mini|400px|Lage der Brücke (rot) und die vor ihrem Bau vorhandenen Elbquerungen für Kraftfahrzeuge (schwarz) und nur für Pkw (grün)

Die Waldschlößchenbrücke (auch Waldschlösschenbrücke) ist eine Straßenbrücke über die Elbe unterhalb des Waldschlösschens (sowie der in Sichtweite befindlichen Waldschlößchen-Brauerei) im Elbtal in Dresden. Die bereits Ende des 19. Jahrhunderts geplante Elbquerung in Dresden war umstritten und löste Mitte der 1990er die als „Dresdner Brückenstreit“ bekannt gewordene Kontroverse aus. Nach einem Bürgerentscheid 2005 wurde die Brücke inmitten des UNESCO-Welterbes Kulturlandschaft Dresdner Elbtal deutschlandweit bekannt. Ihretwegen geriet das Elbtal auf die Liste des gefährdeten WelterbesLehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung RWTH Aachen: (PDF 3,6 MB) und verlor drei Jahre später den Welterbetitel.

Die zur Entlastung der Dresdner Neustadt und der benachbarten Brücken errichtete Waldschlößchenbrücke überquert die Elbauen an einer von deren breitesten Stellen und gehört zum Verkehrszug Waldschlößchenbrücke mit den Anbindungen der Brückenköpfe an das Straßennetz – im Norden mit mehreren Tunneln – sowie den dafür ausgebauten Zubringerstraßen. Die Brücke wurde am 24. August 2013 offiziell eröffnet, rund neun Monate später begann die lange überfällige Renovierung der Albertbrücke von 1875, deren Belastung 2024 durch den Einsturz der Carolabrücke anstieg.Umstrittenes Bauwerk: Dresden eröffnet Waldschlösschenbrücke. In: Spiegel Online, 24. August 2013

Beschreibung Zweck

Die Waldschlößchenbrücke schließt einen Verkehrszug, auf dem die Innenstadt östlich umfahren werden kann. Sie stellt eine Verbindung zwischen dem dichtbesiedelten linkselbischen (Süd-)Osten Dresdens und dem rechtselbischen Norden der Landeshauptstadt mit den Industrieansiedlungen in der Umgebung des Flughafens her. Dabei entlastet sie die ehemals vier, nach dem Einsturz der Carolabrücke nur drei, Brücken in der Innenstadt und das Blaue Wunder. Sie verbindet die Hauptverkehrsstraßen Stauffenbergallee und Bautzner Straße nördlich der Elbe mit der Fetscherstraße und dem Käthe-Kollwitz-Ufer auf der Südseite.

Lage mini|Lage des Verkehrszuges Waldschlößchenbrücke im Dresdner Straßennetz

Die Querung der Elbe wurde 2,5 Kilometer östlich des Stadtzentrums von Dresden zwischen den Stadtteilen Johannstadt und Radeberger Vorstadt bei Stromkilometer 52,68 errichtet.

Der nördliche Brückenkopf entstand am Elbhang nahe dem namensgebenden Waldschlösschen – ursprünglich einer Sommerresidenz auf dem weitreichenden Vorwerksgelände des sächsischen Ministers Camillo Graf Marcolini am Rand der Dresdner Heide. Heute ist dieses Viertel ein als Waldschlösschenareal bekanntes Wohn- und Gastronomiequartier. Das südliche Johannstädter Ufer an den breiten Elbwiesen ist flach, der dortige Knotenpunkt entstand unweit des Pflege- und Seniorenheims „Clara Zetkin“ sowie von Gebäuden der Hochschule für Bildende Künste, des Herzzentrums, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus und des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik.

Einbindung Der Verkehrszug Waldschlößchenbrücke besteht aus folgenden Abschnitten: vier- bis fünfstreifiger Ausbau der Stauffenbergallee Tunnelsystem als weitgehend kreuzungsfreie Verbindung des nördlichen Brückenkopfes mit Stauffenbergallee und Bautzner Straße eigentliche Waldschlößchenbrücke teilweise planfreier Ausbau des Knotenpunktes Fetscherstraße/Käthe-Kollwitz-Ufer am südlichen Brückenkopf mehrstreifiger Ausbau der nördlichen Fetscherstraße.

