mini|Biogasanlage Gerbersdorf
Gerbersdorf (fränkisch: GärwerschdoafR. Schuh: Gunzenhausen, S. 105. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „gęrwəschdǫrf“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Merkendorf im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Gerbersdorf hat eine Fläche von 1,681 km². Sie ist in 150 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 11.203,69 m² haben.
Geografie Das Dorf liegt am Moosgraben (im Unterlauf Moosach bezeichnet), einem rechten Zufluss des Nesselbachs. Der Ort liegt an der Staatsstraße 2220, die nach Merkendorf (1,4 km südwestlich) bzw. nach Wolframs-Eschenbach (1,3 km nördlich) führt. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Waizendorf zur Kreisstraße AN 58 (1,2 km nordwestlich) und zur AN 12 (1,3 km südöstlich) zwischen Biederbach (0,4 km südlich) und Wolframs-Eschenbach (2 km nördlich).
Geschichte Der Ort wurde 1275 als „Gerwigesdorf“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname „Gērwīg“. Eine Person dieses Namens ist als Gründer der Siedlung anzunehmen. Aus dieser Urkunde geht hervor, dass Konrad IV. von Oettingen seine dortigen Güter an den Abt Rudolf vom Kloster Heilsbronn verkaufte.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 105.
Laut dem Salbuch der Deutschordenskommende Nürnberg aus dem Jahr 1343 gehörten dem Stadtvogteiamt Eschenbach in Gerbersdorf 1 Lehen.Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Salbuch 134 (= Gerhard Pfeifer (Bearb.): Die ältesten Urbare der Deutschordenskommende Nürnberg, Neustadt/Aisch 1981, S. 55–78). Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 531.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach von 1608 wurden für Gerbersdorf 7 Mannschaften verzeichnet: 5 Höfe und 1 Gut unterstanden dem Verwalteramt Merkendorf und 1 Hof dem Stadtvogteiamt Eschenbach. Außerdem gab es ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 16. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 730. Im 16-Punkte-Bericht des heilsbronnischen Vogtamts Merkendorf aus dem Jahr 1616 wurden die sechs Heilsbronner Anwesen als 3 Höfe, 2 Halbhöfe und 1 Gut qualifiziert.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 25, 19. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 741. Das Gemeinderecht und den Hirtenstab hatte das Verwalteramt Merkendorf.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 743.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf völlig zerstört, auch die vier Heilsbronner Güter waren 1635 verödet. Nur ein Mann namens Stephan Hörauf überlebte. Er war nach Merkendorf geflohen.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 444.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Gerbersdorf 10 Anwesen und ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte weiterhin das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Verwalteramt Merkendorf. Grundherren waren das Verwalteramt Merkendorf (2 Höfe, 5 Halbhöfe, 1 Gut) und das Stadtvogteiamt Eschenbach (2 Halbhöfe).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 858.Nach (= J. K. Bundschuh, Bd. 2, Sp. 300.) soll es nur 7 Untertansfamilien gegeben haben, von denen 5 ansbachisch waren. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.
1806 kam Gerbersdorf zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Gerbersdorf gebildet, zu dem Adelmannsdorf, Biederbach, Waizendorf und Weißbachmühle gehörten. Die Ruralgemeinde Gerbersdorf entstand im Jahr 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963 (dort jedoch fehlerhaft wiedergegeben). und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt Gerbersdorf. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstanden drei Ruralgemeinden: Ruralgemeinde Biederbach; Ruralgemeinde Gerbersdorf mit Waizendorf und Weißbachmühle;Wird in dem noch der Gemeinde Gerbersdorf zugerechnet. 1824 zur Munizipalgemeinde Merkendorf gehörig (M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1000). Ruralgemeinde Selgenstadt mit Adelmannsdorf. Von 1857 bis 1862 gehörte Gerbersdorf zum Landgericht Gunzenhausen, ab 1862 zum Bezirksamt Gunzenhausen (1939 in Landkreis Gunzenhausen umbenannt) und ab 1865 zum Rentamt Gunzenhausen (1919 in Finanzamt Gunzenhausen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Gunzenhausen (1879 in Amtsgericht Gunzenhausen umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 989. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 4,048 km².
Gerbersdorf blieb im Zweiten Weltkrieg verschont, obwohl im nahen Merkendorf heftige Kämpfe tobten (s. Kampf um Merkendorf).
Seit 1972 gehört Gerbersdorf zum Landkreis Ansbach, ein Jahr später wurde es dem Amtsgericht Ansbach und dem Finanzamt Ansbach zugeordnet. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde mit Beschlüssen vom 17. Januar 1972 des Gerbersdorfer Gemeinderates und der Regierung von Mittelfranken die Gemeinde aufgelöst: Gerbersdorf kam zum 1. Juli 1972 nach Merkendorf, der Gemeindeteil Waizendorf zur Nachbarstadt Wolframs-Eschenbach.
An der Gemeindeverbindungsstraße nach Waizendorf steht eine 1995 in Betrieb genommene Biogasanlage eines Privatmannes, die neben der Stromerzeugung mehrere Anwesen mit Heizenergie versorgt.Infotafel an der Biogasanlage. 2009 führte die Stadt Merkendorf in Gerbersdorf die Dorferneuerung durch.
Baudenkmäler Haus-Nr. 1: Wohnhaus Haus-Nr. 1a: Fachwerkscheune
Einwohnerentwicklung Gemeinde Gerbersdorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 159 127 139 136 134 148 135 139 141 139 130 125 133 135 150 151 131 132 122 219 198 158 118 119HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 27 26 24 27 24 26 24 22 22 Quelle Für die Gemeinde Gerbersdorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Wa(i)zendorf (S. 100).
Ort Gerbersdorf Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 1991 2010 2015 2020Einwohner 68 66 60 65 66 61 60 110 48 51 40 41 34 38 33Häuser 11 12 11 13 12 11 10 10 Quelle Karl Huber: Gemeindedaten zum 1. Januar 1991. In: Festschrift zur Einweihung des Rathauses und des Krautbrunnens - Stadt Merkendorf - 25. Oktober 1991. Merkendorf 1991, S. 22 Daten aus den Bürgerversammlungen vom 24. und 25.11.2020 / Präsentation (PDF) S. 6 auf merkendorf.de, abgerufen am 3. Dezember 2020 Altmühl-Bote von Freitag, 13. Februar 2015: Erich Neidhardt: „,Vernünftige Innenentwicklung'“
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach Unserer Lieben Frau (Merkendorf) gepfarrt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach Liebfrauenmünster (Wolframs-Eschenbach) gepfarrt.
Politik Bürgermeister Amtszeit Anmerkung Johann Matthias Zippel um 1846 Gerbersdorf Johann Hausmann um 1856 Waizendorf Heinrich Uhlmann 1905–1937 Gerbersdorf Josef Hausmann 1946–1958 Waizendorf Johann Rühl 1958–30.06.1972 (Auflösung der Gemeinde) Gerbersdorf
Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Gerbersdorf wurde 1972 aufgelöst und in die Freiwillige Feuerwehr Merkendorf eingegliedert. Sie führt dort eine eigene Löschgruppe.
Literatur
Wilhelm Koch, Heinrich Helmreich: Der Stadtteil Gerbersdorf. In: Merkendorf – Historische Kleinstadt im Fränkischen Seenland. Merkendorf 1988, S. 335.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Geographie (Merkendorf, Mittelfranken) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1275 Kategorie:Gemeindegründung 1810 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach