mini|hochkant=1.25|Blick auf Schneeberg Schneeberg ist eine im Jahr 1471 gegründete Stadt im sächsischen Erzgebirgskreis. Sie entwickelte sich dank der Erzfunde und deren Abbau (Silber, Cobalt, Uran) im Lauf der Jahrhunderte aus mehreren einzelnen Ortschaften zu einer überregional bekannten Stadt.
Geografie Geografische Lage Schneeberg liegt an der Silberstraße im oberen Westerzgebirge. Weithin sichtbar ist die markante St. Wolfgangskirche. Der Stadtkern liegt auf dem 470 m ü. NN hohen Schneeberg, der der Stadt ihren Namen gab. Im Stadtgebiet befinden sich außerdem der Wolfsberg und der Mühlberg (520 m), welche zusammen mit dem Schneeberg im Wappen der Stadt zu finden sind. Zu den umliegenden Erhebungen gehören im Osten der Gleesberg (593 m) und im Norden der Keilberg (557 m).
Nachbarkommunen und -orte
Nachbarorte von Schneeberg sind im Erzgebirgskreis die Ortsteile Wildbach, Oberschlema und Neudörfel der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema, die Gemeinde Zschorlau und der Ortsteil Hundshübel der Gemeinde Stützengrün. Nachbargemeinden im Landkreis Zwickau sind die Gemeinde Hartmannsdorf und die Ortsteile Weißbach und Langenbach der Gemeinde Langenweißbach.
Stadtgliederung Die Bergstadt Schneeberg besteht aus den Stadtteilen Schneeberg, Neustädtel, Griesbach und dem Ortsteil Lindenau. Der Stadtteil Schneeberg unterteilt sich in die Altstadt, die Siedlung des Friedens, die Keilbergsiedlung, das Wohngebiet Griesbacher Hang, den Mühlberg und den Wolfsberg. Weniger gebräuchliche Viertel sind Claußberg und Rosenthal. Neustädtel unterteilt sich in die Altstadt, das Wohngebiet Wolfgangmaßen und das Wohngebiet Am Sommerberg.
Eingemeindungen 1. Oktober 1939: Bergstadt NeustädtelDas Sachsenbuch. Kommunal-Verlag Sachsen, Dresden 1943. mit der Gemeinde Mühlberg, dem Gleesberg und dem Filzteich, 17. Dezember 1951: Gemeinde Griesbach,Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. wo in den 1980er Jahren das Neubaugebiet Griesbacher Hang errichtet wurde, 1. Januar 1999: Gemeinde LindenauStatistisches Bundesamt: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: Stichtag 31. Dezember): 1834: 6.912 1946: 13.602 1950: 32.932 1960: 21.561 1971: 20.889 1981: 21.174 1984: 22.318 2002: 17.622 2003: 17.258 2004: 16.541 2005: 16.632 2006: 16.295 2007: 15.926 2008: 15.636 2009: 15.552 2010: 15.352 2011: 14.705 2012: 14.432 2013: 14.353 2014: 15.250 2015: 14.732 2016: 14.193 2017: 13.848 2018: 13.894 2019: 13.873 2020: 13.790 2021: 13.685 2022: 13.994 2023: 14.028 2024: 13.377
Religionen In Schneeberg gibt es zahlreiche Glaubensgemeinschaften: in der Bergstadt Schneeberg: ev.-luth. Kirchgemeinde St. Wolfgang Landeskirchliche Gemeinschaft Schneeberg ev.-meth. Kirche (Auferstehungskirche) Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Schneeberg (Baptisten) röm.-kath. Kirche St. Pius X. Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
im Ortsteil Lindenau: Landeskirchliche Gemeinschaft Lindenau in der Bergstadt Neustädtel: ev.-luth. Kirchgemeinde Zu unserer lieben Frauen (mit Lindenau und Wolfgangmaßen) Landeskirchliche Gemeinschaft Neustädtel ev.-meth. Kirche (Erlöserkirche) Evangelische Christengemeinde Elim
im Ortsteil Griesbach: ev.-luth. Kirchgemeinde St. Martin und St. Georg Neuapostolische Kirche
Geschichte Überblick mini|Schneeberg um 1650
Die über 500-jährige Geschichte Schneebergs ist vor allem vom Bergbau geprägt, dem die Stadt ihre Gründung am 6. Februar 1471 verdankt. Der ursprüngliche Silberbergbau wich seit Mitte des 16. Jahrhunderts dem Abbau von Cobalt und Bismut. Die historischen Viertel der heutigen Stadt Schneeberg von 1471 bestanden aus Fundgrubenviertel, Kirchenviertel, Mühlviertel und Hospitalviertel. Am 9. Mai 2011 lebten in Schneeberg 14.182 Einwohner und in Lindenau 771.