Nicht inbegriffen war der höhenfreie Ausbau der Kreuzung des Zubringers Stauffenbergallee mit der Königsbrücker Straße, dieser wurde zeitweise diskutiert.Lichdi & Jähnigen Rechtsanwaltsbüro: Planfeststellung Waldschlösschenbrücke – Anträge der Grünen Liga, 19. September 2003 (PDF 0,05 MB) Eine direkte Einbindung des Verkehrszuges nach Westen (Erreichbarkeit der Großenhainer bzw. Leipziger Straße) und nach Süden (Erreichbarkeit der Teplitzer Straße bzw. des Zelleschen Wegs als Verlängerung der Süd-West-Tangente) gibt es nicht.

mini|Schematischer Vergleich der Waldschlößchenbrücke (ganz oben) mit anderen Dresdner Stadtbrücken mini|Hauptträger, getragen von V-förmigen Streben

Entwurf Die Planungen gingen aus einem Wettbewerb hervor, den 1997 das Berliner Büro Eisenloffel + Sattler, Ingenieure – Kolb + Ripke, Architekten (ESKR) gewann. Unter den 27 eingereichten Entwürfen wurde der von ESKR (siehe unter Weblinks) mit dem 1. Preis (75.000 DM) ausgezeichnet.baunetz.de: Wettbewerb in Dresden entschieden, 18. Dezember 1997 Angehörige der Jury waren unter anderem der damalige Oberbürgermeister Herbert Wagner und – als Vorsitzender – der Architekt Volkwin Marg, der sich jedoch später (siehe Dresdner Brückenstreit) von dem Vorhaben distanzierte.

Das 636,1 m lange Bauwerk ist eine Stahlverbundkonstruktion. Es besteht aus drei Abschnitten, den beiden Vorlandbrücken und dem Stromfeld. Die 274,81 m lange linkselbische und die 213,49 m lange rechtselbische Vorlandbrücke sind Balkentragwerke, die von V-förmigen Streben unterstützt werden. Der mittlere Teil der Brücke wird durch zwei Stahlbögen mit einer Spannweite von 148 mThomas Klähne, Oliver Einhäuser: Waldschlößchenbrücke in Dresden – Ausführungsplanung des Überbaus. In: Stahlbau 82 (2013), Heft 3, S. 158. getragen, die sich etwa 26 m über der Elbe erheben. Sie setzen am Erdboden unter der Fahrbahn an und tragen die abgespannte Fahrbahn im Hauptteil. Die Brücke ist im Bogenbereich 28,6 m breit, in den Vorlandbereichen 24,4 m, und führt in jede Richtung zwei Fahrstreifen mit je 3,25 m Breite. Außen an die Bögen angesetzt befindet sich auf jeder Seite ein Fuß- und Radweg mit je 2,35 m Gesamtbreite. Die Gradiente steigt beidseitig zum Stromfeld mit maximal 4,3 % an.

Die Stahlbetonfahrbahnplatte wird von zwei Hauptträgern getragen, die als trapezförmige Stahltröge ausgebildet und mit der Platte durch Kopfbolzendübel verbunden sind.

Burger-Variante In der Hoffnung, die Aberkennung des Welterbestatus abwenden zu können, wurden unter Federführung des vormaligen Frauenkirchen-Baudirektors Eberhard Burger in Abstimmung mit dem Architekten einige kosmetische Änderungen in den Entwurf eingearbeitet (vergleiche Dresdner Brückenstreit), die (ungeachtet der Welterbe-Aberkennung) größtenteils zur Ausführung kommen sollten. Umstritten war jedoch beispielsweise der Wegfall der vier Treppenaufgänge von den Elbufer-(Rad-)Wegen, die nur als nachrüstbare Option galten. Eine der Burger-Änderungen – die Verringerung der Brückenbreite um einen Meter – galt als so aufwendig, dass ihre Realisierbarkeit nicht ernsthaft geprüft, sondern nur gegenüber UNESCO und Öffentlichkeit eine Zeit lang behauptet wurde. Erst einige Wochen nach der Entscheidung zur Welterbe-Aberkennung gab Stadtsprecher Kai Schulz bekannt, dass die Nichtrealisierung dieser Änderung bereits Monate zuvor festgestanden hatte.MDR: , 27. Juli 2009 Durch die unveränderte Breite könnten die ursprünglich geplanten Peitschenleuchten zwischen Radweg und Kfz-Fahrbahn nachgerüstet werden, falls die Beleuchtung aus dem Geländer-Handlauf heraus für unzulänglich befunden werden sollte.„Des Kaisers neue Kleider“ – Vorstellung der Burger-Brücke (PDF; 17 kB), 6. Februar 2008 Burger-Brücke oder nicht? (PDF; 4,9 MB) – kommentierte Auszüge aus der städtischen Broschüre zur „Burger-Brücke“ meinDresden.info: , 29. Januar 2008

Bau- und Unterhaltungskosten Die prognostizierten Gesamtkosten betrugen 157 Mio. €.

