Pützchen-Bechlinghoven ist ein Ortsteil der Bundesstadt Bonn im Stadtbezirk Beuel, der am Fuße des Ennerts liegt. Er hat rund 5200 Einwohner.

Namensherkunft Der Name Pützchen bedeutet im Ripuarischen Dialekt „Brünnchen“ (oder „Quelle“). Er ist abgeleitet von lateinisch „Puteus“, Brunnen, oder französisch „Puits“, (im Ripuarischen „Pütz“) und bezieht sich auf den Adelheidis-Brunnen, der auf ein Wunder der heiligen Adelheid zurückgehen soll. Der Sage vom Quellwunder von Pützchen nach kniete die Äbtissin des benachbarten Stiftes Vilich, Adelheid (960–1015), als eine große Dürrezeit im Rheinland herrschte, während einer Bittprozession zwischen 999 und 1005 n. Chr. auf freiem Felde nieder und bat, gestützt auf ihren Äbtissinnenstab, um göttliche Hilfe. An der Stelle, an der ihr Stab in den Erdboden stieß, entsprang eine QuelleGeschichte von Pützchens Markt. Da dem alaunhaltigen Wasser des Brunnens besondere Heilkraft zugeschrieben wurde und von zahlreichen Wunderheilungen berichtet wurde, entwickelte sich der Ort bald zu einem beliebten Ziel für Wallfahrten, in deren Zusammenhang der jährliche Pützchens Markt seine Ursprünge hat.

Einwohnerentwicklung JahrGemeindelexikon Preußen, 1871 und 1905; Übersicht … des Regierungs-Bezirks Köln, 1816 und 1843. Einwohner 1816 260 1843 337 1871 522 1905 957 1961 2.195Beiträge zur Statistik des Landes Nordrhein-Westfalen, Sonderreihe Volkszählung 1961. Heft 2 b, Düsseldorf 1963, S. 59.

Geschichte mini|Fundstücke einer merowingerzeitlichen Siedlung des 6. bis 7. Jahrhunderts

Das Gebiet des heutigen Ortsteils Pützchen-Bechlinghoven war bereits in römischer Zeit genutzt. Archäologen des Landschaftsverbandes Rheinland untersuchen seit dem Jahre 2007 ein Gebiet bei Bechlinghoven, in dem sich die Reste einer merowingerzeitlichen Siedlung befinden. Auf dem 17 Hektar großen, nicht überbauten Gelände beiderseits der Bundesstraße 56 konnten bisher (2013) 94 Gebäudegrundrisse nachgewiesen und ausgegraben werden. Die Anlage gilt als eine der größten bekannten Siedlungen dieser Zeitepoche in Deutschland. Die Ausgrabungen ergaben, dass das Gelände zuvor als Übungslager vom römischen Militär genutzt wurden. Freigelegt wurden vorbildlich ausgehobene Spitzgräben, in denen sich Steinkugeln von Angriffsübungen fanden.LVR-Grabungsteams fanden eine der größten frühmittelalterlichen Siedlungen Deutschlands bei Archäologie.online vom 4. Dezember 2013

Im Mittelalter standen Pützchen und Bechlinghoven in enger Beziehung zum benachbarten Vilich. Die spätere Ortsbezeichnung Pützchen geht auf den Adelheidis-Brunnen zurück; „Pütz“ bedeutet im rheinischen Sprachgebrauch Brunnen oder Quelle. Der Überlieferung nach ließ Adelheid von Vilich, die erste Äbtissin des um 987 gegründeten Stifts Vilich, während einer Dürrezeit um das Jahr 1000 durch ihr Gebet eine Quelle entstehen. Historisch greifbar wird der Ort 1367 mit der Bezeichnung „bi sente Aleyde borne“, also beim Brunnen der heiligen Adelheid; die heutige Namensform „Adelheidis Pützgen“ ist erst für 1749 belegt.

Weltlich gehörte das Gebiet im Spätmittelalter nicht zu Bonn, sondern zum bergischen Herrschaftsraum, später zum Herzogtum Berg beziehungsweise zum Amt Löwenburg. Kirchlich blieb die Adelheid-Verehrung jedoch mit Vilich und dem Kölner Kirchenraum verbunden. Aus der Verehrung der heiligen Adelheid und der dem Brunnen zugeschriebenen Heilkraft, besonders bei Augenleiden, entwickelte sich eine Wallfahrt. Der jährliche Pützchens Markt führt seine Ursprünge auf diese Wallfahrt zurück; als traditionsbildendes Datum gilt das Jahr 1367.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Wallfahrt im 17. Jahrhundert deutlich zu. Zunächst versorgten Eremiten die Wallfahrer in der Adelheidis-Kapelle am Adelheidis-Brunnen, die dort spätestens seit 1679 bezeugt ist. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden dann das Karmelitenkloster St. Joseph (fertig gestellt 1706) und die Kirche (konsekriert 1760) erbaut, um dem zunehmenden Zustrom von Gläubigen gerecht zu werden. Nach der Säkularisation wurden die Klostergebäude vielfältig genutzt. Unter anderem befand sich hier ein Teil der Heilanstalt Pützchen, auf deren Gelände 1925 das Sankt-Adelheid-Gymnasium des Herz-Jesu-Klosters St. Adelheid erbaut wurde.