Berggeschrey und Stadtgründung Bereits 1453 wird ein Bergwerk uff dem Sneberge bie Zcwickau erwähnt. Der ursprünglich auf Zinn, Eisen und Kupfer gerichtete Bergbau erlangte an Bedeutung, als im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts reiche Silberfunde ein Berggeschrey auslösten. Das erste Silber wurde Luciae 1470 in der Neuen Fundgrube erschürft. Hauptgewerke war hier Martin Römer, der ab 1471 Zehntner und zwischen 1475 und 1477 Berghauptmann auf dem Schneeberg war. In den Folgejahren entstanden zahlreiche neue Gruben, die gemeinsam mit benachbarten Wohngebäuden eine wildwachsende Streusiedlung bildeten. 1477 wurden bereits 153 Gruben namentlich genannt. Im gleichen Jahr erfolgte der „Große Silberfund“ im Feld der Alten Fundgrube. Hier wurden etwa 14 Tonnen Silber abgebaut.
Nach einer Legende aus der Feder von Georgius Agricola speiste Herzog Albrecht von Sachsen 1477 an einem Tisch aus Silber in der St. Georg-Zeche:
Diese Erzählung Agricolas geht auf einen Bericht des Nürnberger Bürgers Niklas Staude aus der Zeit um 1480 zurück:
Die von den Chronisten überlieferte Menge von 400 Zentnern in einem einzigen Stück wird inzwischen durchaus kritisch und kontrovers gesehen.Jens Kugler: Der Silberfund und das unterirdische Gastmahl 1477 in Schneeberg – Legende oder Wirklichkeit? (PDF; 1,4 MB) Technische Universität ChemnitzChristian Schubert: Der Schneeberger Silbererzanbruch von 1477 – keine Realität? (PDF; 173 kB)
Bis 1483 wurden allein aus der Neuen Fundgrube, der Alten Fundgrube und der Grube St. Georg über 70 Tonnen Silber gewonnen.Uwe Jaschik: das grosse bergkgeschrey uffn Sneberg, Der Silberbergbau auf dem Schneeberg von den Anfängen 1446 bis 1481: Studien zur mitteldeutschen Industriegeschichte Band 6. Verlag Beyer & Beran, Langenweißbach 2022, ISBN 978-3-95741-187-7 Am 11. Dezember 1481 erhielt die Bergbausiedlung auf dem Schneeberg weitere Freiheiten. Wegen der großen auf dem Schneeberg geförderten Silbermengen und da die Silberförderung weiter anhielt, gründete Herzog Albrecht 1483 die Schneeberger Münze. Die hier geprägten Groschen blieben bis zum Beginn der Zinsgroschenprägung 1496 offizielle Hauptwährung, denn sie hatten auch außerhalb der Landesgrenzen hohes Ansehen. Zum Beispiel wurden sie noch 1496 von Wolf Veytlein in Würzburg anlässlich einer Münzprobe als „Schneeberger silberrein Gröschlein“ bezeichnet.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen 1338–1500, Berlin 1974, S. 97. Die Zinsgroschen sowie auch die vorher in Schneeberg und Zwickau geprägten Bartgroschen dienten der Vorbereitung der in Annaberg und wahrscheinlich auch in Wittenberg geprägten ersten silbernen Gulden (Taler).
Im Jahr 1483 wurde unter Berghauptmann Heinrich von Starschedel auf einem alten Zinnseifengelände mit dem Bau des Filzteiches begonnen. Er wurde 1485 vollendet und diente als Aufschlagwasserreservoir der Schneeberger Zechen. Nach dem Abbau des reichen Erzkörpers auf dem Schneeberg war die Silbergewinnung rückläufig und pegelte sich ab 1486 auf 1 bis 2 Tonnen Silber jährlich ein. Diese Fördermenge hielt bis 1518 an. 1496 wollten die Grubenbesitzer, zu denen Einheimische wie die Familie Römer zählten, aber auch auswärtige Investoren wie die Nürnberger Imhoff, den Wochenlohn der Bergleute um 10 Prozent kürzen, 1498 sollten die Löhne erneut gekürzt werden. In beiden Fällen konnten die Bergleute mit zwei großen Aufständen die Lohnkürzung verhindern. Aus diesem Anlass wird seitdem jährlich im Juli mit einer Bergparade der Schneeberger Bergstreittag begangen. 1503 begann die Auffahrung des Marx-Semler-Stollns, der sich zum wichtigsten Entwässerungsstollen der Schneeberger Gruben entwickelte. Über mehrere Jahrhunderte erreichte das System des Stollns (mit allen Verzweigungen) eine Länge von über 220 Kilometern.
