zusammenhang mit den gegenwärtigen Klimaveränderungen lässt sich daher noch nicht herstellen.

Ursachen Vor allem durch das Verbrennen fossiler Energieträger (wie Kohle und Erdöl) sowie großflächige Entwaldung wird Kohlendioxid in der Atmosphäre angereichert. Andere Klimagase wie Methan und Distickstoffmonoxid, die sich ebenfalls in der Atmosphäre anreichern, haben ihre Quellen u. a. in der Land- und Viehwirtschaft. Sie verstärken den natürlichen Treibhauseffekt der Atmosphäre und sind hauptverantwortlich für die globale Erwärmung. Landflächen erwärmen sich rascher als Meeresflächen, die Erwärmung ist daher in Deutschland deutlich stärker als im globalen Mittel.

Ein Teil der Erwärmung seit 1980 geht auf eine Reduzierung der Luftverschmutzung zurück. Die Bildung von Schwefeldioxid als Nebenprodukt der Verbrennung organischer Materialien (ca. 1 % Schwefel in fossilen Energieträgern wie Holz, Torf, Braunkohle, Steinkohle, Erdöl, u. ä.) wurde durch das Helsinki-Protokoll von 1985 europaweit limitiert und ab Ende 1987 durchgesetzt. Schwefeldioxid ist nicht nur verantwortlich für sauren Regen, sondern auch für eine vermehrte Wolkenbildung, die wiederum die Sonnenlichtdurchlässigkeit der Atmosphäre reduziert.Dreck in Maßen macht mehr Regen. Max-Planck-Institut für Chemie Mainz Schwefeldioxid aus Kraftwerken wird heute in REA-Gips gebunden als Baustoff verwendet. Größere Schwefeldioxid-Mengen aus Vulkaneruptionen in Island können Deutschland wegen der großen Entfernung nicht erreichen. Daneben wurden ab 1990 die industriellen Feinstaubemissionen drastisch reduziert. Ab 1990 wurden auch in Ostdeutschland alle Feuerungsanlagen diesem Standard gemäß angepasst.