Die Norddeutsche Mission (NM) ist seit dem Jahr 2001 ein gemeinsames evangelisches Missionswerk von sechs Kirchen in Deutschland und in Westafrika. Dazu gehören die Bremische Evangelische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Eglise évangélique presbytérienne du Togo, der Evangelisch-Presbyterianische Kirche in Ghana, Evangelisch-reformierte Kirche (Landeskirche) und die Lippische Landeskirche.Mitgliedskirchen und Partner, Brücke für Afrika, Website norddeutschemission.de (abgerufen am 14. September 2026) Die Mission wurde 1836 aus lokalen Missionsvereinen als Norddeutsche Missionsgesellschaft in Hamburg gegründet, sie hat ab 1847 mehrheitlich in Westafrika gewirkt, evangelische Schulen, Kirchen und medizinische Einrichtungen in Togo und Ghana gegründet, die 1914 gezwungenermaßen selbständig und ab dem Jahr 1980 und formell 2001 zu gleichwertigen Partnern der Norddeutschen Mission wurden.Geschichte der Norddeutschen Mission, Website norddeutschemission.de (abgerufen am 14. September 2026)Benno Schirrmeister: 175 Jahre Norddeutsche Mission. Eine bereinigte Bilanz, Artikel auf der Seite Die Tageszeitung (taz) vom 4. April 2011, abgerufen am 15. September 2026

Geschichte mini|Schule in Akpafu, Volta-Region von Ghana1899 mit dem Missionar Andreas Pfisterer mini|Völkners Grabstein an der Kirchenwand in Opotiki Unter dem Einfluss der 1815 gegründeten Basler Mission wurde 1819 in der Stadt Bremen ein erster Hilfsverein der Basler Mission in Norddeutschland gegründet, den Vorsitz übernahm der Bürgermeister Franz Tidemann (1752–1836). Weitere Vereinsgründungen erfolgten 1820 in Lübeck, 1822 in Hamburg und später in weiteren Städten. Die spätere Norddeutsche Mission wurde am 9. April 1836 in Hamburg zunächst als Norddeutsche Missionsgesellschaft (NMG)Benno Schirrmeister: 175 Jahre Norddeutsche MissionEine bereinigte Bilanz, illustrierter Artikel in Die Tageszeitung (taz) vom 4. April 2011; online von lutherischen und reformierten Missionsvereinen gegründet. Dabei schlossen sich sechs der insgesamt 13 norddeutschen Hilfsvereine zusammen, nämlich die aus Bremen-Stadt, Hamburg, Stade, Ritzebüttel, Lehe-Bremerhaven und Lauenburg/Elbe.

Ein Jahr später wurde in Hamburg ein Missionsseminar mit vier Schülern eröffnet. Leiter war Johann Hartwig Brauer, der zugleich der erste Inspektor der Missionsgesellschaft war. Bis 1839 wuchs die Zahl der Trägervereine auf 43 Vereine an. 1842 sandte die Mission sechs Missionare nach Neuseeland aus, 1843 bis 1846 drei Missionare nach Indien. Missionar Carl Sylvius Völkner traf 1849 im Auftrag der Gesellschaft in Neuseeland ein und wurde dort als Missionar der Church Missionary Society (CMS) im Jahre 1865 von Māori ermordet, was eine militärische Gegenreaktion provozierte. Die Angelegenheit ist in Neuseeland als Völkner Incident bekannt. Die Kirche in Opotiki ist nach ihm „St Stephen the Martyr“ benannt.

Ab 1847 konzentrierte sie ihre Arbeit auf Westafrika, wohin Lorenz Wolf, Lüer Bultmann, Carl Flato und Jens Graff geschickt wurden. Ein erster Versuch, sich in Gabun niederzulassen, wurde abgebrochen, da die lokale Bevölkerung sich ihnen gegenüber ablehnend verhielt. Auf Empfehlung der Basler Mission, die bereits seit 1828 an der Goldküste, heute Ghana, tätig war, gingen sie nach Peki, einem Ort, der östlich des Volta−Flusses liegt und zum Siedlungsgebiet der Ewe in der damaligen Sklavenküste gehört. Als erste Kontaktperson diente Nyangamagu, ein Schüler der Basler Missionare und Sohn des Königs von Peki. Am 14. November 1847 hielt der nunmehr übriggebliebene, überlebende Lorenz Wolf mit Hilfe eines Dolmetschers eine erste Predigt. Ein Jahr später erhielt er Unterstützung von Friedrich Groth und Friedrich Hermann Quinius.Jürgen Quack: Bernhard Schlegel und der Schlüssel zur Ewe-Sprache. Tübingen 2020, S. 13–14

Seit 1851 hat sie ihren Sitz in Bremen und ist in Westafrika unter dem Namen „Bremen Mission“ bzw. „Mission de Brême“ bekannt. Pastor Cornelius Rudolf Vietor war 1851 Gründungsmitglied, von 1868 bis 1888 Vorstandsvorsitzender und Präses. Johann Carl Vietor, Kaufmann in Westafrika, gehörte zum Leitungsgremium der Gesellschaft.