Einen deutlichen Ausdruck fand die reiche Ausbeute im Bau der St.-Wolfgangs-Kirche, die zwischen 1516 und 1540 als eine der großen spätgotischen Hallenkirchen in Sachsen entstand. Die hohe Kirchenhalle und der 72 Meter hohe Turm gelten als Wahrzeichen Schneebergs. Im Jahre 1533 setzte sich die ab 1523 beginnende Reformation durch und die Kirche wurde evangelisch-lutherisch.
Am 24. August 1665 erhielt Schneeberg volles Stadtrecht.
Entwicklung nach der Reformation mini|hochkant|Christian Meltzer: Geschichte von Schneeberg, erschienen 1684 mini|Karte von Schneeberg und Umgebung (um 1770)
Im 16. Jahrhundert hatte das Schneeberger Revier mit Holzmangel zu kämpfen. Das Holz für den Bergbau musste mühselig über die Zwickauer Mulde nach Aue geflößt und von dort mit Pferdefuhrwerken nach Schneeberg gebracht werden. Eine Erleichterung brachte ab 1559 die Fertigstellung des 15,3 km langen Floßgrabens vom Rechenhaus in Bockau an der Mulde über Neudörfel, Aue zum Zechenplatz in Oberschlema.
Das Silberausbringen der Gruben ging im 16. Jahrhundert immer weiter zurück und wurde zunehmend von der Förderung von Kobalterzen abgelöst. Im Jahr 1570 verfügte Kurfürst August die Schließung der Schneeberger Münze und anderer Landesmünzstätten zugunsten der Münzstätte Dresden. Das Schneeberger Revier entwickelte sich bis zum 19. Jahrhundert zum weltweit bedeutendsten Fund- und Abbauort von Kobalterzen. auf der Stadthomepage Die Verarbeitung erfolgte in Blaufarbenwerken, in denen aus den Erzen die Farbe Kobaltblau gewonnen wurde. Diese Farbe zierte unter anderem das Meißener Porzellan.
Ein großes Feuer zerstörte am 13. August 1719 fast die gesamte Stadt. Beim Wiederaufbau blieb der Stadtgrundriss der alten Bergstadt im Wesentlichen erhalten. Die Gebäude wurden im zeitgemäßen Barockstil neu errichtet, weshalb Schneeberg auch den Namen „Barockstadt des Erzgebirges“ trägt. Zu den sehenswertesten Häusern dieser Zeit zählen das Schmeilhaus (1720/21), das Fürstenhaus (1721) und das Bortenreuther Haus (1724/25). Der Bereich der historischen Altstadt wird seit 1991/92 mit Fördermitteln des Städtebaulichen Denkmalschutzes saniert.
Im Jahr 1770 war Schneeberg von einem Erdbeben betroffen, über das sogar in einer Zeitung in Augsburg berichtet wurde: Von Leipzig wird gemeldet, daß zu Bockau, Schneeberg, Johann Georgenstadt, Eybenstock und in der ganzen gebürgischen Gegend ein Erdbeben, jedoch sonder Schaden, verspüret worden.Augsburgische Ordinari Postzeitung von Staatspolitischen und andern Neuigkeiten, Nr. 258 vom 27. Oktober 1770 Digitalisat
Zeitalter der Industrialisierung bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Schneeberger Markt um 1835, das barocke Rathaus brannte 1849 ab und wurde 1851/52 im neogotischen Stil neu erbaut.
Der Bergbau konzentrierte sich im 19. Jahrhundert auf die Gewinnung von Nickel- und Wismuterzen. Der Kobaltabbau hatte mit beginnender Herstellung von synthetischem Ultramarin seit den 1830er/1840er Jahren an Bedeutung verloren. Bereits 1823 erfand Ernst August Geitner in Schneeberg das Argentan, auch Neusilber genannt, aus einer Mischung von Nickel, Kupfer und Zink. Damit ergab sich für das in den Schneeberger Erzen in größeren Mengen vorkommende Nickel erstmals eine Verwendung. Wegen des silbernen Glanzes wurde Argentan bevorzugt für Essbestecke und Beschläge verwendet. Geitner richtete 1829 im Nachbardorf Auerhammer die erste Argentanfabrik Europas mit Walzwerk ein, die viele Jahre erfolgreich produzierte.
Am 19. September 1859 wurde die Schlematalbahn eröffnet, die Schneeberg mit Schlema verband. Nachdem sich die Schienen der Bahnlinie um insgesamt einen Meter gesenkt hatten, wurde am 7. April 1952 erst der Personenverkehr und ab 1. August 1952 der komplette Bahnbetrieb zwischen Oberschlema und Schneeberg durch die Deutsche Reichsbahn eingestellt und die Strecke abgebrochen. Eine von Schneeberg aus geplante Verlängerung in Richtung Vogtland kam nie zur Ausführung.