Freizeit mini|Pützchens Markt im Sommer 2006

Die auf Ursprünge im Jahr 1367 zurückgehende 5-Tage-Kirmes Pützchens Markt ist die größte der Region und ein großer Publikumsmagnet für den Ortsteil. Im Sommer ist das Freibad Ennertbad eine sehr beliebte Anlaufstelle.

Bildungseinrichtungen mini|hochkant|Brunnen in Pützchen. Im Hintergrund ist die katholische Kirche zu sehen.

Es gibt in Pützchen drei Schulen: Die Marktschule (Grundschule), die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel (beherbergt zusätzlich noch eine Bibliothek) und das Erzbischöfliche Sankt-Adelheid-Gymnasium, eine Mädchenschule, die bis 1985 von Schwestern des Sacré-Cœur-Ordens geführt wurde.

Ein interessantes Projekt ist die „Jugendfarm“. Dies ist ein Gelände, auf dem Jugendliche unter Aufsicht von erwachsenen Betreuern ihre Freizeit verbringen können. Es gibt Werkstätten, eine Reitmöglichkeit, die Möglichkeit, eine kleine Hütte zu bauen und vieles Weitere.

Sehenswürdigkeiten In Pützchen gibt es eine alte katholische Kirche, St. Adelheid am Pützchengemeinden.erzbistum-koeln.de: Pfarreiengemeinschaft am Ennert (abgerufen am 28. September 2015) (erbaut 1724general-anzeiger-bonn.de: St. Adelheid am Pützchen - Die Kirchenmaus auf dem Altar (abgerufen am 4. August 2014)) und eine neue evangelische Kirche, die Nommensen-Kirche.Pfarrbezirk Beuel-Ost der Evangelischen Kirchengemeinde Beuel (abgerufen am 7. Oktober 2015)

Das Karmeliterkloster Pützchen wurde zum 1. Juli 1804 säkularisiert. Zu diesem Zeitpunkt bildeten sechs Priester- und drei Laienbrüder die letzte Klostergemeinschaft. Im Anschluss dienten die Klostergebäude verschiedensten Zwecken. So blieb die Kirche dem Gottesdienst vorbehalten und die Wohngebäude nahmen den zuständigen Geistlichen auf, Teile wurden verpachtet. 1825 erfolgte der Verkauf an den bisherigen Pächter, den Bergmeister Leopold Bleibtreu. In dieser Zeit sollten Kirche und Kapelle abgerissen werden, was jedoch mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Bedeutung des damit verbundenen Jahrmarktes unterblieb. Die Kirche wurde bei einem Brand 1887 erheblich beschädigt und im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1963. Zwischen 1920 und 1997 beherbergte das alte Klostergebäude ein Karmeliterinnenkloster. 1998 wurden hier Wohnungen eingerichtet. Die Kirche dient weiterhin dem Gottesdienst.

Verkehr mini|Haltepunkt Pützchens Markt

Schienenverkehr Pützchen-Bechlinghoven liegt an der Bahnstrecke Bonn-Beuel–Hangelar. Der Verkehr auf der Strecke ruht, bis 2019 fanden zu Pützchens Markt Sonderfahrten im Personenverkehr statt.

ÖPNV Pützchen-Bechlinghoven ist im öffentlichem Personennahverkehr ausschließlich per Bus angebunden. Durch Pützchen-Bechlinghoven fahren folgende Linien: Linie LinienverlaufVilich-Müldorf – Pützchen – Gielgen – Birlinghoven – HennefHennef Bf – Niederpleis – Sankt Augustin – PützchenOberpleis – Stieldorf – Holtorf – Pützchen – Beuel – Bonn HbfPützchen – Beuel – Bonn Hbf – Südstadt – RöttgenGielgen – Pützchen – Beuel – Bonn Hbf – Duisdorf – Brüser BergGielgen – Pützchen – Beuel – Bonn Hbf – Duisdorf – Brüser BergHangelar – Pützchen – Limperich – Ramersdorf

Persönlichkeiten Leopold Bleibtreu (* 23. März 1777 in Neuwied; † 11. September 1839 in Pützchen), Bergwerks- und Fabrikbesitzer und Gründer der Alaunhütte auf der Holtorfer Hardt Isa Vermehren (* 21. April 1918 in Lübeck; † 15. Juli 2009 in Bonn), Kabarettistin, Filmschauspielerin und später Ordensschwester, leitete 1961 bis 1969 das Sankt-Adelheid-Gymnasium in Pützchen

Siehe auch Liste der Baudenkmäler im Bonner Ortsteil Pützchen-Bechlinghoven Liste der Wegekreuze und Bildstöcke im Bonner Ortsteil Pützchen-Bechlinghoven

Weblinks

Einzelnachweise

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