Das Missionsgebiet wurde 1890 unter zwei Kolonialmächten aufgeteilt: An der britischen Goldküste war sie Fremd-, im deutschen Togo Nationalmission. Eingebunden in dieses koloniale Spannungsfeld, versuchte die Norddeutsche Mission ihren Weg zwischen den Fronten zu gehen. In Togo wahrte sie im Schulwesen die Unabhängigkeit gegenüber der Regierung, indem sie die einheimische Sprache Ewe der Kolonialsprache Deutsch vorzog. Sie strebte die Erhaltung der traditionellen einheimischen Strukturen an. Während die Mission unter ihrem Leiter Missionsinspektor Franz Michael Zahn (1833–1900; im Amt von 1862 bis 1900) durch eine kolonialkritische Haltung auffiel, von der engagierte Eingaben im deutschen Parlament zeugen, vollzog sich unter dessen Nachfolger August Wilhelm Schreiber (1867–1945; im Amt von 1900 bis 1924) ein Kurswechsel hin zu einer unkritischen Haltung gegenüber der deutschen Kolonialmacht.Kolonialismus und Mission, Website norddeutschemission.de (abgerufen am 14. September 2026)

Im Ersten Weltkrieg wurde die Kolonie Deutsch-Togoland von Franzosen und Briten erobert, dabei wurden 52 Mitarbeiter der Mission inhaftiert. Nach der Aufteilung in britisches und französisches Mandatsgebiet wurde die Unterstützung der Gemeinden durch die Mission verboten. Ein enger Kontakt nach Bremen blieb bestehen. Die Besetzung des Missionsgebietes durch die Westmächte war für die junge westafrikanische Kirche ein erster Schritt in die Selbstständigkeit. 1914 hatte sie etwa 11.000 Mitglieder, 14 Pastoren und 237 Religionslehrer.Geschichte der Norddeutschen Mission, Website norddeutschemission.de (abgerufen am 14. September 2026)

Im Mai 1922 kamen einheimische Vertreter der Missionen in Kpalimé zu einer Synode zusammen. Die Teilnahme von Europäern war von der Kolonialregierung verboten worden. Die Versammlung erklärte den Zusammenschluss, die Selbstständigkeit und die Einheit der Gemeinden als die „Evangelische Ewe-Kirche“. Ihr erster Leiter und Synodalsekretär wurde Pastor Robert Kwami (1879–1945).

Zwischen 1923 und 1939 konnte die Norddeutsche Missionsgesellschaft wieder Mitarbeiter entsenden. Der vorherige »Einbahn-Verkehr« von Deutschland nach Westafrika wich nach und nach einer geschwisterlichen Partnerschaft. Die 150 Vorträge des afrikanischen Synodalsekretärs Robert Kwami in 82 Orten in Norddeutschland waren im Jahr 1932, kurz vor der Machtergreifung Hitlers, von einer rassistischen Hetzkampagne der Nationalsozialisten in Oldenburg begleitet. Die sogenannte Kwami-Affäre sorgte nicht nur in Deutschland für Aufsehen, auch niederländische und englische Tageszeitungen berichteten über dieses Präludium des Kirchenkampfes.Robert Stephen Kwami (1879–1945). Mit Zivilcourage gegen Nationalsozialisten, Website norddeutschemission.de (abgerufen am 15. September 2026)

Nach der Unabhängigkeit Ghanas (1957) und Togos (1960) von den Kolonialmächten baten die dortigen Kirchen die Norddeutsche Mission um Hilfe. 1961 wurden Mitarbeiter, die aber nicht als Missionare auftraten, nach Togo und Ghana entsandt. 1980 schlossen sich die vier deutschen Kirchen, die im Abschnitt „Mitglieder“ aufgeführt sind, zu einem gemeinsamen Missionswerk zusammen. 2001 wurden in einer neuen Satzung die aus der Missionsarbeit entstandenen Eglise évangélique presbytérienne du Togo und der Evangelical Presbyterian Church Ghana als gleichberechtigte Partner in die Norddeutsche Mission aufgenommen.Geschichte der Norddeutschen Mission, Website norddeutschemission.de (abgerufen am 14. September 2026)