Bis zum November 2006 wurden 27,9 Mio. € ausgegeben, davon für Planungsarbeiten 13,1 Mio. € und für die Sanierung der Stauffenbergallee 8,7 Mio. €.Dresdner Neueste Nachrichten: Brücke kostete schon 28 Millionen, 11. November 2006 Die noch aufzuwendenden 129 Mio. € sollten sich Freistaat (96 Mio. € FördermittelMedienservice Sachsen: , 23. August 2004 (PDF 0,1 MB)), die Stadt Dresden, die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) (5,5 Mio. €) und Dritte (DREWAG Stadtwerke Dresden, Telekom usw. 6,7 Mio. €) teilen. Die geplanten Baukosten wurden überschritten, im Februar 2010 hatten sich die Nachforderungen der Baufirmen auf 42 Millionen € summiert.mdr.de: , 25. Februar 2010

Für die jährlichen Unterhaltungskosten des gesamten Verkehrszuges waren 1.019.000 € kalkuliert, mit Kosten für die Brücke allein in Höhe von 429.000 €.Pressemitteilung Bündnis 90/Grüne: , 24. November 2004 Der städtische Haushaltsentwurf für 2013 und 2014 weist pro Jahr 3,768 Mio. Euro Folgekosten für die Waldschlößchenbrücke aus.dresden-fernsehen.de: , 4. Oktober 2012.

Die sich abzeichnende Überschreitung der Baukosten wurde seit April 2010 gutachterlich überprüft.Peter Hilbert: . In: Sächsische Zeitung, 18. April 2010.

Im Juni 2012 wies das Landgericht Dresden eine Klage der Stadt Dresden gegen die Baufirmen als unzulässig ab. Der Zeitpunkt sei noch zu früh, um die Baukostenüberschreitungen beurteilen zu können. Gegenstand der Klage waren Nachforderungen der Baufirmen in Höhe von zwei Millionen Euro wegen höherer Stahlpreise., Online-Artikel des MDR vom 12. Juni 2012.

Im Juni 2018 war die Abrechnung der Baukosten abgeschlossen. Der gesamte Verkehrszug kostete 179 Millionen Euro, der reine Brückenbau 74 Millionen Euro. Dazu zählen neben der Brücke auch die Prießnitzbrücke, die bis zur Königsbrücker Straße ausgebaute Stauffenbergallee und der Tunnel.

Ende 2018 wurden die Baukosten auf 180,7 Millionen Euro beziffert, zuzüglich noch offener Positionen (Grunderwerb und nachträglicher Umweltschutz) von insgesamt 11,5 Millionen Euro.

Chronologie Vorgeschichte Ein Brückenschluss am Waldschlösschen wurde schon zuvor seit langer Zeit mehrfach erwogen, ohne ihn zu realisieren. Erste Überlegungen reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. → Abschnitt „Vorgeschichte“ im Artikel „Dresdner Brückenstreit“

Planung Die erste genehmigungsfähige Version der Planungsunterlagen wurde am 20. März 2003 beim Regierungspräsidium Dresden eingereicht, das am 25. Februar 2004 die Planfeststellung erteilte.Regierungspräsidium Dresden: (PDF; 261 kB), 25. Februar 2004 → Abschnitt „Planung“ im Artikel „Dresdner Brückenstreit“

Bauarbeiten

Als erste Vorbereitung erfolgte die Räumung aller vier Gartensparten (Am Waldschlößchen, Elbblick, Jugendgarten und Nord) auf der Waldschlösschenwiese ab dem 6. Januar 2000.Dresdner Neueste Nachrichten vom 7. Januar 2000 und 6. Januar 2010

Im Rahmen des Wahlkampfes um das Amt des Oberbürgermeisters führte Amtsinhaber Herbert Wagner am 29. November 2000 den Ersten Spatenstich zur Waldschlößchenbrücke aus – ungeachtet der zu diesem Zeitpunkt wegen fehlender Unterlagen und Überschreitungen von Lärmgrenzwerten fehlgeschlagenen Planfeststellung und der befürchteten Konflikte mit dem beantragten Welterbe-Schutzgebiet.mdr.de: Anschließend wurden einzelne Bauarbeiten in Randbereichen des Verkehrszuges durchgeführt, die ohne die Genehmigung des Gesamtvorhabens möglich waren oder nur in indirektem Zusammenhang mit ihm standen: Schallschutz-Zaun für eine Gartensparte am Käthe-Kollwitz-Ufer (2001) Neues Volksfestgelände an der Marienbrücke (2003) Ausbau der Stauffenbergallee Abriss der Gebäude Waldschlößchenstraße 9 bis 13 (2005) Abriss von Gebäuden auf dem ehemaligen Stasi-Gelände Bautzner Straße 110 und 112 (2006)

mini|Waldschlösschenwiese mit umzäunter Sängereiche im März 2007 (Blickrichtung Frauenkirche) Bereits vor der endgültigen Entscheidung über den Brückenbau im Jahr 2005 hatte die Naturschutzbehörde den Kronentraufbereich der Sängereiche auf den Elbwiesen einzäunen lassen, um jegliche Gefahr durch Baustelleneinrichtung und Materiallagerung von diesem durch Natur- und Denkmalschutzgesetze geschützten Baum abzuwenden.