An der NM−Hauptversammlung des Jahres 2013, die erstmals in Afrika, im togolesischen Kpalimé stattfand, wurden neue Leitlinien für mehr Gerechtigkeit verabschiedet, die auch geschlechtersensible Themen wie Gender Mainstreaming und Diversity Management betreffen. Die kirchliche Vielfalt bezüglich Herkunft, Bildung, Kultur, Sprache, Ethnie und Lebensalter soll wertgeschätzt, genutzt und besser repräsentiert werden.Satzung, Leitlinien und mehr, Website norddeutschemission.de (abgerufen am 14. September 2026) Wie viele europäische Missionsorganisationen steht auch die Norddeutsche Mission im 21. Jahrhundert im Spannungsfeld verschiedener Vorstellungen, Ansprüche und Erwartungen, die in unterschiedlicher Perspektive angeschaut und sowohl positiv als auch negativ beurteilt werden.Benno Schirrmeister: 175 Jahre Norddeutsche Mission. Eine bereinigte Bilanz, Artikel auf der Seite Die Tageszeitung (taz) vom 4. April 2011, abgerufen am 15. September 2026

Christliche Mission und die Entwicklung der Ewe-Sprache zur Schriftsprache mini|Der gelbe Bereich ist das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Ewe-Sprache(nach Mark Dingemanse, Max Planck Institute for Psycholinguistics, Nijmegen) Als die Missionare der Norddeutschen Mission in Westafrika eintrafen, gab es dort mehrere Dialekte der hochentwickelten Ewe-Sprache, die nur als gesprochene, jedoch nicht als Schriftsprache existierte. Die Missionare lernten die Sprache und entwickelten dazu eine Schrift aus lateinischen Buchstaben mit hinzugefügten Lautzeichen. Die Missionare erarbeiteten Bibelübersetzungen, Katechismus, Lieder- und Schulbücher in der neuen Schriftsprache. Die vier Evangelien wurden vom Missionar Johann Bernhard Schlegel (1827–1859) übersetzt und 1861 in Druck gegebenThe four gospels in the Ewe language. By Rev. J. B. Schlegel. Stuttgart 1861. Printed at the expense of the Bremen Bible Society by J. F. Steinkopf. Es folgten die ApostelgeschichteThe Acts of the Apostles in the Ewe language. Stuttgart 1864. Printed at the expense of the Bremen Bible Society by J. F. Steinkopf. Bearbeitet von Missionar J. B. Schlegel und die Briefe des Paulus, Petrus, Jakobus und Judas, die von den Missionaren Weyhe und Merz übersetzt wurdenThe Epistles of Paul, Peter, James and Juda in the Ewe language. Printed by J. F. Steinkopf for the British and Foreign Bible Society, Stuttgart 1875. Schlegel hatte sich dazu entschlossen, für die Schaffung der Schriftsprache den Anglodialekt auszuwählen, der vor allem im westlichen Teil des Sprachgebiets an der Küste gesprochen wird. 1856/57 gab er einen „Schlüssel zur Ewe-Sprache“ heraus. Das gesamte Neue Testament lag 1877 in der Übersetzung des Missionars Merz vorThe New Testament of our Lord and Saviour Jesus Christ. Translated out of the original Greek. Bremen. North German Mission Society. Erste Auflage 1877.

Die Missionare Jakob Spieth (1856–1914) und Gottlob Däuble (1861–1941)https://digitale-objekte.hbz-nrw.de/storage2/2025/08/21/file_121/9987177.pdf bearbeiteten die vorliegenden Übersetzungen und brachten eine zweite Auflage der Evangelien, der Apostelgeschichte und der Briefe heraus. Vom Alten Testament wurde 1870 das Erste Buch Mose, die Genesis, in Ewe gedrucktThe first book of Mose in the Ewe language. Stuttgart 1870. Printed at the expense of the Bremen Bible Society by J. F. Steinkopf. Übersetzt von Missionar Joh. Binder, Es folgten die PsalmenThe book of Psalms in the Ewe language. Bremen 1871. Printed by C. Hilgerloh. Übersetzt von Missionar Weyhe, dann das Buch Josua, das Buch der Richter und das Buch RutThe books of Joshua, Judges and Ruth in the Ewe language. Bremen 1875. Printed by C. Hilgerloh. Übersetzt von Missionar Merz, schließlich das Buch SamuelThe books of Samuel in the Ewe language. Printed by C. Hilgerloh for the British and Foreign Bible Society. Bremen 1876. Übersetzt von Missionar Merz. II. Auflage, das zweite Buch MoseThe second book of Mose in the Ewe language. Bremen 1877. Printed by C. Hilgerloh. Übersetzt von Missionar Merz, das Buch der KönigeThe books of the Kings in the Ewe language. Printed by C. Hilgerloh for the British and Foreign Bible Society. Bremen 1878. Übersetzt von Missionar Merz, die Propheten Jesaja und JeremiaThe Prophets Isaiah and Jeremiah in the Ewe language. Printed by J. Frese. Bremen 1889. Übersetzt von Missionar Merz.